Sonntag, 30. Dezember 2012

[INTERVIEW] Robert Hunter über Chris Carter


Chris Carter
Mein Name ist Robert Hunter. Ich bin Teil einer kleinen, spezialisierten Einheit innerhalb der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall der Polizei von Los Angeles – der Homicide Special Section, oder HSS. Diese Einheit wurde gegründet, um sich ausschließlich mit Serienmorden, Fälle von großem öffentlichen Interesse und solchen, die ausgiebige Ermittlungen und Fachkenntnis verlangen. Aufgrund meines Hintergrundes in Kriminalpsychologie, wurde mir aufgetragen, eine noch spezialisiertere Gruppe zu leiten. Alle Mordfälle, die mit übermäßiger Brutalität oder Sadismus begangen wurden, werden durch die Mordkommission als UV (Ultra Violent) gekennzeichnet. Ich bin der Chef der UV Einheit.

Da ich die Hauptfigur in Chris Carters Buchreihe bin, bin ich in allen vier bisher erschienenen Büchern vertreten.

Ich denke, es ist eine gute Idee, zur Abwechslung einmal mich (die Figur) zu fragen, was ich vom Autor halte. Mir gefällt dieser Ansatz.

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in ihr/sein Gesicht.
1. Was können Sie uns zu Chris Carter sagen - los, was müssen wir wissen?

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Informationen ich geben kann. Chris ist ein Rätsel, selbst für mich. Ich weiß, dass ich einige seiner Eigenheiten geerbt habe. Zum Beispiel ist auch Chris ein ehemaliger Kriminalpsychologe. Wir leiden beide an Schlafstörungen. Wir leben beide freiwillig allein. Wir sind beide der stille Typ und wir sind beide lieber allein. Wir sind beide gute Zuhörer und aufmerksam. Wir arbeiten beide zu hart. Wir mögen beide Rockmusik. Es gibt weitere kleine Ähnlichkeiten, aber ich denke, diese gibt es zwischen jedem Autor und seiner/ihrer Hauptfigur.

Ich weiß auch, dass Chris in Brasilien geboren wurde, das Land aber als Teenager direkt nach dem Schulabschluss verließ und in die USA zog, wo er zur Universität ging. Nach dem Abschluss arbeitete er sieben Jahre als Kriminalpsychologe. Während dieser Zeit bearbeitete er hunderte an Fällen von Serientätern (Mördern, Vergewaltigern, Brandstiftern, etc.) zu kleineren (Gelegenheitsdiebstahl, Kleptomanen, etc.) Dann änderte er eines Tages seine Meinung und entschied sich, Rockgitarrist zu werden. Zu diesem Zeitpunkt zog er nach Los Angeles.

Heute lebt er in London.

2. Aha, Sie beneiden Chris also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?

Ich glaube Chris kann öfter feiern als ich. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, auszugehen, ich habe nur nicht oft die Möglichkeit dazu. Chris dagegen geht fast jedes Wochenende in Clubs und dergleichen. Er feiert gern. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit dafür.

3. Das hört sich so an, als würde Chris nicht ununterbrochen schreiben - was macht er denn in dieser Zeit?

Er arbeitet viel, aber er hat gelernt, die Arbeit von seinem Privatleben zu trennen. Er arbeitet unter der Woche, aber an den Wochenenden legt er die Arbeit zur Seite und rührt sie bis zum Wochenanfang nicht wieder an.

Chris liest viel. Er trägt ständig ein Buch mit sich herum. Er spielt auch gern Gitarre. Vor vielen Jahren war er ein professioneller Gitarrist und auch wenn er nicht mehr in Bands spielt (keine Zeit), spielt er noch gerne zu Hause, einfach so aus Spaß.

4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert er nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?

Ich bin mir nicht sicher, ob er eines hat. Wenn er eines hat, würde ich sagen, ist es sein Vater. Sein Vater war Arzt, kein Schriftsteller, aber ich weiß, dass Chris zu ihm aufgesehen hat. Er war auch ein ruhiger Mann, sehr ruhig, hat nie die Beherrschung verloren. Chris hat das sehr an ihm bewundert.

5. Gibt es Rituale, die Chris beim Schreiben anwendet? Hängt er bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?

Keine Rituale als solche, aber er hält sich an eine Routine. Er steht jeden Tag um 6.00 Uhr auf und geht ins Fitnessstudio, so startet er in den Tag. Dann beginnt er gegen 8.30 Uhr zu schreiben, macht etwa zwei Stunden später eine Pause und geht in den Supermarkt um die Lebensmittel für den Tag zu kaufen (er ist eher der tägliche Einkäufer im Gegensatz zu jemandem, der für die ganze Woche einkauft). Wenn er zurückkommt, geht es zurück ans Schreiben und arbeitet in der Regel bis 18.00 oder 19.00 Uhr.

Er liebt Musik, aber er hört sie nicht, während des Schreibens. Es lenkt ihn ab.

Keine berauschenden Nahrungsmittel, er hält sich ganz gut an seine Diät. Aber er trinkt Latte. Er trinkt etwa drei Stück am Tag.

6. Wie kam Chris auf Ihre Spur?

Nun, da war ein wenig Arbeit im Spiel. Ich schätze, der größte Teil meines Charakters war da, aber erst, nachdem sein Agent, Darley Anderson, den ersten Entwurf des Manuskripts des ersten Romans – Der Kruzifix-Killer – gelesen und einige Änderungen vorgeschlagen hat, hatte Chris eine klarere Vorstellung von der Richtung in die er mich leiten wollte. Aber die Wahrheit ist, dass er mich mit jedem Buch ein wenig weiter entwickelt.

7. Wissen Sie, ob er sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen seine Geschichten immer so?

Seine Ideen kommen von nur ein oder zwei Sätzen. Zum Beispiel bei seinem zweiten Buch – Der Vollstrecker. Die Idee dahinter war - »Ein Killer, der die Angst seiner Opfer nutzt, um sie zu töten.« Das war alles, was er hatte, als er sich hinsetzte um es zu schreiben. All seine Romanideen werden auf die selbe Art und Weise entwickelt, keine längeren Notizen oder Outlines.

Seine Opfer, wie all seine Charaktere, kommen zu ihm, während er die Story entwickelt. Chris entwirft seine Geschichten nicht (er bevorzugt es, den Plot zu entwickeln, während er schreibt). Deshalb denkt er sich seine Charaktere nicht vorher aus. Wenn der Plot nach einem neuen schreit, erschafft er ihn. Es ist ein sehr organischer Prozess.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Chris?

Wie gesagt, ich bin die Hauptperson in all seinen bisherigen Büchern. Ich denke, ich kenne ihn länger, als irgendein anderer Charakter.

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird er als Nächstes tun? Woran arbeitet er wohl gerade? Heckt er einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?

So wie ich Chris kenne, wird er einfach weiterarbeiten, einen Tag nach dem anderen.

Er hat gerade seinen fünften Roman beendet, welcher in Großbritannien im August 2013 veröffentlicht werden soll.

Ich glaube nicht, dass er die Weltherrschaft anstrebt, aber ich bin mir sicher, er würde nicht »nein« sagen, wenn es passieren sollte.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...


10. Ein herzliches Dankeschön an Robert Hunter für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Robert gesagt wurde.

Ich schätze, Hunter kennt mich besser, als ich erwartet hatte.

Es gibt keine Korrekturen, die ich machen möchte. Seine Antworten treffen den Nagel ziemlich auf den Kopf.

Zum Abschluss möchte ich Danke dafür sagen, dass Robert Hunter die Chance hatte, ein paar zu sagen. Das war sein allererstes Interview und er hat es sehr genossen.


Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage oder Facebookseite.


 Das Original auf Englisch gibt es unter dem Cut

Sonntag, 16. Dezember 2012

[INTERVIEW] Xemerius über Kerstin Gier



Kerstin Gier

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also Xemerius, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?


1. Stell uns Kerstin Gier doch erst einmal kurz vor.

Kerstin Gier? Ich dachte, hier geht es um MICH! Aber gut, Kerstin Gier ist eine mittelalte (an manchen Tagen sieht sie echt aus wie hundert, dafür benimmt sie sich öfter mal wie eine 12jährige - das gleicht sich aus...) Autorin, deren Erfolg maßgeblich auf Büchern beruht, in denen ICH vorkomme. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Haus in einem Dorf, in dem GAR NICHTS passiert. Aber wenigstens gibt es hier Katzen. Die Familie ist eigenartig, vor allem der Ehemann. Er behauptet hartnäckig, mich gäbe es gar nicht. Blöder Ignorant.

2. Was denkst du über Kerstin, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Hallo? Wollten wir nicht über mich reden? Was ich denke? Sie ist okay. Es gibt ja nicht viele Menschen, die mich sehen UND hören können, deshalb will ich nicht meckern, mit ihr kann man wenigstens reden. Sie könnte sich allerdings ein bisschen mehr um mich kümmern als um ihre Familie und ihre Arbeit und die Probleme ihrer Freunde, ich bin so niedlich!!! Und ich hasse es, wenn sie mich anschnauzt, ich solle mich nicht so auf der Tastatur rumfläzen. Aber was soll ich machen? In ihrem nächsten Buch komme ich nicht vor. Ich meine - spinnt die jetzt oder was?

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
 
Im Wesentlichen vor sich hinglotzen. Stundenlang. Sie starrt ins Leere und murmelte Sachen vor sich hin. Manchmal flucht sie auch. Und dann macht sie eben den ganzen langweiligen Kram, den langweilige Menschen halt so machen, Freunde treffen, telefonieren, ins Kino gehen, Klavier spielen, Hausarbeit, Gartenarbeit, kochen, einkaufen, auf dem Laufband "laufen" (bei ihr müsste es eigentlich Kriechband heißen) und natürlich lesen. Wie ein einziger Mensch so viele Bücher lesen kann, in denen ich nicht vorkomme, ist mir ein Rätsel.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

Ich würde sagen, ICH bin ihr Vorbild. So schlagfertig wie ich wäre sie auch mal gern. Na ja, und außer mir findet sie Menschen toll, die gute Laune und Lebensfreude verbreiten. (Also auch wie ich, eigentlich. Nur dass ich ein Dämon bin. Oder vielmehr der Geist eines Dämons. Aber ein sehr gut gelaunter, der jede Menge Lebensfreude verbreitet.)

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Kerstin Gier beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Ja, leider! Wir haben nämlich nicht unbedingt den gleichen Musikgeschmack. Sie hört nur so Musik, bei der sich andere die Pulsadern aufschlitzen würden. Also wenn ich nicht schon tot wäre ... Und was das Essen angeht: Bis zum Kühlschrank hinunter in der Küche sind es zwei lange Treppen - und trotzdem steht sie andauernd auf, um dahinzulaufen. Meistens macht sie den Kühlschrank aber wieder zu, ohne etwas rauszunehmen, manchmal murmelt sie dabei so was wie: "Huch, was wollte ich eigentlich hier?" - als ob sie schlafwandeln würde.

6. Wie hast du sie kennengelernt?

Ich hab sie gefunden, als sie noch ganz klein war. Ein kleines, dünnes, ziemlich hässliches Mädchen mit einer unglaublichen Eulenbrille und Sommersprossen auf der Nase. Wartet mal, ich finde bestimmt ein Foto ... hahaha - ist das nicht ulkig? Jedenfalls war sie zuerst ganz entzückt, dass sie einen unsichtbaren Freund hatte. Später wurde sie ein wenig undankbarer, angeblich habe ich gestört, wenn sie sich mit ihrem Freund getroffen hat (aber der war nichts für sie, da musste ich einfach stören!) und bis heute behauptet sie, sie habe ihre Englischabiturklausur versaut, weil ich auf ihrem Tisch gesessen und Gedichte deklamiert habe. Aber erstens hatte sie trotzdem eine 2 minus und zweitens waren das ENGLISCHE Gedichte. Ach ja, das waren noch Zeiten!
Unfassbar, wie lange es gedauert hat, bis sie mich endlich mal in einem Roman verarbeitet hat.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

Nein, ich bin, soviel ich weiß, die einzige Figur, die es auch "in echt" gibt, alle anderen erfindet sie immer.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Kerstin so besonders?

Na ja, weil, erstens hat sie keine Zeit, weil sie ja gerade schreibt (bzw Löcher in die Gegend starrt) und zweitens bin ich ja wohl tausendmal interessanter als sie. Hallo? Unsichtbar? Dämon? Kann durch Wände gehen und fliegen und ... alles mögliche?? Tsss. Während Kerstin so ungefähr GAR NICHTS Interessantes macht, außer rumsitzen und siehe oben. Na ja, aber sie hat mich einfach schrecklich lieb und könnte ohne mich leben. Sie sagt, wenn ich nicht gewesen wäre, wäre Smaragdgrün eine schrecklich kitschige Schnulze geworden. Bin natürlich immer froh, gebraucht zu werden.
 
9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Kerstin Gier bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Also ehrlich, langsam kommt mir der Verdacht, das ganze 
Gespräch dreht sich nur um das schreibende, blonde Dickerchen. Das schreibt gerade an einen neuem Jugendbuch. In welchem ich nicht vorkomme, aber dafür eine sprechende Steinfigur namens 
Fat Freddy. Ich hasse den Kerl. Ist so eine Mischung aus Vogel 
und Löwe, superkitschig. Das Buch erscheint irgendwann 
nächstes Jahr, ein Titel steht noch nicht fest. Obwohl ich tolle Vorschläge hatte. "Doofer, dicker Freddy!" "Oder "Das Buch 
ohne Xemerius" - aber tja - auf mich hört ja keiner. Die Zukunft sieht aber hoffentlich trotzdem rosig aus, denn ich hoffe, wir 
ziehen ganz bald aus diesem langweiligen Dorf in ein altes Haus 
mit einem Turm an einem See, wo es richtig viele Gespenster 
gibt, mit denen ich mir die Zeit vertreiben kann. Da kann Dickerchen weiterschreiben, was anderes will sie ja sowieso nicht.

10. Ein herzliches Dankeschön an Xemerius für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Xemerius gesagt wurde.

Ich glotze nicht vor mich hin - schon gar nicht stundenlang. Ich ... denke. Viele liebe Grüße!!
Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage.

Freitag, 5. Oktober 2012

[INTERVIEW] Franklin über Stefanie Maucher


Stefanie Maucher

Heutiger Interviewpartner ist Franklin, der Protagonist des nach ihm benannten Romans „Franklin Gothic Medium“ von Stefanie Maucher. Erhältlich ist er bei Amazon, sowohl als Taschenbuch wie auch als Ebook. Franklin ist Feinschmecker, Meisterkoch und Menschenliebhaber, nicht abgeneigt gegenüber fleischlichen Genüssen. Er kann sich überhaupt nicht entscheiden, welche Teile seiner Mitmenschen er am liebsten mag. Ein Mann mit Herz – unzählige davon lagert er in seinen mannshohen Kühlschränken. Er liebt klassische Musik und Kerzenlicht ebenso wie die Schreie seiner Opfer. Besonders, wenn sie sich langsam dem hohen C nähern. Selbst sieht er sich als toleranten Menschen, neu- und wissbegierig, aufgeschlossen und innovativ. Doch schneidet er sich lieber eine Scheibe von anderen ab, als von sich selbst. Wir treffen den Protagonisten an der Haustür und obwohl er uns nicht einlassen möchte, erklärt er sich bereit, uns ein paar Fragen zu beantworten. „Aber nur“, sagt er, während er einen ängstlich wirkenden Blick über die Schulter wirft, “wenn es schnell geht.“

1. Stell uns Stefanie Maucher doch erst einmal kurz vor.
Stefanie Maucher ist, im Vergleich zu mir, eine relativ unspektakuläre und geschmacklose Person. Sie schreibt Bücher – frei erfundene Thriller und Horrorgeschichten, die keinesfalls als so weltverändernd betrachtet werden können wie das kannibalische Kochbuch, an dem ich momentan arbeite. Auch in der Küche reichen ihre Leistungen nicht an die meinen heran. Sie ist 36, noch zart genug, um die Geschmacksknospen zu reizen und auch für das Auge, das bekanntlich mitisst, ist sie ein Schmaus. Ich könnte sie mir gut mit einer Rotweinsauce und ein paar Knödeln vorstellen.

2. Was denkst du über Stefanie, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich selbst bin nicht mehr der Jüngste, leide unter kreisrundem Haarausfall, dementsprechend neide ich ihr das volle, hüftlange Haar. Und obwohl ich ihre direkte, unverblümte und unkonventionelle Art einerseits mag und Respekt für ihre Art mit Worten zu spielen empfinde – nicht zuletzt, weil sie mir Leben einhauchten – wünschte ich mir des Öfteren, ihr Mundwerk ließe sich leichter zügeln. Sie hat einen ganz schönen Dickkopf und versucht meistens, diesen auch durchzusetzen. Das macht das Leben mit ihr nicht immer unbedingt einfach.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie meinen, außer mir ständig damit in den Ohren zu liegen, dass ich mich nicht gut genug verkaufe? Nun, noch hat sie ihren Job nicht aufgegeben. Und natürlich kümmert sie sich auch um ihre Familie. Nicht auszudenken, was ihre zwei pubertierenden Töchter ohne ihre strenge mütterliche Hand täten. Vermutlich gar nichts. Mit ihrem Partner teilt sie ihre Leidenschaft für Filme, Musik und Literatur, was ihr einen Ausgleich zum Alltag zu bieten scheint. Ich würde noch mehr ins Detail gehen, aber sie möchten nicht wirklich wissen, wie Frau Maucher klingt, wenn sie unter der Dusche singt. Glauben Sie mir!

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Künstlerisches Vorbild träfe es wohl eher. Stefanie wäre gern ebenso reich wie Dali, vor allem, um sich seine Exzentrik leisten zu können. So malen können wie er würde sie auch gern. Ich mag ja die Bilder von Rubens lieber – da ist mehr Fleisch dran. Ansonsten bewundert sie die innere Heiterkeit des Dalai Lamas und die kreative Schreibweise von Mark Z. Danielewski. Und auch wenn sie es nie so direkt geäußert hat, bin ich mir sicher, sie bewundert meine Kochkunst - denn wer tut das nicht?

5. Gibt es Rituale, die Stefanie beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Nein, nicht wirklich, Stefanie ist da flexibel. Muss sie auch sein, denn vollkommene Stille herrscht hier nur selten. Sie wissen schon, das Schreien der Opfer, das Winseln, das Flehen… Manchmal hört sie Musik dazu, manchmal auch nicht. Und was gespielt wird, das scheint bei ihr von der Laune abhängig zu sein. Mal ist es Bachs „Air on a G-String“, was ich sehr genieße, dann wieder neumodischer Kram, der mir die Zehennägel aufrollt. Ihr Geschmack ist da breit gefächert. Oft vergisst sie das Essen dabei völlig und muss zum Kochen genötigt werden. Wenn es nach ihr ginge, würde sie nachts leben und schreiben und sich dabei ausschließlich von Red Bull ernähren.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Eigentlich durch puren Zufall. Ihr Lebensgefährte war daran nicht ganz unbeteiligt. Er hinterließ ihr, bevor er für längere Zeit ins Krankenhaus musste, einen Gedankenfetzen, den er in einem Word-Dokument hinterlegte. Den spann sie weiter, begann in einer einsamen Minute einfach drauf los zu schreiben, ohne wirkliches Ziel. Diese Planlosigkeit habe ich erkannt und mir zu Nutze gemacht, die Geschichte infiltriert und zu meiner eigenen gemacht. Und wissen Sie, was am komischsten daran ist? Stefanie glaubt wirklich, sie wäre ihr ganz allein eingefallen.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen?
Unsere Beziehung ist da schon einzigartig. Ihr nächstes Buch „Kalte Berechnung“ ist zwar sehr spannend, man meint förmlich, im Kopf der Protagonistin zu stecken, aber sie so zu überrumpeln, das gelang nur mir. Seit sie meine Geschichte niederschrieb, hat Stefanie sich weiterentwickelt. Geht nun viel professioneller und geplanter an die Sache heran. Davon kann man nun halten, was man möchte. Sie hat sich ein neues Thema gesucht und war erfolgreich bei der Verlagssuche. Sie sagt, Geschichten mit Moral verkaufen sich besser und was ich machen würde, wäre vielen Menschen einfach zu extrem und zu ekelhaft. Dabei haben die noch nicht mal probiert.
[Anmerkung der Redaktion: Der Protagonist zieht einen kindischen Schmollmund und verschränkt bockig die Arme.]

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Stefanie so besonders?
[Anm. der Red.: Franklin lacht dreckig, bevor er antwortet.] Den Ersten vergisst man nie!
Als ihre erste Romanfigur habe ich natürlich einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Ich war ihr Experiment, sich vollkommen in einen Charakter hineinzudenken, der keineswegs der Norm entspricht, sich dabei aber ganz normal fühlt. Sich streckenweise sogar selbst dann als äußerst human und mitfühlend empfindet, wenn er etwas eigentlich Grausames tut. Ein Protagonist, der seinen eigenen Vorstellungen von Gut und Böse folgt, ein ganz eigenes Weltbild hat und den bei seinen Taten auch nicht mehr Gewissensbisse plagen, als einen Bauern, der Nutzvieh hält, von seiner artgerechten Tierhaltung überzeugt ist und es am Ende schlachtet. Stefanie selbst ist und isst überhaupt nicht so, weshalb mein Charakter, so wie sie ihn beschrieben hat, schon etwas Besonderes für sie darstellt.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Stefanie bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Im Juli hat Stefanie ihr erstes Verlagswerk veröffentlicht, welches sie fälschlicherweise, denn schließlich war ich zuerst da,  als ihr „eigentliches Debut“ bezeichnet. Beim dotbooks-Verlag. Mit Lektorat. Und die Kritiken sind ganz toll. „Ein super Einstieg als Newcomer-Autorin“ wär das, hat sie sich sagen lassen. Ich bin da ganz anderer Meinung. Ich mag das Buch nicht. Keine Rezepte, keine Ratschläge zur Haltung, kein literarischer Wert, wenn Sie mich fragen. Setzt nur auf Spannung und darauf, den Leser atemlos zurückzulassen, danach hechelnd, noch mehr von ihr lesen zu dürfen. Reine Effekthascherei! Aber sie hat sich an der Idee festgebissen, meint auf dem richtigen Weg zu sein und schreibt nun an einem Roman, wieder für den dotbooks-Verlag. Soll noch spannender und länger werden, als das letzte Buch, sagt sie, wenn sie mal flüchtig aufblickt und mich überhaupt beachtet.

10. Ein herzliches Dankeschön an Franklin für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Franklin gesagt wurde.
Hat er Sie belästigt? Ich hatte ihm verboten, an die Tür zu gehen, wenn es klingelt. Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Ich möchte keinen Staubsauger kaufen und brauche auch kein Zeitschriftenabonnement.
[Anm. der Red.: Die Autorin knallt die Tür zu.]

 Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage.

Mittwoch, 29. August 2012

[INTERVIEW]Tagus über Nina Hansemann



Nina Hansemann

Tagus ist der Leiter der Bruderschaft und beschützt normalerweise die Welt vor magischen Kreaturen, heute wird er ausnahmsweise ein Interview für Nina Hansemann führen. In ihrem Roman „Feennacht“ spielt er zwar nicht die Hauptrolle, aber er weiß über alles und jeden Bescheid, bzw. hat Mittel und Wege dies herauszufinden. Wichtig in seinem Job ist die Geheimhaltung, deshalb ist es wohl überflüssig zu fragen, was er von einem Interview hält.


1. Stell uns Nina Hansemann doch erst einmal kurz vor.
Sie ist ein Mensch, der versucht sein Leben zu meistern.
(er mustert sein Gegenüber einige Augenblicke)
Ich soll noch mehr sagen … Sie ist Ende Zwanzig, verbringt viel Zeit vorm Rechner, entwürft neue Geschichten und schreibt sie auf. Außerdem liest sie gerne und liebt das Reisen, da findet sie besonders viel Inspiration.


2. Was denkst du über Nina, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Sie ist vertrauenswürdig, das mag ich an ihr. Sie könnte gut Augen und Ohren für die Bruderschaft sein. Eine Waffe würde ich ihr allerdings niemals in die Hand geben, dafür fehlt ihr das Training, zehn Jahre mindestens, die holt sie niemals auf. Das ist auch besser so, eine Frau reicht, hinter der ich aufräumen muss, weil sie genau das Gegenteil von dem tut, was ich ihr beigebracht habe, einer zweiten bedarf es nicht.
Neudisch bin ich nicht auf sie, wir sind zwei vollkommen unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Leben und mit meinem bin ich sehr zufrieden. Ich habe keinen Grund auf sie oder auf sonst igrendjemanden neidisch zu sein. Im Übrigen habe ich den Neid schon vor vielen Jahren abgelegt. Mein Leben hat sich seitdem verändert, ich habe es selbst in die Hand genommen.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr/ihm, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie plant nicht irgendwelche magischen Wesen zu befreien oder das Tor zu zerstören, wenn sie das Haus verlässt oder sich mit anderen Dingen außer dem Schreiben beschäftigt, somit interessiert es mich nicht, was sie sonst so treibt. Es fällt nicht in meinen Aufgabenbereich. Sollte sich das natürlich ändern, werde ich sie sofort überwachen lassen, aber bislang schien mir das unnötig. Ich fange an, die Privatsphäre von anderen zu respektieren. Ich gebe mir zumindest Mühe.


4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Soweit ich weiß nicht. Ich denke, sie will einfach nur sie selbst sein.
 

5. Gibt es Rituale, die Nina beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Beim Schreiben braucht sie drei Dinge: Dunkelheit, Musik und eine Flasche Mineralwasser. Wenn sie sich erstmal eine Playlist zusammengestellt hat, bleibt es auch monatelang dabei. Hin und wieder kommt dann neue Musik hinzu und einige Stücke werden rausgelöscht. Es ist selten, dass sie etwas komplett anderes hört, kommt aber auch vor. Etwas zu essen steht nie in Reichweite. Schokolade ist zwar fast immer im Kühlschrank, aber daran vergreift sie sich wenn nur in den kreativen Pausen.


6. Wie hast du sie kennengelernt?
Sie hat mich vor einigen Jahren bei einem Waldspaziergang aufgegabelt. Allerdings wussten wir lange Zeit nicht, was wir voneinander halten sollten, wir sind nämlich beide sehr verschwiegene Personen. Inzwischen weiß sie aber alles über mich, kennt jedes meiner Geheimnisse, jedes noch so kleinste Ereignis in meinem Leben und kann somit auch mein Handeln nachvollziehen, auch wenn sie es selten gutheißt. Meine Methoden mögen ihr manchmal etwas radikal erscheinen, aber ich weiß, was das Beste für diese Welt ist, ich habe Erfahrung darin. Ich bin ihr allerdings dankbar, dass sie meine Vergangenheit nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten hat und ihre Aufmerksamkeit Leila und Luthias galt.


7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Das ist immer unterschiedlich. Manche Charaktere findet sie, mache finden sie.


8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Nina so besonders?
Das frage ich mich auch. Den Leiter einer geheimen Organisation lässt man kein Interview führen, da kann man ja gleich ein Schild aufstellen und eine Touristenatraktion daraus machen. Ändern kann ich es jetzt allerdings auch nicht mehr, also versuche ich das Beste daraus zu machen. Sollte es nötig sein, kann ich notfalls immer noch meine Kontakte nutzen, um das anschließend alles zu vertuschen.
Ich denke, sie hat mich ausgewählt, weil wir uns schon lange kennen und ich weiß mit Informationen umzugehen. Ich bin keine Plaudertasche, das schätzt sie wohl an mir … Na ja, und ich war gerade verfügbar.


9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Nina bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Sie hat zu viele Ideen, viel zu viel, hat sich jetzt jedoch auf zwei beschänkt. Ich darf allerdings nicht zuviel verraten, bei Projekten, an denen sie arbeitet, ist sie sehr zurückhaltend. Sie spricht meist erst darüber, wenn es etwas Konkretes zu erzählen gibt. So sehr ich diese zurückhaltende und verschwiegene Art auch an ihr mag, als Autorin ist das vielleicht nicht ganz so vorteilhaft. Da sollte man den Leuten die Projekte schon etwas schmackhaft machen (räuspert sich)
Aber ich habe mir ja vorgenommen, das Verhalten anderer zu akzeptieren, auch wenn es nicht immer das Beste für sie ist. Ich denke jedoch, dass Nina nichts dagegen hat, wenn ich sage, dass sie derzeit an zwei sehr unterschiedlichen Geschichten arbeitet. Beide werden wohl wieder romantisch, die eine mehr, die andere weniger, aber dafür recht düster.
Wenn ich beide Geschichten in einem Satz zusammenfasse, käme sowas heraus wie ‚Freiheitskämpferin mit Doppelleben trifft auf rachsüchtigen Hexenmeister‘.


10. Ein herzliches Dankeschön an Tagus für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Tagus gesagt wurde.
Bei der ein oder anderen Sache gibt es sicher noch Diskussionsbedarf, aber es ist Tagus sein Interview, da mische ich mich nicht ein. Alles in allem hat er mich aber gut vertreten.



Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...