Sonntag, 30. Dezember 2012

[INTERVIEW] Robert Hunter über Chris Carter


Chris Carter
Mein Name ist Robert Hunter. Ich bin Teil einer kleinen, spezialisierten Einheit innerhalb der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall der Polizei von Los Angeles – der Homicide Special Section, oder HSS. Diese Einheit wurde gegründet, um sich ausschließlich mit Serienmorden, Fälle von großem öffentlichen Interesse und solchen, die ausgiebige Ermittlungen und Fachkenntnis verlangen. Aufgrund meines Hintergrundes in Kriminalpsychologie, wurde mir aufgetragen, eine noch spezialisiertere Gruppe zu leiten. Alle Mordfälle, die mit übermäßiger Brutalität oder Sadismus begangen wurden, werden durch die Mordkommission als UV (Ultra Violent) gekennzeichnet. Ich bin der Chef der UV Einheit.

Da ich die Hauptfigur in Chris Carters Buchreihe bin, bin ich in allen vier bisher erschienenen Büchern vertreten.

Ich denke, es ist eine gute Idee, zur Abwechslung einmal mich (die Figur) zu fragen, was ich vom Autor halte. Mir gefällt dieser Ansatz.

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in ihr/sein Gesicht.
1. Was können Sie uns zu Chris Carter sagen - los, was müssen wir wissen?

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Informationen ich geben kann. Chris ist ein Rätsel, selbst für mich. Ich weiß, dass ich einige seiner Eigenheiten geerbt habe. Zum Beispiel ist auch Chris ein ehemaliger Kriminalpsychologe. Wir leiden beide an Schlafstörungen. Wir leben beide freiwillig allein. Wir sind beide der stille Typ und wir sind beide lieber allein. Wir sind beide gute Zuhörer und aufmerksam. Wir arbeiten beide zu hart. Wir mögen beide Rockmusik. Es gibt weitere kleine Ähnlichkeiten, aber ich denke, diese gibt es zwischen jedem Autor und seiner/ihrer Hauptfigur.

Ich weiß auch, dass Chris in Brasilien geboren wurde, das Land aber als Teenager direkt nach dem Schulabschluss verließ und in die USA zog, wo er zur Universität ging. Nach dem Abschluss arbeitete er sieben Jahre als Kriminalpsychologe. Während dieser Zeit bearbeitete er hunderte an Fällen von Serientätern (Mördern, Vergewaltigern, Brandstiftern, etc.) zu kleineren (Gelegenheitsdiebstahl, Kleptomanen, etc.) Dann änderte er eines Tages seine Meinung und entschied sich, Rockgitarrist zu werden. Zu diesem Zeitpunkt zog er nach Los Angeles.

Heute lebt er in London.

2. Aha, Sie beneiden Chris also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?

Ich glaube Chris kann öfter feiern als ich. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, auszugehen, ich habe nur nicht oft die Möglichkeit dazu. Chris dagegen geht fast jedes Wochenende in Clubs und dergleichen. Er feiert gern. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit dafür.

3. Das hört sich so an, als würde Chris nicht ununterbrochen schreiben - was macht er denn in dieser Zeit?

Er arbeitet viel, aber er hat gelernt, die Arbeit von seinem Privatleben zu trennen. Er arbeitet unter der Woche, aber an den Wochenenden legt er die Arbeit zur Seite und rührt sie bis zum Wochenanfang nicht wieder an.

Chris liest viel. Er trägt ständig ein Buch mit sich herum. Er spielt auch gern Gitarre. Vor vielen Jahren war er ein professioneller Gitarrist und auch wenn er nicht mehr in Bands spielt (keine Zeit), spielt er noch gerne zu Hause, einfach so aus Spaß.

4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert er nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?

Ich bin mir nicht sicher, ob er eines hat. Wenn er eines hat, würde ich sagen, ist es sein Vater. Sein Vater war Arzt, kein Schriftsteller, aber ich weiß, dass Chris zu ihm aufgesehen hat. Er war auch ein ruhiger Mann, sehr ruhig, hat nie die Beherrschung verloren. Chris hat das sehr an ihm bewundert.

5. Gibt es Rituale, die Chris beim Schreiben anwendet? Hängt er bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?

Keine Rituale als solche, aber er hält sich an eine Routine. Er steht jeden Tag um 6.00 Uhr auf und geht ins Fitnessstudio, so startet er in den Tag. Dann beginnt er gegen 8.30 Uhr zu schreiben, macht etwa zwei Stunden später eine Pause und geht in den Supermarkt um die Lebensmittel für den Tag zu kaufen (er ist eher der tägliche Einkäufer im Gegensatz zu jemandem, der für die ganze Woche einkauft). Wenn er zurückkommt, geht es zurück ans Schreiben und arbeitet in der Regel bis 18.00 oder 19.00 Uhr.

Er liebt Musik, aber er hört sie nicht, während des Schreibens. Es lenkt ihn ab.

Keine berauschenden Nahrungsmittel, er hält sich ganz gut an seine Diät. Aber er trinkt Latte. Er trinkt etwa drei Stück am Tag.

6. Wie kam Chris auf Ihre Spur?

Nun, da war ein wenig Arbeit im Spiel. Ich schätze, der größte Teil meines Charakters war da, aber erst, nachdem sein Agent, Darley Anderson, den ersten Entwurf des Manuskripts des ersten Romans – Der Kruzifix-Killer – gelesen und einige Änderungen vorgeschlagen hat, hatte Chris eine klarere Vorstellung von der Richtung in die er mich leiten wollte. Aber die Wahrheit ist, dass er mich mit jedem Buch ein wenig weiter entwickelt.

7. Wissen Sie, ob er sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen seine Geschichten immer so?

Seine Ideen kommen von nur ein oder zwei Sätzen. Zum Beispiel bei seinem zweiten Buch – Der Vollstrecker. Die Idee dahinter war - »Ein Killer, der die Angst seiner Opfer nutzt, um sie zu töten.« Das war alles, was er hatte, als er sich hinsetzte um es zu schreiben. All seine Romanideen werden auf die selbe Art und Weise entwickelt, keine längeren Notizen oder Outlines.

Seine Opfer, wie all seine Charaktere, kommen zu ihm, während er die Story entwickelt. Chris entwirft seine Geschichten nicht (er bevorzugt es, den Plot zu entwickeln, während er schreibt). Deshalb denkt er sich seine Charaktere nicht vorher aus. Wenn der Plot nach einem neuen schreit, erschafft er ihn. Es ist ein sehr organischer Prozess.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Chris?

Wie gesagt, ich bin die Hauptperson in all seinen bisherigen Büchern. Ich denke, ich kenne ihn länger, als irgendein anderer Charakter.

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird er als Nächstes tun? Woran arbeitet er wohl gerade? Heckt er einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?

So wie ich Chris kenne, wird er einfach weiterarbeiten, einen Tag nach dem anderen.

Er hat gerade seinen fünften Roman beendet, welcher in Großbritannien im August 2013 veröffentlicht werden soll.

Ich glaube nicht, dass er die Weltherrschaft anstrebt, aber ich bin mir sicher, er würde nicht »nein« sagen, wenn es passieren sollte.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...


10. Ein herzliches Dankeschön an Robert Hunter für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Robert gesagt wurde.

Ich schätze, Hunter kennt mich besser, als ich erwartet hatte.

Es gibt keine Korrekturen, die ich machen möchte. Seine Antworten treffen den Nagel ziemlich auf den Kopf.

Zum Abschluss möchte ich Danke dafür sagen, dass Robert Hunter die Chance hatte, ein paar zu sagen. Das war sein allererstes Interview und er hat es sehr genossen.


Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage oder Facebookseite.


 Das Original auf Englisch gibt es unter dem Cut




My name is Robert Hunter.  I am part of a small, specialized unit within the Los Angeles Police Department’s Robbery Homicide Division – the Homicide Special Section, or HSS. The unit was created to deal solely with serial, high profile and homicide cases requiring extensive investigative time and expertise.  Due to my background in Criminal Behaviour Psychology, I was asked to head an even more specialized group.  All homicides where overwhelming brutality or sadism was used by the perpetrator are tagged as UV (Ultra Violent), by the RHD.  I am the head of the UV Unit.

Since I am the main character in Chris Carter’s book series, I have appeared in all four of his books to date.

I think that it is a good idea to ask me (the character) about what I think of the author for a change. I like this approach.

The air in the small room is stifling. The lamp on the table is positioned to shine directly into Hunter’s face.

1. What can you tell us about Chris Carter? What do we need to know?

Not really sure how much information I am able to give.  Chris is sort of an enigma, even to me.  I do know that I have inherited some of his personality quirks.  For example – Chris is also an ex-criminal behaviour psychologist.  We both suffer from insomnia.  We both live alone by choice.  We’re both the quiet type, and we like to keep ourselves to ourselves.  We’re both good listeners, and very observant.   We both work too hard.  We both enjoy rock music...  There are other minor similarities as well, but I guess that happens between every author and his/her main character.

I also know that Chris was born in Brazil, but left the country in his teens, straight after graduating from high school, moving to the USA where he went to university.  After graduating, he worked as a criminal psychologist for seven years, during which he worked hundreds of cases ranging from serial criminals (murderers, rapist, arsonists, etc.) to minor ones (petty thefts, kleptomaniacs, etc.).  Then, one day, he had a change of mind and decided to become a rock guitarist.  That was when he moved to Los Angeles.

He now lives in London.

2. Ah, you are envious of Chris about something? Or worse, there is something you don't like at all about him? I think we might have found a motive for a crime here.

I guess Chris gets to party a lot more than I do.  Don’t get me wrong, I love going out, I just don’t get much of a chance to do it.  Chris, on the other hand, goes out to clubs and such, almost every weekend.  He likes to party.  I do wish I had more time to do that.

3. Sounds as though Chris is not writing the entire time – what else is he doing?

He does work a lot, but he has learnt how to separate his work from his personal life.  He works during the week, but at the weekends he puts the work aside and doesn’t touch it again until the beginning of the next week.

Chris reads a lot.  He’s always carrying a book with him.  He also likes playing guitar.  He used to be a professional guitarist many years ago, and though he doesn’t play in bands anymore (no time), he likes to play at home, just for fun.

4. A copycat? Does he have role models – concerning his writing or otherwise?

I am not sure he does.  If he has one, I would have to say it’s his father.  His father was a doctor, not a writer, but I know Chris looked up to him.  He was also a quiet man, very calm, never lost his temper with anything or anyone.  Chris admired that in him a lot.

5. Does Chris have rituals when he writes? Is he listening to ritualistic music or is he addicted on intoxicating food or something similar?

No rituals as such, but he sticks to a routine.  He gets up everyday at 6:00 a.m. and goes to the gym, that’s how he starts his day.  Then, he starts writing at around 8:30 a.m., has a break around two hours later and goes to the supermarket to buy his groceries for the day (he’s more of a daily shopper, as opposed to a whole week’s shopper).  When he gets back, he goes back to writing, and usually works until 6:00 or 7:00 p.m.

He loves music, but he doesn’t listen to any while writing.  It distracts him.
 
No real intoxicating foods, he’s pretty good with his diet.  He drinks lattes, though.  He has about three of those a day.

6. How did Chris get on to you?

Well, there was a little bit of work involved.  I guess the bulk of my character was there, but it was only after his agent, Darley Anderson, read his first draft for the manuscript of his first novel – The Crucifix Killer – and suggested a few changes, that Chris had a clearer idea of the direction he wanted me to take.  But the truth is that he develops me a little bit more with every book.

7. Do you know whether he chooses all of his/her victims in this way? Do all of his story ideas start out like this?

Actually his story ideas come from just one of two phrases.  For example, his second book – The Executioner.  The idea behind it was – “a killer who uses his victims fears to kill them.”  That was all he had when he sat down to write it.  All his book ideas are developed in the same way, no lengthy notes or outlines.

His victims, like all his other characters, come as the story develops. Chris doesn’t outline his stories at all (he prefers to allow the plot to develop as he goes along).  Because of that, he doesn’t pre-think a character.  If the plot calls for a new one, he creates them.  It is a very organic process.

8. So tell us, why are we interrogating you? What makes you so special to Chris?

As I said, I am the main character in all his books so far. I guess I’ve known him longer than any other character.

9. Let's take a closer look at the evidence: What will he do next? What is he working on? Is he striving for world domination? When will we receive further clues?

The way I know Chris, he will just carry on working, a day at the time.

He is just finishing his fifth novel at the moment, which is scheduled for release in hardback and digital media in the UK in August 2013.

I don’t think he is striving for world domination, but I am sure he wouldn’t say “no” if it happened.

Turns the lamp off and leans back in her chair …

10. A big thank you to Detective Hunter, for answering our questions. Now we want to offer the author the chance to say the final words in this interview or maybe to correct some of the answers Detective Hunter has given.

I guess Hunter knows me better than I’d expected.

There are no corrections I’d like to make.  His answers are pretty much on the money.

Finally, I would just like to say a big thank you for giving Robert Hunter a chance to say a few words.  This was his first ever interview, and he thoroughly enjoyed it.




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