Sonntag, 26. Mai 2013

[INTERVIEW] Jakob Roth über Yalda Lewin


Yalda Lewin
Jakob Roth ist die Hauptfigur in der Thriller-Reihe „Paranormal Berlin“. Als Hochsensibler bringt er seine Fähigkeiten ein, um mysteriöse Kriminalfälle in und um die Hauptstadt zu lösen. Sein erster Fall, „Die dunkle Seite des Weiß“, ist Ende Februar im Aeternica Verlag erschienen (eBook). Die Printausgabe erscheint im Juni im Editia Verlag.
Jakob ist ein Eigenbrötler mit trockenem Humor, der eigentlich am liebsten mit sich alleine ist. Die Chance, etwas über seine Autorin zu erzählen, kann er sich aber nicht entgehen lassen.


Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in sein Gesicht.

1. Was können Sie uns zu Yalda Lewin sagen - los, was müssen wir wissen?
Yalda ist 34 Jahre alt, lebt in Berlin und interessiert sich entsetzlicherweise eigentlich für alles. Und ganz ehrlich? Sie ist anstrengend. Ein Arbeitstier. Es gibt keine ruhige Minute, immer muss irgendetwas getan werden. Wir beide waren in letzter Zeit eindeutig zu oft in einem Raum, würde ich sagen. Andererseits ist sie einer der wenigen Menschen, der meine Hochsensibilität ohne Probleme respektiert. Das passiert mir nicht häufig.

2. Aha, Sie beneiden Yalda Lewin also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?
Ich mag es nicht, wenn sie ungeduldig wird. Manche Fälle brauchen eben ihre Zeit und Geschichten müssen sich entwickeln können. Gerade die paranormalen Kriminaldelikte, mit denen ich zu tun habe, erfordern eine besondere Herangehensweise. Und manchmal will Yalda einfach zu schnell zu viel. Dann geraten wir aneinander. Allerdings ist es nie so schlimm, dass sich das nicht bei einem gemütlichen Essen beim Vietnamesen wieder einrenken ließe. Ansonsten ist sie eine fürchterliche Gerechtigkeitsfanatikerin und will ständig die Welt verbessern. Manchmal gibt es dann auch Phasen, in denen Yalda scheinbar besseres zu tun hat, als sich um mich und meine Geschichte zu kümmern. Aber nach einer Weile melde ich mich dann. Das ist die Pflicht einer guten Romanfigur, oder? Ich kann doch nicht zulassen, dass sie das Schreiben vernachlässigt. Und ganz ohne einander können wir ohnehin schon lange nicht mehr. 

3. Das hört sich so an, als würde Yalda Lewin nicht ununterbrochen schreiben - was macht sie denn in dieser Zeit?
Yalda arbeitet als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt chinesische Medizin und ist außerdem noch freiberufliche Übersetzerin. Wenn sie nicht in ihrer Praxis oder am Schreibtisch ist, findet man sie entweder im Wald, an einem der Berliner Seen oder beim Tangotanzen. Tango argentino ist eine Leidenschaft von ihr. Und manchmal begleite ich sie auch auf die Milongas. Vielleicht hat sie mir die Begeisterung für den Tango angedichtet, ich bin mir da nicht sicher. Aber es gefällt mir. Auch, wenn ich viel lieber mit meiner Exfrau Mirella tanze, als mit meiner Autorin. Aber verraten Sie ihr das bitte nicht …

4. Ist Yalda Lewin eine Trittbrettfahrerin? Welchem Vorbild eifert sie nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?
Schwierige Frage. Ich bin mir sicher, dass Yalda jede Menge Vorbilder hat, aber sie redet nicht darüber. Wenn man in ihr Bücherregal sieht, dann findet man dort aber z.B. Werke von Fernando Pessoa, Sarah Kirsch, Milan Kundera, Vicki Baum und Max Frisch. Ich weiß, dass sie die heute fast vergessene Schriftstellerin und Journalistin Annemarie Schwarzenbach sehr verehrt. Und was Krimis und Thriller angeht, so gehört die David Hunter – Reihe von Simon Beckett zu ihren Favoriten.
Yalda ist außerdem begeistert von allem, was mit Medizin und Medizingeschichte zu tun hat und hat wirklich einen Vogel, was exakte Recherchen angeht. Sie kann Tage in Archiven und Bibliotheken verbringen. Ich bin zum Glück ähnlich, so dass wir uns miteinander nie langweilen.

5. Gibt es Rituale, die Yalda Lewin beim Schreiben anwendet? Hängt sie bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?
Yalda ist ursprünglich Musikwissenschaftlerin, aber beim Schreiben lenkt Musik sie ab. Es muss absolut still sein. Was dazu führt, dass ich weder meine Klarinette auspacken noch meine geliebten Louis-Armstrong-Platten hören kann, während sie am Schreibtisch sitzt. Sie hat ein Faible für Bitterschokolade und trinkt beim Schreiben gerne einen ganz bestimmten schwarzen Tee, den es hierzulande leider nicht gibt. Deshalb kommen gelegentlich Care-Pakete von Yaldas Familie in Dublin, um Nachschub zu sichern. Gegen ein gutes Glas Rotwein hat sie aber zum Glück auch nichts. Wieder eine Vorliebe, die wir teilen.

 
6. Wie kam Yalda Lewin auf Ihre Spur?
Tja. Wir sind einander so ins Leben gestolpert. Ich war gerade ein wenig orientierungslos, was meine berufliche Zukunft angeht, und Yalda haderte mit ihrem Schreiben. An einem regnerischen Novembernachmittag sind wir uns dann in Berlin Kreuzberg über den Weg gelaufen. Man könnte sagen, es hat sofort gefunkt. Ich mag ihren Humor. Und ich glaube, sie mag es, dass ich ein so komplizierter Mensch bin. Auch wenn sie das nie zugeben würde.

7. Wissen Sie, ob sie sich ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen ihre Geschichten immer so?
Darüber weiß ich nicht viel. Yalda sagt immer, die Geschichten finden zu ihr, nicht umgekehrt. Wie gesagt, wir sind uns einfach über den Weg gelaufen und es hat gepasst. Letztens habe ich zwei andere Romanfiguren von ihr getroffen, wir waren zusammen ein Bier trinken. Die beiden, Edgar und Lucille, leben auch in Berlin, aber sie kommen aus einer ganz anderen Zeit. Edgar erzählte mir, er hätte Yalda gesehen und ihr einfach seine Geschichte erzählen wollen. Und sie hat zugehört. Das kann sie übrigens wirklich ganz gut. Zuhören. 

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Yalda Lewin?
Das liegt doch auf der Hand, oder? Ich bin die Hauptfigur in ihrem Debütroman! Und den Ersten vergisst man schließlich nicht. 

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird sie als Nächstes tun? Woran arbeitet sie wohl gerade? Heckt sie einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?
Die Weltherrschaft wäre vielleicht etwas für Yalda – allerdings nur, um die Umstände komplett umzukrempeln, jedem ein gigantisches Bruttosozialglück nebst selbstbestimmtem Leben zu verordnen und dann in Ruhe weiterschreiben zu können. Momentan arbeiten wir gemeinsam an meinem zweiten Fall. Und gerade bin ich es, der ein wenig ungeduldig ist, denn ich will doch wissen, wie die Geschichte weitergeht. Yalda berichtet übrigens regelmäßig in ihrem Autorenblog www.textgoldberlin.blogspot.de über die Fortschritte im Schreiben, ihren Alltag, Recherchen für aktuelle Projekte und vieles mehr. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann da gerne mal vorbeischauen. Und lasst gerne auch einen Kommentar da. Die darf ich nämlich sichten und freischalten.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...

10. Ein herzliches Dankeschön an Jakob Roth für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Jakob Roth gesagt wurde.
*lacht* Oh, da gibt es gar nicht mehr viel zu sagen, Jakob hat das schon alles ganz treffend beschrieben. Er kennt mich einfach erschreckend gut … Ich bin gespannt, ob er mir im Lauf des zweiten Falles noch mehr von sich verrät. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass da noch Leichen im Keller schlummern. Aber das werden wir sehen.



Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder Facebook-Seite.

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