Sonntag, 15. September 2013

[INTERVIEW] Simon über Claudia Brendler



Claudia Brendler

Die Figur, die hier gleich berichten wird, heißt Simon und ist eine der Hauptfiguren in der Komödie „Dösende Möwen“, die im Frühjahr bei Knaur erscheint. Simon ist Karikaturist, Bordzeichner und Frauenbeglücker (glaubt er zumindest) auf einem Kreuzfahrtschiff der flotten Flotte. Außer ihm befinden sich noch ein liebeskranker Kapitän, eine äußerst ehrgeizige Schauspielerin, eine esoterische Auraleserin, ein zwanghafter Zauberer, eine verzweifelte Spaßcrew, kriminelle Elemente und natürlich Passagiere aus allen Bundesländern an Bord. Simon ist schon lange auf dem Schiff, das zwischen Hamburg, dem Nordkap, Island und Schottland hin und herfährt, er kennt die geheimsten Ecken des Schiffs (und der Frauen) und führt ein Logbuch. Er hat, wie alle Crewmitglieder,  die lange auf dem Schiff sind, seine Gründe, dem Leben an Land den Rücken zu kehren. Darüber spricht er natürlich ungern. Und er ist Besitzer einer an Bord geschmuggelten Single-Wasserschildkröte.

PS: Ich soll noch sagen: Er sieht nicht schlecht aus. (Er nimmt an, dass dieses Interview vor allem Frauen lesen)

1.           Stell uns Claudia Brendler doch erst einmal kurz vor.
Claudia ist Musikerin, hat mal Gitarre studiert – ich mag es, wenn Frauen E-Gitarre spielen! So ein phallisches Instrument in diesen zarten Händen. Naja, die von Claudia sind jetzt nicht soo zart. Eine Hand mit langen Nägeln, die andere mit kurzen, Nagellack geht natürlich gar nicht. Okay, ich soll mich mal am Riemen reißen, also: Claudia ist Musikerin, Comedian bei den Queens of Spleens, und vor allem freie Autorin. Sie hat zwei Romane bei Knaur veröffentlicht, im Frühjahr 2014 folgt der dritte, in dem ich vorkomme, und im Winter 2014 erscheint ein literarischer Roman über das Komische, die „Fette Fee“ bei dtv. Das Komische haben wir gemeinsam, Claudia und ich, ich bin ja Karikaturist. Aber sie kann überhaupt nicht zeichnen! Wir haben auch beide eine ernste Seite. Darüber könnten wir uns mal bei einem Glas Wein ... okay, okay, okay. Ich hör schon auf.

2.           Was denkst du über Claudia, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Naja, sie ist Worcaholic. Das finde ich insofern gut, da sie sich dadurch verdammt oft mit mir beschäftigt. Ich mein, was mach ich denn, wenn sie nicht über mich schreibt oder über mich nachdenkt? Ich hocke allein in meiner Kabine, übrigens, Ladies, wenn ihr die mal besichtigen wollt: Es ist eine Einzelkabine, mit französischem Bett und einem Bullauge, seeehr romantisch ...ach ja, es geht um Claudia. Ich mag es, dass sie uns  - also mich – immer mitnimmt, wenn sie verreist. Beneiden? Ich würde auch gern Gitarre spielen. Dafür würde ich ihr sogar ein bisschen Zeichnen beibringen.


3.           Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Schlafen.

Okay, sie hat auch ein Privatleben, z.B. ihren Freund (mit dem ich mich zum Glück gut verstehe, wir waren schon mal ein Bier trinken, ich mag übrigens lieber Rotwein. Einen guten, nicht die Plörre, die sie auf dem Schiff als Tischwein anbieten). Ansonsten tritt sie mit den Queens auf, sie liest auch viel, manchmal übt sie sogar Gitarre, und sie sollte öfter joggen gehen. Sie kommt dabei auf andere Gedanken, und außerdem wird’s nicht leichter mit den Jahresringen. Wobei ich diesen Wahn bei Frauen, unbedingt dünn sein zu müssen, auch nicht verstehe. Es gibt so viele Arten, schön zu sein, und ich kann in jeder Frau ... okay, man sagt mir gerade, darum geht’s  hier nicht. Schade.


4.           Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Viele. Diese Literatenweicheier. Ralf Rothmann, Michael Köhlmeyer, aber auch Frauen: Sybille Lewitscharoff, Jenny Erpenbeck, Doris Dörrie mag sie sehr als komisch-ernste Autorin. Aber sie liebt auch Karikaturisten und Komiker, Robert Gernhard,  F.K. Wächter, den Texter von Asterix (auch den Zeichner), Sempé mag sie auch sehr, sie hat in der Beziehung keinen ganz schlechten Geschmack. Dann gibt es etliche Musiker und Musikerinnen, die sie schon immer bewundert, gerade war sie beim North Sea Jazz Festival und hat Marcus Miller live gesehen und gehört und dabei ausnahmsweise nicht über uns nachgedacht. Im normalen Leben mag sie Menschen, die sich nicht so aufplustern, in jeder Hinsicht, sie mag es, wenn Leute etwas zu sagen und zu geben haben, auch sehr, wenn Leute etwas wissen und etwas können, und bereit sind, es weiterzugeben..


Claudia Brendler Dösende Möven5.               Gibt es Rituale, die Claudia beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Essen? Nein, das würde mir auch nicht gefallen, essend geschrieben zu werden, ich bin doch kultiviert! Oft hört sie Musik – ehrlich gesagt, nicht unbedingt immer mein Geschmack. Sie hat einen Vormittagsplatz und einen Nachmittagsplatz, schreibt aber generell überall und an den unmöglichsten Orten. Es würde mich nicht wundern, wenn sie’s demnächst im Kopfstand täte.


6.           Wie hast du sie kennengelernt?
Wie ich meistens Frauen kennenlerne. Ich spreche sie an.  Ich habe ihr gesagt, dass sie für eine Kreuzfahrt-Comedy unbedingt ein Logbuch braucht, also jemanden, der ironisch kommentiert. Sie war sofort einverstanden, anscheinend habe ich ihr gefallen. Sie mag halt Cartoonzeichner, und wir fänden es beide cool, wenn meine Zeichnungen auch im Buch auftauchen würden – das wäre mal was anderes!


7.               Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich weiß, sie hat ein kleines Figurenpanoptikum. Weil sie ja so viel schreibt. Und manchmal bedient sie sich daraus. Aber meistens erfindet sie erst ein Setting, dazu denkt sie sich sehr grob aus, was vielleicht passieren könnte, dann die Figuren. Und dann lässt sie uns aufeinander los und schaut, was wir tun. Ein bisschen wie im Circus Maximus, finde ich. Sie legt großen Wert auf Plot und Dramaturgie, aber zuerst sind wir da. Ich war ganz früh an Bord. Andere, arme Kollegen wurden zum Beispiel zusammengelegt, aus zweien wurde einer – ist das nicht furchtbar? Eine, die ich ganz vernünftig fand, flog raus – schade, die sollte mit mir ein Beischlafabkommen haben und ich sollte sie schon lange kennen, aber sie kam dann durch die Hintertür wieder rein, diesmal als durchgeknallte Esoterikerin. Sie ist immer in Tücher gewickelt, wie ein Sushi-Röllchen. Ich weiß, was sie darunter trägt, aber ich sage natürlich nichts.


8.               Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Claudia so besonders?
Ich bin der erste Mann, der eine eigene Perspektive bekommen hat! Und dazu bin ich ein Ich-Erzähler, beinahe allwissend, denn ich komme herum auf dem Schiff, ich bekomme einiges mit, von dem keiner weiß, noch nicht einmal Claudia weiß alles, was ich weiß. Ich bringe Claudia dazu, zu denken wie ein Mann – das kann nicht jede Figur! – und  neuerdings, kann ich Ihnen verraten, ist sie ganz sexistisch unterwegs. Schaut dauernd den Weibern nach, und in den Ausschnitt, und so weiter, fehlt nur noch, dass sie ihnen nachpfeift. Dabei bin ich gar nicht so. Und sie will mich dazu bringen, mich zu verlieben. Aber das rede ich ihr noch aus, ich komme super zurecht, so, wie ich bin. Ich liebe alle Frauen, und  verpflichet bin ich nur Calamity-Jane, meiner Schildkröte, mit der ich die nächsten hundert Jahre verbringen werde. Claudia meint, ich müsste herausfinden, was ich wirklich brauche. Sie meint, eine Komödie sei eine Hommage an den Optimismus und ich soll nach allen Abenteuern leicht zerrupft und gebeutelt in ein leicht ironisiertes Happy-End schreiten.


9.               Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Claudia Brendler bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Ja, uns! Die dösenden Möwen. Unter uns: Der Titel ... vielleicht sollte ich sie mal darauf aufmerksam machen, dass man das auch ganz anders lesen kann. Und danach die fette Fee – das ist nur ein Arbeitstitel. Dies ist ein ernster Roman. Und sie schreibt eben nicht nur Genre-Literatur, also in ihrem Fall Komödien, sondern auch, das, was man literarische Romane nennt. Claudia hofft, dass die Komödienleserinnen auch Lust auf die ernste Seite und vor allem auf die Sprache haben. Und ganz bierernst geht’s auch darin nicht zu ...


10.    Ein herzliches Dankeschön an  Simon für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Simon gesagt wurde

Er hat – typisch Mann – seinen schärfsten Konkurrenten nicht erwähnt: Peachy the Peacock, Salsa-Vulkan (Amorr! Amorr! Amorr!)  aus der Pfalz. Zum Auftritt auf der Schiffsbühne trägt Peachy Satinhöschen, unten weit, oben der Superlativ des Superlativs von eng, und Simon ist verdammt eifersüchtig auf ihn.
Danke, dass Simon dies alles hier ausplaudern durfte.


Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage.

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