Mittwoch, 18. September 2013

REZENSION: 5 Jahre - 5 Geschichten - Anthologie (by Nana)

5 Jahre - 5 Geschichten - Anthologie
LYX, 2012
432 Seiten
Taschenbuch: 5,00 €
eBook: 3,99 €
ISBN: 978-3802588822

Klappentext:
DIE MAGIE DER LIEBE … 2012 feiert der LYX-Verlag sein fünfjähriges Jubiläum! Zu diesem Anlass durften die Fans ihr romantisches Erzähltalent im Rahmen eines Schreibwettbewerbs unter Beweis stellen. Die LYX-Community hat unter zwanzig Finalisten ihre fünf Lieblingsgeschichten gewählt, die in dieser einzigartigen Anthologie veröffentlicht werden. Götter, Gestaltwandler, Engel und andere magische Kreaturen finden in den fünf Gewinnerstorys die wahre Liebe …


Meine Meinung:

Wie immer, bei Anthologien, bewerte ich den Gesamteindruck. Also, wie mir die Anthologie im Gedächtnis geblieben ist. Die einzelnen Storys erhalten ein separates, kurzes Fazit.

Zur Einleitung möchte ich sagen, ich werde alle Geschichten einzeln bewerten. Dies mache ich, da die Gesamtwertung sonst nicht gerecht wäre.

Annika Dick: Die Entführung der Persephone

Zugegeben, ich hatte noch nie etwas mit den griechischen Göttern am Hut. Diese Einstellung darf ich nun von Grund auf revidieren.
Lieben Dank, Frau Autorin. Deine Geschichte, Deine Interpretation, wie die Liebe zwischen Hades und Persephone und der Zorn Demeters miteinander verwoben sind, traumhaft.
Man hegt einen Verdacht, wie die Puzzelteile ineinander gehören, man fühlt die Schwere der Kette und die Zweifel von Aides, der seine Corie wiederhaben will und man leidet mit ihnen.
Und obwohl ich sonst noch nichts so göttliches gelesen habe, schafft es Annika Dick eine Stimmung zu erzeugen, die mir Gänsehaut bereitet. Mit wenigen Worten (und hier muss ich besonderes Augenmerk darauf legen, wie ich später extrem feststellen darf), zaubert sie eine Welt, jenseits der Borstellung, die so plastisch jnd real erscheint, dass man sich mühelos hinein versetzt. Ganz zu schweigen von den Gefühlen, die man selbst spüren kann.

Eine gelungene Einleitung, die ihr Ziel erreicht hat. Sobald ich ein Buch, von Annika Dick geschrieben, irgendwo stehen sehe, kaufe ich es, ohne weiter auf Details zu achten, sie versteht ihr Handwerk!

Julia Drube: "Seelenfänger"

Eine Feindschaft, oder besser, ein Dulden zwischen den Engeln und den Gefallenen. Ein Institut in London und Spione auf beiden Seiten. Ein Gefallener, der einen Engel tötet, eine verprellte Freundin, die nun zur Chefin wurde und eine saloppe Sprache. Alles in einen Topf und man erhält... ja was eigentlich?
Nachdem Annika Dick die Messlatte der Texte sehr hoch setzte, gab es einen rapiden Abfall. Nur schwer konnte ich an der zweiten Geschichte dranbleiben, doch ich zwang mich dazu.
Die einfache Sprache passte wahrlich zu dem Setting, machte aber die Geschichte gleichermassen unglaubwürdig. Auch die Tatsache, dass die Autorin mit dem Leser in Kontakt trat, erschien mir einfach Fehl am Platz.
Überraschungen gab es kaum welche. Hier und da ein Witz, der zum Schmunzeln anregte, aber viel mehr zu loben finde ich leider nicht.
Die Autorin wiederholte oft Worte, Sätze, um Nachdruck zu vermitteln. Nutzte des öfteren DIE GROSSE SCHRIFT, um Wichtigkeit zu vermitteln, brachte Details herein, wie der Hinweis darauf, dass Matthew Delaware (dessen Name im Übrigen zig mal ausgeschrieben wurde) altert, aber mit keiner Silbe erwähnt wird, wieso, wenns die anderen denn nicht tun.
Hier wird fleissig mit Himmel und Hölle gespielt, daher war ich enttäuscht, als die verfeindeten Parteien so einfache Mittel wie Pistolen nutzten, aber ein Kuss ausreichend war, um gestorbene wieder zu beleben.
Mir war es einfach nicht durchdacht genug und wäre es ein Roman gewesen, hätte ich ihn nach dem Anlesen eher wieder weggestellt.
Die Autorin gebraucht, gerade auf den ersten paar Seiten viele Worte, ohne was zu sagen.

Bianca Iosivoni: "Bis der Tod uns vereint"

Eine traumhafte Geschichte über Leben und Tod und die Hoffnung der zweiten Chance. Mit wenigen, aber starken Worten erzeugt die Autorin eine Atmosphäre, die einen sowohl Trauer, als auch Wut vermittelt. Gleichermaßen hebt sie eine Beziehung hervor, zwischen zwei Zurückgesandten, die so echt ist, dass man diese nicht in Frage stellt.
Selbst der Entschluss von Kara, so schwer und doch richtig - super. Eine Geschichte zum Mitfiebern, die zudem ein Thema aufgreift, welches wohl seid Menschenbestehen ihre Daseinsberechtigung hat.
Diese Geschichte hatte alles, was sie brauchte, vielleicht hätte sie hier jnd da ein paar mehr Details vertragen können, doch das ist das Los der Kurzgeschichten/Novellen.
Sie hat mich jedenfalls berührt, Danke!

Nadine Kühnemann: "Tränen der Ewigkeit"

Was hatte ich für Erwartungen nach diesem Literatopia -Interview.
Na endlich was, das vom Unterton recht dunkel und düster daherkommt. In nahezu einem Rutsch flogen die Seiten nur so dahin. Man sog jeden Fetzen in sich auf und dachte am Ende - Wow. Und dann, wenn die letzte Seite vorbei ist, man alles Revue passieren lässt, denkt man, und das sage ich völlig unverblümt: what the hell...

Fassen wir zusammen. Wir schreiben 1775, "kurz vor" der französischen Revolution (1789). Die Stimmung, ohne Frage, sehr plastisch eingefangen.
Und dann passiert es: da taucht das Koma auf. ein, laut wiki: "In der Medizin ist ein voll ausgeprägtes Koma (griechisch κῶμα, „tiefer Schlaf“) die schwerste Form einer quantitativen Bewusstseinsstörung. In diesem Zustand kann das Individuum auch durch starke äußere Stimuli, wie wiederholte Schmerzreize, nicht geweckt werden."
Und, oh Wunder, dieser Zustand ist bekannt, obwohl es das Wissen um ein Koma erst seit dem 19. Jahrhundert gibt. Ich bin in Mathe nicht gut, vermute jedoch hier ein nennenswertes Loch!
Naja, dessen ungeachtet, wartet die Autorin mit sagenhaften Worten wie "Eluvir" und eines, dass ich trotz der zig Seiten nicht ansatzweise auswendig kann, irgendwas mit "Avridingens" - was übersetzt nicht viel mehr als Engel und (nicht)Engel, wohl Dämon bedeutet, Bestie, irgendwas in dieser Art so rein vom optischen Gesichtspunkt her. Diese Bestie, ein weißer Vorfahr Wolverines, ist wahrlich kein netter Zeitgenosse, wohingegen Emine ein göttliches Wesen ist und Krankheiten heilen kann. Doch da sind auch jene, die von ihrer Kraft profitieren wollen, wo wir wieder bei Evrel, dem Biest, sind und natürlich mehreren seiner Art.
Nun denn, durch, wohl ein Gift, injiziert von einem fragwürdigen Grafen, ist Emine ein Mensch, mit allem was dazu gehört. Und nach einer recht brutalen Party, die auch von niemandem überlebt wurde, außer Emine, treffen sich das Engelswesen und das Biest, um nach einer eher flüchtigen Wiedersehensfreude ans Eingemachte zu gehen. Hier wirds dann auch gleich etwas unglaubwürdig. Im Nebenzimmer liegen, wie von der Autorin erwähnt, weit mehr als ein Dutzend brutalst abgeschlachteter Menschen, während es im Garten zur heissen Wiedersehensfreude kommt. Die dann auch noch mit Gedanken und Unterhaltungen durchsetzt ist, die jeden Menschen in einen Umstand völliger Erregungslosigkeit versetzt hätte. Mich zumindest. Ein Umstand, welcher der Geschichte ziemlich an Glaubwürdigkeit raubt.
Nun denn, es kommt zum Finale - hier gibt es etwas Action aber auch Widersprüche. Mal ist die Menschenform schmerzhaft für den Avridingens und mal ist es nicht, ich wusste am Ende schon nicht mehr, wann es weh tut und wann nicht und ... ja, verwirrend, aber dann auch die Frage, weshalb wird er sterben? Weshalb wird er zerfallen? Evrel labt sich doch an Menschen, oder sogar an Emine, wenn sie es zulässt... Fragen über Fragen.
Alles in allem, wenn man Paris mag und nicht wert auf Tatsachen legt, kann man unterhalten werden. Meine Erwartung wurde, wie gesagt, enttäuscht.

Laura Nefzger: "Das Tier in mir"

Ich habs versucht, wirklich. Immer wieder zwang ich mich, ohne Erfolg. Die Tatsache, dass die Geschichte auf der ersten Seite rasch abgehandelt wurde "Das war, das passierte und das ist jetzt so", um dann mit der Geschichte zu starten, die dann in der Ich-Form und in der Gegenwart geschrieben wurde, gefiel mir überhaupt nicht. Ich versuchte es noch ein paar Seiten, verhedderte mich in viel zu langen Erklärungen, dass ich es schliesslich bleiben ließ. Daher kann ich hier nichts dazu sagen.

Fazit: Die Aufmachung ist super, der Preis unschlagbar und lohnenswert für die Perlen im Buch. Eine Anthologie ist eben immer wie ein Überraschungsei und immerhin weiß ich nun, nach welchen Namen ich Ausschau halten sollte.

(Dies ist eine bereits erschienene Rezension, die auf den Lesekatzen-Blog umgezogen ist.)

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