Donnerstag, 3. Oktober 2013

[INTERVIEW] Samtara über Margreth Schwekendiek




Margreth Schwekendiek
Mein Name ist Samtara, ich bin die Verwaltungschefin der Hölle – wenn man mich denn so nennen will. Meine Schöpferin war der Meinung, dass meine Erlebnisse es wert sind, in dem Buch „Gestorben um zu leben – Spukverwaltung oHg“ veröffentlicht zu werden. Das Buch steht bei Amazon als Kindle Edition zum Download zur Verfügung – das muss auch mal gesagt werden. Ich muss sagen, damit hatte sie eine sehr gute Idee. (Wir werden ihr jetzt nicht verraten, dass ich sie dahingehend beeinflusst habe, schließlich braucht auch die Hölle Werbung.) In 17 humorvollen Episoden berichte ich vom alltäglichen Wahnsinn in der Hölle; von den Quälereien Seiner Unheiligkeit; von den Nachstellungen des Erzengels Michael; von Geistern, die glauben, sie könnten gegen meine Anordnungen rebellieren, und natürlich von all den Dingen, die sich bei uns ereignen und doch Auswirkungen auf euer armseliges Menschenleben haben. Ich sage nur: Nimm dich in acht. Und alle anderen Leser natürlich auch. Früher oder später landet ihr alle bei mir, und ich vergesse niemals etwas.
Ach, du willst mehr über mich wissen? Muss ich mich jetzt geschmeichelt oder beleidigt fühlen? Darüber denke ich nach, versprochen. Also, in meinem letzten Leben war ich Lucretia Borgia, und ich sage dir, ich bereue nichts von dem, was ich getan habe – und noch weniger das, was man mir nachsagt. Immerhin hatte selbst der Teufel soviel Respekt vor mir, dass er mich zu einer Art Assistentin gemacht hat. Nein, das ist keine Strafe, glaub mir. Ich bin so wichtig, dass Seine Unheiligkeit ohne mich glatt die Hölle schließen könnte. Naja, zumindest zwei oder drei der Höllenkreise, über die der Verräter Dante bereits geschrieben hat.
Es ist wirklich reizend von dir, mich zu einem Interview einzuladen, ich werde das auch nicht als Bestechung ansehen.

Willkommen, nimm Platz küsschen küsschen bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

Hmmm, danke, lecker. Backen kannst du, ich werde mir auch das merken.

1.           Stell uns Margret Schwekendiek doch erst einmal kurz vor.

Margret ist ein Mensch, erklärt das nicht schon alles? Nein, wahrscheinlich nicht. Du hast recht. Margret schreibt seit fast 25 Jahren professionell und hat mit Heftromanen angefangen. Aber weil sie eine kluge Frau ist und mehr im Kopf hat als Liebesgeschichten, kamen schon bald zwangsläufig mehr Genres dazu. Mit Raumschiff Promet, Stargate und Larry Brent ist sie in das Schreiben von SF und Horror eingestiegen und hat sich schnell den Ruf von Zuverlässigkeit und Kreativität erworben. Stell dir nur vor, sie hält tatsächlich Termine ein, ist das nicht albern? Ich jedenfalls kenne kaum einen Autor, der dazu imstande ist. Wahrscheinlich muss ich aufpassen, wenn Margret bei mir auftaucht, die bringt es glatt fertig, mich an die Wand zu drücken. Also weiter. Margret ist Witwe und denkt auch nicht daran, einen Partner zu suchen. Sie behauptet, es wäre ein Zustand, den sie selbst als angenehm empfindet. Aber sie hat zwei Söhne mit Familien, und die Enkel halten sie auf Trab. Sie lebt zusammen mit Kater Mephisto – eindeutig einer unserer Abgesandten – in einem Fachwerkhaus im schönen kalten Westerwald hat hoffentlich genug Arbeit, um nicht auf dumme Ideen zu kommen.


Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?
Nein, eher weniger, fürchte ich. Schuhe sind für sie Gebrauchsgegenstände, die einfach nur passen und lange halten sollen. Dabei habe ich neulich bei einem Ausflug auf die Erde ein Paar Stiefeletten gesehen, ich sage dir…

2.           Was denkst du über Margret, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Hm, im Großen und Ganzen ist sie okay, aufgeschlossen, neugierig, meistens freundlich. Sie kann manchmal ziemlich stur sein, und sie hat wenig Geduld mit Dummköpfen. Sie ist eine verdammt gute Köchin, backt leckeren Kuchen, und ihre selbst gebrannten Mandeln sind Versuchung pur. Dafür würde selbst der Teufel freundlich bitte-bitte machen. Was kann ich nicht leiden? Ach ja, sie kümmert sich wenig darum, ob sie der aktuellen Mode entsprechend gekleidet ist, sie verabscheut Make-up, und sie lebt an manchen Tagen von Kaffee und Zigaretten. Wenn sie Stress hat, kann sie unwirsch werden, aber um mir Konkurrenz zu machen, muss sie schon noch ein bisschen üben. Allerdings, wenn sie wütend ist und dann leise wird, sollte selbst der Teufel in Deckung gehen.

3.           Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie liest, sie spielt mit den Enkeln, und sie spielt doch tatsächlich auch am Computer. Ziemlich verrückt, aber sie scheint ein absoluter Siedler-Fan zu sein und kann durchaus mal ein paar Stunden davor sitzen und sich amüsieren. Außerdem pflegt sie ihre wenigen tiefen Freundschaften.

4.           Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
Vorbild im weitesten Sinne ist wohl Marion Zimmer-Bradley, jedenfalls hat sie eine Menge Bücher von ihr. Aber auch Karl May, Shakespeare, Goethe und vor allem Sherlock Holmes Geschichten sind bei ihr zu finden, und sie liest sie gern immer wieder. Wahrscheinlich lässt sie sich von allen etwas inspirieren. Im normalen Leben braucht oder will sie keine Vorbilder, sie lebt ihr eigenes Leben, sagt sie – und: Auch Vorbilder machen Fehler, aber sie würde lieber eigene Fehler machen, dann bräuchte sie niemand anderem die Schuld daran zu geben.
Hmmm, deine Kekse sind wirklich gut. Würdest du mir das Rezept geben? Ich bin sicher, die höllischen Feuer lassen sich auf die nötige Temperatur reduzieren.
Kleiderschrank? Ordentlich? Nicht wirklich, nein. Oder naja, es gibt Fächer für Hosen, Blusen und dergleichen, und die meisten Klamotten sind schon dort, wo sie hingehören. Aber nicht immer ordentlich, nein. Wenn Maggie eine Idee hat, kann es durchaus vorkommen, dass sie ad hoc alles in ein Fach packt, um erst mal was aufzuschreiben. So geht es ihr oft mit den Geschichten mit mir – aber ich habe natürlich nichts damit zu tun, dass meine Schöpferin ab und zu abgelenkt ist, nein, ich doch nicht…

5.               Gibt es Rituale, die Margret beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Rituale hat sie, ja. Darf ich die verraten? Ach, warum nicht? Sie schreibt grundsätzlich alles von Hand vor, sie ist verrückt. In feiner kleiner Schrift auf DIN A 5 Blätter mit einem dünnen Minenbleistift. Und dann diktiert sie alles in den Rechner, mit einer Sprachsoftware. Angeblich dient das der Kontrolle, ich sage, das ist purer Egoismus. Sie kann sich nämlich ganz einfach ins Sofa kuscheln und mit dem Kater schmusen, während sie schreibt. Ha, und wer kuschelt mit mir? Außerdem hat sie einen absurden Musikgeschmack, von Queen, David Bowie oder AC/DC und MeatLoaf bis hin zu Bach und Beethoven hört sie alles. Okay, keine Schlager oder Volksmusik oder sowas, es darf ruhig härter zur Sache gehen. Und sie nascht. Neben ihren Mandeln (für die auch ich bedenkenlos morden würde), liebt sie Weingummi und Schokolade. Mich wundert, dass sie nicht längst platzt, aber sie ist nicht wirklich mollig zu nennen. Ab und zu trinkt sie gern mal einen Whisky, allerdings nur schottischen Malt. Nun gut, bei den Preisen, die dafür verlangt werden hält sich das Trinken in sehr engen Grenzen.

6.               Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details …
He, Neugier gehört zu den 7 Todsünden, sagt der oberste Chef. Aber nun gut, du kannst es ja nicht wissen.
Alisha, mit der Margret schon lange gut zusammenarbeitet, hat irgendwann auf Literra.info das Special „Text-for-Art“ ins Leben gerufen. Dabei müssen zu bestehenden Grafiken Kurzgeschichten geschrieben werden. Margret hatte schon eine ganze Reihe von teilweise annehmbaren Geschichten abgeliefert, als meine Stunde schlug. Jawohl. Sie bekam von Gaby Hylla – huhu Gaby, danke, dass du meinen Herzenswunsch erfüllt hast – eine Grafik vorgelegt, auf der ich mit meinen treudummen Helfern Kain und Abel zu sehen bin. Endlich gelang es mir, die Frau so zu beeinflussen, dass sie anfing, meine Geschichte zu schreiben. Dazu musste ich einen besonders günstigen Moment abpassen – ach nein, über den Rest schweigen wir lieber. Ein paar Geheimnisse musst du mir schon lassen. Wie ich es geplant hatte, bekam nicht nur Margret viel Spaß an der Sache, auch Alisha konnte schnell überzeugt werden, mehr von meinen Abenteuern zu verlangen, so dass es gar nicht lange dauerte, bis endlich ein komplettes Buch entstand. Das steht mir zu, oder nicht? Außerdem wollt ihr Menschen doch immer wissen, wie es bei uns ist. Nun gut, ich lasse manchmal schon grausige Details weg, ich will euch ja nicht völlig verschrecken, aber ich finde schon, dass meine Abenteuer es wert sind, von jedem gelesen zu werden.

7.               Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ja, das läuft bei anderen Charakteren völlig anders. Margret muss sich manchmal an Expos halten, die sie nicht selbst geschrieben hat. Aber sie wird bemerkenswert gut damit fertig. Und dann gibt es ja auch noch die Geschichten, die tief aus ihr heraus entstehen, „Time Travellers“ ist so eine. Eine völlig verrückte, faszinierend spannende Zeitreisegeschichte, die ihr lange durch den Kopf gegangen ist. Sie arbeitet im Kopf an einem Roman, der auf einer Raumstation spielt, bei dem jedes Kapitel den Titel eines Songs von „Queen“ trägt, wo die Handlung allerdings auf den Titel selbst abgestellt ist und nicht auf die Musik. Sie sagt, das hat was mit den rechten zu tun. Nun, mir soll es egal sein, solange sie nur weiter meine Geschichten aufschreibt. Und auch einige Heftromane sind viel zu gut geworden. Sie lässt sich manchmal einfach inspirieren, beobachtet Menschen, hört gut zu, durchschaut Zusammenhänge, die andere nicht mal sehen.

8.               Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Margret so besonders?
Ich bin einzigartig! Ich habe in Margrets Kopf ein Eigenleben entwickelt, was bisher nur wenigen ihrer Charaktere gelungen ist. – Die Kekse sind alle. Nennst du das Gastfreundschaft? Also wirklich.
Was mich besonders macht? Ich bitte dich, ist das nicht völlig klar? Es gibt schon eine Menge absurder, herzerfrischend origineller und kauziger Charaktere in der Literatur. Aber die Verwaltungschefin der unterirdischen Bürokratie dürfte doch wirklich ein einmaliger Fall sein. Noch dazu berichte ich live aus der Hölle. Was willst du mehr?

9.               Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Margret Schwekendiek bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Margret ist gerade fleißig bei der Arbeit, wie eigentlich immer (das will ich ihr auch geraten haben). Sie schreibt augenblicklich an Vampir Gothic und Rex Corda, lässt sich im Hinterkopf von mir neue Abenteuer berichten, was sie wirklich eifrig notiert, und sie wird in Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin Antje Ippensen unter dem Namen Tessla an Orion mitarbeiten. Da hat sie bereits eine ganz ordentliche originelle Idee entwickelt, mit der sie einsteigt. Du siehst, ich lasse nicht zu, dass sie Langeweile bekommt. Wenn sie schon dumme Ideen hat, dann soll sie die gefälligst in meinen Geschichten ausbreiten. – So, nun ist auch die Milch alle. Beim nächstenmal hätte ich gern heißen Kakao, aber davon abgesehen ist es bei dir ganz nett. Wer ist das eigentlich, der dauernd bei dir anruft, und wieso gehst du nicht ans Telefon? Ich wüsste zu gern noch ein paar von deinen Geheimnissen. Nein, sag jetzt nicht, das geht mich nichts an, ich will es wissen, ich will, ich will – oje, Seine Unheiligkeit. Ich habe zu tun, danke für die Gastfreundschaft, lass dich nicht von Teufel einschüchtern, bin schon weg…

10.    Ein herzliches Dankeschön an Samatra für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Samatra gesagt wurde.

Ich fürchte, ich muss mich erst mal für die Unhöflichkeit meiner Protagonistin entschuldigen. Sie bringt aus der Hölle regelmäßig schlechte Manieren mit. Ich gestehe, ich hätte einiges nicht so gesagt, und ich finde es interessant und erschreckend, wie sie mich charakterisiert. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich, so sagt man doch, oder? Und des Teufels Assistentin Wille ist demnach ihr Höllenreich. Ich freue mich sehr, dass ein so interessantes ungewöhnliches Interview geführt wurde und hoffe nur, dass Sam mich nicht in aller Öffentlichkeit –

Samtara taucht aus dem Nichts auf:  Du sollst mich nicht Sam nennen! Und ich habe auch nicht vergessen, dass ich noch eine Schuhsammlung ansehen darf!

- mich nicht in aller Öffentlichkeit völlig unmöglich gemacht hat. Ich danke dir für die Souveränität, mit der du Samtara ertragen hast. Bis hoffentlich bald einmal wieder. Viele Grüße an alle Leser.

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