Dienstag, 15. Oktober 2013

REZENSION: Wen der Rabe ruft - Maggie Stiefvater (by Nana)

Wen der Rabe ruft - Maggie Stiefvater
Scripts 5, 2013
460 Seiten
Gebundene Ausgabe: 18,95 €
eBook: 14,99 €
ISBN: 978-3839001530

Klappentext:
Jedes Jahr im April empfängt Blue die Seelen derer, die bald sterben werden, auf dem verwitterten Kirchhof außerhalb ihrer Stadt. Bisher konnte sie sie nur spüren, nie sehen bis in diesem Jahr plötzlich der Geist eines Jungen aus dem Dunkel auftaucht.
Sein Name lautet Gansey, und dass Blue ihn sieht, bedeutet, dass sie der Grund für seinen nahen Tod sein wird.
Doch Blue trägt ein Geheimnis in sich: Seit sie sich erinnern kann, lebt sie mit der Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird. Ist damit etwa Gansey gemeint?
Wen der Rabe ruft ist der erste von vier Bänden.

Meine Meinung:
Mein Dank gilt »Stefanie Leo« und ihrer Aktion »Tausche Buch gegen Rezension«, der ich es zu verdanken habe, »Wen der Rabe ruft« gewonnen zu haben. Ich schleiche schon länger um Maggie Stiefvater herum, weswegen diese Aktion mir wie gerufen kam. Auch der Titel und Klappentext hatten mich überzeugt.

Das Hardcover ist wirklich zauberhaft, der Einband wunderschön mit tollen Farben. Ein Buch, das sich gut im Regal präsentieren lässt und das ich im Laden sicherlich aus dem Regal genommen hätte. Auch das integrierte Lesezeichen-Bändchen mag ich. Die Aufmachung war also schon mal perfekt.

Protagonisten gibt es viele. Beginnen möchte ich mit
Blue die Tochter einer Wahrsagerin. Sie lebt in einem lebendigen Haus, lebendig im Sinne von, immer wieder etwas Neues, lauter Tanten, die ebenfalls wahrsagen, dann natürlich die entsprechende Laufkundschaft etc. Auch wenn es schwierig ist, (beispielsweise der morgendliche Kampf ums Bad) mag Blue diese Umgebung.

Gansey ist ebenfalls eine der Hauptfiguren. Er ist so ein bisschen der Samariter der Schule, einer Jungen-Academy, deren Namen ich bis zum Schluss nicht aussprechen konnte. Er wohnt in einer alten Manufaktur und ist gewillt die Ley-Linie zu finden und Glendower, einen alten König.

Adam ist Ganseys bester Freund und total verschossen in Blue. Er ist der schüchterne der Gruppe. Aber auch ein sehr ehrgeiziger junger Mann.

Ronan lässt sich ein bissl mit »Ronan der Barbar« erklären. Er ist der Rebell. Aber eigentlich ist er ein armer Kerl. Sein Vater ist tot, sein Bruder ein Idot, es gibt also nur ihn – und seine Freunde. Und Chainsaw – die kleine Rabendame, die er aufpäppelt.

Noah ist ebenfalls ein Freund. Ein sehr wichtiger Bursche.

Dann gibt’s da noch Leute wie Maura, die Mutter von Blue, Calla, eine Wahrsagertante, Persephone ebenfalls Wahrsagerin, Orla, ebenfalls Wahrsagerin und Neeve, man ahnt es, ebenfalls Wahrsagerin. Dann sind da aber auch noch Leute wie Declan, Bruder von Ronan und Idiot und Mr Whelk, ein Lehrer.
Klingt auf Anhieb etwas viel, aber man kann, zumindest jetzt in Band eins, noch gut den Überblick behalten.

Kommen wir zur Sprache/Umsetzung und zu jenem Teil, da ich die Hände über den Kopf hauen muss. Die ersten 140 Seiten waren ziemlich ermüdend. Klar, die Figuren müssen eingeführt werden, die Gegend um Henrietta beschrieben etc., aber es war wirklich ermüdend. Auch dann, als eigentlich hätte Spannung da sein müssen – nix. Ein großes Problem ist schlicht und ergreifend die Verwendung von Metaphern. Immer wieder stolperte ich über Ausdrücke wie »er zog die Augen rasierklingenscharf nach oben« → ???, ich habe versucht es nachzustellen und es geht nicht. Weiter geht es mit Bäumen, die seufzen. Ich kenne raschelnde Bäume, wispernde, flüsternde, knisternde Bäume, aber seufzende? Auch ganz toll sind Sätze, die in etwa so beginnen »Maura schnappte: »balablablibb«. Nun, ich bin selbst Autorin und habe dank meiner Agentin gelernt, dass Sätze weder geseufzt, gelächelt, gelacht, gehustet, gegähnt, geprustet, gehickst, ge..... und geschnappt werden. Das geht einfach nicht. Auch ganz toll war das »messerscharfe Lächeln« am Ende. Wie gesagt, die kompletten weit über 400 Seiten ging das so und irgendwann stellte sich mir die Frage – wieso? Es sind einfach Dinge, über die ich gestolpert bin und die mich mit der Zeit genervt haben.
Auf der anderen Seite waren aber auch wirklich spritzige Dialoge dabei, was die Geschichte wiederum sehr belebt hat und ich sogar ein- zweimal herzhaft lachen konnte.

Fazit:
Ich bin zum aktuellen Zeitpunkt unsicher, ob ich die Geschichte weiterlesen möchte. Zum einen, weil es phasenweise etwas dahindümpelt und zum anderen, da mir die Umsetzung etwas Kopfzerbrechen bereitet. Die Geschichte dahinter, also die Story, klingt vielversprechend ohne Frage.
Weiter gibt es dann so kleine Logikfehler wie (Achtung SPOILER) – Blue sieht Gansey als Geist auf dem Leichenweg. Sie sieht ihn. Sie steht vor ihm (!) sie spricht (!) mit ihm. Als er nur einen Tag später vor ihr in der Pizzeria steht (lebendig) und sie sich sogar sehr angeregt unterhalten, soll sie ihn nicht erkennen? Nicht einmal eine Ahnung haben, wer er ist? Oder die Sache mit Blue, wie sie ja so furchtbar eingespannt ist: Schule, der Job in der Pizzeria, Hunde Gassi führen, Nachhilfe, etc. pp. Es wird also darauf hingearbeitet, dass dieses Mädel keinerlei Zeit hat. Dafür hat sie für »ihre Jungs« aber jede Menge Zeit. Ja und das Noah die ganze Zeit unbehelligt der anderen als Geist unter ihnen lebt – Pardon, das kann ich wirklich nicht glauben. Gerade Gansey, Mr Multitasking, der wirklich auf der Spur der Ley-Linie ist, der an wahrsagen glaubt, der an das Übernatürliche glaubt, gerade er, wohnt Wochen/Monate/Jahre(?) unter einem Dach mit Noah und will davon rein gar nichts bemerkt haben?
Weiter geht es mit Blue und ihrem Vater. Gegen Ende bekommt sie offenbart, dass dieser erschien, als ein Ritual vollführt wurde, auf der Ley-Linie. Und nach ihrer Geburt plötzlich verschwand. Nach all dem, was Blue in der letzten Zeit erlebt hatte, müsste spätestens da die Alarmglocke in ihrem Kopf schellen. Nun ja. Also ein paar unpassende Metaphern, ein paar Lücken im Gesamtwerk. Aber auch Spaß und eine tolle Gegend und, wie ich finde, sehr schön umgesetzte Action und authentische Teenager (zumindest soweit man das so beurteilen kann).
Bis Teil zwei rauskommt, habe ich ja noch etwas Zeit zu überlegen, ob ich der Reihe noch eine Chance gebe. Es würde mich schon interessieren, wie es mit Blue, Gansey, Adam, Ronan, Noah und Chainsaw weitergeht.

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