Sonntag, 24. November 2013

[INTERVIEW]David Camden über Ralf Isau

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Ralf Isau
Mein Name ist David Camden und meine Geschichte wird in dem Roman »Der Kreis der Dämmerung« erzählt. Es handelt sich dabei um einen vierteiligen Roman. Dieser Umfang ergibt sich sicherlich daraus, dass in mein Leben ziemlich viel hineingepackt worden ist. Ich bin am 1. Januar 1900 in Japan zur Welt gekommen. Die Hebamme, die damals meiner Mutter bei der Geburt half, sagte ihr, dass ich 100 Jahre alt werden würde. Und in 100 Jahren passiert schließlich eine ganze Menge – das ganze 20. Jahrhundert ist in meinem Leben passiert. Deshalb ist dann auch die Geschichte, die mein Leben beschreibt, so umfangreich geworden.

1. Stell uns Ralf Isau doch erst einmal kurz vor.
Ralf Isau ist ein guter Bekannter von mir, der mich mein ganzes Leben lang immer wieder begleitet hat. Man könnte fast sagen, er ist mein Biograf: Er ist derjenige, der mein Leben aufgezeichnet hat. Ralf wohnt in Deutschland. Geboren wurde er in Berlin. Seit jeher hat er eine rege Fantasie, weshalb ich immer aufpassen musste, dass er meine Lebensgeschichte auch tatsächlich so aufschrieb, wie sie wirklich war und nicht so, wie er sie sich in seiner Fantasie gerne zurecht fabulieren möchte. Aber mittlerweile hat er recht viel Erfahrung darin. Er hat fast 40 Bücher veröffentlicht und daher betrachte ich es eher als eine Ehre, dass er sich mit meinem Leben beschäftigt hat.

2. Was denkst du über Ralf, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ach, er ist ein Mensch, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Für den Werte sehr wichtig sind. Der auch versucht, Werte in seinem Leben auszuleben und bei all dem eben immer versucht, sich selbst treu zu sein. Was er ganz und gar nicht leiden kann, sind Heuchler, Menschen, die vorgeben etwas anderes, vielleicht auch etwas Besseres zu sein, als sie tatsächlich sind. Ja, einfach Menschen, die andere täuschen, verführen und manipulieren und dadurch versuchen, sie zu Handlungen oder Denkweisen zu verleiten, die gar nicht ihre eigene sind. Das prangert er auch immer in seinen Büchern an. Ich kann ihm da nur zustimmen.
Was mir nicht an ihm gefällt, kann ich so spontan gar nicht sagen. Also, wir kommen eigentlich immer, wenn wir uns begegnen, gut miteinander aus. Wir sind halt unterschiedliche Menschen. Ich bin durch mein sehr bewegtes Leben etwas mehr dem Abenteuer zugeneigt. Er reist zwar auch gerne durch die Welt, aber auf eine eher gemächlichere Art und Weise. Aber jeder Mensch hat das Recht so zu leben, wie er gerne möchte. Insofern finde ich das okay, wenn er sein Leben so lebt.


Bild 3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Ach, der Ralf ist einer, der viel liest. Das ist wohl normal, wenn einer viel schreibt, dass er auch viel liest. Er geht auch ab und zu ins Kino, mag gute Filme. Er findet Museen toll und reist eben gerne auf seine gemächliche Art und Weise. Bei alldem sammelt er viele Eindrücke, die er auch immer mal wieder in seinen Büchern verarbeitet, wo sie in anderer Form wieder zum Vorschein kommen. Er ist aber gerade auch, weil er so fleißig schreibt, sehr viel beschäftigt mit seiner schriftstellerischen Arbeit. Von daher bleibt ihm relativ wenig Zeit für Hobbys. Ab und zu spielt er ein bisschen Gitarre.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Soweit ich weiß, hat der Ralf Isau kein Vorbild in diesem Sinne. Er hat nur, sagen wir mal, Autoren, die Bücher geschrieben haben, welche ihm gut gefallen. Der Ralf – also da verrate ich jetzt ein Geheimnis; sagen Sie ihm bitte nicht, dass ich Ihnen das verraten habe – der hat nämlich so eine kleine Marotte: Er vergibt immer Schulnoten für Bücher. Wenn er ein Buch gelesen hat, dann steht da drin 1, 2, 3-, wobei er mir mal gesagt hat, Bücher, schlechter als drei, die liest er nicht zu Ende. Jedenfalls, er vergibt dann eine Schulnote, schreibt rein, wann er das Buch gelesen hat und notiert dann auch so eine kleine Kurzkritik: Was ihm daran gefallen hat oder weniger gefallen hat. Und da gibt’s jetzt einfach mehrere Bücher, die ihm sehr gut gefallen haben, zum Beispiel im Bereich fantastische Literatur: von Tolkien »Der Herr der Ringe«, oder von Michael Ende »Die unendliche Geschichte«, »Momo« und andere Werke. Ich denke, das alles hat ihn sicherlich beeinflusst. Nicht in dem Sinne, dass er jetzt einem bestimmten Autor nacheifert und versucht, so wie er zu schreiben, aber dass sie letztlich seine Fantasie beflügelt haben. Und das schlägt sich dann auch irgendwie in seinen Werken nieder.



Bild 5. Gibt es Techniken, die Ralf Isau beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss? Nutzt er technische Hilfsmittel?
Hmm, also, er lässt ja niemanden an sich ran, wenn er schreibt, höchstens seine Frau, die dafür sorgt, dass er beim Fabulieren nicht verhungert oder verdurstet, weil er dann immer sehr konzentriert arbeitet. Er zieht sich auch ab und an, so einmal im Jahr, zurück – auf eine einsame Insel. Ich weiß nicht, ich glaube, die Insel heißt Mallorca. Da steht wohl irgendwo ein Landhaus, wo er ganz in Ruhe schreiben kann.
Dort arbeitet er dann sehr intensiv, so sechszehn, siebzehn Stunden am Tag, taucht völlig in seine Welten ab.
Ich glaube auch, es ist gar nicht so wichtig, was er da isst, oder was er da trinkt, wichtig ist nur, dass sein Körper weiter funktioniert, sodass er weiter schreiben kann. Also, seine verschiedenen Arbeitssitzungen unterbricht dann nur die Erschöpfung und die Müdigkeit irgendwann in der Nacht. Er bevorzugt diese Methode, weil er dann dreimal so produktiv ist, wie beim Schreiben im Alltag. Aber wenn er zu Hause schreibt, hat er mir erzählt, dann ist er sehr diszipliniert. Das macht er dann vom Vormittag, nachdem die Büroarbeit erledigt ist, bis in die Abendstunden, so acht, halb neun Uhr abends, arbeitet er dann sehr konzentriert an den Büchern. Also nicht so, wie manche sich einen Schriftsteller vorstellen, der nur mal schreibt, wenn er Lust hat. Bei Ralf geht das wirklich schon sehr diszipliniert vonstatten.


6. Wie hast du ihn kennengelernt?
David Camden lässt den Blick schweifen und legt die Stirn in Falten, ehe er wiederholt »Wie habe ich Ralf Isau kennengelernt ...?«
Ich bin so vielen Menschen begegnet – ich glaube, das war in Deutschland … Ich war mal wieder auf der Durchreise ...
Seine Mimik wirkt grübelnd ... Oder war es London? Nein, das war, glaube ich, in London, jetzt fällt es mir wieder ein! Und zwar saßen wir beide in einem Lokal, ein besserer Pub, wo man auch gut essen konnte, und wir sind durch Zuruf, durch eine Frage, die er mir stellte, ins Gespräch gekommen. Dabei haben wir festgestellt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge funken. Dadurch hat sich dann ein längeres Gespräch ergeben und daraus ein Kontakt: Man tauscht die Adressen und tritt dann später wieder miteinander in Verbindung. Und irgendwann hatte ich ihm dann meine ganze Lebensgeschichte erzählt, worauf er sie niederschrieb.


Bild  7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Also, es ist nicht so, dass er alle Akteure kennt, weil es sie gar nicht alle wirklich gibt. Sondern viele Figuren in seinen Büchern sind natürlich seiner Fantasie entsprungen. Aber, was er mir verraten hat, ist, dass er sehr viele Schauplätze in seinen Romanen tatsächlich besucht hat. Somit schreibt er nicht nur aus der Fantasie, sondern auch über persönliche Eindrücke: die Luft, die er an dem Ort geatmet hat, die Gerüche, gerochen hat, die Geräusche gehört hat – all das ist ja sehr wichtig um die Stimmung einzufangen, die man dann niederschreibt. Das ist etwas, was mit meiner Geschichte, mit dem Kreis der Dämmerung, sicherlich übereinstimmt. Da hat er auch nicht alle Orte besucht, er war, glaube ich, nicht in Australien, aber hat sehr viele Schauplätze der Handlung tatsächlich mit eigenen Augen gesehen.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Ralf so besonders?
David zögert, während er nach den passenden Worten sucht.
Ich denke, ein Autor schreibt ja über Menschen, von denen er glaubt, dass ihr Leben andere Menschen bewegt. Sei es deshalb, weil sie bestimmte Herausforderungen gemeistert haben – Gefahren oder seelische Tiefs überwunden haben und, was man so alles in seinem Leben eben durchmacht.
Oder Menschen, die auch von der Persönlichkeit interessant sind. Und ich denke, da muss es etwas in meinem Leben geben, was eben auch andere Menschen interessiert. Möglicherweise auch Interviewer. Denn der Ralf hat mir erzählt, dass sein Buch doch von einer sechsstelligen Anzahl von Lesern gelesen wurde. Das muss wohl heißen, dass dieser David Camden, der hundert Jahre erlebt hat – ich will ja nicht das Ende seiner Geschichte verraten, aber, dass wir heute dieses Interview hier führen können, hat auch einen bestimmten Grund – doch so viele ansprechen muss, dass es tatsächlich zu dem heutigen Gespräch gekommen ist.


Bild 9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Ralf Isau bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Er hält sich da ja immer sehr bedeckt, der Ralf, so viel weiß ich, oder darf ich wohl auch verraten, dass er eine Geschichte schreibt über das versunkene Venedig. Wir wissen, dass die Stadt ja langsam tiefer sinkt und man alles Mögliche tut, um das alte Venedig zu erhalten, damit es nicht ganz im Meer versinkt. Aber er berichtet aus einer Zeit, oder vielleicht auch aus einer Welt, in der es ebenfalls dieses Venedig gibt, aber in der es tatsächlich schon bis zum ersten oder zweiten Stock im Wasser versunken ist. Und wie es dazu kam und ob man die Stadt dann vielleicht noch davor retten kann, wie Atlantis ganz im Meer zu versinken, darum soll es wohl in seiner Geschichte gehen.

10. Ein herzliches Dankeschön an David Camden für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von David Camden gesagt wurde.
Ja, ein herzliches Willkommen an meine lieben Leser! Schön, dass der David für mich gesprochen hat. Ich freue mich, dass ich auch kurz zu Wort kommen kann. Aber weil wir beide ja eigentlich mehr als gute Bekannte sind, würde ich sagen – er hat natürlich englisches Understatement und hält sich da immer ein bisschen zurück – hat er mich, denke ich, schon ziemlich gut charakterisiert. Ich selbst nehme mich jetzt nicht für so wichtig, ihn da korrigieren zu müssen. Seine Worte sollten für sich stehen und wirken. Ich bin damit ganz zufrieden.


 Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage.

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