Sonntag, 8. Dezember 2013

[INTERVIEW]Tarlin über Stephan R. Bellem

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Stephan R. Bellem
Tarlin erscheint im Studio. Er klopft sich den Staub von den Hosen und streicht seine leicht zerschlissene Weste in dem Versuch glatt, wie ein elfischer Edelmann zu wirken. Man merkt ihm an, dass er nicht gern im Mittelpunkt steht, denn sein Blick ist leicht unstet und voller Argwohn. Die Zeit in den Steppen des westlichen Kontinents hat ihn wachsam gemacht, vielleicht auch ein wenig zu misstrauisch. Schließlich willigt er ein, seinen Revolvergurt abzuschnallen, und setzt sich in den ihm angebotenen Ohrensessel.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also Tarlin, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

1. Stell uns Stephan R. Bellem doch erst einmal kurz vor.
- Ich glaube, das fällt mir gar nicht so leicht. Ich habe ihn nur kurz kennengelernt. Er verdingt sich schon eine Weile als Geschichtenhändler. Zumindest hat er sich so bezeichnet. Macht einen ganz ehrlichen Eindruck. Redet bisweilen sehr viel.

2. Was denkst du über Stephan, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
- Er wirkte sehr interessiert an meiner Person, wollte Dinge wissen, die mit der aktuellen Situation gar nichts zu tun hatten. Doch er schrieb immer jeden Wortfetzen von mir mit. Das fand ich ziemlich seltsam. Gleichzeitig aber auch faszinierend. Er will sein Gegenüber genau kennenlernen und zeigt dabei nicht den Anflug von Vorurteilen. Bei ihm konnte ich ganz offen sprechen.
Bisweilen ist er launisch, dann gehe ich ihm lieber aus dem Weg ... Wer weiß, was er sonst mit mir anstellt?
Besonders toll an ihm finde ich, dass er nicht aufgibt. Niemals. Das hat er wohl von mir.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
- Kochen. Und er verbringt viel Zeit mit einer festen Gruppe von Menschen. Würde ich es nicht besser wissen, ich würde vermuten, sie planten die Weltherrschaft oder ähnlich beknackte Dinge. Ich glaube, die sind alle verrückt. Immer wieder hört man sie laut lachen – wer tut denn so was?!

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
- Ich weiß, dass ihm sein Großvater sehr wichtig ist. Und die Namen Duncan und Salvatore hat man häufiger von ihm gehört. Aber ich denke nicht, dass er versucht, diese Menschen zu kopieren. Er sprach davon, dass es ihm um Freiheit geht. Er möchte sein Leben auf seine Weise führen. Vielleicht sollte er auf den westlichen Kontinent auswandern. Hier haben wir Freiheit im Überfluss ... und Orks.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Stephan beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
- Seltsamerweise habe ich bei ihm keine rituellen Handlungen bemerkt. Üblicherweise denkt man an Hausmannsvoodoo oder Schamanismus – einfach irgendein wiederkehrendes Ritual – doch er ist da anders. Er braucht nur Zeit. Der Rest findet sich.


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Die Ballade von Tarlin, (c) Ulrich Burger Verlag
6. Wie hast du ihn kennengelernt?
- Eines Tages war er einfach da. Stand neben mir in der Steppe und begann, sich Notizen zu machen. Es war verrückt.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen?
- Wer redet hier denn von Geschichten und anderen Charakteren? Hat er mit meiner Schwester gesprochen? Ist er ein Spion des Empires? Ich glaube, er macht das häufiger so, dass er neben dir auftaucht, dich ein Stück deines Weges begleitet und sich dabei alle möglichen Notizen macht. Er ist ein ziemlicher Schnorrer, wenn ich das mal so sagen darf.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Stephan so besonders?
- Ich glaube, ich war sein erster geplanter Mord. Aber ich kann es mir nicht genau erklären. Vielleicht sieht er im Aufbruch nach Zundarok auch für sich selbst eine Art Neubeginn. Ich weiß es nicht. Eine Zeit lang dachte ich, er würde mich nur zum Spaß begleiten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihm so viel bedeute.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Stephan R. Bellem bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
- Momentan begleitet er ein paar verrückte Gnome, soweit ich weiß. Danach will er wieder durch Kanduras reisen. Er sprach nicht viel über seine geplanten Geschichten. Nur, dass er wohl noch mindestens sieben davon auf Lager hat.

10. Ein herzliches Dankeschön an Tarlin für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Tarlin gesagt wurde.

- Man muss Tarlin entschuldigen. Er hält sich selbst für ziemlich einzigartig. Aber im Großen und Ganzen hat er schon die Wahrheit gesagt. Gemessen an dem, was ich ihm angetan habe, war er erstaunlich friedlich.

Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage oder auf seiner Facebookseite. 

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