Sonntag, 6. April 2014

[INTERVIEW] Evi Heinrich über Cathrin Kühl

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Cathrin Kühl
Mein Name ist Evi Heinrich, inzwischen bin ich 15 Jahre alt und lebe in der Elementerwelt in der Stadt Heilquell. Ich besuche die Elementerschule Purlunas aus dem gleichnamigen Buch „Purlunas – Der letzte Fluch“, welches den Auftakt zu einer vierteiligen Reihe bildet. Viele Jahre verbrachte ich mit meiner Mutter und meinem Bruder stets auf der Flucht vor dem Weltherrscher Gideon, der meinen Vater ermordete, als ich noch ein kleines Mädchen war. Die Paranoia meiner Mutter und die angeberische Art meines Bruders nerven mich manchmal, doch ein Leben ohne sie kann ich mir nicht vorstellen. In Heilquell haben wir uns bei Oma Ida – Papas Mutter – niedergelassen, zumindest für ein Jahr, ehe wir weiter durch die Welt flüchten wollen. Hier darf ich nun endlich zur Schule gehen, meine Ausbildung zur Elementerin beginnen und habe schnell zwei wunderbare Freunde gefunden: die Zwillinge Nike und Christopher.

 Ich finde es übrigens total super, dass ich hier mal über meine Autorin sprechen darf. Normalerweise redet sie ja immer über mich, so ist es nur gerecht, wenn der Spieß mal umgedreht wird.


Willkommen, nimm Platz *küsschen küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

Danke. Hast du vielleicht auch Kakao da? Ich bin nicht so ganz der Milchtyp. Lieber ein wenig Schoki rein, dann schmeckt es schon besser. Ah, danke! *mampf* Die Kekfe find ja lecker! Mit Fokoladenftückchen! *isst auf* Hmm, in Ordnung, dann schaue ich mir nachher deine Schuhsammlung an, obwohl ich mich dafür nicht so interessiere. Aber vielleicht ändert sich das dann ja!


1. Stell uns Cathrin Kühl doch erst einmal kurz vor.

Hmm, was soll ich da sagen? Cathrin ist 28 Jahre alt, lebt in einer Kleinstadt wie ich, aber in der Menschenwelt. Sie liest echt eine Menge, da ist sie genau wie Nike. Sie hat mir rote Haare verpasst, damit wir äußerlich etwas gemeinsam haben. Das sagt schon eine Menge über sie aus, findest du nicht? Außerdem ist sie verhältnismäßig klein. Mit 1,64 m macht sie nicht viel her. Aber sie ist an sich ganz nett und meistens verstehen wir uns, wenn wir uns treffen. Sie ist ein kumpelhafter Typ, steckt aber mit dem Kopf zu häufig in Büchern und verbringt zu viel Zeit mit lesen und schreiben. Ich finde, sie sollte mehr rausgehen. Das täte ihrem Teint auch ganz gut. Zumindest sagt meine Oma das immer über blasse Menschen.

Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?

Kommt drauf an. Im Sommer trägt sie am liebsten diese komischen Schuhe … Chucks irgendwas. Davon besitzt sie drei Paar in verschiedenen Farben. Ansonsten hat sie sich als Jugendliche viel für Schuhe interessiert, aber irgendwie nahm das mit der Zeit von ganz allein ab. Mit Büchern lockt man sie am besten.

2. Was denkst du über Cathrin, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr/ihm findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Nun ja, was soll ich von ihr denken? Sie ist ein netter Mensch und wenn sie mir nicht manchmal so furchtbare Dinge zustoßen ließe, würde ich mich sogar richtig gern mit ihr anfreunden. Sie beharrt immer darauf, dass das alles sein muss, damit ich so werde, wie es am Ende notwendig ist, aber mir erschließt sich der Sinn nicht. Dennoch finde ich ihre Zielstrebigkeit und ihre Beharrlichkeit toll und auch, dass wir fast den gleichen Humor haben. Sie ist eine Situationskomikerin und heitert mich damit regelmäßig auf. Etwas mehr deckt er sich jedoch mit Chris. Ich denke, ihm hat sie ihrem Humor verpasst. *trinkt einen Schluck Kakao* Ansonsten nervt sie mich ziemlich mit Evi-mach-dies, Evi-tu-das … das ist anstrengend. Und dann das ständige Büchergequatsche! Liebes Element, die braucht eine Nike, die die gleichen Bücher liest! Glücklicherweise hat sie da drei Freundinnen, mit denen sie regelmäßig über Bücher sprechen kann. Aber ihre Liebenswürdigkeit und ihr Einfühlungsvermögen machen das meist wett, sodass auch ich als Buchfigur darüber hinwegblicken kann.

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Purlunas - Der letzte Fluch, Wölfchen Verlag

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?

Wie ich schon sagte: Lesen. Naja, nicht nur. Sie spaziert gern durch die Straßen, mit ihrer Musik auf den Ohren und denkt sich dabei neue Szenen zu ihren Büchern aus. Auch fotografiert sie auf den Spaziergängen gerne. Zuhause kümmert sie sich um ihre Tiere. Sie hat quasi einen kleinen Streichelzoo. Drei Kaninchen, ein Chinchilla und einen Kater und eine Katze. Ansonsten spielt sie sowohl Sims 3, als auch Guild Wars 2, surft im Internet oder wie Nike es nennt: prokrastiniert. Darüber hinaus ist sie ein Serienjunkie, guckt auch gern Filme oder häkelt – wie Oma Ida, dabei ist sie noch gar nicht so alt. Sie trifft sich gern mit Freunden oder ihrer Familie, quatscht stundenlang mit Leuten am Telefon und sowas eben.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?

 Ja, sie hat in beiden Fällen ein Vorbild oder vielmehr: mehrere. Schriftstellerisch bewegen sie Christoph Marzi, Sebastian Fitzek, Cecelia Ahern, Joanne K. Rowling und Cornelia Funke sehr. Auch Patrick Rothfuss und Garth Nix haben es ihr angetan. Im normalen Leben hat sie kein richtiges Vorbild. Es ist eher wie beim Autorendasein: Sie bewundert die Vorzüge von Freunden, Familienmitgliedern und auch einigen Prominenten, welche sie sich als gutes Beispiel nimmt. *mampft noch einen Keks* Ihr Kleiderschrank ist unterschiedlich. Mal ist er ordentlich, nach ein paar Wochen nicht mehr. Dann wird sie es irgendwann leid und räumt ihn wieder auf. Dann geht alles von vorne los.

5. Gibt es Rituale, die Cathrin beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Früher war Cathrin total der emotionale Schreiber. Hat sich nichts zurecht gelegt und einfach zur Musik drauflos geschrieben. Heute geht das bei ihr nicht mehr. Sie braucht Ruhe und keine Ablenkung. Sie nimmt sich vor, täglich etwa fünf Seiten zu schreiben und das klappt auch ganz gut. Kaffee hat sie dazu gern, mit viel Zucker und viel Milch. Oder einem Schuss Haselnusssirup.

6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details ...

Ich lernte Cathrin 2007 kennen. Anfangs war es total seltsam, da sie mich immer an den Rand des Collegeblocks gekritzelt hat, als sie eigentlich hätte zuhören sollen, denn sie saß in der Kieler Uni und besuchte irgendeine Vorlesung oder Proseminar … oder auch einen Grund- oder Sprachkurs. Ich weiß es nicht mehr genau. Aber da lernten wir uns kennen. Komischerweise hatte sie mich gar nicht so auf dem Plan. Zuerst erschaffte sie nämlich einen Jungen – Benni –, der ihr Protagonist in einer Welt sein sollte, in der Elementer leben. Sie ersann eine Geschichte für ihn und irgendwie rutschte ich da mit rein. Ich sollte seine erste Freundin werden, die Schwester von Bennis bestem Freund Noah. Gut, das kam dann ja alles anders. Nun ja, sie dachte nochmal genau darüber nach und fand, dass es viel zu wenig starke Mädchen in der Jugendliteratur gab, die zusätzlich noch rote Haare haben. Von Pipi Langstrumpf mal abgesehen. Ursprünglich war ich nämlich mal blond! *lacht* Sie mochte mich irgendwie und deswegen drehte sich die Geschichte einfach und machte mich zu Protagonistin. Mir wuchsen plötzlich rote Haare und ich stapfte durch die Elementerwelt, mit allen Leseraugen auf mir. Das war schon komisch. Benni blieb auch noch eine Weile, aber den schmiss sie dann schweren Herzens raus, da ihre Lektorin ihr das riet. Ist auch besser so, mich hat der nach einiger Zeit nur genervt. Das hätte nie zwischen uns geklappt. Auf jeden Fall lernte ich Cathrin so kennen und ich bin echt froh, dass sie mich zu ihrer Hauptfigur in ihrem allerersten Roman gemacht hat.


Bild 7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

 Oh, ich weiß eine Menge. Und ich weiß, dass Cathrin mich inzwischen verflucht, dass ich mindestens so viel über sie weiß, wie sie über mich. *grinst schelmisch* Es lief anders ab. Bei ihrem Manuskript „Grenzenlos“ hat sie einfach drauflos geschrieben, genauso wie zu dessen Gegenstück, das in der Schublade liegt, und dort niemals herauskommen wird. Bei ihrem letzten Manuskript „Florian auf der Suche nach dem Weltenbaum“ hatte sie sogar eine erhebliche Schreibkrise, aus der sie erst nach vielen Monaten wieder herauskam – und das auch nur, weil ihr Bruder Florian sie dazu ermunterte (nach ihm ist der Protagonist benannt) und sie sich dazu zwingen musste. Aber irgendwann war es überwunden. Seitdem schreibt sie Exposés, damit sie nicht mehr so schnell ins Stocken gerät und immer noch weitermachen kann, selbst wenn es schwierig wird oder sie mal gar keine Lust hat.


8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Cathrin so besonders?

Weil sie mich besonders gern hat. Nicht, dass sie all ihre anderen Charaktere nicht mag, das ist es nicht. Aber ich bin im Grunde die erste Figur, die auf dem Papier wirklich etwas zu tun bekam, über die sie schreiben konnte. Ich bin die erste, in die sie sich richtig hineingedacht hat, mit der sie zusammen weint, wenn sie etwas Schlimmes erlebt. Deswegen kann ich sie auch nicht hassen, wenn sie mir etwas Übles widerfahren lässt, denn emotional gesehen begleitet sie mich auf diesem Weg. Nicht so intensiv wie ich es erlebe, aber sie ist dabei und das weiß ich.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Cathrin bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Oh, ich mag Kristallkugeln. In einer früheren Version in Purlunas dienten solche als euer sogenanntes Telefon. Hmm, was hält die Zukunft bereit? Das weiß ich nicht genau, denn Cathrin weiß es auch nicht. Sie hofft natürlich, dass sie viele Leser und positive Rezensionen bekommt, die dennoch ehrlich gemeint sein sollen, dass „Purlunas“ Wege in diverse Buchhandlungen findet und sie weiterhin so toll mit dem Wölfchen Verlag zusammen arbeitet. Auch hofft sie, für „Florian“ einen Verlag oder eine Agentur zu finden. *überlegt und knabbert gedankenverloren an einem Keks* Der Stand ihrer Arbeit ist relativ solide. Aktuell fehlen ihr noch zwei Kapitel, ehe sie Purlunas 2 fertiggestellt hat. Mit etwas Glück erscheint es noch 2014. Ansonsten wartet sie noch auf Rückmeldungen zu einigen Anthologien und möchte auch gerne noch weitere Kurzgeschichten schreiben, also lässt sich das mit dem „etwas Neues zu lesen“ noch nicht genau sagen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Evi für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Evi gesagt wurde.

Gern geschehen. Danke, dass ihr hier sein durfte. Die Kekse und der Kakao waren super. Nun zeigst du mir noch deine Schuhe, ja?

Cathrin: Richtigstellen möchte ich nichts, nein. Ich möchte nur hinzufügen, wie interessant diese Art von Interview war und ich nie erwartet hätte, dass meine Buchfigur so antwortet. Klar, ich kenne sie, aber normalerweise frage ich sie all die Sachen und niemand anderes. So musste sie mal auf etwas anderes als mich reagieren und diese Reaktionen fand ich toll! Danke, danke, danke!



Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebookseite. 

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