Donnerstag, 24. April 2014

[INTERVIEW] Ya-Long über Sven I. Hüsken


Sven I. Hüsken

Ya-Long P’an hat ihren Auftritt im Roman „Papa“. Es ist nicht bekannt, wie sie aufgewachsen ist, wahrscheinlich aber wurde sie in chinesischen Diplomatenkreisen groß. Sie spricht englisch, deutsch, französisch und Mandarin fließend.
Ihr Handeln ist strategisch. Sie ist skrupellos und weicht nicht zurück.
Das macht sie zu einem idealen Drahtzieher, zu jemandem, der im Hintergrund agiert, aber immer präsent ist.
Wenn es eine Frau gibt, vor der man Angst haben sollte, dann ist es Ya-Long P’an, auch wenn sie bereits die Fünfzig deutlich überschritten hat.
Es wird ihr nicht gefallen, dass man ihr Fragen stellt und man sollte sich gut überlegen, ob man die Sache durchziehen will. Viel Glück!

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in ihr Gesicht.

Bevor wir mit dem Interview beginnen, sage ich Ihnen eines vorweg: Diese Verhörstimmung, die Sie so zwanghaft versuchen aufzubauen, schüchtert mich nicht ein. Dafür habe ich zu viel Elend gesehen, zu viel Schmerz ertragen. Dafür bin ich dem Tod einfach ein Stückchen zu nah.
Aber ich möchte Ihnen den Spaß nicht verderben, blenden Sie mich ruhig weiter mit der Lampe.

1. Was können Sie uns zu Sven I. Hüsken sagen - los, was müssen wir wissen?

Nun, was Sie wissen müssen, interessiert mich ehrlich gesagt nicht sonderlich. Und das einzige, was ich wissen muss, ist, ob ich mit ihm ins Geschäft kommen könnte. Seine Phantasie könnte für mich tatsächlich interessant sein. Zusammen könnten wir echten Schrecken in die Welt bringen. Doch seit er Kinder hat, ist er ein Weichei geworden. In meinem Geschäft kann ich mit Glucken nichts anfangen.

2. Aha, Sie beneiden Sven also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht Leiden können? Wir haben also ein Motiv?

Beneiden? Soweit würde ich nicht gehen. Ich bin bescheiden. Ich benötige nur sehr wenig. Nein, ich beneide ihn nicht. In seinem Job muss er sich intensiv mit dem Seelenleben seiner Charaktere auseinandersetzen. Das wäre mir zu müßig. Ja, vielleicht kommt er mir hier und da zu nahe. Er weiß viel über mich, aber die Sache mit den Triaden hat er wahrscheinlich nur geraten. Nein, da wo er jetzt ist, ist er für mich am nützlichsten. Er bringt die Leute auf Ideen. Das ist gut.
Aber er lässt mich nicht nahe genug an sich heran. Er beschäftigt sich zu häufig mit anderen Dingen. Herrgott, ich bin nicht einmal einer seiner Hauptcharaktere. Das müsste anders sein!

3. Das hört sich so an, als würde Sven nicht ununterbrochen schreiben - was macht er denn in dieser Zeit?

Wenn er nicht schreibt? Also im Moment versucht er viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Zeitverschwendung, wenn Sie mich fragen.
Er bringt sich das Klavierspielen bei. Auch Zeitverschwendung. Oh, er wandert auch gerne. In der Natur fühlt er sich wohl, schätze ich. Dort, wo ihn niemand erreichen kann, kann er seinen düsteren Phantasien freien Lauf lassen. Er vergeudet seine Zeit, würde ich sagen.

4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert er nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?

Sind Sie so naiv, dass Sie glauben, das eine vom anderen trennen zu können? Wenn du etwas tust, dann tu es vollkommen oder lass es gleich bleiben.
Es gibt tatsächlich Momente, da dachte ich, er würde mir nacheifern. Aber es stellte sich heraus, dass er sich nur für den Roman verstellt hat. Nein, Vorbilder hat er keine, aber es gibt viele Leute, die er bewundert für das, was sie tun.
Er ist wie ein Pilz, dessen Fäden in alle Richtungen wachsen, um Nahrung aufzunehmen. Er saugt von allen ein bisschen auf. Assimiliert was er braucht.

5. Gibt es Rituale, die Sven beim Schreiben anwendet? Hängt er bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?

Kaffee im Normalfall. Energydrinks wenn es extremer wird. Er mag sie nicht, aber wenn es nötig ist, geht er an seine Grenzen. Manchmal benutzt er orchestralische Musik, um in einen Rausch zu verfallen. Horner und Vangelis zum Beispiel, aber auch Axxis, Nightwish, Masterplan, Hammerfall. Er isst zu viele Süßigkeiten, die er seinen Kindern verbietet. Das gefällt mir. Er hat ein Regal voll mit Whisky, allerdings trinkt er nicht, wenn er schreibt.
 
6. Wie kam Sven auf Ihre Spur?

Das versuche ich noch immer herauszufinden, um so etwas in Zukunft zu unterbinden. In meiner Branche kann jede Sicherheitslücke fatal sein. Wahrscheinlich hat er mich gefunden, wie mich alle Bestien finden: Sie haben ein gutes Näschen für den Tod. Und in der Not funktioniert die Nase besonders gut.

7. Wissen Sie, ob er sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen seine Geschichten immer so?

Nein, soweit ich das beurteilen kann, sucht er meistens gezielt. Er hat einen Plan, und er sorgt dafür, dass er funktioniert.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Sven I. Hüsken?

Vielleicht, weil ich so bin, wie er gerne wäre? Ich habe Macht, bin intelligent. Ich bekomme alles, was ich möchte. Ich bin unerreichbar und niemand kann mir etwas anhaben. In gewissem Sinne bin ich unsterblich. Nicht einmal das Gesetz kann mich beugen. Wer wäre nicht gerne wie ich?


9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird er wohl als Nächstes tun? Woran arbeitet er wohl gerade? Heckt er einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?

Die nächste Schreibphase steht kurz bevor. Wie ich höre, arbeitet er an einer Sache, die mir gefallen könnte. Es soll sogar eine Duschszene geben, die meinen Geschmack trifft. Hoffentlich lässt er mich lang genug am Leben, damit ich es genießen kann.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...

10. Ein herzliches Dankeschön an Ya-Long P'an für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Ya-Long P'an gesagt wurde.

Ya-Long ist extrem in dem, was sie tut. Daher glaubt sie, die Welt würde nur auf diese Art funktionieren. Aber so extrem, wie sie mich dargestellt hat, sehe ich mich nicht. Sie wird nie begreifen, dass ich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachte.
Oh, und ich will ganz bestimmt nicht so sein wie sie, und ich habe auch schon mal einen Whisky beim Schreiben getrunken. Einen Blanton’s Gold, wenn ich mich richtig erinnere.



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