Donnerstag, 15. Mai 2014

[REZENSION] Nevermore - Kelly Creagh (by Key)


Nevermore Kelly Creagh
Atheneum, 2010
543 Seiten
Preis:  7,20 US- Kindle
 8,99 US- Paperback
14,49US- Hardcover
ISBN: 978-1-4424-0201-0

Klappentext:
"Cheerleader Isobel Lanley is horrified when she is paired with Varen Nethers for an English project, which is due—so unfair—on the day of the rival game. Cold and aloof, sardonic and sharp-tongued, Varen makes it clear he’d rather not have anything to do with her either. But when Isobel discovers strange writing in his journal, she can’t help but give this enigmatic boy with the piercing eyes another look.
Soon, Isobel finds herself making excuses to be with Varen.
Steadily pulled away from her friends and her possessive boyfriend, Isobel ventures deeper and deeper into the dream world Varen has created through the pages of his notebook, a realm where the terrifying stories of Edgar Allan Poe come to life.
As her world begins to unravel around her, Isobel discovers that dreams, like words, hold more power than she ever imagined, and that the most frightening realities are those of the mind. Now she must find a way to reach Varen before he is consumed by the shadows of his own nightmares.
His life depends on it."

Meine Meinung:
"Does he sleep?"(Prolog)

Es ist ja immer wie ein bisschen Überraschungsei schütteln, lauschen, öffnen, Schokolade ignorieren, Kern brechen und-
Wenn man ein Buch nur aufgrund dessen zur Hand nimmt, weil einem ein einziges Wort anspringt. In diesem Fall war es der Titel allein schon der Alarmsirenen schrillen ließ: 'nevermore'. Und wem das Wort keinen Schauer das Rückrat hinunter rieseln lässt, der sollte dieses Buch lesen. 'Der Rabe' ist zweifellos (und da stimmen mir die Protagonisten zu) eines der berühmtesten Werke Edgar Allan Poes. Ich wollte dieses Buch lesen, weil dieser Schriftsteller Unglaubliches vollbracht hat. 
Ich werde nie vergessen wie ich das erste Mal in der Bibliothek stand und durch die Fülle der Regale gestreift bin und mir ein winziges Bändchen in die Hände geriet. Wie ich seine Geschichten und Gedichte aufgesogen habe wie ein Schwamm. 'Tell Tale Heart' ist einer der wundervollsten Titel, die je eine Geschichte erhalten hat und ich verdamme denjenigen der daraus: 'Das verräterische Herz' gemacht und somit das Überraschungsei mit einem Hammer zerstört hat. Der Rabe ist eine so zentrale Figur in der Poesie und vielen anderen Werken bis hin zu Filmen, Liedern und Comics, das mein Herz in Vorfreude sich eng zusammen zog und ich betete, das Kelly Creagh hoffentlich bei ihrer Geschichte um die Protagonisten nicht vergisst was sie inspiriert hat.

The Nocs
The Nocs
They live in the floor
Ich kann sagen, das Buch hat mich nicht enttäuscht. Es ist eine Fülle von gut recherchierten Poe- Stücken. Ja, ein wenig wirkt es sogar lehrreich. Während der 543 Seiten wurde ich unterrichtet und ich war Isobels und Varens Mitschülerin. Wobei ich mir nicht sicher bin ob ich in der Mensa am Geektisch saß oder ob ich eine derjenigen Personen gewesen wäre, die mehr einem Schatten ähnelt. Das Setting ist sehr einfach: Highschool, Football, Cheerleading, Leistungsdruck, Prüfungen, drakonische Hausarreststrafen und blöde kleine Brüder. Wir finden Izo mitten in ihrer Englischstunde in der der Lehrer aus Spaß an der Freud, Schüler nach Gutdünken zusammenwürfelt für eine Hausarbeit die sich über einige Wochen hinziehen wird. Abgabedatum ist Halloween. Und es ist vor allem eins deutlich: es geht um ganz normale Schüler, es ist idyllisch und malerisch.

Noch bis zur Hälfte des Buches erlag ich dem Gefühl über die Landesgrenzen hinweg mich hinein versetzen zu können in den Alltag einer beliebten blonden im Mittelpunkt stehenden Isobel- natürlich liiert mit Brad aus dem Sportteam. Alles also ganz normal. Wäre da nicht diese leidige Hausarbeit und der zugedacht Partner. Da hat es mich dann auch nicht sonderlich verwundert, das Kapitel 25 (sprich genau die Hälfte) gerade einmal über zwei Seiten verfügt, völlig unwichtigerweise ein eigenes Kapitel ist und dennoch ganz klar die Klimax bestimmt. Alles verändert sich. Und das ist bis hier hin so kontinuierlich sanft geschehen, das man es beinah nicht mitbekommt.
Dennoch nicht langweilig, immer wieder stürzt Varen den Leser in Rätsel, er ist ein Freak. Dunkel, gepierct- Isobels Mutter spricht sogar davon das er seltsam 'erfahren' erscheint und sich um ihr Töchterchen aber weit weniger Sorgen macht als Papa Bär. Varen ist höflich und gleichzeitig spitz sarkastisch und natürlich wesentlich intelligenter als so eine herum hüpfende Cheerleaderin.

Das Buch nimmt sehr viel Schwung auf, durch die sorgfältig vorbereitete Inszenierung. Es ist als ob eine Wahrsagerin die Karten legt und die erste umdreht. Die zweite, die dritte… die fünfundzwanzigste. Immer wenn sie eine umdreht setzt sie die anderen in Beziehung. Das ganze wirkt elliptisch, gekonnt verpackt Creagh alles in sich umschließende Schichten. Und zu erst nur blass und undurchsichtig taucht ein Mann immer wieder im Verlauf auf. Merkmal: Mantel, Säbel, Schal, Hut. Die Figur des 'väterlichen' Geleitschutzes- dem Freund und auch dem Zwielichtigen.
Durch die zweite Hälfte des Buches beginnt sich alles zu drehen. Schnell wird klar, aus der Idylle eines normalen Teenagerlebens wird die Karikatur dessen. Nichts ist mehr wichtig, außer heraus zu finden woher verdammt noch mal 'Jackie Estacado' auf einmal her kommt (das ist die Hauptfigur aus dem Comic: 'The Darkness', die ich als sehr bildhaften Vergleich anbiete). Man gerät in den Taumel der Geschichte: 'masque of the red death' ( mit 'qu')- man darf dabei sein wie Poe interviewt wird, über sein Ableben ausgefragt wird, wie er gesteht er neige zum trinken.
Was meine Erwartungen erfüllte.


The Nocs
The Nocs
They knock on your door
Wermutstropfen ist der bebende Übergang der Welten, ihrer und seiner. Es passiert schnell und auf eine verwirrende Art und Weise wirkt alles zwar noch surreal, aber man nimmt es als Leser bereitwillig an. Will sich bewusst mit den Figuren von der normalen Welt lösen und die alltäglichen Problemchen verdrängen und sich den Mächten stellen um die es in diesem Werk wirklich geht. Und es ist sicher kein Wunder, das am Ende nichts mehr ist wie zuvor. Beziehungen flammen auf, Freundschaften werden neu geknüpft, Verbündete treten auf, eigentlich geglaubte Feinde sind nicht mehr was sie scheinen, ehemalige Freunde mutieren zu Marionetten- das sind alles keine überraschenden Mittel. Es zeigt nur wie ausgeklügelt die Charaktere dieses Buches umeinander tanzen.

Über den Schreibstil kann ich nur so viel verraten, das ich neue Lieblingsworte habe. Vor allem: 'syllable' hat es mir angetan. Klingt es nicht wie ein Name- so volltönend und flüsternd? Aber auch das Wort: 'schlepping' hat mich zum lachen gebracht. Ich hatte nicht das Gefühl das Varen zu hoch gestochen redet oder Isobel und ihre Team- Kameradinnen zu unterbelichtet sind. Einige Nebencharaktere blieben leider etwas blass, aber es könnte auch daran liegen das sie weiß geschminkte Gesichter als Ausdruck ihrer Gruppenzugehörigkeit trugen. Außerdem habe ich ein wenig das Gefühl, das heutzutage Autoren Kapitel ein wenig wahllos benutzen um hübsche Zwischenüberschriften zu verteilen. Was allerdings in diesem Roman gut gelungen ist. Ich hatte zeitweilig das Gefühl das Varen ein wenig sehr dünn, kraftlos und unscheinbar ist- aber das machen seine grünen Augen, die Ketten und die Ringe sowie sein Notizblock wieder wett.
"'Don't call after nine.' Was that when he retired to his tomb?" (chap 3, p 27)
Man darf sich an dieser Stelle gerne fragen wieso ein kleiner Goth zum Hauptdarsteller wird, die Frage ist berechtigt und wird sogar angedeutet beantwortet.

 V- 555- 0710
The Nocs
The Nocs
Where there's one, there's more.

Fazit: 

Zusammenfassend geht es um so viel mehr als auf den ersten Blick erkennbar, weshalb ich mich dazu gedrängt fühle, das ganze direkt noch einmal von vorn zu lesen um heraus zu finden was ich nicht alles übersehen habe! Weiter geht es in 'Enshadowed' der Trilogie. Denn es gibt noch viel zu tun und es ist noch so vieles offen, noch so viel Spielraum. Die Spannung klemmt in meinem Bauch wie ein Knoten, wenn ich nicht bald weiß wie es weiter geht.

Etwas unglücklich macht mich all die Normalität, all die Vorurteile, aber ich kann nichts schlechtes daran finden genau diese Aspekte zu nehmen und sie zu einer Sage zu schmieden, in der basierend auf der Realität Träume wahr werden können- selbst wenn diese auch mal schreiend Pink sind.
Das ist wie der Klecks auf der Leinwand, es zieht den Blick auf sich und es funktioniert. Und dabei ist Creagh an keiner Stelle sparsam mit Farbklecksen und Details, die dann doch ab und an dazu verleiten sich zu denken: 'Ja, ja ich hab's verstanden: Schönes, tolles, großes, altes, restauriertes Haus… gehen die auch noch mal rein heute?' Ungeduldig? Ich? Nevermore. Ob das Buch wohl ursprünglich für eine jüngere Zielgruppe gedacht war? Nevermind.

Noch ein Wort zu der Aufmachung- ich war überrascht was nach dem Epilog noch so alles kam und ich halte es für einen interessanten Kniff und werde meine zweite Runde 'Nevermore' dazu nutzen die dort aufkommenden Hinweise aufzuspüren und pflichttreu zu ergründen. Dieses Buch ist weniger Unterhaltung, es schafft etwas sehr seltenes, es ruft dazu auf mitzumachen. Ich selbst habe zwar ein wenig Sorge, nun etwas in ein Notizheft einzutragen, aber ich nehme mir 'Pinfeathers' Rat zu Herzen und werde den Trunk der 'Nepenthe' kosten. In dem Sinn auf 'Lenore'.


'Beware of Bess' Urteil: überdurchschnittlich gut


Tipp: Werft ruhig mal einen Blick in die Fan Art Gallery auf der Homepage www.kellycreagh.com .

Titel in dieser Serie:
Nevermore
Enshadowed
Oblivion

Anmerkung:
Und jetzt seht euch im Vergleich mal die deutsche Ausgabe an: Ich hätt's nich angerührt bei dem Cover.
Klarer Fall von: 'Der Klecks in Pink!' der Akzent- nicht das verstörende: 'Alice im Wunderland'- Feeling.

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