Montag, 2. Juni 2014

[INTERVIEW] Argyle plaudert über Antonia Günder-Freytag

Und schon geht es weiter. Zum heutigen Start der Leserunde zu "Vatikan - Die Hüter der Reliquie" möchten wir euch ein Interview mit einem der Protagonisten aus dem Werk vorstellen. Hier plaudert Argyle also über seine Autorin und wenn sie jemand kennen muss, dann er, schließlich ist er ihrem Oberstübchen entsprungen und hat etliche Buchseiten mit ihr geteilt - es verspricht also interessant zu werden.
Und im Anschluß könnt ihr euch gleich auf die Leserunde bewerben :)

Viel Spaß!

Kaum dass die Sonne untergegangen ist, betritt Argyle Mc Quiet gänzlich in eine schwarze, auf seine Figur gearbeitete Lederkluft das Zimmer. Er sieht auf seine Herrenuhr, die dem Gegenwert eines Neuwagens entspricht und misst sein Gegenüber mit einem Blick, in dem die Tragik seines ganzen Daseins zu spüren ist.
„Guten Abend, Frau Montua. Ich freue mich, dass ich zu den ganzen Vorfällen, die in dem Roman „Vatikan- Die Hüter der Reliquie“ “, stattgefunden haben, auch mal etwas sagen darf.“ Bevor er sich setzt, dreht er die Schreibtischbeleuchtung zur Seite, so dass sein von Brandnarben gezeichnetes Gesicht im Schatten liegt.
„Ich stehe für Ihre Fragen bereit. Allerdings frage ich mich, warum Sie ausgerechnet mich fragen und nicht die Autorin, die diesen Wahnsinn um den Vatikan herum angezettelt hat.“

1. Stell uns Antonia Günder-Freytag doch erst einmal kurz vor.

„Sie duzen mich? Soll mir recht sein.“ Argyle schnippt einen imaginären Fussel von seinem Motoradhelm. „Antonia?“ Argyle seufzt. „Ich dachte eine Zeit, ich könnte sie lieben. Sie hatte Großes mit mir vor. Nun ja. Sie ist eine sehr dickköpfige Frau. Zu manchen Zeiten, die ich notgedrungen erleben durfte (lacht scheinbar grundlos), hätte man sie sicherlich als Hexe verbrannt. Aber nicht, weil sie sich der Hexerei schuldig gemacht hätte, sondern weil sie es wagt ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen und ihre eigene Meinung zu haben.“ 


2. Was denkst du über Antonia, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst? 

„Eine schwierige Frage. Liest sie das? Egal. Ich beneide sie nicht dafür, als Frau geboren worden zu sein. Ihren schnellen Geist und die daraus resultierenden Diskussionen, die wir führen, geführt haben, habe ich immer sehr geliebt. Wofür ich sie allerdings fast hasse, ist in welche Situationen sie mich immer wieder gebracht hat. Dass sie mir alles nahm, was ich liebte. Und dass sie nie irgendwo erwähnt hat, wie man meinen Namen richtig ausspricht. Ich bin mir sicher, die gesamte Leserschaft denkt an mich als“ (Argyle verzieht das Gesicht) „Argüle. Dabei werde ich Argai ausgesprochen. Diese unterlassene Aufklärung nehme ich ihr übel. Und ihre Faulheit.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt? 

„Mehr Dinge, als wenn sie schreibt. Ihren Haushalt und ihre beiden Söhne findet sie ganz wichtig. Den Garten - und dann ihr Pferd! Jeden Tag verbringt sie Stunden bei dem Gaul. Angeblich hilft ihr das Vieh bei Ersinnen von gemeinen Ideen, die sie dann angeblich schreiben möchte. Ich behaupte: Seitdem sie das Pferd hat, schreibt sie kaum noch. Und dann hängt sie Stunden vorm Internet. Angeblich, um Werbung für uns zu machen.“ (Argyle lacht sarkastisch.) 


4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? 

„Ein Vorbild, Antonia? Ich hörte mal, dass sie seufzte, als sie Leo Tolstoi las und betete, einmal so schreiben zu können, Bilder in seiner Art erschaffen zu können. Ansonsten, nein.“ 


5. Gibt es Rituale, die Antonia beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss? 

„Rituale? Antonia ist ein Chaot. Da gibt es keine Rituale. Sie hört nie Musik, einfach weil sie ihr auf die Nerven geht. Aber sie kann überall schreiben. Auf der Abendterrasse eines Hotels während die Animation tobt und alle um sie feiern. Sie kann sogar schreiben, während sie sich mit jemandem unterhält. Das finde ich beeindruckend. Also wenn sie mal schreibt, hält sie nichts auf. Wenn.“ (Argyle fährt sich durch seine dunklen Haare und schließt die Augen.) „Kaffee ist wichtig, davon trinkt sie eindeutig zu viel. Und Gummibärchen. Ich würde fast behaupten, sie ist gummibärchensüchtig.“ (Grinst) 


6. Wie hast du sie kennengelernt? 

„Es war im stürmischen Frühjahr 1562, als ich durch die sonnenbeschienenen Matten meines Landes ritt. Da saß sie und weinte gar jämmerlich. Ich stieg ab, um dieser Maid beizustehen.“ (Macht eine dramatische Pause) „Quatsch, ich habe keine Ahnung. Plötzlich war sie da, ich kannte nur ihren Namen. Wenn ich gewusst hätte, was sie mit mir vorhatte, ich hätte mich auf das erstbeste Pferd geschwungen und wäre verschwunden.“ 


7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist? 

„Bei den anderen war es wirklich schräg. Antonia ist ein Namensfreak – meinen Namen hat sie übrigens aus Braveheart. Da ist der Onkel ein Namensvetter von mir. Apollonia wollte sie eine Tochter nenne, wenn sie noch eine bekommen sollte. Und Theresa hat sie genommen, weil eine Ordensschwester in ihrer Klosterschule so hieß. Also Antonia fängt immer mit den Namen an. Dann kommt die Geschichte. Aber bei unserer Geschichte passierte etwas, mit dem sie nie gerechnet hätte. Sie hat es mir mal erzählt, als ich ihr Vorwürfe wegen meinem Leben machte. Sie saß eines Nachts an ihrem Computer und hatte eine Schreibflaute, drum surfte sie durchs Internet. Nun und dann haben die beiden oben erwähnten Damen sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie wollen, dass sie ihre Biographie schreibt. Antonia war nicht mehr frei. Sie musste die Geschichte von der Heiligen Apollonia und der Heiligen Theresa von Avila schreiben, ob sie wollte, oder nicht. Diese Nacht wird sie nie vergessen. Es war der 3. November 2007. Erst sieben Jahre später waren die zwei Damen zufrieden.“ 


8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Antonia so besonders? 

„Vielleicht, weil ich es überlebt habe? Und glauben Sie mir, ich bin nicht froh deswegen. Seit Jahrhunderten würde ich nichts lieber tun, als zu sterben. Aber als Katholik bleibt einem der Freitod verwehrt und für Gott zu sterben ist in der heutigen Zeit auch nicht mehr einfach. Aber wissen Sie was? Ich glaube, Antonia liebt mich. Sie hat mich in den vorhergehenden 7 Fassungen auf die unterschiedlichsten Arten sterben lassen. Dann war sie frustriet und hat geweint. Sie konnte mich nicht töten. Darum rede ich heute mit Ihnen.“ 


9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Antonia Günder-Freytag bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer/seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen? 

„Momentan schreibt sie ja so Krimis. Zwei sind schon unter Vertrag, habe ich gehört. Einen Serienvertrag, hat sie gejubelt. Und jetzt sitzt sie da und ringt um Worte bei einem anderen Projekt: Einem Kinderbuch! Können Sie sich das vorstellen? Ich halte das ja persönlich für Quatsch, aber bitte. Ich hätte noch genug zu tun, wie ich Pater Comitti, einem feinen Kerl übrigens, am Ende des aktuellen Buchs mitgeteilt habe. Antonia hält dagegen, man solle erst einmal abwarten, wie unser Buch läuft. Ich sage Ihnen, sie hat die Originalfassung von über tausend Seiten auf dreihundertundfünfzig gekürzt. Ich habe noch etwas zu erledigen. Meine ach so heilige Tochter hat nämlich etwas Entscheidendes in ihrer Erzählung ausgelassen. Entscheidend für die Menschheit. Warum? Nenne Sie es Liebe. Ich sage Blindheit. Verzeihen Sie meinen Zorn.“ (Argyle verneigt sich galant über Frau Montuas Hand und verschwindet so lautlos, wie er gekommen war. Vor dem Fenster erklingt das satte Geräusch einer startenden Gold Wing.) 


10. Ein herzliches Dankeschön an Argyle für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Argyle gesagt wurde. 

„Junge, Junge. Ich habe dem, was Argyle gesagt hat, nichts mehr beizufügen. Er ist mein Liebling, das stimmt. Darum würde ich ihm auch gerne den nächsten Teil überlassen. Sozusagen als Widergutmachung. Zudem bin ich mir sicher, dass er bereits etwas ausgeheckt hat. Vampire in Gottes Namen auf der Welt aufspüren und töten, ist nicht ausfüllend für ihn. Wie ich ihn kenne muss er diese Sache zu Ende bringen, vorher hat er keine Ruhe. Gegen eine seiner Behauptungen verwehre ich mich allerdings: Dass ich faul sei. Ich denke Tag und Nacht über meine Geschichten nach und beschäftige mich mit ihnen.“
„Warum schreibst du sie dann nicht auf, du Faulpelz?“, schallt Argyles Stimme durchs offene Fenster. Gefolgt von einem gutmütigen Lachen und dem Röhren eines Motors.



http://www.bookshouse.de/buecher/Vatikan___Die_Hueter_der_Reliquie/
Vatikan - Die Hüter der Reliquie
Antonia Günder-Freytag
Bookshouse-Verlag, 2014
326 Seiten
Preis: 13,99 €
ISBN: 978-9963522835

Klappentext:
In einem Brief an den Papst warnt die heilige Apollonia vor ihrem Sohn, einem Halbvampir, der die Weltherrschaft an sich reißen will. Pater Comitti, der Archivar des Vatikans, traut seinen Augen nicht, als er bei der Ablage feststellt, dass diese Warnung bereits seit über 300 Jahren ausgesprochen wird. Doch erst als er und der Sicherheitschef des Vatikans die Biografie lesen, die dem Schreiben beiliegt, wird Comitti klar, dass er sich mitten in einem Kampf befindet, der schon seit Jahrhunderten ausgefochten wird. Die Zukunft der Welt liegt nun in seinen Händen …

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