Sonntag, 15. Juni 2014

[INTERVIEW] Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite plaudert über Sarah König


Mit einem solch klangvollen Namen war es ja klar, dass wir uns Sarahs Ferdinand zum Interview schnappen mussten. Und er war so freundlich, uns Rede und Antwort zu stehen.


 In Sarah Königs Debütroman „Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite“ spielt der kleine Schnatter, der soeben hereinspaziert, eine tragende Rolle.
Ferdinand watschelt auf den hohen Stuhl zu, der mittig im Raum steht. Mühsam erklimmt er die Sitzfläche. „Viel zu hohe Stühle!“, jammert er lispelnd.
[Stimme aus dem Off: „Benimm dich! Nicht so viel spucken!“]
„Ich spucke nicht!“, ereifert sich der Schnatter, der viel Ähnlichkeit mit einem Schnabeltier aufweist, dem allerdings der charakteristische Schwanz fehlt, während er sich mit der Pfote über den feuchten Schnabel wischt.
[„Ja, ist klar ... na gut, ich bin weg! Viel Freude, Ferdi!“]
„Ich heiße Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite, du ... du Mensch, du!“ Wütend starrt Ferdinand in die Luft, wartet, ob noch eine Erwiderung folgt. Stille. „Können wir dann anfangen? Ich kann euch ganz viel über die Sarah erzählen! Was wollt ihr wissen?“

1. Stell uns Sarah König doch erst einmal kurz vor. Gibt sie dir genug zu essen? Lässt sie dich regelmäßig nach draußen?

Ferdinand schnaubt und fasst sich theatralisch ans Herz. „Genug zu Essen - natürlich nicht! Seit sie keinen Kaffee mehr trinkt, verwehrt sie mir strikt mein geliebtes Pulver. Dabei schmeckt das so toll. Bitter und knusprig manchmal. Sarah trinkt wenn überhaupt warmes nur doofen Tee und das Zeug aus den Beuteln zu kriegen ist echt schwer. Ansonsten ist sie ganz okay. Sie ist aber auch den Großteil des Tages nicht da, Arbeit nennt sie das, wo sie da hingeht. Und dann geht sie manchmal essen, schreibt, verzweifelt.“ Ferdinand kichert. „Ihr neuer Roman braucht noch einiges an Überarbeitung und der Umzug in eine neue Wohnung stresst sie. Sie könnte einem fast Leid tun. Aber nur fast. Und keinesfalls so sehr, dass man sie nicht mehr ärgern sollte!“ Ferdinand nickt bekräftigend und zieht einen Stapel Manuskriptseiten hinterm Rücken vor. „Wollen wir doch mal sehen, ob ich Sarah nicht helfen kann“, flüstert er und kichert hinter vorgehaltener Pfote.


2. Was denkst du über Sarah, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Ferdinand überlegt. Eine ganze Weile. „Sie ist ehrlich, das finde ich gut. Als sie mich geschrieben hat, bin ich ihr zwischendurch richtig auf den Keks gegangen. Das hat sie dann gesagt und wir haben versucht, uns zusammenzureißen. Als wäre das nur meine Schuld gewesen!“ Ferdinand schüttelt den Kopf. „Ich finde, sie könnte etwas disziplinierter sein, aber das sag ich ihr erst, wenn der Umzug vorbei ist. Sie weiß das auch eigentlich. Was ich aber gut finde, dass sie nicht aufgibt. Ich hab mal in ihren Dokumentenordner gesehen - so viele angefangene Geschichten und Charaktere, die geschrieben werden wollen. Aber mich hat sie fertig geschrieben! Da sind schon einige neidisch. Vor allem die Walküre, die Herrin der Schlösser und die Nacht. Denen war sie mit Feuereifer begegnet und hat doch irgendwann keine Energie mehr gehabt, weiterzumachen. Aber das kommt sicher wieder. Irgendwann.“


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?

„Sie spielt Computer!“ Ferdinands Augen werden groß. „Ich meine, nicht diese Kartenspiele oder so. So was anderes. Rollenspiele. Da ist sie dann eine Elfe oder ein Skelett. Da kann man rumlaufen, ich hab ihr schon oft dabei zugesehen. Oder so was total Albernes: Da fängt sie in einer Ecke an, mit vier anderen und das Ziel ist in der Ecke gegenüber. Camp nennt sie das. Ich versteh das ja nicht so wirklich“, gibt Ferdinand kopfschüttelnd zu. „Aber ich glaube manchmal, sie auch nicht.“ Sein Lachen erfüllt den Raum und einige Speicheltropfen fallen ihm aus dem Schnabel. Dann legt er sich grübelnd die Pfote an den Kopf. „Sie liest aber auch viel, einfach so oder für andere. Sie malt und hört Musik. Manchmal sitzt sie auch einfach den ganzen Abend da und schaut sich seltsame Menschen an, die irgendwo gesungen haben. Und Sarah besucht häufig ihre Familie. Da gibt’s aber auch oft mehr zu Essen als bei ihr zuhause.“


4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

„Puh“, stößt Ferdinand aus und überlegt. „Also ich weiß von einem Buch, wovon sie sagt, dass es ihr Leben verändert hat. Die steht zwei Regalbretter unter mir. Nöstlinger oder so. Gretchen, mein Mädchen, heißt das erste Buch. Es sind drei! Aber die sind jetzt nicht so dick.“ Ferdinand winkt ab. „Sonst hab ich sie mal sagen hören, dass sie zwar immer schon gelesen hat, aber erst seit der Chronik der Untersterblichen und diesem Zauberer Harry Potter so richtig und viel liest. Und dann auch angefangen hat, zu schreiben.“


5. Gibt es Rituale, die Sarah beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Ferdinand schüttelt den Kopf. „Sie versucht es“, seufzt er, „Aber es klappt eigentlich nicht, wenn sie sich vornimmt, jetzt zu schreiben. Dazu die und die Musik zu hören oder so was. Sie trinkt manchmal ausschließlich aus dieser einen Tasse, die sie sich mal für so einen Wettbewerb gekauft hat. Aber auch nicht immer. Eigentlich möchte sie es glaube ich ruhig, aber manchmal läuft irgendwas, damit sie es ausblenden kann, hat sie mir mal erklärt. Und sie freut sich schon wahnsinnig auf das Büro in der neuen Wohnung, wohin sie sich dann zum Schreiben hinsetzen kann.“


6. Wie hast du sie kennengelernt?

 „Sie hat ein Kinderbild von mir und Hildegard gefunden!“ Ferdinand lacht. „Ich weiß nicht genau wie, irgendwas mit Intanett, aber sie hat das gesehen und gedacht: Schnatter! Hat sie gesagt. Echt wahr.“ Gewichtig schaut der Schnatter in die Runde. „Das hat Mama irgendwann gemacht.“


7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

„Ich glaube nicht, dass sie immer Kinderbilder findet.“ Der Schnatter überlegt. „Oft sind es Bilder, ich hab ein paar gesehen. Oder auch Musik, eine Erinnerung, ein Traum. Inspiration kann von überall kommen, hat sie mal gesagt“, lispelt er und ein Speicheltropfen seilt sich von Ferdinands Schnabel ab.


8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Sarah König so besonders?

„Ich bin Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite! Ihr allererstes Buch hat sie nur mir zu verdanken! Wer sollte denn sonst über Sarah sprechen?“


9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Sarah König bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer/seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

„Oh“, sagt Ferdinand, „Ich weiß, sie arbeitet gerade wie wild an ihrer „Flammengarde“, die sie unbedingt im Juni fertig haben möchte. Und dann kommt der nächste November, von dem schwärmt sie schon. Aber da weiß sie noch nichts Konkretes. Ist aber nicht so, dass sie nicht noch genug angefangene Ideen hätte.“ Ferdinand schnaubt und zählt an den seinen Pfoten ab: „Ein, zwei, drei ... vier, fünf, sechs, sieben. Acht! Acht glaube ich.“


10. Ein herzliches Dankeschön an Ferdinand für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Ferdinand gesagt wurde.

Ich möchte mich nur ganz schnell bedanken - das war eine tolle Sache, dass einmal Ferdinand Rede und Antwort stehen durfte. Ich wünsch euch alles Gute, bis zum (hoffentlich) nächsten Mal!

Falls ihr jetzt neugierig auf Sarah geworden seid, könnt ihr sie auf ihrem Autorenblog, bei Twitter oder auf Facebook besuchen. Auch der Machandel Verlag, das Zuhause ihres Debüts freut sich über einen Besuch von euch.


Sarah König - Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite
Machandel Verlag, 2013
134 Seiten
Broschiert: 5,90 €
eBook: 1,96 €
ISBN: 978-3939727316

Klappentext: 
Ein Schnatter hat es nicht leicht in der Welt der Menschen. Zudem ist Ferdinand illegal hier, entgegen dem Befehl seiner Königin. Aber Ferdinand ist jung, unbekümmert und unternehmungslustig. Er sieht überhaupt nicht ein, dass eine Freundschaft mit einem Menschen gefährlich sein könnte. Da kommt ihm der Mensch Kasper gerade recht. Ferdinand will Anschluss. Und Kasper? Was soll der Mann mit einem Schnatter anfangen, der seine Wohnung verwüstet und sein Leben auf den Kopf stellt?


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