Dienstag, 17. Juni 2014

[REZENSION] Die kleine Meerjungfrau- Dirk Steinhöfel (by Key)-


'Hans Christian Andersens Die kleine Meerjungfrau' Dirk Steinhöfel
Oetinger, 2014
112 Seiten
fester Einband 19,90 €
ISBN 978-3-7891-7160-4


Klappentext:
Voller Poesie und Fantasie: Andersens berühmtes Märchen von der kleinen Meerjungfrau. Nachdem die kleine Meerjungfrau den Prinzen vor dem Ertrinken gerettet hat, ist es um sie geschehen: Sie hat sich in ihn verliebt. Doch der Prinz entscheidet sich für eine andere. Andersens Märchen ist eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Dirk Steinhöfel setzt sie in betörende und verstörende Bilder um und legt jenseits von allem Kitsch das Abgründige, das Sehnsucht und Liebe so oft begleitet, frei. Ein traumgewaltiger Bildband auch für Erwachsene: Hans Christian Andersens Klassiker in märchenhaft-düsterem Gewand, beklemmend-schön und von einer fast verstörenden Kraft, neu und faszinierend interpretiert.

Meine Meinung:
Der Wunsch
Da kann man dem Klappentext nur zustimmen.
Vergesst einmal Kitsch und Pastell. Und schiebt eure Disneysammlung ganz weit weg. Denn wer Andersens Märchen kennt, der weiß das sie nicht schön sind oder zumindest nicht immer schön enden. Da schummeln die neuaufgelegten Märchenbücher ja mal ganz gerne. Das wissen wir hoffentlich alle- denn nicht nur Andersens Geschichten litten unter Verstümmelung. Auch die böse Stiefmutter bei Schneewittchen von den Grimms, hat im Laufe der Zeit irgendwo vergessen ihre glühenden Pantoffeln anzuziehen. Wohingegen die kleine Meerjungfrau sogar gänzlich ihres Endes beraubt wurde. 


Das Wort

aus dem Dänischen übertragen// Übersetzt von

Man erkennt bei dieser einfachen Gegenüberstellung das es Abweichungen gibt. Ulkigerweise ist jedoch mein alter Text um ein Wort länger als die durchaus länger erscheinende diesjährige Version. Und ob im Original dänischen Text das Ganze zwei oder drei Sätze sind, weiß ich leider nicht. Allgemein aber ist die Übersetzung ein klein wenig moderner was völlig in Ordnung ist (siehe Ankerkette anstatt -tau.) Die Bilder sitzen an genau den richtigen Stellen um den Text zu begleiten und das eben gelesene Häppchen direkt zu untermalen. Das wirkt ein wenig viel, auf die Gesamtlänge des Textes gesehen. Es ist aber alle Male unterhaltsam das was man sich selbst vorstellt dann in der Umsetzung Steinhöfels zu sehen, er hat da mitunter sehr interessante Möglichkeiten gefunden; sehr detailliert in seiner Grausamkeit, den Schrecken der Worte zu untermalen.

Der Besuch bei der Meerhexe ist einer dieser Momente. Und ich danke Steinhöfel das er nicht folgende Szene verbildlicht hat:
Die kleine Meerjungfrau trank den brennend scharfen Trank, und es war, als ging ihr ein zweischneidiges Schwert durch den feinen Leib, sie wurde ohnmächtig davon und lag wie tot da.“ (S.71)
Auf eine andere Stelle möchte ich Euch aber bewusst hinweisen, direkt im Anschluß am eben genannte:
Als die Sonne über das Meer schien, erwachte sie, und sie fühlte einen brennenden Schmerz, aber ihr gegenüber stand der reizende junge Prinz, er heftete seine kohlschwarzen Augen auf sie, sodass sie die ihren niederschlug (…).“ (S. 71)
Welche damals wie heute von dem jeweiligen Zeichner ausgewählt wurde und anhand der ich Euch in meiner Videorezension ein schönes Beispiel der Veränderung aufzeigen kann. 
Das Bild
 Ab hier solltet ihr euch lieber die Videos ansehen.



Urteil: 
Für jeden Freund klassischer Märchen die nicht nur schön sehen wollen, damit es ästhetisch ist- lohnenswert.
Für jeden der das Original nicht kennt, damit er anschließend staunen kann.
Für jedes Kind und Jugendlichen, um heraus zu finden ob es auch noch andere Welten gibt.
Für jeden Erwachsenen der wissen möchte wie sich heutzutage die Illustratoren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verwirklichen.
Für jeden der mal wieder einen Blick riskieren möchte in zeitlose Geschichten.

Urteil: Ein Märchen!




 Hinweis:
In der Rezension beziehe ich mich zum Vergleich auf die Bücher:
'Die schönsten Märchen von Hans Christian Andersen'- Bertelsman Jugendbuchverlag, 1968

im Video ebenfalls gezeigt:
'Großes deutsches Liederbuch'- Naumann und Göbel Verlag, 1984
'Afrikanische Märchen'- Artia Verlag, 1970 (nicht 1969)


1 Kommentar:

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