Sonntag, 27. Juli 2014

[INTERVIEW]: Gerde Foster über Sören Prescher



Heute verlieren wir gar keine großen Worte, der Autor stellt sich und seine Figur schon selbst so gut vor, dass wir nur noch sagen: Herzlich willkommen Gerde Forster!

Gerde Forster ist eine selbstbewusste, junge Frau von Ende zwanzig bis Anfang dreißig (das ist eine Vermutung von mir als Autor, sie selbst habe ich nicht gefragt; so was fragt man eine Dame schließlich auch nicht), die im Jahr 1890 dem bärbeißigen Ingenieur Nigel Harris und dem etwas ungeschickten Constable Charlie Grant beim Bau eines geheimnisvollen Fluggeräts zur Hand geht. Nachzulesen ist dies in meinem Steampunk-Roman Der Flug der Archimedes, der im Frühjahr 2014 im Fabylon Verlag erschienen ist.
Das Konzept, im Interview nicht den Autor, sondern einen seiner Charaktere zu Wort kommen zu lassen, halte ich für ebenso ungewöhnlich wie interessant. Die Idee hat mir von Anfang an gefallen, sodass ich gar nicht anders konnte, als Gerde grünes Licht dafür zu geben. Ich hoffe nur, sie plaudert nicht zu viel aus dem Nähkästchen.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also, Gerde Forster, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Ja, bitte. Ein Tässchen Earl Grey wäre toll.

1. Stell uns Sören Prescher doch erst einmal kurz vor.

Sören ist Mitte dreißig, wohnt mit seiner Familie in Nürnberg und scheint ständig auf der Suche nach neuen Geschichten zu sein. Egal, ob Krimi oder Horror, irgendeine Story hat er immer im Kopf. Ansonsten ist er ein großer Familienmensch und geniest es, Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern zu verbringen. Wie er da immer noch Momente zum Schreiben findet, überrascht mich immer wieder.

2. Was denkst du über Sören Prescher, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Sören ist auf jeden Fall ein netter Kerl. Selbst wenn er in Eile ist, nimmt er sich stets Zeit für einen kleinen Plausch mit Charlie, Nigel oder mir. Meist diskutieren wir dann über neue Erfindungen und was für Sachen überhaupt möglich sind. Ein großer Techniker ist er zwar nicht, aber, ich glaube, wenn er könnte, wie er wollte, wäre er auch gern Erfinder. So wie Charlie – aber das ist ein anderes Thema.
Wofür ich ihn beneide, ist sein Talent, alles unter einen Hut zu bringen. Egal wie viele offene Baustellen es gibt, die meiste Zeit über macht er einen recht ausgeglichenen Eindruck. Selbst während unserer nervenaufreibenden Arbeit an der Archimedes hatte ich nie das Gefühl, dass er deswegen schlaflose Nächte hätte. Charlie, Nigel und ich andererseits hingen öfters mal in den Seilen.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr/ihm, was tut sie/er, wenn sie/er nicht schreibt?

In den wenigen Gelegenheiten, die sich nicht um seine Familie oder das Schreiben kümmern, ist er ein leidenschaftlicher Film- und Musikfan. Ständig dudelt irgendwo was. Und er könnte stundenlang davon reden. Meist genügt ein kleines Stichwort und sofort fallen ihm zig Anekdoten dazu ein, die er irgendwo darüber gelesen oder gehört hat.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

Es gibt eine Menge Künstler, die er bewundert. Unter den Schriftsellern sind das unter anderem Stephen King, Raymond Chandler, H.P. Lovecraft, Mark Twain, Andreas Eschbach und Sir Arthur Conan Doyle. Die Liste bei den Musikern ist fast genauso lang: Bruce Springsteen, R.E.M., Muse, The Beatles, Bob Dylan und viele mehr. Er schafft es sogar, sich von einem Lied oder einer Melodie zu einer Geschichte inspirieren zu lassen.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Sören Prescher beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Er hat keine festen Gepflogenheiten, soweit ich weiß. Meist hat er ein paar Nüsse oder Gummibärchen als Nervennahrung in der Nähe. Was die Musik betrifft: Er erzählte mir mal, dass er früher während des Schreibens ausschließlich Instrumentalmusik hörte. In der Regel war das Filmmusik, sogenannte Scores, falls dir dieser neumodische Begriff was sagt. Mittlerweile darf aber auch gesungen werden. Mal ist es furchtbar laute Rockmusik, dann wieder sind es ruhige Singer/Songwriter-Sachen. Alles, solang es nicht deutsch ist. Das bringt ihn dann doch zu sehr aus dem Konzept. Deshalb schreibt er in der Regel auch allein in seinem Arbeitszimmer. Wenn sich Leute unterhalten, kann er sich nicht konzentrieren, sagt er.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?

Über Charlie und Nigel natürlich. Ich bin ja erst später zum Team gestoßen, als sämtliche Arbeiten bereits im vollen Gange waren. Charlie erwähnte auch mal, dass er Sören schon von früheren Gelegenheiten kennt. Zwar glaube ich nicht, dass sie mal zusammen die Schulbank gedrückt haben, aber irgendwelche früheren Abenteuer muss es gegeben haben. Irgendwann quetsch ich Charlie deswegen mal aus.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

Ich glaube, Sören ist mit vielen Charakteren seiner Geschichten gut befreundet. Deshalb haben seine Figuren auch öfters mal Gastauftritte in anderen Storys. Charlie zum Beispiel ist auch am Anfang in Sherlock Holmes taucht ab mit von der Partie.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Sören Prescher so besonders?

Ich glaube, Charlie und Nigel hatten einfach keine Lust auf das Interview und haben mich deswegen vorgeschickt. Nein, die beiden fachsimpeln lieber, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Wie bei Hund und Katze ist das manchmal. Natürlich würden sie es nie zugeben, sondern haben so argumentiert, dass mein Vater ein gebürtiger Dresdener ist und meine zwei Freunde nicht so gut deutsch können. Was mich für Sören so besonders macht, ist eine gute Frage. Die solltest du besser ihm stellen. Ich kann nur Vermutungen anstellen. Vielleicht weil ich sehr selbstbewusst und zielstrebig bin, als eine der ersten Frauen überhaupt am Somerville College studiert habe und mir von keinem Mannsbild so einfach was sagen lasse. Wer der Meinung ist, Frauen gehören an den Herd, ist bei mir genau richtig. Dem würde ich was erzählen, dass ihm danach die Ohren klingeln.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Sören Prescher bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Sören arbeitet immer an etlichen Projekten gleichzeitig, die sich in ganz unterschiedlichen Stadien des Fortschritts befinden. Vor kurzem erschien mit Wer mordet schon zwischen Alb und Donau? eine Kurzkrimi-Sammlung im Gmeiner Verlag, die er zusammen mit Silke Porath geschrieben hat. Momentan arbeiten die zwei an einer Art Fortsetzung, die nächstes Jahr erscheinen soll und in der Lausitz spielt. Ansonsten dürften in den kommenden Monaten noch einige Anthologien mit Kurzgeschichten von ihm erscheinen. Eine sogar über eine gruselige Knochenkirche in Böhmen. Dann hat er mir neulich noch verraten, dass um den Jahreswechsel herum ein – Achtung, jetzt kommt’s – Liebesroman namens Momentaufnahme von ihm erscheint. Außerdem erzählte er mir ganz stolz, dass im Frühjahr 2015 der Gmeiner Verlag sein ersten Krimiroman Verhängnis als eBook veröffentlicht – dabei weiß ich noch nicht mal, was ein ieBuck ist. Kannst du mir das vielleicht erklären?

10. Ein herzliches Dankeschön an Gerde Forster für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Gerde gesagt wurde.

Zu korrigieren habe ich nichts. Gerde ist eine äußerst liebeswerte Person, mit der ich gern meine Zeit verbringe. Es würde mich freuen, sie zusammen mit Constable Charlie Grant und Ingenieur Nigel Harris auf ein weiteres Abenteuer zu schicken. Mal schauen, was die Kristallkugel dazu sagt.


Wenn ihr mehr über den Autoren erfahren wollt, werft doch einen Blick auf seine Homepage oder stattet seiner Facebookseite einen Besuch ab.

 



Sören Prescher - Der Flug der Archimedes
200 Seiten
Broschiert: 14,90 €
ISBN: 978-3927071728
eBook: 3,99 €

Klappentext:
Auf dem Grund des Meeres findet Ingenieur Harris ein sechzig Jahre altes Buch, das erschreckend viele Details seines eigenen Lebens enthält. Als dann der Tod seiner Tochter vorhergesagt wird, reist er unverzüglich nach London, kann das Schlimmste jedoch nicht verhindern. Gemeinsam mit dem Streifenpolizisten Charlie Grant versucht er, mehr über das Werk und seinen Verfasser herauszufinden. So erfahren sie von einem weiteren Buch, in dem bestimmte Ereignisse vorausgesagt wurden. Unter anderem eine Katastrophe mit einem Luftschiff im Herzen Londons, die in wenigen Monaten stattfinden soll. Ingenieur Harris versucht, dem Schicksal zu trotzen und eine Flugmaschine zu bauen die das Unglück verhindert.

1 Kommentar:

  1. Den Begriff 'Scores' musste ich jetzt echt nachschlagen. Ich kenn das nur unter Soundtrack oder kurz OST (Official Sound Track)

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