Sonntag, 6. Juli 2014

[INTERVIEW] Yolanda Baker, Geheimagentin, über ihren Autoren Thomas Neumeier

Wie es ihre Berufsbezeichnung erahnen lässt, war es nicht einfach, Yolanda Baker zu kontaktieren. Es ist uns - dank eines gut organisierten Spionagenetzes bis ins viktorianische England hinein - dennoch gelungen, sie zu treffen und ihr ein paar Fragen über Thomas Neumeier zu stellen. Aber lest selbst:




Yolanda Baker ist Geheimagentin der Secret Intelligence Ihrer Majestät Königin Victoria. In dem gleichnamigen Roman “Die Secret Intelligence Ihrer Majestät” hat sie die heikle Aufgabe, eine weltumspannende Intrige gegen das britische Weltreich aufzudecken. Mit ihrem Autor Thomas Neumeier hat sie einige Hühnchen zu rupfen.


1. Stell uns Thomas doch erst einmal kurz vor.

Oh, er ist ein Widerspruch in sich. Er braucht eine geordnete Tagesstruktur, damit weniger auffällt, wie unstrukturiert er selber läuft. Er liebt synchronisierte Abläufe und hätte am liebsten alles in solcher Form, während er sich selber in jeder Hinsicht vollkommen asynchron verhält. Er sucht immerfort nach Abkürzungen, findet aber meistens Umwege. Und wenn wenn man ihm dann eine Abkürzung zuwirft, behauptet er, gar keine haben zu wollen. Er steht für all das, was er im Grunde nicht leiden kann, was es ihm einfach macht, sich selber Tag für Tag zu bekämpfen. Ein durchweg komischer Vogel.

2. Was denkst du über Thomas, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Es passt mir überhaupt nicht, dass ich die ganze Arbeit machen muss, während er alles von seinem Notebook aus steuert. Ich schmeiße mich in Schale, ich schlage mich mit Lords, Waffenhändler und Agenten herum, ich kämpfe mich durch Dschungel und Luftschiffe, während er bequem an seinem Dornfelder nippt und sich ausdenkt, wo und wie man mir als nächstes zusetzen kann. Dass ich dann auch noch ausgerechnet mit dem aufgeblasenen Blaise Wedderburn schlafen musste, war der Gipfel. Lieber hätte ich Guy Jesse verführt, aber er hat uns so charakterisiert, dass wir einander nicht leiden konnten. Das werde ich ihm immer vorhalten.
Ach ja, beneiden tue ich ihn nicht. Aber sowas von überhaupt nicht.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?

Wenn das Wetter passt, radelt er zu seinem Badesee. Da liegt er dann stundenlang lesend auf dem Handtuch, schwimmt ein paar Mal hin und her und hält sich für einen tollen Sportler. Kein Vergleich zu dem, was er mich und meine KollegInnen in seinen Romanen durchmachen lässt. Neulich habe ich ihn beim Singen erwischt. Falls man das so nennen kann. Vielleicht war das eine Übung für die Konzerte, die er mit seinen Freunden bisweilen besucht. Da springen sie dann im Pulk umher und spielen Luftgitarre. Sieht für Außenstehende ziemlich bescheuert aus, wenn du mich fragst, aber wenn’s Spaß macht. Im Moment macht er einen Italienischkurs. Wahrscheinlich um mit der Kellnerin in der Pizzeria um die Ecke anzubandeln. Bis jetzt hat ihm noch keiner verraten, dass sie Kroatin ist. 

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

Keine Ahnung. In seinem Arbeitszimmer hängt ein Poster mit recht wilden langhaarigen Typen herum. Deren Musik mag er anscheinend. Lesen tut er so ziemlich alles, von Krimis bis zum Playboy. Hab ihn auch schon mal mit Comics gesehen. Ach ja, er schwärmt immer wieder von dem Regisseur David Lynch. Mir nicht begreiflich, was er an dem findet. Ich ziehe das Theater dem Kino vor.
  
5. Gibt es Rituale, die Thomas beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Er sagt immer, nur nüchtern kann man wirklich was Sinnvolles zu Papier bringen, aber spätestens abends um halb zehn gießt er sich seinen Dornfelder ein. Musik läuft auch manchmal im Hintergrund. Teilweise gefällt sie mir. Manches ist aber ziemlich schräg. Essen tut er beim Schreiben nicht. Aber seine Küche ist gleich nebenan. Er kocht nicht besonders gut, aber er hat auch noch keinen vergiftet. Sein mediterranes Gulasch ist richtig gut, wenn er es nicht mit dem Pfeffer übertreibt.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?

Ich war noch auf der Offiziersakademie, da hatte er sich einem unserer Ausbilder angeschlossen und ist ihm auf Schritt und Tritt überall hin gefolgt. Keiner hat uns Kadetten erklärt, was dieser langhaarige Typ bei uns wollte und warum er sich alles so genau anschaut. Eines Abends hat er mich im Hof angesprochen. Mein Gott war der schüchtern. Hat kaum den Mund aufgekriegt. Ich habe mehrfach nachfragen müssen, bis er herausgerückt hat, was er von mir wollte. Inzwischen komme ich mit seinen Marotten zurecht.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

Er hat auch schon über Typen geschrieben, die er nie persönlich angetroffen hat. Die würden ihn durch die Mangel drehen, wenn er ihnen so komisch kommt wie mir damals auf dem Akademiegelände. Manchmal lehnt er sich viel zu weit aus dem Fenster, wenn es um seinen Umgang geht. Na ja, notfalls könnte ich ihn ja raushauen, wenn er sich mal wieder in der Richtung irrt und auf Typen trifft, die man besser nicht treffen sollte.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Thomas so besonders?

Weil er mit mir nicht alles machen kann, was er gern möchte. Ich haue ihm sein Notebook zur Not auch um die Ohren, wenn er zu spinnen anfängt. Das braucht er, glaube ich. Außerdem bin ich gerade die einzige Frau in seinem Leben, wenn man die Mittelseitendamen des Playboys nicht mitzählt. Ohne mich würde ihm was fehlen. Ich weiß aber auch, dass unsere innigste Zusammenarbeit bereits hinter uns liegt. Es war eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit, aber im Moment beschränken wir unser Zusammensein auf die private Ebene.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Thomas bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Ja, sieht ganz so aus. Da bin aber nicht ich als Heldin gefragt, sondern meine Kollegin Shanna Tyr. Sie ist Brückenoffizier und lebt ca. 500 Jahre nach meiner Zeit. So taff wie ich ist sie nicht, aber ich glaube, wir würden uns gut verstehen. Ich hoffe, sie lässt Thomas nicht alles durchgehen. Falls doch, werde ich mal ein Wörtchen mit ihr reden müssen. Das Buch mit ihr und ihrem anbetungswürdigen Vorgesetzten Jon Cull erscheint im Laufe des Jahres. Ich nehme es Thomas verdammt krumm, dass er ihr einen so tollen, verständnisvollen Kerl vor die Nase gesetzt hat, während ich in meinem Roman mit Charles Walden-Rothwell und dem Viscount of Dundee Vorlieb nehmen musste. Na gut, die sind nicht übel als Kollegen und Vorgesetzte, aber kein Vergleich zu Jon Cull. Jon Cull, wow! Jon Cull. Jon Cull. Jon Cull. Jon. Mmmhh ...

10. Ein herzliches Dankeschön an Yolanda Baker von der Secret Intelligence Königin Victorias für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Yolanda gesagt wurde.

Ich lese den Playboy nur wegen der hervorragend recherchierten Artikel!
Echt, sie ist Kroatin?



Wenn ihr mehr über Thomas Neumeier erfahren wollt, besucht ihn auf seiner Facebookseite oder bei Literra.


Thomas Neumeier - Die Secret Intelligence Ihrer Majestät
Fabylon-Verlag, 2014
196 Seiten
Broschiert: 14,90 €
eBook: 3,99 €
ISBN: 978-3927071742

Klappentext:
Konspirative Kräfte auf dem Flaggschiff der Royal Air Domination Ihrer Majestät Königin Victoria zwingen die Secret Intelligence und das Schatzministerium zu einem kühnen Streich. Nach turbulenten Verwicklungen im Zuge der orgiastischen Exzesse, denen sich der Militäradel an Bord hingibt, decken die Agenten eine perfide Intrige gegen die Krone auf. Zeitgleich gipfeln in London die Arbeiteraufstände in einem Anschlag auf Westminster-Palace. Die Spuren zu den Hintermännern führen zunächst nach Indien, dann jedoch auf direktem Wege ins House of Lords. Eine zentrale Rolle scheint außerdem die sexuelle Maßlosigkeit propagierende Sekte eines in London residierenden Maharadschas zu spielen.





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