Sonntag, 20. Juli 2014

[REZENSION] Distelmond - Annika Dick (by Key)

Distelmond Annika Dick
Arunya, 2014
381 Seiten
Preis:  5,99 Ebook 
ASIN: B00LN6OVRI

Klappentext:
Das Massaker von Glencoe bescherte der Familie MacDonald traurige Berühmtheit. Das Überleben derjenigen, die den Soldaten entkamen gleicht einem Wunder. Oder einem Fluch. In den Männern der MacDonalds of Glencoe brach in der Zeit der Entbehrung etwas aus, dessen Geheimnis ihre Nachkommen auch Jahrhunderte später noch hüten: Sie verwandelten sich bei Vollmond in Wölfe.
1853 zieht die junge Deutsche Charlotte mit ihrer Mutter nach deren Wiederverheiratung nach Edinburgh. Dort verliebt sie sich in Andrew, den besten Freund ihres Stiefbruders, der ihre Gefühle auch erwidert. Doch seine Mutter ist der Ansicht, dass eine Außenstehende nie den Wolf in ihm akzeptieren wird. Andrew denkt anders darüber und ist davon überzeugt, dass Charlotte seine Besonderheit verstehen wird. Aber sein mordlustiger und rachsüchtiger Vetter sowie der feindselige Robert Campbell zeigen ihm deutlich, wie gefährlich das Leben für seine Familie und Freunde ist. Als er sich aber von Charlotte fern halten will, wird es für sie nur noch gefährlicher.

Meine Meinung:
"D(iamant)
E(merald)"

Und da waren sie wieder meine drei Probleme. Wie fang ich an? Welchen Charakter fand ich am gelungensten? Und wie bewerten ich das am Ende? Uff, ja vielleicht sollte man sich auch erst zum Schluß Gedanken darüber machen, was für eine Wertung man vergeben möchte. Andererseits weiß man ja schon nach der ersten Lektüre, ob man etwas nun gut fand oder nicht. Und ich betone hier ‚erste Lektüre‘, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dieses Werk von Annika Dick noch mal zu lesen, vor allem da es für mich eine lesefreundliche Serifenlose Schrift verwendet. Und weil es sehr unterhaltsame junge Akteure hat, alles sehr höflich ist und ich darüber hinaus einen schönen Ausblick auf Schottland bekommen habe. Dort spielt die hier erzählte Geschichte nämlich. Genauer gesagt in Glencoe, einem sehr schaurigen Fleckchen in den Highlands, welches in einem vergangenen Jahrhundert Schauplatz einer wahren Abschlachtung wurde.

Den Einblick in eben diese mit Füßen getretene Gastfreundschaft der Schotten bietet der Prolog, in welchem Donella und Ramsay vom Clan der MacDonald einführen. Inspiriert wurde die hier einsetzende Geschichte durch das Bild von James Hamilton. Und der Epilog greift Donellas Charakter auch noch einmal auf um der gesamten Romanze dazwischen einen magischen Rahmen zu geben. Optisch unterteilt sind die Kapitel mit schaurig düsteren und beinah giftig wirkenden Grafiken, außerdem haben wir keine 'Absatz- Überschriften' sondern Datumsangaben, welche die Handlung überschaubar halten.
Durch die blutige Tat ausgelöst erwacht in den Männern des Clans der Wunsch ihre Familienangehörigen zu beschützen und die Natur spielt einen abartigen Streich und verpasst den Herren die Fähigkeit über sich selbst hinaus zu wachsen. Allerdings müssen sie sich jetzt nicht gegenseitig bis zum letzten bekämpfen, weil es nur Einen geben kann. Sie können statt dessen zu Wölfen wandeln. Und nutzen dies nun über Jahrhunderte hinweg um den verfeindeten Campbells zuzusetzen und ihr Revier zu halten.
 

"A(methyst)
R(ubin)"
Das Paar um das es hauptsächlich geht: die Deutsche Charlotte und Werwolf Andrew. Sie immigriert in einem Zeitalter nach Edinburgh in dem Frauen hübsches Zierrat am Arm eines stattlichen Herrn darstellen. Sittsam, keusch und ruhig- alle hier sind wohl erzogen und erröten brav, sollte ein Mann- mitsamt Anstandsgruppeim Schlepp- ihnen den Arm bieten. Wirklich näher kommen kann man sich nur auf Bällen oder ausgedehnten Spaziergängen- sprich beim tanzen oder flanieren UND beim 'Blind Mans Bluff' (Pendant: 'Blinde Kuh'). Allerdings gilt das größtenteils nur für die städtische Bevölkerung, die sich ohnehin mehr den englischen Gepflogenheiten angepasst hat. Die traditionelleren urstolzen und bärbeißigen Highlander in Kilts sind genau so lange höflich, wie sie es für anständig halten.

Die zarte Liebesgeschichte entwickelt sich recht schnell, denn die 'sturmblau-äugige' Charlotte (die wissbegierige Lady) und ihre Freundin Peggy (das hyperaktive schnatternde Mädchen von Nebenan) lauschen Stiefbruder Fred (dem sonnigen Pausenclown) und Andrew (dem ehrenhaften besten Freund) zu, während schon die erste kleine Schwärmerei offenbart wird. Margret ist in Frederick verschossen und Charlotte findet ja doch auch Andrew ganz niedlich. Da kann man doch was draus machen, denkt sich Peggy und schleppt allesamt in den hübschen
'Princes Street Garden'. Und ehe es sich Charlotte versieht, lernt sie mit Andrew dessen Heimatsprache. Denn den feschen Mann zieht es mit ganzem Herzen zurück in seine Highlands- die sind aber auch schön- dagegen ist auch nichts einzuwenden. Im Herbst kann man den Clanchief ja mal besuchen fahren für ein paar Wochen. Dazu reicht die Autorin ein paar sehr bildhafte Liedtexte, die einem erklären wo man das Herz finden kann.
Unterbrochen werden die verliebten Tage der Protagonisten von Szenen die in besagter Heimat stattfinden und in der einer der Wölfe jeden Mond auf’s Neue auf Abwege gerät. Er reißt hier ein Schaf, dann eine Kuh und schlußendlich wagt er sich gar an Menschen. Der schwarze Wolf der Familie heißt Barclay und sein kleiner Bruder Cailean verzweifelt langsam aber sicher an ihm. 


"E(merald)
S(aphir)"
Dann folgt ein langer zäher schmachtender Teil voller Liebesschwüre in Briefen und Andrew muss sich mit seiner Mutter auseinander setzen, welche das unvermeidliche Thema auf den Tisch bringt: ‚Wolf und Ausländerin- das geht nicht gut’. Mit der Warnung im Ohr, hat Andrew jedoch keine Zweifel daran, dass die kluge und aufgeschlossene Charlotte, welche ja ohnehin auf Gruselgeschichten von E.A. Poe steht, das schon verstehen wird. Rückenwind bekommt er von der kleinen Fi, welche eine sehr schnelle Auffassungsgabe hat. 
Während sich Fred und Peggy näher kommen, muss Charlotte darben und darf nur träumen von ihrem hübschen Herzensbrecher. Die Lage um Barclays Jahrhunderte alte Rachefehde spitzt sich weiter zu und auch Robert Campbell ist daran nicht unschuldig- denn es bereitet ihm nichts auf der Welt größeres Vergnügen, als jedes Problem den verhassten MacDonalds in die Schuhe zu schieben und bei allen möglichen Behörden darum zu ersuchen Andrew doch bitte bitte fest nehmen zu lassen. Wahrscheinlich würde der selbst das Regenwetter dem völlig unschuldigen und friedliebenden Andrew in die Schuhe schieben.

Anschließend gibt es ein dramaturgisch hübsches retardierendes Moment. Der Besuch findet statt und dem glücklichen Ende steht ja jetzt nichts mehr im Weg. Halt- da war noch was. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Wölfe, hier alle einen auf Einzelgänger machen und ihren Alphawolf nicht wirklich respektieren oder sich untereinander wie ein Rudel verhalten, haben wir es hier mit wilden Bestien zu tun. Ganz so einfach bleibt es nämlich nicht. Im Wald lauern nicht nur Wölfe, sondern auch Bestien in Menschengestalt auf die Damen und zielen immer mitten ins Herz. Und Blessurenfrei kommen die Ladys nicht davon.
Was ich höchst gelungen finde ist die Tatsache das in diesem Werk gestorben wird- theatralisch und aufopferungsvoll. Wer? Das verrat ich mit Sicherheit nicht. 
Davon abgesehen, schleichen sich hier Nebendarsteller ein und wirken alles andere als blass und stehlen den Protagonisten beinah schon die Show. Und ein wenig Moral haben wir auch: Gewalt erzeugt immer nur noch mehr Gewalt- aber bis das alle verstanden haben... .
'Cail- beloved brother' Annika Thomaßen 2014,
nach 'R. R. McIan (1845)
illustration of a MacDonald of Glencoe clansman
'
Fazit:
"T(opas)
DEAREST"
Mir gefiel Cail am allerbesten von den Charakteren, deswegen habe ich rückwirkend mein FanArt zur Geschichte ‚Distelmond‘ auch auf ihn getauft. Die beiden Hauptakteure haben mich leider nicht so sehr beeindruckt, wie das Spaßvogel Liebespaar Peggy und Fred. Auch die Beziehung zwischen Barclay und seinem Bruder war hervorragend beschrieben. Robert als Antagonist war ziemlich grässlich, also ziemlich gut getroffen.
Die Gestaltwandlerfähigkeit erwächst hier aus emotional sehr harten Umständen, welche vor allem durch Rachelust und Beschützerinstinkt geweckt und penibel verheimlicht werden. Dennoch stehen ein paar der Charaktere kurz davor auch ohne den obligatorischen Vollmond die Fähigkeit nutzen zu können. Lass die mal noch ein paar Jahrhunderte weiter diese Gabe vererben und trainieren, wer weiß, vielleicht können die Männer irgendwann wann immer sie wollen zum Tier mutieren.

Für Leser die schon einmal in Schottland waren, wird das Fernweh groß sein, denn die Autorin beschreibt die Umgebung wie sie ist: frei und wunderschön. Ihre Charaktere sind alle sehr liebevoll gezeichnet und die Handlung beschreibt ein gutes Jahr im Leben der Personen, in der jede Einzelne eine Wandlung erlebt. Sich verliebt, erwachsen wird oder über sich hinaus wächst. Auch wenn ich kein ausgewachsener Fan von reinen Romanzen bin, so bedient dieses Werk sein Genre angemessen, da gibt es nichts zu nörgeln. Abzug gibt’s von mir für den nicht vorhandenen Clan, der einfach für mich mehr zu seinem Chief hätte stehen müssen und unterrepräsentiert war. Und auch, wenn es historisch gesehen völlig legitim ist, verzeihe ich Fred sein Verhalten gen Ende einfach nicht- Gehirnerschütterung hin- Ohnmacht her: da hilft auch nen Baum nicht mehr.


Urteil: Eine Distel für "Ha!- Denkste!" auf’s Grab leg’ : sehnsüchtig schön
Überlegung: Och, ja, wenn mich die Distel sticht, oder Donella mich heimsucht, male ich vielleicht noch ein FanArt :P Oder wenn natürlich so ein schnicker Aufruf daher kümmt: FanArt- Wettbewerb bis 9.8.2014!

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