Donnerstag, 24. Juli 2014

[REZENSION] Distelmond von Annika Dick (by Nana)

http://wordart.arunya-verlag.de/index.php/distelmond
Distelmond - Annika Dick
Arunya Verlag, 2014
429 Seiten
Preis: 5,99
ASIN: B00LN6OVRI

Klappentext:
Das Massaker von Glencoe bescherte der Familie MacDonald traurige Berühmtheit. Das Überleben derjenigen, die den Soldaten entkamen gleicht einem Wunder. Oder einem Fluch. In den Männern der MacDonalds of Glencoe brach in der Zeit der Entbehrung etwas aus, dessen Geheimnis ihre Nachkommen auch Jahrhunderte später noch hüten: Sie verwandelten sich bei Vollmond in Wölfe.

1853 zieht die junge Deutsche Charlotte mit ihrer Mutter nach deren Wiederverheiratung nach Edinburgh. Dort verliebt sie sich in Andrew, den besten Freund ihres Stiefbruders, der ihre Gefühle auch erwidert. Doch seine Mutter ist der Ansicht, dass eine Außenstehende nie den Wolf in ihm akzeptieren wird. Andrew denkt anders darüber und ist davon überzeugt, dass Charlotte seine Besonderheit verstehen wird. Aber sein mordlustiger und rachsüchtiger Vetter sowie der feindselige Robert Campbell zeigen ihm deutlich, wie gefährlich das Leben für seine Familie und Freunde ist. Als er sich aber von Charlotte fern halten will, wird es für sie nur noch gefährlicher.

Meine Meinung:

Im Zuge einer Leserundenverlosung hatte ich ein eBook des Romans gewonnen und mich riesig gefreut, auch wenn ich ehrlich gestehen muss, bei dem Genre »historisch« ein wenig Bauchschmerzen zu bekommen. Dieses Genre liegt mir generell gar nicht. Da ich aber den Schreibstil der Autorin nur zu gut kenne, wagte ich das Experiment.

Bei den Charakteren hat sich die Autorin sehr viel Mühe gegeben, wie ich finde. Es geht vorrangig um Charlotte, das deutsche Mädchen, das nach Edinburgh zieht und so kurzerhand einen Stiefvater und einen Stiefbruder dazugewinnt. Charlotte ist sehr wissbegierig und lernt schnell und viel.
Andrew ist Freds bester Freund und wohl einer der wenigen, der mit den Macken von Charlottes Stiefbruder wirklich gut klarkommt. Darüber hinaus ist Andrew der Anführer eines alten Clans, der im Streit mit einem weiteren, den Campbells liegt.
Hier kann ich direkt auch Robert Campbell anbringen, der ein übler Zeitgenosse ist und Andrew am liebsten tot sehen würde.
Ebenfalls zu erwähnen sind die quirlige Peggy, die mehr als nur ein Auge auf Fred geworfen hat und das Brudergespann Barclay und Cailean. Die Brüder sind … ja, gegensätzlich möchte ich sagen. Was der eine zu viel hat, fehlt dem anderen und umgekehrt. Somit ergänzen sie sich super, wenngleich man nicht jede Regung wirklich nachvollziehen kann. Bzw. will. Die Autorin hat viele Facetten deutlich klargestellt, dennoch wollte ich als Leser ins Buch greifen und den ein oder anderen in der ein oder anderen Situation schütteln.
Fiona ist Andrews kleinere Schwester und eine tolle Sympathieträgerin. Sie trifft ein hartes Los, doch sie ist stark und das ist gut so. Auch wenn sie mir anfangs etwas zu »nervig« war, so hat sie doch eine tolle Wandlung erlebt.

Die Sprache. Ja, wohl ein Punkt, der mir immer etwas gruselig bei historischen Romanen erscheint, aber hier irgendwie gar nicht. Ich konnte alles super verstehen, empfand selbst die Beschreibung der Umgebung als schön schmückend und nicht zu kitschig. Wunderbar.

Fazit:
Ich war total lahm beim Lesen. Das bin ich irgendwie immer, sobald es sich um ein Genre handelt, indem ich mich nicht so recht auskenne. Ich habe stets das Gefühl, irgendwas zu verpassen, wenn ich nicht konzentriert dabei bleibe. Aber jetzt merke ich, diese Sorge war unbegründet. Ich glaube, die Autorin hätte mir ein lilablassblaues Einhorn mitten in der Weite Glencoes zeigen können und ich hätte es ihr geglaubt.
Was auffallend war, war die Schamesröte, die seinerzeit geherrscht hat ;). Aber auch das störte mich nicht wirklich. Zugegeben, also Gaidheal (hab ich das nun richtig?) fand ich schon etwas arg, ja, hm, kitschig? Ich muss ehrlich zugeben, das war mir dann eine Spur zu viel. Auch wenn es in die Situation gepasst hat, ganz bestimmt. Aber mit diesem Kontrast – der große böse Wolf und der süße kleine Collie – wuah.
Kommen wir doch wirklich zu den Wölfen. Klasse gemacht. Klasse ausgedacht, klasse umgesetzt. Nichts Schmusekuschelgutschigutschiwerwolfgedöns. Hervorragend. Hier sind Wölfe noch Wölfe! Auch hier hat die Autorin nicht mit den passenden Worten gegeizt. Ohne Umschweife und ohne Schönreden. Dementsprechend blutig geht’s dann doch mal zu, aber alles in einem gesunden Rahmen. Und das sage ich als »Schisser« ;)
Alles in allem hat die Autorin eine tolle Geschichte geschaffen, lebendige Charaktere und perfekt verwobene Nebenstränge eingeflochten.
So, ich suche gerade, wo ich denn eine Katze abziehen kann. Irgendwas muss es doch geben. Irgendwas. Aber wir haben alles: wahre Vergangenheit. Männer im Kilt. Ein wenig Sex, ein wenig Mond, ein bissl Wolf, den Gebrauch von Waffen, starke Frauen, nicht so starke Frauen, Liebe und Hass. Okay. Kitsch. Ja, Kitsch. Darf ich deshalb eine Katze abziehen? Nee, glaubt mir auch niemand.
Hach, wäre das schön, dieses eBook gedruckt in Händen zu halten, es bekäme einen Ehrenplatz in meinem Regal! Daher, meine ehrliche Leseempfehlung!


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