Sonntag, 17. August 2014

[INTERVIEW] Faris Fedon über Antje Ippensen



Heute machen wir uns auf eine Zeitreise in die Zukunft, um unseren Interviewpartner zu treffen. Auf diese bitten wir nur unsere erwachsenen Leser mitzukommen, denn die Bücher, aus denen Faris Fedon stammt, sind definitiv nichts für Kinder ...

Faris Fedon ist der männliche Protagonist in der Dornen-Trilogie, von der bereits Teil 1, ROSENFLAMMEN, als E-Book im Arunya-Verlag erschienen ist: ein Mann mit einer schwer zu beschreibenden Aura, einem besonderen Geruchssinn und rätselhaften Gedächtnislücken. Was ihn vor allem durch die Wildnislande treibt, ist das deutliche Gefühl, auf der Suche zu sein. Aber nach wem? Die zerrissene Reste-Welt um ihn herum pfeift auf dem letzten Loch, selbst der Mond hat sich unheilvoll verändert, und Faris‘ Volk hat etwas damit zu tun. Es dauert eine Weile, bis sich die Nebel in seinem Hirn lichten.

Wie er das findet, wenn ein Chara den Autor beschreibt anstatt umgekehrt? Ausgezeichnet. Faris ist ohnehin der Meinung, dass literarische Figuren viel mehr Rechte haben müssten und ihre eigenen Armeen mitsamt Magietechnikern zu ihrer Verteidigung und zur Durchsetzung ihrer Ansprüche nutzen dürften. Ach nein, fällt ihm ein, in der sogenannten realen Welt gäbe es das so in der Form ja nicht, also müsse er etwas nennen wie Bürgerinitiative, Lobby oder Partei? ‚Wählervereinigung erfundener Phantasiegestalten‘, das wäre doch spannend. Nun, ein solches Interview hält Faris Fedon jedenfalls für einen guten Anfang.

Anmerkung: Dieses Interview führt der Faris aus dem ersten Teil der Trilogie, aus ROSENFLAMMEN also, während er noch mit seiner Amnesie kämpft.

1. Stell uns Antje Ippensen doch erst einmal kurz vor.
Sie besitzt telepathische Kräfte und verfügt auch über die Gabe des Sehens, sie hat Visionen – ich glaube, in eurer Welt nennt ihr das Phantasie oder Vorstellungskraft. In gewisser Weise ist sie mir sehr nahe und immer wieder zeigt sie mir, wie perfekt sie in düstere Seelenwelten eintauchen kann. Ich glaube, das Schreiben bedeutet ihr viel. Obwohl ich nicht allzu oft mit ihr zusammenkomme – Hauptfigur in der Trilogie bin ich nun einmal nicht – spüre ich eine große Nähe zwischen uns. Viel mehr kann ich nicht sagen … ich müsste ein wenig länger nachdenken. Antje ist arbeitsam und vielseitig und ein wenig geheimnisvoll. Ja, sie hat Geheimnisse. So wie ich.

2. Was denkst du über Antje, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich bewundere ihre ‚Besessenheit‘, was das Weben und Verflechten von Bildern und Handlungssträngen angeht, mache mir aber manchmal Sorgen, sie könnte sich selbst verlieren im Irrgarten der Geschichten. Von mir als Romanfigur fordert sie sehr viel, ich komme kaum zum Genießen, und ich bin überzeugt davon, dass sie noch viel mit mir vorhat.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie träumt … sie geht mit ihrem schwarzen Hund spazieren … sie unterhält sich sehr viel mit ihrer Freundin und Kollegin. Ich selbst bin eher schweigsam, ich wundere mich, wie zwei Menschen sich so ausdauernd im Gespräch austauschen können … in meiner Welt ist das anders, auch unter Frauen. Nicht, dass wir nicht reden würden, aber so intensiv tun wir es in der Regel nicht, wir haben den Kampf, die Jagd und andere Probleme, die uns beschäftigen. Hier in dieser Welt scheint Kommunikation ein wichtiger Bestandteil des Handelns zu sein, so kommt mir das vor.
  
4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Im normalen Leben? Davon kriege ich zu wenig mit, nur so am Rand, wenn sie sich gedanklich unserer Dornen-Welt nähert, also dazu kann ich nichts sagen. Ansonsten spüre/höre/erkenne ich die Namen, die sie manchmal vor sich hinmurmelte, oder ich erhasche einen Blick auf ihren Kindle. Sie liebt Klassiker wie Shakespeare, ernsthafte Literaten verflossener Epochen wie den blumigen, pathetischen, menschenfreundlichen Stefan Zweig, die Brontё-Schwestern mit ihren leidenschaftlichen Romanen, und relativ neu hinzugekommen sind Autorinnen und Autoren wie Jacqueline Carey – sie schildert in ihrem „Kushiel-Epos“ eine Alternativwelt der Renaissance, in der zartharte Liebe und Schmerzerotik eine große Rolle spielen – Myra Çakan, deren „Downtown Blues“ sie ebenso schätzt wie „When the music’s over“ sowie (superneue Entdeckung) Gerwalt und dessen mittelalterliche SM-Trilogie „Weidenrute und Schwert“. 

Ich glaube, es gäbe noch mehr zu nennen, viele, viele Textschaffende beeindrucken Antje und sie lässt sich von ihnen inspirieren, sie ist voller Bilder, die größtenteils aus der Lektüre stammen, von ihr umgewandelt und neu geschliffen werden und so ihre eigene Phantasie zum Blühen bringen – ja, das ist stimmig, denke ich.

5. Gibt es Rituale, die Antje beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu essen, das in Reichweite stehen muss? 
Es muss nicht sein, aber sie legt sich gern vorher auf die Massageliege, das habe ich mitbekommen, zur Tiefenentspannung, und sie trinkt gern Kräutertee beim Schreiben, in Mengen. Welche Sorten? Ich habe Fenchel-Anis-Kümmel erschnuppert sowie Ingwer-Honig.
  
6. Wie hast du sie kennengelernt?
Oh, mein Gedächtnis … ich weiß es nicht mehr genau. Es könnte in einer Vollmondnacht gewesen sein, oder auch am hellen Mittag – in meiner Erinnerung, die in etwa so zuverlässig ist wie das löchrige Gift-Eis unserer winterlichen Küsten, war sie auf einmal da und ich auch. Urplötzlich. Es war ein rauschhafter Moment.
  
7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich vermute, dass es häufig ähnlich abläuft. Geschichten überfallen sie, und/oder sie gibt sich ihren Figuren leidenschaftlich hin. Manchmal ZU leidenschaftlich. Einmal habe ich gehört oder telepathisch erfasst, wie sie flüsterte, dass das Schreiben ihr Lebenselixier sei. Ich denke, es ist noch mehr als das: Es ist wie eine Droge für sie.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Antje so besonders?
Sie würde es vielleicht anders formulieren, aber sie hat gewisse Schwierigkeiten mit männlichen Hauptfiguren, wenn diese in ihren Romanen eine positive Rolle spielen sollen. Mit facettenreichen Schurken gibt es kein Problem, auch nicht mit bösen weiblichen Charakteren, übrigens, nur generell lassen sich in den Geschichten sehr viele Heldinnen finden. Hingegen Helden, die auf der Seite des Guten stehen? Da bin ich der erste, und das macht mich zu etwas Besonderem.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Antje Ippensen bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Um mit dem letzten Teil der Frage zu beginnen: auf jeden Fall. Daran kann es gar keinen Zweifel geben. So lange sie atmet, schreibt sie und bringt neue Texte heraus. 

Mit der Fertigstellung von ROSENGLUT, abschließender Teil der DORNEN-Trilogie, ist sie ein wenig im Rückstand, weil die Geschichte schwer zu „jagen“ ist und das Alltags-Leben oftmals Tribute fordert, aber ich spüre, dass sie alles im Kopf hat und bin schon sehr gespannt, was aus mir wird. 

Außerdem plant sie einen weiteren Violent Earth Roman (Zombie-Reihe der Edition Bärenklau), Band 8 stammte schon aus ihrer Feder, vermutlich wird sie an Band 9 zumindest teilweise mitarbeiten. Ebenfalls dort erscheint „Armageddon Zone, die Endzeit-Serie“, hier sind wir inzwischen am Erarbeiten von Band 7, „Wahnsinns Land“, und Antje ist federführend. 
Um weiter im Bereich Dystopie zu bleiben: Da ist noch die leicht cyberpunkige Social Fiction Trilogie „An den Rändern der Zeit“, Teil 3 ist kurz davor, aus dem Ei zu schlüpfen. Dies letztere wird ein E-Book in ihrer eigenen Edition Redensart sein. 

In der Edition Nocturno, Autorengemeinschaft, die aus Inka Mareila, Markus Kastenholz und Antje besteht, glühen zurzeit die Tasten, weil eine kleine Horror-Antho mit schwarzem Humor geplant ist, Arbeitstitel: „Untote Aliens“. Soll im Herbst diesen Jahres herauskommen.
Und bestimmt gibt es noch die eine oder andere Überraschung …

10. Ein herzliches Dankeschön an Faris Fedon für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Faris gesagt wurde.
Liebes Lesekatzen-Team, ich finde, dass Faris seine Sache recht gut gemacht hat – das lag bestimmt auch an Eurer einfühlsamen Art und Weise, in der Ihr diese vielen klugen Fragen gestellt habt. Und dafür, dass er sich als eher schweigsam oder einsilbig bezeichnet, ist er doch schön aufgetaut, hat also offenbar Vertrauen gefasst.

Richtigstellen möchte ich nur eins: „Ich glaube, das Schreiben bedeutet ihr viel“ ist die Untertreibung des Jahres. Auch „Droge“ oder „Lebenselixier“ streift die Wahrheit nur.

Schreiben ist für mich die Wildnis-Dimension, das anarchische Abenteuerland. Schreiben ist Alles in Einem. Schreiben ist All You Can Eat, Amour Fou, Hastalavista, Baby. Ich mag alles daran, auch wenn ich über das eine oder andere oftmals fluche (überarbeiten, mit widerspenstigen Charakteren umgehen, vollenden, kürzen, sagte ich schon: überarbeiten?). Wenn ich schreibe, ist es paradiesische Hölle und Eisglut. Wenn mich eine Idee in die Stratosphäre der Phantasie katapultiert, atme ich etwas anderes als gewöhnliche Luft.

Abschließend bemerkt ist auch mein „normales Leben“ eher nicht so recht in der „Norm“. Ich lebe und arbeite schon seit 14 Jahren mit der Künstlerin Louise von Stein zusammen, wir leiten unser Atelier-Redensart in Mannheim (Modellieren mit Ton als Selbstausdruck) und geben Louise von Steins Lebensgeschichte LICHT AN … als E-Book heraus. Um nur einen winzigen Teil unserer Projekte zu erwähnen.

Sie und ich sind ein Dream Team. Mitsamt unserer Mischlingshündin Una!

Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookfanpage.



Antje Ippensen - Rosenflammen
Dornen-Trilogie Teil 1
Arunya-Verlag, 2014
200 Seiten
eBook 3,99 €
ASIN: B00JORLXXI

Klappentext:


Eine geheime Mission in den Niederungen der Demut und des süßen Schmerzes.

Der 4. Weltkrieg hinterlässt pures Chaos und die gefolterte Erde sehnt sich nach Heilung. Mit ihrer kleinen eigenartigen Familie, bestehend aus Mensch und Tier, sucht Sigyn Schutz im Kloster Sainte Isabelle, doch sie gerät in ein Intrigendickicht. Mit allen Sinnen versinkt sie im Reich süßer Schmerzlust und Demütigung, aber es geht um sehr viel mehr.

Eine geheime Mission, die im Kloster zur gefählichen Last wird. Und einen Feind, dessen Heimtücke ohne gleichen ist. Werden ihre Freunde rechtzeitig zur Stelle sein, um ihr beizustehen? Oder soll es ihr Schicksal sein, von der „Höhle der Löwin“ mit Haut und Haaren verschlungen zu werden? 


Antje Ippensen - Rosenasche
Dornen-Trilogie Teil 2

Arunya-Verlag, 2014
200 Seiten
eBook 3,99 €
ASIN:
Erscheint Herbst/Winter 2014

Klappentext:
Sigyn ist vieles: Heilkundige, Kriegerin, Heidin, Masochistin, Liebende, “Schläferin“; ­ so voller Widersprüche, dass sie Funken sprüht. Im Kloster Sainte Isabelle warten weitere schmerzerotische Bewährungsproben auf sie und obwohl sich die Lage zusehends zuspitzt, darf sie die alten Mauern noch nicht verlassen!

Denn hier ruht ein sagenhaftes Artefakt, mit dessen Hilfe man die Welt entweder heilen oder unterjochen kann. Als kostbare Geheimnisse brutal aufgedeckt werden, bleibt dem Wolfsmann Faris nur noch ein einziger Ausweg, der seine ganze Herzenskraft erfordert.

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