Sonntag, 7. September 2014

[INTERVIEW] Dr. Watson, ja, DER Dr. Watson über Barbara Büchner



Wir freuen uns außerordentlich darüber, heute eine besondere Berühmtheit auf eine Tasse Tee und ein paar Gurkensandwiches zu treffen: Kein Geringerer als Dr. John Watson hat uns einige Fragen über seine Autorin Barbara Büchner beantwortet.


Mein Name ist John Watson, MD. Kann ja sein, dass Sie mich schon von früher her kennen. Ja, ich finde das sehr anständig, einmal auch die Charaktere zu Wort kommen zu lassen. Meistens interessiert sich ja höchstens so ein Literaturpsychologe für uns, und der hat dann nichts anderes zu tun, als unsere kleinen Schwächen mit denen unseres Autors zu vergleichen: Aha, die Protagonisten koksen, da kokst der Autor wahrscheinlich auch! Dabei sind wir eigenständige Persönlichkeiten. Das sollten Sie einmal sehen, wenn wir Charaktere bocken und nicht das machen, was der Autor will! Da geht es rund! Ganze Bücher mussten schon umgeschrieben werden, weil unsereins sich weigerte, eine bestimmte Dame zu heiraten oder sich von einer Klippe zu stürzen, damit das Buch endlich ein Ende hat. Ich weiß das, ich bin ja selber auch Schriftsteller, wenn auch in aller Bescheidenheit und nur als Chronist meines verehrten Freundes Sherlock Holmes.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also, Dr. Watson, dürfen wir Ihnen eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Ich bitte darum, es ist ja gerade Teezeit. Sehr stark, mit viel Milch und Zucker bitte.


1. Stellen Sie uns Barbara Büchner doch erst einmal kurz vor.

Hmm… vom Äußeren her eine unscheinbare ältere Person, meistens schwarz gekleidet, aber von sehr exzentrischem Wesen. Könnte glatt eine Engländerin sein. Sie hat so dieses gewisse geisterhafte Etwas.

2. Was denken Sie über Barbara Büchner, wie finden Sie sie? Gibt es etwas, was Sie besonders toll an ihr finden, wofür Sie sie beneiden? Oder etwas, was Sie so gar nicht leiden können?

Tja – ich bin ja mehr ein Frauenfreund, im Gegensatz zu meinem Gefährten Sherlock Holmes, der Frauen doch überaus kritisch betrachtet. Für mich sind Frauen grundsätzlich etwas Positives, auch die älteren. Und wir Engländer sind ja an eccentrics gewöhnt. Ich könnte sie mir gut in meiner Zeit vorstellen, am Fenster sitzend, in den schwefelgelben Londoner Nebel hinausblickend, lauschend und wartend, welche Untaten dieser Nebel wohl diesmal verbirgt.

3. Sie verbringen doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?

Da muss ich jetzt nachdenken. Nicht schreibt? Eigentlich schreibt sie andauernd. Ja, nachts schläft sie natürlich, aber auch nicht richtig, denn im Schlaf heckt sie die nächsten Abenteuer im Kopf aus. Genauso, wenn sie mit den Hunden spazieren geht. Wenn sie die Leine holt, da weiß ich schon: Jetzt hat die Handlung ihres Buches einen Knoten, jetzt weiß sie nicht weiter! Wenn sie dann vom Spaziergang zurückkommt, sind die Hunde müde… apropos, habe ich Ihnen schon einmal erzählt, was Sherlock und ich auf Schloss Baskerville mit einem grün leuchtenden Hund erlebten? Ja? Nun, wie auch immer, wenn sie zurückkommt, ist ihr inzwischen eingefallen, wie es weitergeht. Außerdem liest sie viel, aber auch immer Sachen, die neue Ideen ins Spiel bringen. Historische Kriminalfälle, Spukgeschichten, berühmte Prozesse aus alter Zeit. Pitaval, Famous English Trials, Sie wissen schon. Man könnte also sagen, sie ist eigentlich immer irgendwie mit Schreiben beschäftigt, auch wenn es nach außen hin aussieht als würde sie etwas ganz anderes machen.
 
4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

(mit stolzem Lächeln) Jawohl! Die klassische englische Gespenstergeschichte! Die Victorian Ghost Story! Die muss nämlich nicht unbedingt im viktorianischen England spielen, es geht hier viel mehr um den Geist der Geschichte als um die äußerlichen Schnörkel von Ort und Zeit. Da wüsste ich gar nicht, wo ich anfangen soll, alle die Namen von großartigen Schriftstellern aufzuzählen, die meine Lady beeinflusst haben – und ganz besonders die braven Pfarrersfrauen, die sich grauenvolle Geschichten voll schwarzer Magie, Mord und Leichenraub ausdachten, während sie am Stickrahmen saßen! Die ärgsten englischen Gespenstergeschichten stammen ja von Frauen, das muss man als Mann ehrlich zugeben.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Barbara Büchner beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?

Ja, das ist eigenartig. Sie wissen ja, Sherlock Holmes spielt Geige, wenn er nachdenkt. Aber bei meiner Lady muss es ganz still sein und möglichst dunkel. Da darf keiner stören. Früher hat sie die Nächte durchgeschrieben, aber jetzt werkt sie hauptsächlich am Vormittag. Sie sagt, da fürchtet sie sich weniger vor ihren eigenen Kreationen.

6. Wie haben Sie sie kennengelernt?

Ach, wir haben uns durch Sherlock kennengelernt, schon vor sehr langer Zeit – eigentlich, als sie noch ein sehr junges Mädchen war. Sie hat sich sofort in ihn verliebt. Nun ja, ich bin es gewohnt, die zweite Geige zu spielen, aber ich kann mit Stolz sagen, dass ich mit der Zeit immer mehr Raum in ihrem Herzen gewonnen habe. Sie behauptet, ich sei weitaus interessanter, als mein bescheidener Platz an Sherlocks Seite vermuten lässt, und ohne mich wäre mein Freund längst dem Kokain verfallen und in Bedlam gelandet, statt neue Fälle zu lösen. Ganz meine Meinung! Auf meine bescheidene Weise trage ich mein Scherflein zur Lösung unserer Fälle bei, und wenn ich nur auf Sherlock aufpasse. Ein so hochbegabter Mann ist wie chinesisches Porzellan, was so edel ist zerbricht auch leicht. Da muss ein bisschen gesunder britischer Menschenverstand an der Seite stehen.

7. Wissen Sie, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

Das kommt natürlich darauf an, ob die Charaktere aus der Literatur oder vielleicht auch einem Film stammen oder einen Doppelgänger in der Realität haben. Auf jeden Fall macht sie es sich recht einfach beim Schreiben: Sie fängt eine Handvoll Charaktere aus ihrer riesengroßen Datei heraus, gibt ihnen ein paar knappe Regieanweisungen und lässt sie dann machen, was sie wollen. Unglaublich, aber es klappt immer! Dabei hat sie manchmal die längste Zeit keine Ahnung, was die Leute eigentlich treiben, oft kommen sie ja auf die wunderlichsten Ideen. Aber sie weiß aus Erfahrung, dass am Ende immer ein Buch daraus wird, mit einem Anfang und einem Ende und einer richtigen Handlung. Sogar sehr spannend, was man mir so erzählt.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit Ihnen? Was macht Sie für Barbara Büchner so besonders?

 (Verlegenes Lächeln).

Na, komm schon.

Ich glaube, sie mag mich einfach. In allen Ehren natürlich. Sie mag gutmütige, ehrbare und treue Männer, und bin ich das nicht?

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Barbara Büchner bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Auf jeden Fall neue Romane über Sherlock und mich. Einer wird demnächst herauskommen -
„Sherlock Holmes und die seltsamen Särge“ – und ein anderer ist gerade im Werden. Über den darf ich noch nichts verraten.

10. Ein herzliches Dankeschön an Dr. John Watson für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Dr. Watson gesagt wurde.

BB: Dr. Watson hat recht – ursprünglich war es allein Sherlock Holmes, der mich faszinierte. Aber mit der Zeit rückte für mich Watson immer mehr in den Vordergrund. War er erst nur der Mann, der die dummen Fragen stellt, damit der Detektiv mit seiner Weisheit brillieren kann, so wurde er für mich allmählich zur Hauptfigur. Meine SH-Romane sind weitgehend Doktor-Watson-Romane, wie sich bei „Sherlock Holmes und die seltsamen Särge“ erweisen wird.

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann sie auf ihrer Homepage besuchen oder sie in diesem Vorstellungsvideo näher kennenlernen.


Barbara Büchner - Sherlock Holmes und das verschwundene Dorf
Fabylon-Verlag, 2013
200 Seiten
Broschiert: 14,90 €
ISBN: 978-3-927071-78-0
eBook: 3,99 €

Klappentext:
"Es widerstrebt mir zuzugeben, dass ich etwas nicht weiß, aber die Gedanken von Menschen zu lesen übersteigt meine Fähigkeiten." - Sherlock Holmes wird in einem höchst ungewöhnlichen Fall ins englische Moorland gerufen: Sämtliche Bewohner eines Herrenhauses, Herrschaft und Personal, sind in einer einzigen Nacht gestorben, ohne dass eine Ursache erkennbar wäre. Und vor vierhundert Jahren ist dasselbe an diesem Ort schon einmal geschehen – damals verschwand ein ganzes Dorf. Teufelswerk? Zauberei? Der Meisterdetektiv ist skeptisch.
 

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