Mittwoch, 3. September 2014

[INTERVIEW] Natascha über Mirjam H. Hüberli



Morgen erscheint im Carlsen Impress Verlag Mirjam H. Hüberlis Jugendthriller "Gefrorenes Herz". Wir geben einer der beiden Zwillingsschwestern, um die es in dem Roman geht, heute schon die Gelegenheit, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Sagt also hallo zu Natascha:

In Mirjam H. Hüberlis Jugendthriller „Gefrorenes Herz“ spielt das Thema Zwillinge eine grosse Rolle und da die ganze Geschichte aus Aurelias Sicht erzählt wird, ist es nur fair, dass heute mal Natascha zu Wort kommt. Obwohl sich die beiden gleichen, wie ein Ei dem anderen, so unterscheiden sich die beiden doch in ihrem Charakter. Natascha ist die Offenere von den beiden, die, die zuerst das Wort ergreift und oftmals für beide spricht. Dennoch würde sie nie etwas, ohne Aurelias Zustimmung tun. (Zumindest fast nie.) Denn ihr Zwilling gibt ihr nicht nur Halt im Leben, sondern macht, auch wenn sie sich dessen nicht unbedingt bewusst ist, einen Teil ihrer Selbstsicherheit aus. Erst wenn sie ohne ihren Zwilling unterwegs ist, fühlt sie diese Unsicherheit, dann ist sie plötzlich nur noch halb so stark. Ja, das typische Zwillingssyndrom: Zusammen fühlen sie sich gut, zusammen sind sie eins.

Gerade streckt Natascha den Kopf durch den Türspalt und schenkt mir ein fröhliches Lächeln. Es überrascht mich nicht, als dicht hinter ihr noch jemand erscheint. Ihr Schwesterherz Aurelia – Zwillinge eben.

Willkommen, nehmt Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedient euch doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich euch meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?
Noch eine Frage vorab: Ist es okay, wenn ich das Interview nur mit Natascha führen?

*Beide nicken und verfallen anschließend in ein simultanes, leicht verlegenes Gekicher.*

1. Okay, Natascha, stell uns Mirjam H. Hüberli doch erst einmal kurz vor.

*Ein kurzer Seitenblick zu ihrem Zwilling, gefolgt von einem Räuspern, dann beginnt Natascha zu sprechen*
Das Wichtigste vorweg. Mirjam ist ein Zwilling, genau wie Aurelia und ich. Und das finden wir echt total genial. Wer kann eine Zwillingsgeschichte authentischer schreiben als ein Zwilling selbst? Natürlich finde ich es blöd, dass Aurelia in der Geschichte so viel Aufmerksamkeit bekommt,
aber ich möchte auch nicht mit ihr tauschen, da ich das, was sie durchmachen muss, nicht …
Ähm. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, belassen wir es einfach dabei.
Während des Schreibens unserer Geschichte hat Mirjam viel geweint, aber auch gelacht und so manche Nacht hat sie sich vor ihrer eigenen Zeilen selber fürchterlich gegruselt. *Flüstermodus an* Es war sogar so schlimm, das sie sich nicht einmal mehr traute alleine aufs Klo zu gehen, nur in Begleitung ihres Hundes. *Flüstermodus aus*
Und sonst? Ihr Tag beginnt mit Kaffee und er endet auch damit. Könnte man das Innenleben ihres Kopfes nach außen projizieren, dann würde man da eine Vielzahl von Figuren entdecken. Unteranderem unsere Clique aus dem Eiskunstlaufen und der Eishockeymannschaft, aber natürlich sind momentan die Figuren des neuen Schreibprojektes Zara sehr dominant. Da gibt es vielleicht Gestalten darunter. Fürchterlich! Aber auch allerlei Tiere, Plampi, Theobald, Mucky…  und so eine freche Göre namens Vivy. Außerdem ist da immer noch Marsha, der traue ich nicht so richtig über den Weg. Und Eliane, die furchtbar traurig scheint. Und so manch schräger Vogel versteckt sich auch darunter. Alle haben wir etwas gemeinsam: Wir reden auf Mirjam ein, tagein tagaus, und dieses Geplapper wird gleich wieder mit dem nächsten Kaffeemeer ertränkt, so lange, bis die entsprechende Geschichte endlich an der Reihe ist. So wie Aurelia und ich unsere Zeit bekamen. Na gut, wir haben sie auch ziemlich lange damit genervt, stimmt’s? *Wieder ein Blick zu Aurelia rüber.*

*Aurelias Brauen wandern empor* Und wie!

Und wie sieht es mit Schuhen aus? Liebt Mirjam Schuhe?

Oh ja, sie liebt Schuhe. Sie hat mehr Schuhe, als sie jemals in ihrem ganzen Leben tragen kann. Wirklich. Die sind überall. Dumm ist nur, dass ihr junger Hund (Luna) die Schuhe noch mehr liebt als sonst wer. Wann immer es möglich ist, schnappt sich Luna heimlich einen davon und trägt ihn in ihr Versteck – das liegt draußen unter der kleinen Buche. So lange es nicht regnet und keiner der Familie im Zeitdruck ist, ist das gar kein Problem, aber … na ja, ihr könnt euch das bestimmt sehr gut selber vorstellen ;)

2. Was denkst du über Mirjam, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?

Puh, was für eine Frage.
Natürlich ist es so, dass Aurelia und ich uns jemanden gewünscht haben, der uns wirklich versteht. Der weiß, wie wir fühlen. Und es hat eine Weile gedauert, bis wir einen schreibenden Zwilling gefunden haben. Also das finden wir beide echt spitze an Mirjam!
Aber beneiden? Hm… vielleicht um ihre vielen Haustiere (zwei Hunde, eine Katze, zwei Meerschweinchen, ein Pony und unzählige Fische).
Doch die Tatsache, dass tagtäglich zig Figuren durch ihre Gedanken schwirren, hm, da bin ich sehr zwiespältig. Denn einerseits ist das bestimmt toll so viel Fantasie zu haben, aber sind wir mal ehrlich, eigentlich ist das doch ziemlich anstrengend, wenn nicht sogar irgendwie verrückt? Ich sehe es schon kommen, am Ende plappert sie den lieben langen Tag nur noch vor sich hin…
Was ich aber gut finde, ist, dass sie meine und Aurelias Geschichte der von Zara vorgezogen hat, klar, nun muss sie sich da wieder gehörig einarbeiten, aber sie schafft das schon. Und ich sag euch, auf ihrem Desktop – wow – da tummeln sich noch sooo viele Ideen für Geschichten, die Frau muss echt sieben Leben haben!

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?

*lacht* Den zehnten Kaffee trinken. Ihre Maschine hat sogar einen Namen bekommen, weil sie hofft, dass sie so einen besseren Draht zu ihr aufbaue und sie ihr länger gute Dienste erweise. *schüttelt den Kopf * Ihr Autoren seid schon ein eigenartiges Völkchen ;)
Ansonsten macht sie den üblichen Kram, den Normalsterbliche eben gerne tun. Telefonieren, Freunde treffen, telefonieren, ins Kino gehen, telefonieren, Musik hören, telefonieren (ja, das tut sie sehr oft, und zwar mit ihrer Zwillingschwester und das stundenlaaaaaang!) zwischendurch manchmal etwas Hausarbeit, einkaufen (auch nur, weil sie dann wieder mit ihren Freundinnen Kaffee trinken gehen kann), zeichnen und natürlich lesen. Wieso sie sich ständig neue Bücher anschaffen muss, obwohl daheim noch etliche ungelesene auf sie warten, kapier ich nicht. Das grenzt schon fast an ein Suchtverhalten. Tz.tz.tz…

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?

Natürlich bewundert sie einige Menschen, aber das sind nicht irgendwelche Berühmtheiten (na gut, vielleicht J. K. Rowling, denn die Harry Potter Bücher liegen immer mal wieder auf ihrem Nachttischchen), aber sonst schwärmt sie von Menschen, die es wagen, so zu sein, wie sie wirklich sind. Menschen, die das leben, was ihnen Freude bereitet, auch wenn alle rundherum sie dafür belächeln. Ja, man selbst zu sein, das findet sie erstrebenswert.

Und *psst* Also ihr Kleiderschrank platzt ja aus allen Nähten. Wirklich, ich hab es oft genug gesehen. Und obwohl Mirjam ein chaotischer Kreativkopf ist, so ist der Kleiderschrank erstaunlich aufgeräumt. Zwar sicher nicht vorbildlichst, aber auch nicht total unordentlich. Und ich verrat euch noch was. Sie scheint da einen kleinen Tick zu haben, denn sie räumt alles gerne nach Farbe ein, ob Kleider, Kaffeetassen oder auch die Unmengen an Büchern.

5. Gibt es Rituale, die Mirjam beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
 
Kaffee. Kaffee. Kaffee.
Manchmal türmen sich die Kaffeetassen regelrecht.
Bei der Musik ist das etwas eigen, die passt sich nämlich der jeweiligen Geschichte an. *höhö* Da haben wir Figuren das Sagen. Bei unserer Geschichte war das ganz klar „I’d sing for you von Bastian Baker“. Und obwohl der Rest der Familie den Song längst nicht mehr hören konnte, lief er nach wie vor in Endlosschleife. Wegen mir, nur wegen mir. Ehrlich.
Oh, da fällt mir doch gerade noch ein Tick von ihr ein, der gleichermaßen ein Ritual zu sein scheint – ja, eben typisch Autor! *rollt mit den Augen* Sie muss immer zu jedem Kapitel eine kleine Illustration zeichnen, obwohl die meistens nicht mal mit veröffentlicht werden. Aber für sie gehört das offenbar dazu. Eine Art von Schreibprozess oder so, denn manchmal kann sie ohne die Zeichnung gar nicht erst weiterschreiben.

6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details...

Endlich mal eine einfache Frage!
Diesen Moment werde ich nie vergessen, es war quasi „Autorenliebe auf den ersten Blick“ *Flüstermodus an* Und ich muss hier ganz ehrlich sagen, diese Liebe galt nicht etwa Aurelia, sondern mir, denn Mirjam entdeckte zuallererst mich. *Flüstermodus aus* Es war an einem unscheinbaren Morgen, als Mirjam frischfröhlich und nichts ahnend die Facebookseite öffnete, da blieb ihr Blick unverhofft an einem Bild hängen. Ihr Herz klopfte wie wild, die Bilder durchfluteten ihren Kopf. Es war nicht irgendein Bild. Es zeigte ein hübsches blondes Mädchen, sechzehn, vielleicht siebzehn Jahre alt. Das Erschütternde daran: Es war eine Vermisstenanzeige.
Und so nahm alles seinen Lauf …

7. Weißt du, ob es bei ihr immer „Autorenliebe auf den ersten Blick“ ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?

Hm. Lass mich überlegen. Bei Vivy, ihrem Mädchen Comic Roman ist es so, dass diese Figur schon seit Jahren bei ihr ist und ich vermute mal stark, dass es Mirjam bereits wieder in den Fingern juckt, da eine neue Geschichte mit der frechen Göre zu schreiben. Bei Plampi (ein Hunde Comic Roman) lieferte ihr Mann die zündende Idee, besser gesagt, den Namen zum Hund. Sie wehrte ihn anfänglich vehement ab, doch er ließ sie nicht mehr los und der Roman sollte letztendlich auch unter diesem Namen veröffentlicht werden ;)
Bei Zara waren es Worte, besser gesagt Zeilen, die ihr durch den Kopf schwirrten und immer und immer wiederkehrten. Doch Zara selbst zeigte sich lange Zeit gar nicht, war ziemlich zurückhalten, weswegen Mirjam vermutlich auch unsere Zwillingsgeschichte vorzog. Denn Zara ist eigentlich gar nicht schüchtern, es war einfach nicht die richtige Zeit. Gerade jetzt verbringt sie viel Zeit mit ihr, was manchmal fast ein bisschen nervt. Hey, wir sind noch nicht mal veröffentlicht – gut, noch einen Tag – aber hey, sollte sie da nicht uns die volle Aufmerksamkeit schenken?

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Mirjam so besonders?

Na ja, wie ich vorhin schon geschildert habe, bin ich der Auslöser für die ganze Geschichte. Wegen mir existiert die Idee, und weil es Zwillinge eigentlich gewohnt sind, dass sie meist gleich viel Beachtung bekommen, ich aber gezwungenermaßen Aurelia die ganze Geschichte aus ihrer Sicht schildern lassen musste, finde ich es nur fair, wenn ich hier auch mal noch zu Wort komme.
*Sie schielt zu Aurelia rüber, die irgendwie ganz merkwürdig dreinblickt.*

9. Werfen wir doch mal einen Blick ins Lifestyle Magazine: Welche neuen Trends wird sie hervorbringen? An welchen Designerstücken wird aktuell gearbeitet? Wann dürfen wir sie wieder auf dem roten Teppich bewundern? Und ganz wichtig: WER wird sie auf dem roten Teppich begleiten?

Wie witzig! Wusstest du, dass Mirjam ursprünglich ein Studium zur Bekleidungsgestalterin absolviert hat? Da passt die Frage doch wie die Faust aufs Auge.
Nun gut, was kann ich dazu verraten? Bei ihr zeichnet sich momentan stark der Trend zu den Jugendthrillern ab, es sind Jugendthriller mit viel Platz für die Romantik – Gefühlschaos ist vorprogrammiert ;) Bereits beendet ist „Zerfressener Glanz“, aber vermutlich widmet sie sich zuerst „Marsha“ oder „Verfluchtes Herz“. Und zwischendurch arbeitet sie sehr gerne an (Urban) Fantasygeschichten, wie „Zara – schwarze Engel“, das vielleicht schon bald ein Zuhause gefunden hat, wenn wir ganz fest die Daumen drücken!!! *drüüück* Und hin und wieder kommt ihr auch ein Comic-Roman zwischen die Finger, sei das über freche Mädchen oder über einen tollpatschigen Hund. (*psst* Plampis drittes Abenteuer soll noch dieses Jahr erscheinen)
Wer sie schlussendlich begleiten wird? Das kann ich unmöglich auf eine Person begrenzen. Wie immer werden wir ALLE mit dabei sein ;)

10. Ein herzliches Dankeschön an Natascha (*winke an Aurelia*)  für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Natascha gesagt wurde.

Zuerst möchte ich mich natürlich für diese tollen Interviewfragen bei euch bedanken, liebes Lesekatzen Bücherblog Team! Es hat riesig Spaß gemacht.
Ja, es gibt tatsächlich etwas, das ich noch loswerden möchte: ich muss zugeben, dass ich Natascha gegenüber ein schlechtes Gewissen habe (wer das Buch liest, oder bereits gelesen hat, wird verstehen, was ich meine) und finde, sie hat diesen Auftritt hier mehr als verdient. Und einfach ein großes danke an meine Zwillingsmädchen, dafür, dass sie genau mich als Autorin ausgesucht haben.
Ihr werdet immer bei mir sein <3
 

 Wer mehr über die Autorin erfahren will, kann sie auf ihrer Homepage oder ihrer Facebook-Fanseite besuchen.



Mirjam H. Hüberli - Gefrorenes Herz
Carlsen Impress, 2014
387 Seiten
eBook 3,99 €
ISBN: 978-3-646-60070-4

Klappentext:
Sich auf dünnem Eis bewegen, davon könnte die siebzehnjährige Aurelia ein Lied singen. Denn seit ihre Zwillingsschwester Natascha verschwunden ist, scheint sie niemandem mehr trauen zu können. Nicht ihren Freunden, nicht ihren Lehrern, nicht einmal mehr sich selbst. Nur ihre tägliche Eiskunstlaufroutine hält sie buchstäblich über Wasser, dem gefrorenen unter ihren Schlittschuhen wie auch in ihrem Herzen. Und dann ist da noch Sevan, der Neue an ihrer Schule, der sich ausgerechnet an ihre Fersen heftet, wo doch alle Mädchen nach ihm schmachten. Mit ihm zusammen kommt sie der Auflösung des Geheimnisses um Natascha sehr viel näher. Aber irgendjemand ist ihnen immer einen Schritt voraus…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...