Dienstag, 23. September 2014

[REZENSION] Weil es nie aufhört von Manfred Theisen (by Valli)


http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Weil-es-nie-aufhoert/Manfred-Theisen/e444268.rhd
Weil es nie aufhört, Manfred Theisen

cbt Verlag, 2014
288 Seiten
Preis: 7,99 €
Preis E-Bok: 6,99 €
ISBN: 978-3570309025



Inhalt:
Alissa geht in die achte Klasse und träumt davon, ihr nächstes Schuljahr in Neuseeland zu verbringen. Alles ist gut. Da lernt sie auf Facebook Leon Mask kennen, einen Typen in ihrem Alter, der sie versteht. Bald chatten beide häufig miteinander. Immer intimere Details tauscht Alissa mit dem Unbekannten schließlich auch via Skype aus. Was sie nicht weiß: Leon Mask filmt mit, als Alissa ihren Oberkörper enthüllt. In der Folge erpresst Leon Mask Alissa, wenn sie nicht das macht, was er will. Als Alissa sich wehrt, tritt Leon Mask eine Cybermobbingkampagne los. Bald nennen sie Alissa an der Schule die »Facebook-Schlampe« …


Meine Meinung:

Erst einmal möchte ich dem cbt Verlag danken, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Vielen herzlichen Dank.

Ich habe mich besonders für dieses Buch interessiert, da sich das Leben der meisten Jugendlichen vermehrt in sozialen Netzwerken abspielt. Daher ist „Cyber-Mobbing“ schon lange kein seltenes Thema mehr.
Dieses Buch verdeutlicht, wie schnell sich Jugendliche in die Internetwelt flüchten, ohne sich den Gefahren, die dort lauern,bewusst zu sein.

Der Autor wechselt hier zwischen verschiedenen Perspektiven der Figuren, besonders aber zwischen Alissa und Leon aka Mask.
Schnell wird klar, wie Leon tickt. Er lebt alleine mit seiner Mutter, welche völlig überfordert mit der Situation ist. Sie ist selbst Pädagogin, bekommt jedoch keinen Draht zu ihrem Sohn, der sich meist im Zimmer verschanzt. Sie versucht zwar auf ihn zu zugehen, muss aber dabei immer wieder aufs Neue feststellen,dass er kein Interesse an seiner Mutter hat. Er geht unverschämt mit ihr um und sieht keinerlei Autorität in ihr. Ganz im Gegenteil.. Er bestimmt über das Zusammenleben der Beiden und hasst seine Mutter für ihre Schwäche.
Die Tage verbringt Leon in seinem Zimmer. Er spielt GTA oder programmiert neue Apps, die er Apple für teures Geld verkauft. Damit verdient er seinen Lebensunterhalt. Normale Arbeit oder Schule ist nichts für ihn. Er hält sich ungern an die Regeln, die ihm das System vorgibt.
Aufgrund seines Lebensstils kennt er sich natürlich mit Computern besser aus als die Meisten und hat schon diverse Hackerangriffe ausgeführt.
Doch auch Alissa´s Situation wird von Anfang an anschaulich gemacht. Nachdem sie auf der alten Schule ein Mobbingopfer wurde, hat sie auf eine neue Schule gewechselt. Dort hat sich auch einen festen Freund,Felix, und ihre beste Freundin Johanna. Ihre Eltern machen ihr großen Druck wegen ihrer Noten und achten sehr darauf, dass sie regelmäßig zur Schule geht. Das Verhältnis zwischen Alissa und ihren Eltern, aber auch zwischen den beiden Elternteilen ist sehr angespannt. Als dann auch noch Ärger mit ihrem Freund Felix dazukommt, flüchtet Alissa sich ins Internet. Dort lernt sie Mask kennen und verfällt diesem charmanten,verständisvollen und aufmerksamen Fremden.
Doch das Buch gibt nicht nur die Perspektiven der beiden Hauptfiguren wieder. Auch Nebenfiguren kommen zu Wort.Das gefiel mir besonders gut. Gerade Johanna, Alissas Freundin, spielt in der Geschichte eine maßgebende Rolle. Während sie einerseits Alissas Freundin ist, nimmt sie immer mehr Abstand zu ihr. Sie selbst ist schon lange in Felix verliebt und brennt vor Eifersucht auf die schöne Alissa. Nachdem diese Ärger hat mit Felix und Mask in die Geschichte einsteigt, stellt sich Johanna immer mehr auf Felix´Seite und erhofft sich dabei ihm näher zu kommen. Auch als das Cyber- Mobbing anfängt, stellt sie sich klar gegen Alissa. Durch den Perspektivwechsel zu ihrem „Ich“ wird jedoch schnell klar, dass sie einen inneren Konflikt führt, ob ihre Entscheidung die Richtige war.

Doch nun zurück zu Alissa und Leon.
Ich finde es super wie  realistisch diese Geschichte dargestellt ist. Für manche scheint das Ganze wohl ein bisschen schnell zu gehen.. Facebook, Whatsapp und dann schon ein Videogespräch bei Skype, bei dem Alissa sich entblößt... und das in kürzester Zeit.
Doch leider ist das keine Seltenheit. Wie viele Jugendliche, ist Alissa sich einfach keiner Gefahr bewusst und vertraut diesem Fremden, der mit einer goldenen Maske vor der Kamera sitzt. Sie ist in einer verzweifelten Situation, unzufrieden mit ihrem Leben und ringt nach Anerkennung. Da kommt Mask zur richtigen Zeit.
Die Sache entwickelt sich schnell zu einer krankhaften Beziehung seitens von Leon.Obwohl die beiden sich noch nie begegnet sind, erklärt Leon sie für ein Paar. Er hackt sämtliche technischen Geräte und bringt sogar eine Webcam in der Nähe ihres Hauses an, um Alissa ständig kontrollieren zu können. Er ist äußerst besitzergreifend und krankhaft eifersüchtig. Während er immer wieder betont „Ich werde Alissa beschützen“ , schadet er ihr wo er nur kann. Er manipuliert sie und bestraft sie,wenn sie sich mit Felix trifft oder ihn anlügt. Als er rausfindet, dass Alissa sich mit Felix getroffen und sogar mit ihm geschlafen hat, stellt er Nacktbilder von ihr online und zerstört damit ihr Leben an der Schule. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf...
Während der kompletten Geschichte sind mir Alissas Eltern sehr unsympathisch. Als klar wird,dass Alissa ernsthafte Probleme hat, nimmt sich die Mutter ihr nicht an. Stattdessen streitet sie immerzu mit ihr und macht ihr sogar Vowürfe. Gerade bei Alissas Vorgeschichte und ihrem bziarren Verhalten, sollten doch die Eltern einmal auf ihre Tochter zugehen und das Gespräch suchen.

Der Ablauf der Geschichte hat eine roden Faden und ist immer nachvollziehbar. Selbst durch diese Perspektivenwechsel verliert man niemals den Überblick. Und obwohl manchmal Jugendsprache verwendet wird (und zwar die, die heutzutage keinen korrekten grammatischen Satz mehr bildet), liest sich das Buch super. Ich habe es an einem Nachmittag komplett durchgelesen, da die Seiten einfach so verfliegen. Die Sprache ist nicht störend, wie man es von anderen Büchern kennt, die Jugendsprache verwerden.
Der Realitätsbezug zu dem Fall „Amanda Todd“, die sich das Leben nahm, nachdem ein Mann ihre Nacktbilder hochgeladen hat und sie schwer gemobbt wurde, fand ich ebenfalls super. Genau dieser Fall war es,der mir bei diesem Buch sofort in das Gedächtnis kam. Dies zeigt: Dieses Buch ist alles andere als realitätsfremd ..

Mein Kritikpunkt ist jedoch,dass Amanda Todds Geschichte auf English in dem Buch vorkommt. Für mich ist das kein Problem und das stört mich auch nicht weiter. Doch wer kein Englisch kann, muss diese Geschichte erst eimal im Internet nachlesen,damit er weiß,was genau passiert ist.

Das Ende des Buches lies mich mit gespaltener Meinung zurück. Auf der einen Seite hat es zwar ein spannendes Ende, auf der anderen Seite jedoch ist eine Lösung ausgeblieben. Man weiß nicht, was letztendlich mit Alissa passiert ist, wie die Sache gelöst wurde oder ob etwas gegen diesen Mask unternommen wurde. Der Autor überspringt das Ende einfach und setzt ein paar Monate später wieder an.
Ich bin hin- und hergerissen, wie ich das Ende finde.

Fazit:
Dieses Buch zeigt,warum man die Jugend über das Internet aufklären sollte und ihnen genug Selbstbewusstsein geben muss,damit sie sich nicht mit Menschen einlassen, die die Verzweiflung oder das geringe Selbstwertgefühl ausnutzen.
Es verschönt nichts, es ist realistisch und doch nicht allzu übertrieben. Es zeigt nicht den schlimmsten Fall, sondern den Fall,der wohl am meisten vorkommt. Ein Thema womit man sich auseinander setzen sollte,wenn man jung ist, Kinder hat oder selbst vielleicht gar nicht weiß, was mit dem Internet alles möglich ist.
Ich werde dieses Buch mit meinen Schülern zusammen lesen und hoffen, damit eine Wirkung zu erzielen.

„Weil es nie aufhört“ bekommt von mir:
              
                             

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