Donnerstag, 16. Oktober 2014

[REZENSION] Tage wie Salz und Zucker von Shari Shattuck (by Valli)

http://www.rowohlt.de/buch/Shari_Shattuck_Tage_wie_Salz_und_Zucker.3113374.html
Tage wie Salz und Zucker, Shari Shattuck
Rowohlt, 2014
368 Seiten
Preis: 9,99 €
Preis E-book: 9,99 €
ISBN: 978-3499268670

Inhalt: 
Ein schwerer Fall von Leben. Ellen Homes liebt es, ihre Mitmenschen zu beobachten - sie selbst aber möchte nicht gesehen werden. Sie versteckt sich hinter zu vielen Kilos und ihr Gesicht hinter langen Haaren. Nachts putzt sie in einem Riesensupermarkt. Eines Tages trifft Ellen im Bus eine junge Frau: Temerity ist blind, sprüht vor Lebensfreude, hat keinerlei Berührungsängste. Sie ist der erste Mensch seit langem, der Ellen «sieht». Die folgt ihr fasziniert und rettet sie prompt vor zwei Handtaschendieben. Fortan ist nichts mehr, wie es war. Temerity lockt Ellen gnadenlos aus der Reserve. Zusammen fangen die beiden ungleichen Freundinnen an, sich einzumischen - immer da, wo jemand sich nicht wehren kann oder wo Unrecht geschieht. Sehr schnell wirbeln sie jede Menge Staub auf ...


Meine Meinung:

Ellen hat eine Superkraft: Sie kann sich unsichtbar machen.

Ihre Mutter war drogenabhängig und lies sie als kleines Mädchen regelrecht verwahrlosen. Ellen litt unter der Gewalt ihrer Mutter und dem Hunger, der nie gestillt wurde. Als ihre Mutter sie alleine in der Wohnung zurück lies, lernte sie, dass ihr Sinn des Lebens im Essen liegt. Selbst während ihrer unzähligen Aufenthalten in Pflegefamilien war Essen ihr einziger „Freund“. Schnell lernte sie sich unsichtbar für andere Menschen zu machen und sich vollständig zurückzuziehen.
Gekennzeichnet durch diese Kindheit lebt die schwer übergewichtige Ellen heute in einer kleinen Wohnung in einem heruntergekommenen Viertel und schottet sich so gut sie kann von der Außenwelt ab.Sie arbeitet nachts als Putzfrau in einem Supermarkt und die Tage verbringt sie damit Leute zu beobachten. Sie führt sogar Buch über die Personen, die sie regelmäßig beobachtet und betrachtet sie als Haustiere.
Sie selbst scheint aber niemals wahrgenommen zu werden...

..Bis sie eines Abends mit dem Bus zur Arbeit fährt und eine blinde Frau zusteigt.Nachdem sich herausgestellt hat,dass die Dame sehr vorlaut ist und wohl nichts darauf gibt, was die Menschen um sie herum von ihr denken, beschließt Ellen sie zu beobachten. Sie wird sogar von dieser Frau, trotz ihrer Blindheit, wahrgenommen und angesprochen. Dies verängstigt und fasziniert Ellen zugleich und so beschließt sie an der gleichen Haltestelle auszusteigen. Als sie der Dame folgt, bemerkt sie Männer, die der Dame auflauern und die Handtasche stehlen. Ellen greift ein und kann die Tasche zurückholen. Und so lernt sie die blinde Temerity kennen....
Es entwickelt sich eine Freundschaft bei der Ellen über so manche Angst stolpert...

Die Charaktere sind authentisch dargestellt und man muss sie einfach gerne haben. Ellen ist eine übergewichtige Frau, die geplagt ist von Selbstzweifeln. Durch ihre schwere Kindheit hat sich bei ihr ein psychisches Problem entwickelt: Sie kann nicht mit Menschen sprechen, möchte nicht wahrgenommen werden und erkennt alleine im Essen den Sinn überhaupt Tag für Tag aufzustehen.
Diese Komplexe ziehen sich das komplette Buch durch, so dass es glaubhaft ist. An manchen Stellen fand ich es sogar nervig und ich hätte Ellen gerne mal geschüttelt.

Temerity ist das komplette Gegenteil von Ellen. Sie ist zwar blind, aber sie geht offen durch die Welt. Sie geht auf die Menschen zu, ist immerzu guter Laune und zieht ihre Mitmenschen oft in ihren Bann. Wenn nicht.. ist es ihr auch egal.Sie genießt das Leben und steckt den Leser mit ihrem Optimismus und ihrer Abenteuerlust an.
Im Gegensatz zu mir ist sie jederzeit geduldig mit Ellen und lockt sie damit immer ein Stück weiter aus ihrem Schneckenhaus.

Eine kleine Rolle in dem Buch hat Justice, der Bruder von Temerity. Er ist der erste Mensch, der nicht blind ist, mit dem Ellen in Kontakt treten muss. Doch auch er schafft es mit seiner lieben Art,dass Ellen ihre Ängste ihm Gegenüber überwinden kann. Er ist ein heimlicher Liebling in dem Buch,da er andauernd an Temeritys Vernunft appeliert, aber jedesmal doch in ihre Abenteuer mit reingezogen wird und im Endeffekt sogar hilft.

Doch wer denkt,dass dieses Buch so vor sich hinplätschert und es sich nur um Ellens Probleme handelt,der täuscht sich. In diesem Buch treffen sehr viele Schicksale aufeinander und Temerity und Ellen haben viele Aufgaben die sie erledigen müssen um anderen Menschen zu helfen. Ellen wird von dem passiven Beobachter zu einem aktiven Beobachter. Ab der Mitte des Buches werden ihre Aufgaben sogar richtig gefährlich und es kommt zu krimireifen Vorfällen. Gegen Ende des Buches dachte ich mir sogar: Kann in einem normalen Leben denn wirklich so viel passieren? Doch trotz allem hat die Autorin jederzeit die Spannung aufrecht erhalten und dabei nie die Eigenschaften der Charaktere vergessen.
Dass Ellen jedoch nicht einmal in sehr ernsten Lagen über ihren Schatten springen und mit Menschen reden konnte, fand ich teilweise schon unrealistisch. Gerade bei Fällen wie z.B. Mord sollte man doch in der Lage sein mit der Polizei zu sprechen. Auch wenn die Autorin die Situationen meist durch Temerity gerettet hat, ist das mein Kritikpunkt an der Geschichte.

Dieses Buch ist für mich eine Liebeserklärung an das Leben. Man sollte niemals das Leben als etwas ansehen,das man einfach hinter sich bringen muss. Das Leben sollte genossen werden.. und dabei sollten auch die Kleinigkeiten nicht vergessen werden, die das Leben erstmal lebenswert machen.
Außerdem kann man in diesem Buch wieder einmal sehen (wobei das ja sowieso schon jeder weiß), dass man Freunde braucht, um Spaß am Leben zu haben. Alleine sein tut niemandem gut..
Zudem zeigt die Autorin, dass man auch den Menschen helfen kann, die man nicht kennt. Man sollte stets die Augen offen halten für die Umwelt, denn so kann man auch mit kleinen Dingen das Leben anderer Menschen ein kleines bisschen besser machen. Oder vielleicht sogar grundlegend ändern...
Denn wer im Leben immer nur stur gerade aus schaut, verpasst viel zu viel.

Fazit:
Tage wie Salz und Zucker ist eine herzliche Geschichte mit viel Tiefgang und Moral. Dieses Buch versprüht unglaublich viel Wärme und regt zum Nachdenken an. Auch wenn mich die Hauptfigur Ellen manchmal zur Weißglut gebracht hat, hab ich sie ins Herz geschlossen. Die Figuren sprühen nur so vor Warmherzigkeit und jeder davon ist ein toller Charakter. Gerade bei kaltem Wetter kann man Geschichten, die das Herz erwärmen, gut gebrauchen.
Also kuschelt euch in euer warmes Bett oder auf die Couch und fangt an..

Von mir bekommt „Tage wie Salz und Zucker“:

                              


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...