Sonntag, 7. Dezember 2014

[INTERVIEW] Angel über Sabine Giebken

Sabine Giebken - Foto: Gerald Thonigs
Angel ist ein begnadeter Taucher aus dem Buch »Über uns das Meer« von Sabine Giebken, das im Magellan-Verlag erschienen ist. Viel ist über den hübschen und noch jungen Mann nicht bekannt, doch genau das macht den Reiz bei ihm aus. Allein seine Anwesenheit erzeugt schweißnasse Hände und ein Kribbeln, das den Körper flutet – umso gespannter dürfen wir sein, was er im Interview über seine Autorin verrät.

Komm rein, nimm Platz, vielleicht möchtest du die Kapuze deines Pullovers abziehen?

--mit knappem Nicken zieht Angel einen Stuhl heran, dreht ihn herum und lässt sich langsam darauf nieder --


1. Und, wie is' diese Sabine Giebken denn so?

ANGEL:
Wenn du ihren Schreibplatz sehen könntest, würdest du sie für ziemlich chaotisch halten – überall kleben bunte Zettel, Landkarten, Fotos und so Zeug. Das totale Zettelchaos, aber sie braucht das irgendwie und steigt da auch noch durch. Von meinem Hobby – du weißt schon, Apnoetauchen – war sie richtig besessen und hat alles aufgesaugt, was sie zu dem Thema finden konnte. Da kann sie echt verbissen sein. Dafür ist sie der totale Schisser, wenn es darum geht, den fertigen Text zum ersten Mal ihrer Lektorin zu überlassen.

2. Aha und was hältst du von Sabine? Was macht sie so cool? Oder was is' Oberpanne?

ANGEL:
Also was nervt, ist, dass sie nie stillhalten kann. Dauernd findet die was zu tun. Ist mir ein Rätsel, wie sie es geschafft hat, ausgerechnet ein Buch über Apnoe zu schreiben, denn da musst du echt die Welt um dich ausblenden können! Dafür fand ich es richtig cool, dass wir so oft nach Elba gefahren sind und die ganzen Schauplätze abgeklappert haben. Sogar zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Atmosphäre da hat einfach was, wegen mir hätte sie das ganze Buch auf der Insel schreiben können.

3. Du hängst doch die ganze Zeit mit ihr ab, was macht sie denn so, wenn sie nicht in die Tasten klopft?

ANGEL:
Zu spät ins Bett gehen, Kind mit Hund zum Kiga bringen, dabei die nächste Szene im Kopf herumwälzen, am Nachmittag den Rechner anlassen in der Hoffnung, noch weiterschreiben zu können, was aber nie klappt wenns Kind daheim ist – dann gibt es da noch ein Pferd und einen Mann und sogar der Hund hat eine beste Freundin, die er regelmäßig treffen darf ... Ich sag ja, mehr Pranayama täte ihr gut.

4. Hat sie ein Idol? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?

ANGEL:
Diese „Märchenerzählerin“ findet sie toll. Zumindest kennt sie das Buch von der bald auswendig. Aber Idol ist nicht das richtige Wort. Ich glaube, im normalen Leben faszinieren sie Typen wie ich. Also Leute, die wahnsinnige Sachen machen oder die den Vollmond brauchen, um was von ihren Geschichten preiszugeben. Wenn jemand den Winter auf einer antarktischen Forschungsstation verbringt oder den ganzen Sommer von einsamen Inselchen aus Orcas zählt, findet sie das spannend.

5. Hat Sabine irgendwelche Ticks beim Schreiben? Lässt sie sich gerne lautstark von Mugge beschallen, oder mag sie es lieber öde still, oder gibt es Futter, dass sie immer zum Schreiben braucht?

ANGEL:
Die schreibt lieber nachts, weil es da so still ist – und dreht dann über Kopfhörer die Musik auf! Muss Mann nicht verstehen, oder? Außerdem sind immer dieselben Songs gelaufen, das Zeug, das Lou auch hört: Nightwish oder dieses „Angels“ von Within Temptation. In Endlosschleife! Das ist verrückt. Unter dem Tisch lag ein großer schwarzer Hund und oben drauf stand Kaffee, und wenn sie länger an einer Szene saß, hab ich Schokolade neben der Tastatur entdeckt, aber das hast du nicht von mir.

6. Wo hast du sie aufgegabelt?

ANGEL:
Zuerst war alles blau und dunkel, genau wie im Meer. Sie ist mal über ein Buch gestolpert, eine Autobiografie, glaube ich – von einem Freitaucher, der seine große Liebe im Meer verloren hat. Das hat sie nicht mehr losgelassen und das nächste, woran ich mich erinnere, bin ich, wie ich meditierend an Bord eines kleinen roten Bootes sitze und mich darauf vorbereite, atemlos in das dunkle Blau zu tauchen.

7. Schleppt sie immer so ab, oder läuft das bei anderen Charakteren und Geschichten anders?

ANGEL:
Unterschiedlich. Hab sie mal sagen hören, dass manchmal auch zuerst die Typen da sind und dann die Geschichten entstehen. Oder sie hat Sachen im Kopf, sie sie selbst erlebt hat. In ihrem ersten Buch steigen zwei Mädels in einen versteckten Garten im Wald ein – keine Ahnung, ob sie sich das je getraut hat, aber ich weiß, dass es diesen Ort tatsächlich gab! Oder sie will unbedingt über ein bestimmtes Land schreiben und fährt da hin, um die Geschichte zu suchen. So war das mit Island, da gab es keine Story und auch keine Charaktere, nur halbwilde Pferde in dieser Vulkanlandschaft. Ich finde ja, Apnoetauchen war das coolste Thema, über das sie je geschrieben hat.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Sabine Giebken so besonders?

ANGEL:
Du, das verstehe ich selber nicht. Ich bin kein Held, sicher nicht. Wegen mir ist ziemlich viel Scheiße passiert. Alles, was ich kann, ist, da runter zu tauchen und länger die Luft anzuhalten als andere. Leute wie Pat und Ella fahren da irgendwie drauf ab, aber ich bin ziemlich sicher, das war nicht der einzige Grund, warum sie sich für mich entschieden hat. Auf jeden Fall hat sie mir mal verraten, dass ich das erste feste Element ihrer Geschichte war – mich gab es sogar vor Lou. Und wenn du Lou kennst, weißt du, was das bedeutet.

9. Also, jetzt mal ganz locker: Was erwartet uns denn noch von Sabine? An was tüftelt sie denn gerade? Steht schon was Neues zu lesen in den Startlöchern?

ANGEL:
Sorry, das weiß ich echt nicht. Irgendwie hab ich es diesmal wohl nicht zwischen die Seiten geschafft. Aber ich verwette meinen Arsch darauf, dass es wieder was mit dem Meer zu tun hat – ob darauf, darin oder darunter musst du sie selber fragen!

10. Ein herzliches Dankeschön an Angel für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Angel gesagt wurde.

Erst mal Danke an Angel, dass er sich überhaupt die Mühe gemacht hat – ich weiß ja, er hasst es, im Rampenlicht zu stehen. Es ist beinahe unheimlich, wie gut wir uns in den letzten Monaten kennengelernt haben und ich entschuldige mich bei ihm, dass er die ganze Zeit Lous Musik hören musste, aber da ich ihre Geschichte erzählt habe, brauchte ich natürlich auch ihre Stimmungen. Für mich war er sehr wohl ein Held, noch dazu einer, der sich seiner Rolle gar nicht bewusst war – und das macht wahre Helden erst richtig sympathisch. Hat Spaß gemacht, über dich zu schreiben, Angel! Du hast es mir nicht immer leicht gemacht, aber ich werde dich trotzdem vermissen.
Ach ja ... das mit der Schokolade halte ich für ein Gerücht!

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