Dienstag, 16. Dezember 2014

[REZENSION] Assassin's Creed: Black Flag (by Key)

Assassin's Creed: Black Flag, Oliver Bowden
Der offizielle Roman zu Ubisofts Game-Bestseller
panini, 2013
432 Seiten
Preis:  14,95 €
ISBN: 978-3833227004

Klappentext:
Die tödliche Präzision des maskierten Mannes schlug mich in ihren Bann. Ich war fasziniert von diesem Sendboten des Todes, der nahezu unbeeindruckt von dem Blutbad um ihn herum , nur auf den richtigen Moment wartete, um zuzuschlagen.
Es ist das goldene Zeitalter der Piraten und die Neue Welt lockt mit ihren Verheißungen. Edward Kenway der ungestüme Sohn eines Wollhändlers träumt vom schnellen Gold und kann dem Traum von einem ruhmreichen Leben auf Hoher See nicht widerstehen. Als der elterliche Hof angegriffen wird, sieht er seine Chance gekommen und kehrt seiner Familie den Rücken. Schon bald wird Kenway zu einem der tödlichsten Freibeuter seiner Zeit. Aber Gier, Ehrgeiz und Verrat sind seine steten Begleiter und als der Beweis einer perfiden Verschwörung zutage tritt, die alles zu zerstören droht, was ihm lieb und teuer ist, folgt Kenway dem Ruf nach Vergeltung und wird so in den jahrhundertealten Kampf zwischen Templern und Assassinen hineingezogen.

Meine Meinung:

That's a lie,
that's a lie,
that's a lie, lie lie“
 
Auf dem Cover ist Edward Kenway, wie ich ihn aus dem Spiel kennen und lieben gelernt habe, allerdings nur mit drei von vier erreichbaren Pistolen und einem Säbel. Gekauft habe ich das Buch im Vorbeigehen, damit ich mir die Wartezeit zum nächsten Teil des Spiels auf der Playstation überbrücken konnte. Denn mit ‚Black Flag‘ hat mich Assassin’s Creed gekriegt. Ähnlich wie damals bei ‚Resident Evil‘, zu dem ich auch die Bücher gelesen habe, nachdem ich das Spiel kennen gelernt hatte und ja auch beim MMORPG ‚World of Warcraft‘ bzw bei den davor spielenden PC Games ‚Warcraft‘ habe ich mir die entsprechenden Romane und Comics nicht entgehen lassen. Seit Kenway bin ich im Grunde süchtig nach Shantys - und Piraten gehen ja sowieso immer, vor allem in voller Montur und mit Kanonen und ganz wichtig: Stulpenstiefeln! Und als ich dieses Buch öffnete war ich schon vom ersten Titel begeistert: „1719 (oder um den Dreh)(S. 7)

Zu meckern gibt es wenig, denn ich habe die erste Hälfte des Buches einfach mal eben so in einem Rutsch durchgelesen und hätte wahrscheinlich auch den Rest einfach verschlungen. Allerdings gab es gerade einen Totalausfall unseres Internets. Warum mich das hindert ein Buch zu lesen, ist die Frage. Und diese ist leicht zu beantworten. Es begab sich, dass meine Schwester zu Besuch war und da wir keinen Zugriff auf das Internet und somit auf das Fernsehen hatten (denn das is bei mir voneinander abhängig) las ich Assassin’s Creed, statt mit ihr ’Sherlock’ zu gucken. Und nun ist das so gewesen, dass ich mich schon beim ersten Kapitel vor lachen kaum halten konnte und nachdem sie bis Seite 75 ständig in den Genuß einzelner Sätze oder Passagen kam, die ich ihr unaufgefordert vorlas, ging ich dazu über ein ganzes Kapitel vorzulesen. Nur um danach zu hören zu kriegen: „He du kannst jetzt nicht aufhören! Lies weiter.“ Und so wurde einmal meine Vorlesefähigkeit auf die Probe gestellt. Leider muss ich sagen, nach hundert Seiten ist meine Schwester zwar dann im Bann der Geschichte gewesen, meine Stimme aber heiser und die Sonne untergegangen. Daher bekam sie den Rest erst am nächsten Tag.


„Roll boys,
roll boys roll“

Die Handlung die meine Schwester so gerne dann unbedingt zu Ende hören wollte, orientiert sich sehr dicht am Spielverlauf. Teilweise wortgetreue Konversationen und Bewegungen. Alles in allem fehlt es in dem Buch natürlich an meinen ganzen stümperhaften Trödeleien. Im Buch muss Edward auch nicht auf Türme oder Kirchen klettern um zu synchronisieren. Generell fehlt der gesamte ‚Abstergo‘ Einschub der das Spiel in regelmäßigen Abständen unterbricht. Wie das in den anderen Büchern dieser Reihe ist weiß ich nicht - kümmert mich auch grad nicht, denn ich genieße es einfach die Handlung zügig herunter zu lesen und mir die von Ubisoft gebotenen Charaktere dazu vorzustellen. Anders als jedoch das Spiel ist Kenways Leben in eine Erzählung eingebettet, denn er spricht immer wieder eine Person gezielt an: „Hör’ auf zu grinsen!“ oder: „Das muss in etwa die Zeit gewesen sein, als du geboren wurdest.“ Er erzählt also jemandem seine Lebensgeschichte. Das ist sehr angenehm und lässt den Leser etwas näher an den Protagonisten heran rücken. „(…)und was unsere Aborte anging…, nun ich weiß, dass ich dich bisher auch mit den schmutzigen Details meines Lebens nicht verschont habe, aber hier ziehe ich die Grenze.(S 242)

Der Stil des Autors ist schnell, geradezu mitreißend. Ebenso wie Schwertführung und Schnauze des Piraten. Der eigentlich keiner sein wollte. Anders als im Spiel (dort durch Rückblenden) erfahren wir hier chronologisch richtig herum Edwards Jugend und seine Ehe mit Caroline, bis er anheuert und als Freibeuter sein redliches Leben beginnt. Geprägt ist das Buch durch viel Gewalt, brutale Gedärme verspritzende, blutige Auseinandersetzungen in all seiner leuchtenden Vielfalt. Auch fluchen kann Kenway ganz hervorragend und sich prügeln mit oder ohne Suffkopp ist ein Credo. Das kann auch mal ganz schön nerven, andererseits bin ich vielleicht auch die einzige Spielerin, die mehr Zeit in irgendeinem Gebüsch pfeifend verbracht hat, als sich einfach wild durch die angreifenden Soldaten Spaniens und Englands zu schnetzeln. Schließlich wählt sich Kenway seinen Mentor und seine spirituelle Heimat Nassau. Über die Kapitel hinweg vergisst er hier und da seine eigentlichen Beweggründe und gibt seine Beute mit vollen Händen aus, so wie ich das auch im Spiel gemacht habe. Erst mal alles in die Bewaffnung und Ausrüstung stecken.


„Weigh, me boys, to Cuba!
Running down to Cuba“

Schließlich aber ringen hier Templer, Assassinen, alte vergessene Völker, Motive und Energien um die Gunst der Menschen. Es geht um Macht und um Geld. Kenway hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Man merkt je weiter man liest wie Edward sich wandelt. Die ersten Kapitel sind geprägt von seinem Charme und seinen kecken Sprüchen. Aber je mehr er sich in den Mist segelt, erkennt er das Abenteuer doch nicht ganz das sind, was er sich darunter vorstellte. Er verändert sich und weiß zeitweise gar nicht welcher der ganzen Angebote er folgen soll. Das Spiel macht es einem leichter aber auch unlogischer. Man folgt der Handlung einfach. Das Buch gibt schlüssige Gründe weshalb Kenway mehr zum Assassinen denn zum Piraten geschweige denn zum Templer taugt.
Alle freundschaftlichen und unfreundlich Charaktere die mir in Erinnerung geblieben sind, tauchen wieder auf. Bonnett, Adewalé, Roberts, Rogers, Torres, Blackbeard, Hornigold, Kidd. Aber die meisten Szenen wirken gelesen viel schneller, vielleicht auch weil ich schon erahne was als nächstes passiert. Ein bisschen fehlt es an Details. Das Spiel hatte ein etwas verwirrendes, wenn nicht sogar unbefriedigendes Ende. Das Buch dagegen hat einen entsprechenden Schluß, der mir persönlich ein paar Verständnislücken gestopft hat. So an einem Stück hintereinander weg gelesen, habe ich jetzt viele der Zusammenhänge noch viel besser verstehen können.

Wie rum man es auch dreht oder wendet, Spiel und Buch erzählen haargenau dieselbe Geschichte. Die Charaktere sind absolut gleich (bis auf Blackbeard, den ich ein wenig biestiger und grausamer vom Spiel in Erinnerung hatte - zumal dann doch die ein oder andere Nebenaufgabe und damit verbundene Szenen des Spiels im Handlungstrangs des Buchs fehlten (zB meine verhasste Nachtjagd durch irgendeinen Sumpf). Und was einem vielleicht irgendwann so richtig zum Augenrollen bringt ist Kenways unglaubliches Talent zig hundert Männern die Kehle aufzuschlitzen. ‚Raub und Mord und Überfall sind gut.‘ Ich war nach den 400 Seiten zwar erst mal heiser aber meiner Schwester und mir hat es verflucht gut gefallen und sie konnte nichts anderes tun als mir zu lauschen und beinah mit 
zu heulen, als Kenway Mary auf dem Hof trug.

Fazit:
Inhaltlich orientiert sich das Buch also so dicht am Spiel, dass ich mich frage, war das Spiel zu erst da und Bowden hat es danach geschrieben oder ist das mehr oder weniger das überarbeitete Skript vor der Spielentwicklung?
Eines ist jedoch klar, da ich die anderen Spiele nicht kenne und auch wohl nicht mehr nach holen werde, ziehe ich es definitiv in Betracht die Bücher dazu zu lesen, wenn die alle ähnlich diesem sind, bin ich danach bestens gewappnet um in etwaigen Diskussionen über Assassin’s Creed bestehen zu können. Teil Sieben werde ich aber erst lesen, wenn ich ‚Unity‘ gespielt habe- wäre mir unlieb mir den Spaß zu verderben. Die ganze Reihe ist wahrscheinlich etwas für Spieler die noch mal wissen wollen was wo passierte mit welchem der Assassinen. Und für diejenigen die (wie ich) irgendein Spiel verpasst haben. Oder eben für die, denen das Spiel im Grunde egal ist, die aber den Orden der Assassinen toll finden und rasante prägnante und verdammt sarkastische Charaktere mögen. (Soweit ich von diesem auf andere Bände schließen kann.- Vielleicht ist ja auch nur Kenway so dermaßen bissig und frech und mir daher so sympathisch.)


Achtung tief fliegende Stinktöpfe! Rapp Zapp Zing- super!


Titel in der Serie Assassin’s Creed:
#1 Brotherhood: Die Bruderschaft
#2 Renaissance
#3 Der geheime Kreuzzug
#4 Revelations: Die Offenbarung
#5 Forsaken: Verlassen
Der Untergang (Comicband)
The Chain (Comicband)

#6 Black Flag
#7 Unity

Update: Unity kann kommen. Und wie ich höre, steckt das nächste AC schon in den Startlöchern. Gut, dass ich 2Comics und 6 Bücher zum Überbrücken habe.

Tipp: Als Leseprobe empfehle ich das erste Kapitel.
Dank: An meine kleine Suista für's Flanieren an der Buchhandlung vorbei und für's lauschen.

Und wer einfach, wie ich, nicht genug bekommen kann:

Kommentare:

  1. Cool, dass du dieses Buch rezensierst! Oder allgemein die Bücher zu der Videospielreihe liest! Ich spiele im Moment Assassin's Creed Rouge, bin aber nicht davon überzeugt (vom Spiel :-D). Hab aber keine PS4 und mein PC packt Unity leider nicht. Das Buch zu Black Flag steht noch ungelesen im Regal, ich stehe ihm irgendwie sehr, sehr misstrauisch gegenüber. Vielleicht ändert sich das ja nun! :-)

    Liebe Grüße
    Julia vom Büchermeer
    http://buchmeer.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
  2. Salût Julia,
    ich glaub AC als Spiel muss man einfach mögen oder lässt es. So ene halbe Sache: Och ja, zwischendrin mal... ist das eher nicht. Aber das ist das Gute am Buch und ich hoffe das habe ich heraus gestellt, es wird nicht jedes Mal beschrieben wie der Charakter Wände hoch klettert und vorwärts, R2+X drückt um irgendwen zu attentaten *lach*
    Über Rouge kann ich gar nichts sagen.
    Das gute Stück ist echt unterhaltsam und witzig und dazu geeignet mal eben herunter gerattert zu werden (sonst hätt ich es nich vorgelesen ^^) Ich hoffe die anderen Teile der Reihe sind ähnlich gut. Falls du es noch liest, wünsch ich gute Unterhaltung! *smile
    Deine Key von den Lesekatzen

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...