Sonntag, 25. Januar 2015

[INTERVIEW] Sarah über Antje Backwinkel



Antje Backwinkel
Hallo, ich bin Sarah. Eigentlich bin ich Studentin, doch interessanter ist wahrscheinlich meine Geschichte. Ich bin nämlich die Hauptprotagonistin in „Sati“, einem Kurzroman, der im März 2014 im Rahmen der Mystery Reihe „Gaias Schatten“ im Textlustverlag erschienen ist. Doch bevor ich zum Inhalt der Geschichte komme, solltet ihr vielleicht wissen, dass ich sehr behütet aufgewachsen bin. Nach dem Tod ihrer Mutter bin ich zum ein und alles für meine Vater geworden. Bis zum Beginn der Geschichte trifft er alle wichtigen Entscheidungen in meinem Leben und ich lasse das zu, weil ich weiß, dass er diese Art der Kontrolle braucht. Nur die Freundschaft zu meinem Sandkastenfreund Ahmed, einem Sohn pakistanischer Gastarbeiter, habe ich trotz seiner Missbilligung nicht aufgegeben. Diese Freundschaft ist, ohne dass mein Vater etwas davon ahnt, längst zur Liebe geworden. Doch es würde meinem Vater das Herz brechen, wenn ich mein Leben offen mit Ahmed teilen würde. Zu Beginn der Geschichte bin ich schwanger – wobei ich das sowohl meinem Vater als auch Ahmed verschweige. Doch da jede gute Geschichte ihre Protagonisten in arge Bedrängnis bringt, hat meine Autorin noch einiges mehr an Probleme für mich auf Lager gehabt.
Eines Tages habe ich geglaubt zu verbrennen und bin in meiner Panik nackt auf die Autobahn gerannt. Nach einer erfolglosen psychiatrischen Behandlung habe ich dann herausgefunden, dass die weiblichen Mitglieder meiner Familie bereits seit Generationen an solchen Visionen zugrunde gegangen sind - eine richtige S…situation, in der mir weder die Ärzte, noch mein Vater, noch Ahmed helfen konnten. In meiner Not habe ich mich entschlossen, mein Schicksal, und das meines ungeborenen Kindes, selbst in die Hand zu nehmen und nach Indien zu reisen, wo ich den Ursprung des vermeintlichen Fluches vermutet habe. Wie es mir dort ergangen ist, könnt ihr im Buch nachlesen.

Willkommen Sarah, nimm Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

1. Stell uns deine Autorin, Antje Backwinkel, doch erst einmal kurz vor.
Ach, sie ist ganz entspannt. Wenn sie nicht gerade am Rechner sitzt, was allerdings meistens der Fall ist, tanzt sie gerne. Salsa, Tango, Kizomba, all so was. Früher ist sie viel unterwegs gewesen, hat auch lange in Indien und in Thailand gelebt, aber heute fühlt sie sich eigentlich auch in Deutschland ganz wohl. Nur der Winter ist ihr zu lang, da packt sie dann einfach ihre Sachen und verschwindet an irgendeinen abgelegenen Strand nach Thailand. Wenn man selbstständig ist und bereit, in dieser Zeit auf Einkünfte zu verzichten, geht das ja. Allerdings sitzt sie auch da meistens wieder am Rechner – oder nimmt ihn vielmehr mit in ihre Hängematte. Dort hat so manch einer von uns das Leben erblickt - wobei ich allerdings im kalten Deutschland entstanden bin. 

Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?
Um ehrlich zu sein, hasst sie Schuhe. Sie würde am liebsten nur barfuß oder in Socken herumlaufen. Aber das ist einfach nur eine Frage der Bequemlichkeit. Was sie allerdings tatsächlich liebt, sind Tanzschuhe, da hat sie auch unzählige Paare von. Am liebsten sind ihr Tango Schuhe mit hohen Absätzen, die machen so schöne lange Beine.

2. Was denkst du über Antje, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Nun ja, sie ist viel selbstständiger als ich – zumindest, als ich es vor der Geschichte war. Außerdem ist sie wesentlich pragmatischer. Sie nimmt auch vieles nicht so ernst. Aber das ist vielleicht auch der Altersunterschied. Ein Stück weit ist sie dadurch auch träge geworden – oder sie hat einfach schon genug von der Welt gesehen, so dass ihr jetzt unterwegs die Aussicht aus ihrer Hängematte reicht. Ich habe hingegen gerade entdeckt, wie unfassbar faszinierend die Welt außerhalb der bekannten Grenzen sein kann und würde gerne noch viel reisen. Aber jetzt ist erstmal das Kind an der Reihe, das ich bald mit Ahmed bekommen werde, und natürlich wollen wir eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Das ist übrigens auch ein Unterschied – sie ist gar nicht der Typ, den es nach eigener Familie und Kindern drängt. Aber ich denke, wir können in der Hinsicht beide gut leben und leben lassen.

3. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
Also was den Kleiderschrank angeht, die Frage kann ich ganz klar mit Nein beantworten.
Bei der Frage nach den Vorbildern sieht es schon schwieriger aus. Ich denke, sie ist aus dem Alter heraus, in dem man jemandem nacheifert, sondern hat Spaß daran einen eigenen Stil zu entwickeln und sich selbst auszuprobieren. Was sie an Menschen im Allgemeinen sehr schätzt, und das gilt natürlich auch für Autoren und deren Charaktere, ist Authentizität. Außerdem findet sie es wahnsinnig interessant, wenn jemand eine alternative Sicht der Welt vermitteln kann, oder originelle „Was wenn …“ Szenarien auf die Beine stellt.

4. Gibt es Rituale, die Antje beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Das hängt ganz vom Projekt ab. Eines hat sie gerne im Überfluss, wenn sie sich zum Schreiben hinsetzt, und das ist Zeit. Sie ist niemand, der zwischendurch mal für zwanzig Minuten vorbeikommt. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Sie hat immer ein Notizbuch dabei, in dem sie Ideen aufschreibt und die werden auch zwischendurch mal schnell abgeladen, um dann später ausgesponnen, überarbeitet und in die Geschichte eingewebt werden.
 
(c) TextLustVerlag
6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details...
Das war tatsächlich, als ich nackt auf die Autobahn gerannt bin. Das Bild hat sich wohl in ihrem Kopf festgesetzt und sie hat sich dann überlegt, wie ich da hingeraten sein könnte, und als das feststand, wie man mir helfen könnte, meine seltsamen Visionen wieder loszuwerden. Dass sie mich dabei allerdings quer durch Indien schickt, hat ganz am Anfang keiner von uns geahnt.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Meistens erwischt sie einen Zipfel von einem von uns, schnappt sich den und fragt: „Hey, wo willst du denn hin?“ Und dann hat man ruck zuck eine ganze Lebensgeschichte am Hals. Die wird dann nach Belieben auch mal wieder auf den Kopf gestellt, ausgetauscht, mit jemand anderem zusammengelegt und hin und wieder verschwindet auch einer von uns in der Schublade. So wollte sie mich erst mit Oliver, dem verschollenen Sohn des Psychiaters, mit dem ich nach Indien gereist bin, verkuppeln. Außerdem hatte ich zwischenzeitlich einen Bruder, der es jedoch auch nicht ins Buch geschafft hat. Da kann sie gnadenlos sein.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Antje so besonders?
Na, ganz platt gesagt, weil ich die Hauptperson in ihrer ersten eigenen Veröffentlichung bin. Aber zu der bin ich natürlich nur geworden, weil ihr etwas an mir liegt. Sie ist früher selbst viel in Indien herumgereist und in gewisser Hinsicht kann sie mich daher gut verstehen und ist mir sehr nahe.

9. Werfen wir doch mal einen Blick ins Lifestyle Magazine: Welche neuen Trends wird sie hervorbringen? An welchen Designerstücken wird aktuell gearbeitet? Wann dürfen wir sie wieder auf dem roten Teppich bewundern? Und ganz wichtig: WER wird sie auf dem roten Teppich begleiten?
Im neuen Roman wird der Trend eindeutig zu Kuhflecken gehen. Und das spiegelt sich bereits jetzt in ihrem Kleiderschrank wider, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie damit wirklich modetechnisch einen Trend setzen wird. Außerdem wird es deutlich humorvoller, als das bei uns in der Sati der Fall war. Auf den roten Teppich begleiten wird sie, unter vielen anderen, vor allem die Hauptprotagonistin, eine unbedarfte Endfünfzigerin, die meint, in einem Schlagersänger ihre große Liebe gefunden zu haben. Als ihr Schwarm nach einem Unfall ins Koma fällt, scheut sie nicht davor zurück, sich mit dem Tod höchstpersönlich anzulegen, um ihn zu retten. Dabei bringt sie den Tod dazu, an seiner Bestimmung zu zweifeln und stürzt so die Vorsehung in ein fulminantes Chaos. Die Dame trägt übrigens auch einen Mantel mit Kuhflecken. Der Roman ist momentan in Überarbeitung - ich mag mir gar nicht vorstellen, was die armen Charaktere noch alles durchmachen müssen, bis er fertiggestellt ist. Wer weiß, vielleicht endet das Ganze mit einem Giraffenmuster. 

10. Ein herzliches Dankeschön an Sarah für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Sarah gesagt wurde.
Hallo auch von mir. Ich denke, Sarah hat das ganz gut dargestellt – wobei ich vielleicht hinzufügen möchte, dass mir alle meine Charaktere wichtig sind, auch die, die zunächst einmal in der Schublade landen. Aber ich möchte denen, die es in ein Buch schaffen, natürlich die bestmögliche Geschichte bieten, in der sie leben und agieren können, und auch den anderen würde es nicht gerecht, sie in eine Geschichte zu stecken, in der sie sich nicht voll ausleben können und als Randfiguren verkümmern würden. Dafür habe ich sie viel zu gerne – alle.
Zum Abschluss möchte ich mich bei Sarah, stellvertretend für alle meine Charaktere, für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Es hat wirklich Spaß gemacht, Eure Geschichte(n) zu schreiben.
Und auch dir, Annika, ein herzliches Dankeschön für das Interview.


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