Sonntag, 22. Februar 2015

[INTERVIEW] Caruso über Arne Kilian




Meinen Namen habe ich vergessen. Mit meiner Frau verbringe ich die Weihnachtstage in den Schweizer Alpen. Schon seit vielen Jahren beziehen wir hier in den Ferien einen ehemaligen Berghof. Es ist schon dunkel und um meiner Frau und mir die Zeit zu vertreiben, habe ich ein Grammophon auf den Tisch gestellt. Es spielt Carusos alten Welterfolg „O sole mio!“. Nenne mich daher doch einfach Caruso. Der Name gefällt mir und am liebsten würde ich mit meiner Frau tanzen, aber es geht ihr heute nicht gut. Genau genommen ... Nein. Darüber kann ich nicht sprechen – noch nicht. Ich hoffe nur, dass unser Sohn Paul bald zu uns findet. Dieser Schnee! Er drückt vor die Eingangstür und ... einen Moment. Ich habe draußen irgendetwas gehört. Leise! (spricht flüsternd weiter) Ein Schatten schleicht ums Haus – ob das Paul ist? Nein, er würde zumindest anklopfen. Ich muss draußen nachsehen, aber der Schnee sperrt mich ein! Mein Autor hat sich da durchaus einen passenden Titel für meine Geschichte ausgedacht: „Wintergrab“

1. Stell uns Arne Kilian doch erst einmal kurz vor.
Es ist für mich gar nicht so einfach über ihn zu sprechen. Er versteckt sich irgendwo in dem Tannenwald dort draußen. Ich glaube, dass er darauf wartet, wie lange ich es in den Bergen noch aushalte. Gerade habe ich den Kamin bestückt und eine Zeitung als Zunder zwischen das Holz gedrückt. Dort war ein Zeitungsbericht über ihn abgedruckt, aber den habe ich nicht ganz gelesen. Schließlich könnte Arne auch zu mir kommen und sich selbst genauer vorstellen!

Aber weil ich früher selbst Journalist war, werde ich dir helfen. In dem Artikel stand, dass mein Autor in einem Verlag gearbeitet hat. Danach folgte ein Studium der Germanistik und Philosophie. In der Zeit haben wir zwei uns auch scheinbar das erste Mal kennengelernt. Zumindest behauptet er das. Wie gesagt, einen Kaffee haben wir noch nicht miteinander getrunken. Das macht er wohl oft alleine am Schreibtisch, denn seine Frau mag lieber Tee und seine beiden Kinder sind noch zu klein dafür.

2. Was denkst du über Arne, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Eigentlich mag ich ihn nicht. Ganz ehrlich! Jedes Jahr verbringe ich mit meiner Frau die Weihnachtstage hier in den Schweizer Alpen. Und ausgerechnet jetzt kommt Arne auf die Idee, mir ein seltsames Wesen auf den Hals zu hetzen! Ich habe es gerade ganz genau gesehen. Dort draußen ist etwas – eine alte Seele, die mich beobachtet. Aber gut. Ich komme von der Zeitung. Also bleibe ich sachlich. Als Journalist würde ich auf deine Fragen antworten, dass Arne das Kreative sucht. Er trägt ständig ein Notizbuch mit sich herum, um seine Ideen überall aufschreiben zu können. Und er besitzt sogar eine richtige Kreidetafel in seinem Arbeitszimmer. Darauf hat er auch entschieden, was mit mir hier oben geschehen soll – aber ich wollte ja professionell bleiben ...

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Hörst du mir eigentlich zu? Der Kerl lässt sich hier nicht blicken! Ihm ist es wichtig, dass ich allein in der Hütte bin. Nur meine Frau und ich sollen die Zeit in den Bergen verbringen. Doch meine Frau spricht nicht mit mir, das kann sie auch nicht, sie ... Aber gut. Damit wollte ich ja aufhören. Einmal habe ich Arne gesehen. So, wie er auf mich wirkte, scheint er gerne Sport zu treiben. Wahrscheinlich ist das sein Ausgleich vom Alltag, damit er seine Ideen sortieren kann.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Daran kann ich mich erinnern, denn er hat in der Zeitung Wolfgang Hohlbein erwähnt. Er muss Arne in seiner Jugendzeit als Autor sehr beeindruckt haben und das gilt wohl auch heute noch.

5. Gibt es Rituale, die Arne beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
(c) TextLustVerlag
Auch dazu kann ich etwas sagen, denn Arne mag Musik sehr gerne. Er scheint im Tannenwald gerade an einem weiteren Buch zu schreiben, denn die Musik dringt immer wieder einmal mit dem Nordwind zu mir herüber.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
Das war während seines Studiums. Da hat Arne etwas über mich gelesen und daraus scheinbar eine eigene Geschichte geschrieben, denn ursprünglich kamen weder eine Berghütte noch dieses Wesen in meinem Leben vor. Er hat sehr viel hinzu erfunden.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Oh. Woher soll ich das wissen? Doch anhand seines Geburtsdatums lässt sich feststellen, dass Arne ein Wassermann ist. Menschen mit diesem Sternzeichen sind oft kreativ, aber auch sprunghaft. Somit vermute ich, dass Arne keine feste Methode hat, um zu seinen Geschichten und Charakteren zu finden. Er sammelt sie eher zufällig mit seinem Notizbuch auf.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Arne so besonders?
An meinem Leben haftet ein Skandal. Und das weiß Arne. Es gab ein großes Medienecho um meine Person und das hat Arne inspiriert. Er wollte wissen, wie ein Mensch in meiner Situation damit umgeht, wenn ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Allerdings weiß ich nicht, worauf das alles hinauslaufen wird. Die ganze Szenerie macht mir Angst. Und meine Frau, die mir sonst immer im Leben zur Seite stand, lässt mich allein. Sie ist bei mir und doch keine Hilfe für mich. Das Wesen ist noch immer dort draußen und Arne beobachtet mich ...

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Arne bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
In diesem Jahr werden zwei weitere Bücher von Arne veröffentlicht. Das stand in dem Pressetext. Dort wurde der Titel „Nebelstadt“ erwähnt, der im August bei Oldigor erscheint. Am besten siehst du selbst zwischendurch einmal bei Arne nach: http://www.arnekilian.de

10. Ein herzliches Dankeschön an Caruso für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich Arne selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Caruso gesagt wurde.
Das hat Caruso in seiner Situation doch gut hinbekommen! Tauschen möchte ich mit ihm wirklich nicht. Aber eine Sache füge ich gerne hinzu, denn Caruso hat den Artikel über mich nicht ganz zu Ende gelesen und inzwischen brennt das Feuer in seinem Kamin so sehr, dass die Zeitung längst zu Asche geworden ist.
Also: Ich habe eine wunderbare Agentin, der ich u. a. verdanke, dass dieses Jahr mein Jugendbuch „Nebelstadt“ erscheint. Und auch weitere Projekte hat sie mir vermittelt, zu denen ich aktuell aber noch nichts sagen möchte – man darf gespannt sein!
Somit bedanke ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bei Alisha für die wunderbare Zusammenarbeit!

Mehr über den Autor erfahrt ihr auf seiner schon oben erwähnten Homepage und auf seiner Facebook-Fanseite.

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