Sonntag, 1. Februar 2015

[INTERVIEW] Rachel über Andreas Zwengel



Andreas Zwengel


Mein Name ist Rachel und ich gehöre zu einer geheimen Gilde, die sich „Die Schattenkrieger“ nennt. Wir jagen ein übersinnliches Wesen, das seit 1903 in wechselnden Körpern unentdeckt in unserer Mitte lebt. Meine Vorgänger waren schon oft dicht davor, es aufzuspüren, doch es entkam jedes Mal und forderte viele Opfer. Jetzt liegst es an mir, als jüngster Vertreterin der Gilde, dieses Wesen aufzuhalten.

1. Stell uns Andreas Zwengel doch erst einmal kurz vor.
Ich habe mich natürlich über ihn informiert, denn in meiner Branche ist es überlebenswichtig, seinen Gegner zu kennen. Die autobiografischen Informationen, die er auf seiner Homepage veröffentlicht hat, haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle erfunden. Das hat natürlich meine Neugier geweckt. Was ich inzwischen als gesicherte Fakten bestätigen kann: Er wurde 1969 geboren, ist verheiratet und veröffentlicht seit 2007 Geschichten in den Bereichen Krimi, Phantastik und Abenteuer. Meistens sind sie eine Mischung aus mehreren Genres.

2. Was denkst du über Andreas Zwengel, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich beneide ihn um sein ruhiges Leben. Etwas Negatives über den Autor möchte ich nicht unbedingt sagen, aber wenn ich früher erfahren hätte, dass Zwengel plant, unsere Existenz in einem Buch zu enthüllen, dann hätten Sie nie von ihm gehört. Eine Weile hatte ich ihn sogar in Verdacht, die neueste Hülle des Feindes zu sein. Aber da die Katze jetzt aus dem Sack ist, kann ich ihn beruhigen, dass ich kein nachtragender Mensch bin. Auch wenn er meine Arbeit dadurch deutlich erschwert hat.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Während meiner Observation habe ich ihn kaum etwas anderes tun sehen, als zu lesen und zu schreiben. Gelegentlich sieht er sich auch Filme an.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Wenn ich mal nach den Büchern in seinem Regal gehe, die er mehrfach in allen erdenklichen Ausgaben besitzt, dann scheint er die Arbeit von Thomas Pynchon, Neal Stephenson, Matt Ruff, Nick Harkaway, Tobias O. Meißner, Tom Robbins, David Mitchell und Douglas Coupland sehr zu schätzen. Ich hatte allerdings nicht genug Zeit, die ganzen Bücherregale zu kontrollieren, denn seine Frau kam überraschend nach Hause.

5. Gibt es Rituale, die Andreas Zwengel beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Wie mein Überwachungsteam meldet, kann man diesen Mann praktisch überall mit einem Zettel und einen Stift aussetzen und nach ein paar Stunden wieder abholen. Eine Praxis, die seine Frau häufig während Geschäftsterminen oder Shoppingtouren nutzt. Beim Schreiben neuer Texte scheint ihn kein Umgebungslärm zu stören, aber bei der Überarbeitung schätzt er absolute Ruhe.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
(c) Textlustverlag
Als ich von einem Buch mit dem Titel „Die Schattenkrieger“ hörte, hielt ich die Namensgleichheit natürlich für einen Zufall. Denn seien wir mal ehrlich, so originell ist er ja nun wirklich nicht. Ich wies einen unserer Zöglinge an, sich über den Inhalt zu informieren. Bereits der Klappentext löste in unserer Organisation sofort Alarm aus.

7. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Andreas Zwengel so besonders?
Zu verraten, was mich für ihn so besonders macht, würde bedeuten, noch mehr Geheimnisse meiner Gilde zu verraten.

8. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Andreas Zwengel bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Da kann ich natürlich ausführlich Auskunft geben, da meine Mitarbeiter seine Festplatte gehackt haben. Nachdem er viele meiner Geheimnisse ausgeplaudert hat, ist es nur gerecht, wenn ich auch paar von seinen platzen lasse. Nach dem Enthüllungsbericht über unsere Gilde hat er sich mehr fiktionalen Werken zugewendet. Veröffentlicht wurden die Krimikomödie „Wespennest“ und die Anthologie „Panoptikum“, einer Sammlung seiner Geschichten aus dem Bereich Phantastik. Für ein unveröffentlichtes Manuskript mit dem Titel „Böser Clown“ muss das passende Genre wohl erst noch erfunden werden. Es scheint mir eine Mischung aus Abenteuerroman, Phantastik-Thriller, Steampunk und Mediensatire zu sein. Eine Gruppe von C-Promis legt sich mit einem mysteriösen Spielzeugkonzern an, um das Kinoremake einer SF-Fernsehserie zu verhindern. Es liest sich genauso bizarr wie es klingt.

9. Ein herzliches Dankeschön an Rachel für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Rachel gesagt wurde.

Vielen Dank für diese Gelegenheit, aber ich möchte an dieser Stelle nur klarstellen, dass ich diese Frau nicht kenne und niemals von ihr oder einer Organisation namens „Die Schattenkrieger“ gehört habe. Alles, was in diesem Buch steht, das ich nicht geschrieben habe, ist frei erfunden und entbehrt jeder Grundlage. Alles nur ein Spaß … haha … ehrlich. 
 … War das richtig so, Rachel, darf ich jetzt endlich wieder nach Hause zurück?


Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage.

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