Sonntag, 8. März 2015

[INTERVIEW] Anette Lorching über Ben B. Black




Ben B. Black
Guten Tag. Mein Name ist Anette Lorching. Ich arbeite als freie Architektin und habe unter anderem den Bau des neuen großen Einkaufszentrums in meiner Heimatstadt geleitet. Da es sich dabei um meinen ersten größeren Auftrag handelte, war ich zu Beginn natürlich schon ein wenig aufgeregt, doch was dann alles passierte, damit konnte ich wirklich nicht rechnen. Zum Glück lernte ich damals Bernd Kastinger kennen, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand.

Aber ich merke gerade, dass ich abschweife. Was sich seinerzeit ereignete, lässt sich im Kurzroman »Spuk auf der Baustelle« nachlesen. Der Autor Ben B. Black fand meine Geschichte so faszinierend, dass er darauf bestand, eine spannende Erzählung daraus zu machen. Da lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mich einmal auf die andere Seite des Schreibtisches zu setzen und nun ein paar Dinge über ihn auszuplaudern, obwohl ich selbst ja nicht so gerne in der Öffentlichkeit stehe; aber an dieser Stelle mache ich mal eine Ausnahme. Also, legen wir los!

1. Stell uns Ben B. Black doch erst einmal kurz vor. Gibt er dir genug zu essen? Lässt er dich regelmäßig nach draußen?
Anette: (lacht) Ben sorgt gut für mich, keine Angst! Wenn dem nicht so wäre, würde er mehr Ärger mit mir bekommen, als ihm guttäte, und das weiß er ganz genau. Aber er kümmert sich ohnehin liebevoll um seine Romanfiguren, gibt sich viel Mühe damit, jeder davon einen eigenen Charakter zu geben und sie in ihren Geschichten lebendig werden zu lassen. Ich habe ihn als jemanden kennengelernt, der sehr genau arbeitet und dabei viel Wert auf Qualität legt – was ich nur zu gut verstehen kann, denn mir geht es bei meiner Arbeit auch nicht anders.

2. Was denkst du über Ben B. Black, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Anette: Eigentlich ist Ben ein ganz normaler Typ, der ein recht durchschnittliches Leben führt. Das, was ihm so passiert, ist vermutlich nicht halb so aufregend wie die Geschichten, die er sich ausdenkt. Ich finde ihn nett, er lacht gerne und kann ein recht humoriges Kerlchen sein, auch wenn man das seinen Geschichten nicht immer anmerkt. Als er einmal nicht aufgepasst hat, habe ich heimlich ein Stück eines Zombie-Romans von ihm gelesen. Da ging es ziemlich derb zur Sache, und ich habe das Teil rasch wieder beiseite gelegt. So etwas ist nichts für mich! (schüttelt sich) Dass er sich überhaupt solch düstere Dinge ausdenken kann, bereitet mir manchmal ein klein wenig Angst. Aber dann mache ich mir immer wieder schnell klar, dass das ja alles nur Fantasie ist und Ben im wahren Leben keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Falls hinter seiner Fassade wider Erwarten doch ein durchgeknallter Psychopath lauern sollte, versteht er es zumindest, das meisterlich zu verbergen.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Anette: Ich schnüffele ja grundsätzlich nicht im Privatleben anderer Menschen herum, aber das eine oder andere habe ich trotzdem mitbekommen. Ben macht gerne Musik. Soweit ich weiß, spielt er Klavier und Gitarre, komponiert ab und zu sogar selbst kleinere Stücke, auch wenn er dazu im Moment nicht mehr die Zeit findet. Seine andere große Leidenschaft ist das Tanzen. Zusammen mit seiner Frau ist er regelmäßig auf dem Parkett zu finden. Speziell die Standard- und Lateintänze haben es den beiden angetan, aber gerüchteweise habe ich auch schon vernommen, dass sie ebenfalls Spaß an Tango Argentino und Disco-Fox finden. Daneben scheint er nur noch eine Sache zu kennen: Bücher, Bücher, Bücher. Seine ganze Wohnung ist voll davon, und in seinem Büro stapeln sie sich mittlerweile auch. Dabei jammert er immer herum, dass er keine Zeit mehr zum Lesen hat, trotzdem schleppt er wieder und wieder neuen Lesestoff ins Haus. Aber so sind vermutlich alle Autoren, das gehört wohl zum Beruf. (lächelt nachsichtig)

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Anette: Ich glaube, ein bestimmtes Vorbild gibt es für Ben nicht. Er lässt sich eher von tiefsinnigen Sätzen leiten und versucht ansonsten, eine gewisse Ausgewogenheit der Dinge zu erreichen. Ja, er hat einmal zu mir gesagt, dass er Extrema in jeder Form schlecht findet und sie sogar für schädlich hält. Auf der anderen Seite bedeutet das wohl nicht, dass er den Durchschnitt für das Maß aller Dinge hält, aber extrem sollte halt nichts werden. Zumindest glaube ich, ihn so verstanden zu haben. Ich selbst denke über solche Dinge nicht gerne nach, mir liegen eher die praktischen Aspekte des Lebens. Aus dem Grund bin ich auch Architektin geworden und keine Schriftstellerin. (lacht)

5. Gibt es Rituale, die Ben beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu essen, das in Reichweite stehen muss?
Anette: Wenn es etwas in der Richtung gäbe, wäre mir das sicherlich aufgefallen. Soweit ich das beurteilen kann, bevorzugt er beim Schreiben vor allem Ruhe. Ich habe ihn einmal gefragt, warum er bei der Arbeit keine Musik hört, wie es offenbar viele seiner Kollegen tun. Er hat mir darauf etwas Wirres geantwortet, mit »das würde das Entstehen der Geschichte in seinem Kopf stören« oder so. (spricht hinter vorgehaltener Hand) Vielleicht hat er ja doch irgendwie einen Knall, aber solange spannende Bücher dabei herauskommen, ist das wohl in Ordnung.

6. Wie hast du ihn kennengelernt?
Anette: Ben hat damals – vermutlich so wie jeder andere in dem Kaff – die Pannen beim Bau des Einkaufszentrums mitbekommen und mich eines Tages direkt darauf angesprochen. Zuerst wollte ich ihm eine gepfefferte Antwort geben und ihn einfach stehen lassen, doch irgendetwas in der Art, wie er mich fragte, ließ mich zögern. Im anschließenden Gespräch wurden wir uns dann schnell darüber einig, dass er derjenige sein soll, der die Geschichte zu Papier bringt.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen?
Anette: Darüber spricht Ben eigentlich so gut wie nie. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass sich ihm die eine oder andere Romanfigur regelrecht aufgedrängt hat. So etwas würde ich nie tun! Aber es gibt wohl Leute, die da keine Scham kennen. Treten einfach ins Leben eines Autors und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass der ihre Geschichte aufschreibt. Tzä! Als ob der Mann nicht auch anderes zu tun hätte. Aber was soll’s? So ist das Leben halt. Oh, Moment! Da fällt mir gerade ein, dass Ben auch schon Charaktere von anderen vorgestellt wurden. Das passiert immer dann, wenn er einen Roman als Auftragsarbeit nach Exposé verfasst. In dem Fall hat sich jemand anderes die Geschichte und auch die Personen darin ausgedacht, und Ben muss dann zusehen, wie er mit diesen Charakteren zurecht kommt. Ich glaube aber, dass ihm das gar nichts ausmacht, er im Gegenteil sogar viel Spaß an der Sache hat, zumal er oft auch eigene Figuren in diese Geschichten einbringen kann.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Ben so besonders?
Anette: Das ist in der Tat eine sehr interessante Frage. Wenn ich bedenke, wie viele Bücher Ben schon geschrieben hat und mit wie vielen Figuren er es dabei zu tun hatte, dann kommt mir das fast ein wenig wie ein Sechser im Lotto vor. Da gibt es Leute wie zum Beispiel diesen Ren Dhark, über den Ben schon viele hundert Seiten erzählt hat, und trotzdem sitze ich jetzt hier und mache das Interview. Vielleicht hängt Bens Herz mehr an mir, als ich bisher dachte. Wer kann das schon sagen?

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Ben bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Anette: Ich erwähnte ja schon diesen Ren Dhark – ein obskurer Typ, wenn ihr mich fragt, aber ich muss ja nicht mit ihm befreundet sein. Jedenfalls verbringt Ben im Augenblick sehr viel Zeit mit diesem Kerl, macht nebenher kaum noch etwas anderes. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass er irgendwann noch weitere Geschichten mit mir erzählt, aber das wird wohl so schnell nichts werden. Derzeit ist nur Dhark hinten und Dhark vorne, da könnte man glatt eifersüchtig werden! Immerhin arbeitet Ben noch an dieser Serie für jugendliche Leser … Moment, ich komme gleich auf den Titel … ach ja: »Die Schrecken von Sahlburg«. Die Serie erscheint ebenfalls im TextLustVerlag, so wie auch mein »Spuk auf der Baustelle«. Das ist für mich zwar nur ein schwacher Trost, aber besser als nichts. Na, mal sehen, was die Zukunft noch alles bringen wird, denn wenn ich eines im Leben gelernt habe, dann ist es, dass Kristallkugeln allesamt nicht funktionieren und es sowieso immer anders kommt, als man sich das so denkt.

10. Ein herzliches Dankeschön an Anette Lorching für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst die Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Anette gesagt wurde.
Ben: Ich glaube, das Meiste hat Anette schon erzählt. Mir war lediglich nicht bewusst, wie sehr sie darauf brennt, irgendwann ein weiteres Abenteuer zu erleben. Ich sehe schon, da werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, bevor sie mir die Freundschaft kündigt.
An dieser Stelle sei mir noch der Hinweis auf meine Hompage gestattet: www.benbblack.de

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