Dienstag, 10. März 2015

[REZENSION] Endstation von Sabine Wierlemann (by Nana)

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Endstation - Sabine Wierlemann
Klarant Verlag, 2014
183 Seiten
Preis: 11,99 €
eBook: 3,99 €
ISBN: 9783955731977

Klappentext:
Plötzlich gerät der gemütliche Alltag der schwäbischen Kleinstadt Bärlingen aus den Fugen: In einem Lkw tauchen fünf Leichen auf, allesamt Bewohner des Altersheims Gertrudenstift. Dort wohnt auch Gerlinde Haller, die sofort ihre Spürnase einsetzt und sich daran macht, die kriminellen Machenschaften im so harmlos wirkenden Altersheim aufzudecken. Ihr Sohn, Hauptkommissar Georg Haller, übernimmt den Fall und merkt schnell, dass er es hier mit einem Gegner zu tun hat, der vor nichts zurückschreckt. Mit seiner Spezialeinsatztruppe hat allerdings niemand gerechnet und seine Oldies aus der Schubartstraße machen sich voller Eifer an die Ermittlungen für Spannung und Spaß ist also gesorgt! Und auch die Romantik kommt nicht zu kurz, denn im Laufe der Ermittlungen kommen sich Georg und seine Kollegin Lisa-Marie wieder näher. Doch die Hauptrolle ist einmal mehr für Gerda und Otto König vorgesehen. Das alteingesessene Friseurehepaar hatte sich eigentlich vorgenommen, die Polizeiarbeit künftig den Profis zu überlassen. Aber da sie ihre Friseurdienste traditionell auch im Gertrudenstift anbieten, haben sie eine Verbindung zu dem Fall. Ungewollt kommen sie dem Täter sehr nah, und geratenin tödliche Gefahr...


Meine Meinung:

Mein Dank geht an den Klarant Verlag, der mir ein Exemplar von »Endstation – Gerda und Otto Königs dritter Fall« zur Verfügung gestellt hat.
Da ich selbst noch bis vor wenigen Jahren im Schwabenländle gewohnt habe, fiel mir meine Wahl nicht schwer. Ich wollte den Schwabenkrimi sehr gerne lesen.
Ein wenig skeptisch war ich, ob es tatsächlich Sinn macht, bei einem dritten Fall einzusteigen, aber die positiven Rezensionen auf Amazon sprachen einfach eine zu deutliche Sprache – ich wagte das Experiment.

Bis zu diesem Buch war mir der Verlag selbst noch nicht aufgefallen, weswegen ich mir die Homepage mal genauer angesehen habe. Ein bodenständiger Verlag mit einem gemischten Sortiment, das jedoch nicht zu umfangreich ist. Ebenso tummeln sich in der Liste der Autoren ein paar bekannte Gesichter.
Die Aufmachung des Print-Buchs (im Hinblick darauf, dass es ja Klarant-ebooks heißt und somit Print eine ganz neue Schiene zu sein scheint), kann sich sehen lassen. Gute Qualität, das Cover stimmt für das, was ich erwarte. Auf den Seiten selbst wurde kein Platz verschenkt und der Text in unterschiedlich lange Kapitel unterteilt. Aber legen wir endlich mal los …

Ich habe mich unsagbar schwergetan. Ich wurde überschüttet mit sehr vielen wars und hättes und würdes. Ebenso sammelten sich die Vielzahl der Dialoge einfach aneinander an, anstelle mit irgendwelchen Interaktionen einherzugehen.
Hauptkommissar Haller und seine Kollegin Schrägstrich On/Off-Freundin Lisa-Marie bleiben von der ersten bis zur letzten Seite komplett blass. Ob die beiden Figuren in den vorherigen Bänden wirklich gebührend eingeführt wurden, weiß ich nicht, hier fehlt jedoch gänzlich ein Ansatzpunkt und das, obwohl beide in Endstation ihre Liebe wieder neu entfachen. Aber selbst das läuft nur nebenher und will einfach nicht glaubwürdig erscheinen, was ich nicht zuletzt der »Faulheit« beider zuzuschreiben glaube. Natürlich, sie küssen sich. Sie haben sogar, wenn ich der Autorin glaube, Sex … aber sie tun dafür nichts. Gedanken, Handlungen, Gefühle, all das wird angedeutet, in wenigen Lichtblicken auch tatsächlich in den Text gestreut, doch dann sind es wieder nur wars, hättes und würdes.
Ebenso die fragwürdige Ermittlungsarbeit. Nicht genug, dass der Kommissar auf den ersten Seiten bereits zweimal niedergeschlagen und einmal gefesselt wurde, nein, Hauptkommissar hin oder her, er muss sich, meiner Meinung nach, häufiger in der Leitstelle melden, was er jedoch erst mal getrost vor sich herschiebt und wenn überhaupt, nur mal mit seiner Lisa-Marie telefoniert.
Ganz zu schweigen davon, dass fünf Leichen aus dem Gertrudenstift in einen LKW geladen wurden und von dort wieder zurück ins Altersheim kommen, wo sie auf ihre Obduktion warten.
Leichen. Die einzigen Beweise aktuell, werden in einem Altersheim obduziert? Ich bin wahrlich kein Arzt, kein Kommissar oder ähnliches, aber ich glaube nicht, dass Leichen in einem Altersheim obduziert werden. Das wäre ja quasi, wie wenn ein Toter auf offener Straße obduziert werden würde, nur weil er eben dort sein Leben ließ. Und wenn dem doch so ist, dann hat es mir die Autorin leider nicht glaubwürdig verkauft.
Total urig hingegen fand ich die »Task-Force«. Klar, wer auf dem Land aufgewachsen ist, weiß um die laute Buschtrommel, die es in diesen Käffern gibt, da weiß jeder über alles Bescheid. Hiermit hat mich die Autorin wieder etwas besänftigt. Die urigen alten Leutchen, jeder mit einer bestimmten Aufgabe und einem gewissen Talent, die Miss Marple-mäßig durch das Getrudenstift getingelt sind. Super!
Doch dann gab es auch wieder ein heikles Thema: das Klischee. Die schöne Russin, die ihren wohlhabenden Gatten selbst ins Heim abschiebt und sich an die Spitze der Heimleitung setzt. Fragwürdig, offensichtlich und schade. Wenngleich auch nur die halbe Auflösung des Falls, eben jene erschien recht bald ersichtlich.
Dennoch frage ich mich, weshalb die Königs nur so wenig Spielraum bekamen. Natürlich, sie kamen hier und da vor, richtig, jedoch hatte ich mir anhand des Klappentextes etwas »mehr« von den beiden erwartet. Ihre heiße Spur entpuppte sich eigentlich nur als Zufall, ihre gewonnene Freiheit nach der brisanten Offenbarung schlichtweg unüberlegt von den Ganoven und daher leider nicht glaubwürdig und die Auflösung mit der werten Dame, die ja angeblich ziemlich nah an sturzbetrunken hat sein müssen, wenig glaubhaft.
Zu Vieles erlag hier einfach einem kurzen »angerissen« werden. Wichtige Details fielen einer Zusammenfassung zum Opfer, die, wenn sie detailliert geschildert worden wären, mehr Spielraum für Interaktion geboten hätten.

Fazit:
Die Idee konnte durchaus überzeugen, jedoch gelang die Umsetzung nicht annähernd so gut. Ein guter Krimi lebt von Lebendigkeit, die ich hier leider zu sehr vermisst habe. Auch gehört für mich mehr zu Lokalkolorit als Schupfnudel und Sauerkraut, Heiligs Blechle und Namen wie Helmle und Schäufele. Beschreibungen sind hier das A und O, doch auch diese wurden eher spärlich eingesetzt.
Wunderbar gelungen hingegen ist die Task-Force, die Oldies, die in ihrem Ehrgeiz glänzen und das Buch ein wenig aus seiner Lethargie heben.
Für mich ist hier jedoch Endstation. Ich konnte nicht überzeugt werden.

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