Sonntag, 19. April 2015

[INTERVIEW] Lu Kranich über Henni-Liz Borßdorff



Henni-Liz Borßdorff

Hallo, ich bin Lu. Lu Kranich. Ich habe – nein – hatte, muss es heißen, zwei fette Probleme: Ich werde nicht braun – OK, das Problem hab ich immer noch. Aber jetzt zum zweiten Problem: Ich verliebe mich nicht – äh – ich dachte jedenfalls, ich würde mich niemals verlieben, aber das Problem ist seit Kurzem vom Tisch. Allerdings ist meine Beziehung verdammt kompliziert. Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, dass Liebe nie so wirklich unkompliziert ist. Stimmt wahrscheinlich sogar – aber meine große Liebe ist wie nicht von dieser Welt. Es ist echt mega-kompliziert… Übrigens geht es Andrea, meiner Patentante, nicht viel besser. Komplizierte Liebesbeziehungen scheinen sich in unserer Familie wohl zu fühlen. Weder Andrea noch ich wissen, wie es weitergehen soll…

1. Stell uns Henni-Liz Borßdorff doch erst einmal kurz vor.
Henni ist so eine absolute Leib-und-Seelen-Autorin. Unter anderem Namen hat sie schon ziemlich viele Bücher produziert. Aber meine Geschichte ist an den Namen Henni gekoppelt. Übrigens lebt sie zurzeit in Aachen, tourt viel ins Ruhrgebiet und nach Norddeutschland. Überhaupt zieht sie der hohe Norden an. Das war schon immer so, weil sie als Kind nicht in die Sonne durfte, weil sie als Sahnetörtchen zur Welt gekommen ist. Wahrscheinlich bevorzugt sie deshalb den Winter. Wohl auch wegen ihrer zahlreichen Allergien ist sie am liebsten da, wo nichts blühen kann: Im tiefen Schnee... Sie meint allerdings, Helgoland wäre auch noch eine Option, weil da fast nix wächst.  

2. Was denkst du über Henni L.Borßdorff, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Sie hat so eine unerbittliche Zähigkeit, was manchmal etwas anstrengend und über die Maßen verblüffend sein kann. Auf der anderen Seite ist sie im Sternzeichen eine dieser mega-verträumten Fische-Frauen. Aber man sollte sich da nicht täuschen lassen, denn ihr Aszendent ist Löwe. Ja, sie verkörpert eine ungewöhnliche Mischung aus Stärke, Engagement und Träumerei, sodass man genau hinsehen und- hören muss, was gerade bei ihr angesagt ist.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie war lange in einer Band die Quotenfrau am E-Bass. Jetzt spielt sie manchmal Klavier. Überhaupt ist die Musik nach dem Bücher-Schreiben ihre zweite Leidenschaft, gefolgt vom Skifahren. Wie gesagt: Sie liebt den Winter. Naja – ihre Kinder sind ihr Ein und Alles. Das hätte ich jetzt beinahe vergessen. Sie hat ja drei Töchter.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Im normalen Leben hat sie kein Vorbild. Überhaupt hat sie etwas gegen jede Art von Personenkult. Aber Heinrich Heine – den vergöttert sie fast. Außerdem liest sie gerne südamerikanische Literatur, mag also Isabell Allende und Gioconda Belli zum Beispiel.

5. Gibt es Rituale, die Henni beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Nö. Das einzige, das sie braucht, ist eine Türe, die sie hinter sich schließen kann. Musik hört sie zwar total gerne, aber niemals, wenn sie fabuliert.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Wir haben uns gesehen und wussten sofort, dass wir uns ähnlich sind, obwohl Henni ja deutlich älter ist als ich mit meinen 14 Jahren. Henni saß bei Schneegestöber in einer Berghütte in Österreich, die öfter völlig einschneit, und spielte mit handgefertigtem Holzspielzeug, das dort steht, damit sich die Leute während der Wartezeit auf besseres Wetter beschäftigen können. Ich saß zufällig auch in dieser einsamen Hütte mit so einem großen Bollerofen und in dieser obergemütlichen Atmosphäre  kamen wir ins Gespräch. Tja – irgendwann habe ich ihr meine Geschichte erzählt, weil es Nacht wurde und die Talabfahrt mit Skiern natürlich viel zu gefährlich war. Ich dachte, ich sehe sie ja ohnehin nie mehr wieder – und da bin ich über meinen Schatten gesprungen und – man kann sich vorstellen: Es wurde eine lange Nacht…

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Henni sagte mir, dass ihr die Geschichten nur so zufliegen. Alle Leute erzählen ihr alles. Ich glaube im Ernst, dass das an ihren Augen liegt, die immer so zufällig irgendwohin sehen, dass man denkt, sooo genau ist sie ja doch nicht bei der Sache – und schon hört man nicht mehr auf mit dem Erzählen, weil es einen unglaublich erleichtert, wenn man ungeniert loslegen kann und sich mal so richtig die Probleme von der Seele reden darf. Aber von wegen: Sie merkt sich jede Kleinigkeit – und deshalb geht ihr der Stoff niemals aus.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Henni so besonders?
Sie mag mich, weil ich so sehr auf der Suche bin und auch, weil ich echt was riskiere. Ich weiß, dass sie Leute spannend findet, die schräge Sachen machen – so wie ich. Ein bisschen beneidet sie mich wohl auch, weil ich schon mit 14 die ganz große Liebe erlebe. Die hat allerdings ihren Preis…

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Henni bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Nach „Winterjunge“ kommt – na? Genau: „Wintermädchen“. Klar – meine Geschichte ist ja noch längst nicht fertig. „Wintermädchen“ ist der zweite Band der Blizzard-Reihe. Das Manuskript steht bereits und wartet aufs Lektorat.

10. Ein herzliches Dankeschön an Lu Kranich für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Lu gesagt wurde.
Lu hat natürlich völlig recht: Der Winter – also richtiger Winter – ist meine Jahreszeit. Und was dichterische Vorbilder anbelangt, mag ich auch noch Hans Christian Andersen – am meisten Die Schneekönigin. Was mich natürlich sehr freut, ist, dass mir eine ganze Menge Leute, sowohl Jugendliche als auch Erwachsene, gesagt/gemailt haben, dass ihnen „Winterjunge“ so richtig gut gefallen hat. Das freut mich auch deshalb so  dolle, weil ich echt lange daran geschrieben habe. Klar – sonst wäre Lu jetzt wahrscheinlich sauer, wenn ihre Story an irgendeiner Stelle haken würde…


Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookfanseite. Der Roman "Blizzard - Winterjunge" ist im Oldigor Verlag erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...