Sonntag, 12. April 2015

[INTERVIEW] Peter über Karin Semelink



Karin Semelink

1. Stell uns Karin Semelink doch erst einmal kurz vor.
Karin ist eine außergewöhnliche Frau, die mich von Anfang an durch ihre Entschlossenheit und Stärke fasziniert hat. Sie hatte schon immer einen festen Focus und völlig klar definierte Ziele für ihr Leben. Genau diese Ziele hat sie ohne Umwege verfolgt und sich niemals von dem Weg abbringen lassen, den sie für richtig hielt, selbst wenn Unannehmlichkeiten und Hürden im Weg standen. Mir ist selten ein Mensch begegnet, der so konsequent seine Ziele verfolgt und sich in keiner Weise nach der Meinung anderer gerichtet hat. Castaneda hat das einmal als „unerreichbar sein“ bezeichnet und meinte damit, dass sich ein Mensch frei von den Erwartungen seiner Mitmenschen machen solle. Das woran andere Menschen ein Leben lang arbeiten, hat sie mit 15 Jahren begonnen und sofort umgesetzt.

2. Was denkst du über Karin, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Es gibt einen Grund, warum ich sie liebe und mit ihr nun schon so lange zusammenlebe, ohne dass es jemals auch nur den Funken eines Gedanken an Trennung gegeben hätte. Ihre Stärke, aber auch die Fähigkeit der hundertprozentigen Hingabe an ihre Lebensaufgabe ist das, was ich an ihr bewundere. So geradlinig ist mein Lebensweg nicht verlaufen, denn ich war immer mal wieder geneigt, mich von der ein oder anderen Versuchung am Wegesrand ablenken zu lassen. Ich beneide sie nicht, denn das impliziert auch ein gewisses Maß an Missgunst, aber klar, ich bewundere sie absolut. Erstaunlicherweise ist das Zusammenleben mit einem so starken Menschen wesentlich unkomplizierter, als man es sich vorstellen mag, zumal ich selbst ja nun auch kein besonders weicher und unkomplizierter Mensch bin. Entscheidend ist, zu wissen wo man bei dem Anderen dran ist, was er gerade denkt und fühlt, also keine Taktikspielchen, keine Schmollecke und keine Koketterie. Bei Karin weiß man immer, was gerade ansteht, was sie denkt und fühlt und was sie will bzw. nicht will. Das vereinfacht das Zusammenleben enorm. Außerdem respektiert sie den Anderen so wie er ist, will ihn weder verbiegen noch verändern und lässt ihn seinen Weg gehen. Mit anderen Worten, man darf – politisch unkorrekt – durchaus neben ihr Mann sein, Mann bleiben und muss nicht als Warmduscher den Frauenversteher geben.
Was ich nicht so wirklich an ihr mag, ist ihr Desinteresse für alles, was von ihrem Focus nicht erfasst wird. Dazu zählen z.B. politische Zusammenhänge bzw. überhaupt ein Interesse an Politik, Globalisierung und weiteren Themen, die eigentlich auch einen direkten Einfluss auf unser persönliches Leben haben. Politische Sendungen oder Dokumentationen langweilen sie. Sie nutzt die Zeit lieber für zusätzliche Fürsorge und Betüddelung unserer Tiere.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Da sie ja ihrem Focus alles unterordnet, kümmert sie sich zu 90% des Tages um unsere Tiere. Sie ist für alle da, kümmert sich liebevoll um jeden Einzelnen und gibt ihnen die Würde zurück, die sie aufgrund ihrer oft dramatischen und traumatisierende Vorgeschichte verloren haben, bevor wir sie aufnahmen. Ohne sie ginge es unseren Tieren vor allem psychisch nicht so gut, wie es ihnen geht. Sie haben ihre Traumata verloren und leben als glückliche Gemeinschaft hier frei zusammen, betreut und versorgt von Karin, deren Hingabe wahrhaft heilende Kräfte entwickelt.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Schriftstellerisch ist ihr Vorbild sicherlich Françoise Sagan und ich denke, dass das gleichzeitig für das normale Leben gilt. Sagan hat ihr Leben auch so gelebt, wie sie es wollte und es für richtig hielt. Sie hat sich nicht verbiegen lassen und ihr Ding gemacht. Mag sein, dass Sagan schlechter damit zurecht kam, jedenfalls hat Karin im Gegensatz zu ihr keine Probleme mit Alkohol und Drogen, im Gegenteil.

5. Gibt es Rituale, die Karin beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Nicht dass ich wüsste und ich müsste es wissen, da wir ja 24H/Tag zusammen sind. Sie braucht einfach Ruhe. Ich darf sie nicht stören, aber natürlich darf jeder Hund sie stören, das Rudel laut heulen oder bellen, das stört sie nicht. Ich denke, sie bezieht die Inspiration einfach aus dem, wie sie hier lebt und damit aus dem Ambiente, das man als Natur pur bezeichnen kann, fernab jeglicher Zivilisation, ein Wunder, dass wir überhaupt Strom haben.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Nun auch darum dreht sich ihr Buch, in dem ich ja eine zentrale Rolle spiele, neben den Tieren natürlich, die in der Hierarchie noch über mir stehen.
Es waren einige Telefonate zwischen Portugal – wo ich damals schon lebte – und Deutschland gewesen. Sie hatte die Aufgabe, einen Besuch von Dolly Buster zu organisieren, die mein Naturschutzprojekt besuchen wollte und dabei ein Fernsehteam mitbrachte. Karin war damals ihre DogSitterin und sowas wie eine persönliche Assistentin. Aus sachlichen Telefonaten wurden schnell persönlichere, man tauschte sich aus, lernte sich besser kennen. Facebook & Co gab es damals noch nicht, nur E-Mail und so trafen wir uns ein halbes Jahr später zum ersten Mal in Deutschland. Kurz darauf besuchte sie mich hier in Portugal und was soll ich sagen … dann war es geschehen. Einen Monat später stand sie mit Auto und Umzugskartons vor dem Hoftor.

7. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Karin so besonders?
Nun, sie ist offenbar der Meinung, dass ich im Rahmen ihrer Biografie einen besonderen Platz einnehme, keine Ahnung womit ich diese Ehre verdient habe, denn sie ist vielen Menschen in ihrem Leben begegnet und sicherlich auch interessanteren. Dennoch dreht sich der Kern ihres Buches um unser gemeinsames Leben hier in Portugal. Gleichwohl beleuchtet sie auch diverse Charakteren die ihr in ihrem langen Leben in Deutschland begegnet sind. Manche waren sicherlich auch prägend, aber – mit Ausnahme ihrer Oma – nie so prägend, dass es sie es für lohnend hielt, ihnen so eine zentrale Rolle zuzuweisen. Es wundert mich auch nicht, denn wer kann Karin schon beeinflussen und sie wirklich nachhaltig prägen? Das gilt vor allem für unangenehme Menschen, selbst wenn diese viel Macht und noch mehr Geld besitzen.

8. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Karin bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Sie arbeitet momentan an einem weiteren autobiographischen Werk, das sich sehr kritisch mit Tierschutzaktivisten auseinandersetzt und dem was Natur- und Tierschutz garantiert nicht ist. Ein weiteres Thema sind die Missstände im Reitsport, in dem sie ja als Fachfrau 25 Jahre lang gearbeitet  hat.
Somit werden, wie auch schon im vorliegenden Buch, viele dramatische Tiergeschichten erzählt und natürlich erfährt der Leser noch mehr darüber, wie es ist, als Auswanderin in einem krisengeschüttelten Land zu leben, das vieles von seinem Charme der EU und der Troika opfern musste.

9. Ein herzliches Dankeschön an Peter für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Peter gesagt wurde.


Wenn Peter nicht der ist, der einen besonderen Platz in meinem Leben und in meinem Buch einnimmt....WER soll es dann sein? Peter ist die Liebe meines Lebens, ein Geschenk vom lieben Gott, der unsere Wege zusammen geführt hat. Nur gemeinsam können wir das schaffen womit wir uns Jahrein und Jahraus konfrontiert sehen. Jeder hat seine Aufgabe, seine Gebiete auf die er spezialisiert ist. Peter hat zum Beispiel ein unglaubliches Talent Flaschenbabys zu sättigen, während ich dann die Bettchen herrichte. Auch alte Hunde, die nicht richtig essen wollen, fangen an zu essen, weil Peter einfach mehr Geduld hat. Er macht die Banksachen und die gesamte Verwaltung. Er kocht, während ich mich um Häufchen sammeln und Pflege der Hunde kümmere. Wir sind also ein Dreamteam, bei dem keiner über dem anderen steht. Frau ist und bleibt Frau, Mann ist und bleibt Mann und alles auf Augenhöhe, so habe ich mir eine Beziehung immer vorgestellt.


Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookfanseite. Der Roman "Quinta Eanna - Der Weg des Herzens" ist im Oldigor Verlag erschienen.

1 Kommentar:

  1. Ein sehr klares Interview, das mich neugierig auf das Buch macht, das ich soeben bestellt habe. Es wollte schon länger auf mein Nachtkästchen, doch hat das wundersamer Weise erst heute mit dem Bestellen geklappt . . . wie auch immer, ich bin gespannt darauf!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...