Sonntag, 26. April 2015

[INTERVIEW] Skye über Norma Feye


Norma Feye, Foto (c) M.Drewek
Skye ni'Gideons Heimat ist der Planet Cardea, auf dem sich menschliche Siedler niederließen, um der von Technologie beherrschten Gesellschaft auf der Erde zu entkommen. Durch ein Isotop im Wasser haben sich die Haare und Augen der Siedler verändert und leuchten nun in den buntesten Farben. Skyes lockige Mähne ist kobaltblau mit violetten und türkisen Strähnen, ihre Augen sind ebenfalls leuchtend blau. Darüber hinaus ist sie fast zwei Meter groß.
Den Cardo, Skyes Volk, wird nachgesagt, unmoralisch, unzuverlässig, respektlos und leicht reizbar zu sein. Skye allerdings ist eine freundliche, fröhliche und ausgeglichene Person, die nur in Notsituationen von ihren Nahkampfkünsten und ihrer Geheimdienstausbildung Gebrauch macht.

Unser heutiger Gast hat eine weite Reise durch Raum und Zeit auf sich genommen, um uns die Fragen über seinen Autor zu beantworten. Wenn sie etwas länger starrt, nehmt das bitte nicht böse, das alles hier kennt sie nur aus dem Geschichtsunterricht.

Ach, so schlimm ist das gar nicht. *lacht* Auf meiner Heimatwelt halten wir nicht viel von moderner Technik. Wann immer es geht, verzichten wir darauf, deswegen fühle ich mich hier eigentlich ganz wohl.
Aber nun zum Thema: mein Name ist Skye ni'Gideon. Das ist die gebräuchliche Kurzform, mein ganzer Name ist gleichzeitig ein Ahnenverzeichnis und deswegen ziemlich lang. Wer wissen will, was ich so treibe, sollte die Anthologie „O.R.I.O.N. - Funken der Unendlichkeit“ lesen, das ist der erste Band einer SciFi-Serie, die im Arunya-Verlag erscheint. Norma Feye erzählt in ihrem Beitrag „Papageienbande“ von mir. Papageien... *seufzt* wie ich das hasse. Aber wenn man von Natur aus dreifarbig-bunte Haare hat, muss man wohl mit solchen Spitznamen leben.
Aber jetzt mal los, reden wir von Norma.

1. Stell uns Norma Feye doch erst einmal kurz vor.
Norma ist eine liebenswerte Person, ziemlich klug und mit viel zu vielen Interessen, meiner Meinung nach. Ich bin ja auch schon verdammt vielseitig, aber selbst ich warte eigentlich nur darauf, dass ihr irgendwann der Kopf platzt, weil der Platz darin einfach nicht mehr ausreicht.
Gelegentlich ist sie etwas launisch, aber dafür hat sie dann auch einen Grund. Nicht, dass ihre Mitmenschen den immer verstehen würden, aber ja, sie hat einen.
Sie ist verheiratet und lebt an einem Fleckchen der Erde, das Ruhrgebiet heißt. Sie wird dieses Jahr vierzig. In eurer Zeit ist das, glaube ich, ungefähr Halbzeit im Leben, oder? Hmmm, dafür trägt sie's echt mit Fassung.
Könnte daran liegen, dass sie schon so einiges erlebt und gesehen hat, was den meisten Menschen zum Glück erspart bleibt, und sich deshalb nur selten von irgendetwas aus der Ruhe bringen lässt. Ist übrigens etwas, das wir gemeinsam haben.

2. Was denkst du über Norma, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Inzwischen mag ich sie. Das war nicht immer so, am Anfang unserer Zusammenarbeit war ich skeptisch, ob sie die Richtige ist. Sie hat so eine Art an sich, bei der man nie genau weiß, ob sie etwas jetzt angemessen ernst nimmt oder nicht. Das hat mich anfangs schon ein bisschen genervt. Mittlerweile weiß ich, dass man sich voll auf sie verlassen kann, auch, wenn es gelegentlich nicht den Anschein hat. Ich bin dazu übergegangen, ihr da einfach zu vertrauen.
Sie ist zielstrebig und geduldig, das sind zwei Eigenschaften, die gut zu einander passen, und die ich sehr schätze. Wenn sie etwas will, dann erreicht sie das auch, egal, wie lange es dauert.
Weniger schön ist, dass ihre Geduld mit ihren Mitmenschen nicht so lange hält. Da knallt es dann auch gelegentlich mal, wenn ihr jemand auf den Geist geht. Obwohl, ich müsste wohl eher sagen, es knallt paradox. Wenn sie nämlich sauer ist, dann wird sie ganz leise und ruhig, und in ihrer Wortwahl sehr, sehr diplomatisch. Wer sie kennt weiß, dass das der passende Zeitpunkt zum Weglaufen wäre.
Sie hat einen ausgeprägten Familiensinn, das finde ich prima. Noch toller ist, dass sie unter „Familie“ auch ihre Freunde – also die richtigen, engen – versteht, und ihre Familie kann immer auf sie zählen. Da bin ich schon ein bisschen neidisch, ich habe zu meiner Familie seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr gehabt.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Sie ist auch jenseits des Schreibens sehr kreativ und dazu passend auch noch handwerklich begabt. Sie kann ganz passabel malen und zeichnen, spielt mehrere Instrumente, kann schreinern und nähen. Nähen, oh Mann... Sie hat eine Schwäche für edle Stoffe und historische Gewänder, und was sie da an ihrer Nähmaschine zaubert, kann sich echt sehen lassen.
Der Nachteil daran ist, dass sie das alles auch tatsächlich mehr oder weniger regelmäßig macht. Wenn sie zum Beispiel vor ihrer Nähmaschine sitzt oder sich einen Stapel Holz zum Basteln ins Haus holt, bleibt ihre Schreiberei auch mal eine ganze Weile liegen. Das finden wir, ihre Protas, dann nicht so toll, und wenn es dabei auch noch konkret um mich geht, bin ich wirklich genervt davon.
Cool finde ich allerdings ihren „Brotjob“, wie sie das nennt. Ständig in Action, damit es anderen gut geht.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Nein, sie versucht, ihr eigenes Ding zu machen. Sie bewundert zwar Leute, die das, was sie tun, besonders gut beherrschen, aber dann nimmt sie sich eher ein Beispiel an deren Können und Disziplin.

5. Gibt es Techniken, die Norma beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss? Nutzt sie technische Hilfsmittel?
Sie ist eine Chaotin, soviel schon mal vorweg. *grinst* Professionelles Schreiben braucht Planung und Struktur, das weiß sie wohl, und das kriegt sie auch hin, aber es ist ihr ein Gräuel. Bei einer Idee einfach mal drauflos schreiben und schauen, was passiert, ist eindeutig mehr ihr Ding. Sie hat viel mehr Spaß am Schreiben, wenn wir Protas sie durch die Story führen, als wenn sie uns sagt, wo's lang geht. Das gefällt uns auch besser, deswegen gibt es gelegentlich einige Diskussionen, wenn sie ein bestimmtes Ziel erreichten will/muss. Sie lässt uns viel Freiraum, kann aber auch anders, aber hallo. Dann trotten wir ganz schnell ganz brav in die Richtung, die sie vorgibt. Wir alle, außer ihr Vampir Cedric. Der wickelt sie regelmäßig um den Finger und kriegt seinen Willen.
Sie schreibt gerne im Freien, wenn das Wetter mitspielt, der Balkon ist das zweite Arbeitszimmer. Drinnen passt sie das Ambiente ihrer Stimmung und den jeweiligen Szenen an: Rollläden rauf oder runter, Kerzen- oder Tageslicht, Gesäusel oder Heavy Metal, so was eben.
Übrigens hat sie die ungesunde Macke, während des Schreibens jedwede Nahrungsaufnahme einzustellen. Bei ein paar Stunden am Tag ist das ja nicht schlimm, aber wenn sie früh morgens anfängt und erst spät in der Nacht wieder aufhört, finde ich das schon bedenklich. Dafür schüttet sie literweise ein Zeug in sich rein, das Fassbrause heißt.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Darüber darf ich dir nicht viel sagen, sorry. Es gibt Dinge in meiner Vergangenheit, die niemals bekannt werden dürfen. Nur soviel: die Idee für mich stammt von einem Foto, dass jemand auf diesem lustigen, primitiven Medium Facebook gepostet hat. Wie wir es hingekriegt haben, dass dieses Foto genau dann dort war, als Norma eine Idee suchte und plötzlich mich im Kopf hatte... *zuckt vielsagend mit den Schultern*

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Oh, ich bin mit sehr sicher, dass es bei den anderen nicht so war. Sie hat zwar einige Protas mit einer dunklen Vergangenheit, aber die durften selbst bestimmen, wie sie sich Norma vorstellten und wie viel sie ihr erzählten.
Von Ian O'Riley, einem Charakter aus ihrem Roman Ghetto 7, weiß ich zum Beispiel, dass er nur gesagt hat „Hi, ich bin Ian, und ich bin ein Mörder. Mach was draus!“. Ich glaube, er hat selbst nicht damit gerechnet, dass daraus eine Story wird, in der er nicht der Protagonist sein würde. *kichert* Aber wir hatten ja schon darüber gesprochen, dass Norma eine Chaotin ist.
Cedric Fagan, ihr Vampir aus Nachtwanderer, hat das noch ganz anders gemacht. Er war einfach eines Tages in ihren Gedanken und hat gar nichts gesagt, nicht ein Sterbenswörtchen. Er stand tagelang nur da, hat düster und geheimnisvoll ausgesehen, und darauf gewartet, dass sie auf ihn zukommt.
Wenn die Geschichte vor den Protas da ist, macht sie einen Spaziergang durch ihre Fantasie und schaut, wen sie dort trifft. Bei Anthologiebeiträgen ist das zum Beispiel häufig so, und auch meine Freunde Vincent und Peeya, die der Leser in Normas nächstem O.R.I.O.N.-Band kennenlernt, sind so zu uns gestoßen.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Norma so besonders?
Meine bunten Haare! *macht eine Kunstpause* Nein, Quatsch, aber du hättest jetzt eben dein Gesicht sehen sollen.
Ich glaube, es reizt sie, meine Geschichte zu erzählen, weil sie im Voraus nie weiß, was und wie viel sie von mir preisgeben darf. Ich habe ihr alles erzählt, sie kennt meine ganze Geschichte, aber mindestens 90% davon unterliegen der Geheimhaltung. Über mich zu schreiben wird da zur Gratwanderung, und ich glaube, das macht ihr Spaß.

9. Werfen wir doch einen Blick in die interstellare Datenbank: Was tut Norma als Nächstes? Ich weiß, es ist verboten, über die Zukunft zu sprechen, aber mach doch eine Ausnahme: Welche galaktischen Neuigkeiten bereitet sie gerade vor? Was werden wir noch erfahren?
Ach, ein bisschen was kann ich bestimmt erzählen. Ihren nächsten O.R.I.O.N.-Band habe ich ja ohnehin schon erwähnt. An dem schreibt sie gerade, und ehrlich, da muss ich noch mal dringend mit ihr reden. Was sie sich da schon wieder für mich ausgedacht hat... Ich hatte echt die Hoffnung, auf der Eos mitzufliegen, würde mir endlich etwas Ruhe und Erholung bringen nach all dem Stress der letzten Jahre, aber nein, Norma hat da andere Pläne.
Sie bastelt außerdem an einigen Beiträgen zu Anthologien, und hat ein paar grobe Konzepte für zwei Dystopien, einen Thriller, eine Urban Fantasy-Geschichte und zwei Vampir-Stories.
Sie hat mir nicht verraten, in welcher Reihenfolge sie was machen will, wenn sie mit meinen Abenteuern fertig ist. Da muss ich mich genauso überraschen lassen wie alle anderen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Skye ni'Gideon für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Skye gesagt wurde.
So, so, Skye, ich bin also eine Chaotin, ja? Kürzlich mal in den Spiegel geschaut? *lacht*
Nein, schon gut. Im Großen und Ganzen hat Skye tolle Antworten gegeben, ich hätte es selbst kaum anders gemacht. Vielleicht hätte ich die eine oder andere Frage nicht ganz so ausführlich beantwortet wie sie. Für eine Geheimagentin ist sie eine ziemliche Plaudertasche.



Mehr über die Autorin erfährt man auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebookfanseite. "Funken der Unendlichkeit" ist im Arunya-Verlag erschienen, wo auch die übrigen O.R.I.O.N.-Bände erscheinen werden, so auch Norma Feyes Roman "Sterbende Sonne" (Band 4). Die Romane "Ghetto 7" und "Nachtwanderer", von denen Skye bei der siebten Frage erzählte, sind im Oldigor Verlag erschienen.

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