Donnerstag, 2. April 2015

[REZENSION] Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte von Simon Bartsch (by Nana)

http://www.feuerwerkeverlag.de/book/wie-ich-aus-versehen-eine-bank-ausraubte/Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte - Simon Bartsch
FeuerWerke Verlag, 2015
244 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3945362068

Klappentext:
Jan ist verliebt in Laura. Ein Teufelsweib! Sie macht die lustigsten Grimassen, schreit die tollsten Ausdrücke und mit ihr kann man einfach Pferde stehlen gehen. Und Geld. Denn mit der jungen Frau raubt Jan „unfreiwillig“ eine Bank aus. Unfreiwillig, weil Laura unter dem Tourette-Syndrom leidet.
Das ungleiche Paar macht sich mit der Beute auf eine Reise durch halb Europa. Ob als versehentlicher Drogenkurier in Brüssel, Roof Climber auf dem Eifelturm oder Karnevalsprinz vor dem Buckingham Palace – Jan ist bei seinen Aktionen stets in seinem Element und bei seinen Schilderungen im eigenen Blog sehr ausführlich.
Doch die plötzliche Berühmtheit reizt auch düstere Gestalten. Welche Rolle spielt der gemeinsame Psychologe von Laura und Jan in diesem Spiel? Was hat es mit dem findigen Journalisten Günter auf sich? Und warum verschwindet Laura ganz plötzlich mitsamt der Beute?

 Meine Meinung:

Ob ich dieses Buch lesen möchte, darüber habe ich mir ein paar ausgiebige Gedanken gemacht. Zwei Menschen mit Behinderung. Tourette und allgemeine Inteligenzminderung, verwoben in einer (Liebes)Geschichte? Kann das gutgehen?
Als ich dann auch noch sah, dass es auf "Schnulze der Woche" beworben wurde, dachte ich, okay, wagst das Experiment. (und habe ehrlich gesagt übersehen, oder verdrängt, dass es unter Humor/Reise auf der Verlagsseite angeboten wird).

Das Cover ist irgendwie sehr einfach gehalten und lässt wenig Interpretationsspielraum, was mich erwarten wird, doch der Klappentext hilft mir ein wenig dabei und in mir entsteht das Bild einer turbulenten Liebeskomödie.
Aber weit gefehlt.

Der Reihe nach: alles wird erzählt von Jan Lehmann (21). Er lebt alleine, seine Familie ist tot/unauffindbar, und so kümmert sich Helmut um den Jungen. Ich muss schon sagen, Jan ist mir sympathisch, ja, ganz ehrlich. Seine Gedanken bringen mich hier und da zum Schmunzeln, ganz ohne diskriminierenden Hintergedanken ob seiner Krankheit bzw. Behinderung. Es ist einfach schön und nachvollziehbar dargestellt. Durch und durch naiv, aber so ist Jan eben.
Seine Lebensumstände hingegen wirken sehr löchrig. Er hat einen Betreuer, den Helmut, wenn ich das richtig herausgelesen habe. Darüber hinaus ist Jan ja auch kein kleiner Bub mehr, bewohnt eine eigene Wohnung, in der jemand wohnt, Viktor, von dem er noch nicht mal mehr weiß, wie er an den geriet. Bei genauem Hinsehen, ist das eine sehr löchrige Konstellation, aber versuchen wir es einfach mal zu akzeptieren.
Denn es gibt da ja auch noch Laura, die das Tourette Syndrom hat. Ebenfalls ein gebranntes Kind, doch sie weiß, wo der Hase langläuft, kennt ihre Krankheit und arrangiert sich damit. Was man von Jan leider nicht sagen kann, denn er hat keinen Schimmer, was mit Laura nicht stimmt. Er akzeptiert sie, wie sie ist und denkt dabei auch noch, sie mache all diese "Showeinlagen" zum Spaß. Gut, wie erwähnt, er ist nicht wirklich der hellste Stern am Firmament und spätestens da taumeln ein paar Schuldgefühle und Mitleid durch mein Oberstübchen.

Es kommt, wie es kommen muss, aus Versehen, und zwar richtig aus Versehen, rauben die beiden, bzw. Jan eine Bank aus. Sicher eine der witzigeren Passagen in dieser Geschichte. Wenngleich das anschließende Prozedere nicht ganz Hieb und Stichfest ist. Bzw. wenn das so möglich ist, dann will ich demnächst auch eine Bank in Köln ausrauben ;) denn die Leistung, die die Polizei hier an den Tag gelegt hat ... Nun ... Sorry, nicht so glaubwürdig. Mehr noch, meiner Meinung nach hätte zumindest im kompletten Hauptteil dieser Banküberfall ersatzlos gegen ein Erbe, Lotteriegewinn oder ähnliches ausgetauscht werden können, weil er bis auf "wir müssen das Geld zurückgeben" keine weitere große Rolle spielt. Abgesehen davon, dass Jan ja Kohle braucht, um seine Weltreise zu starten.
Und da geht es gerade weiter ... Wie ein Magnet zieht er das Chaos magisch an. Besser gesagt, die zwielichtigen Personen. Da geht es also gerade weiter. Ich bin gezwungen, mich darauf einzulassen, denn sonst wankt das komplette Gerüst der Geschichte.

Nun wäre eigentlich der Moment gekommen, da der Roadtrip losgeht, turbulent, witzig und, war da nicht noch etwas von wegen Romantik? Ja, das fragte ich mich auch.
Es wird zwar betont, wie toll Jan seine Laura findet, nur, dass das auf Gegenseitigkeit beruhen könnte, das ist etwas blass. Den Kuss, den ich gezeigt bekomme, ist einer, den ich bereits etliche Male gezeigt bekommen habe, ala "lass uns schnell küssen, um Verfolger abzuwimmeln" und daher leider weder mit Gefühl, noch sonst etwas besonderes.
Und während Jan nun allerhand einstecken muss, weil er, salopp gesagt, einfach nicht der Hellste ist und ich echt etwas knatschig werde, ob der Ungerechtigkeit, lässt ihn auch noch Laura im Stich.
Klar, das war vorhersehbar, sie wollte ja die Kohle zurückgeben, aber .... Wie soll ich sagen. Es las sich etwas zäh.

Apropos zäh ... Okay, ich durfte Brüssel sehen, ich durfte Paris und Mallorca, ja sogar London sehen. Ich durfte auch einiges erleben, aber alles in allem, zog sich das dann doch etwas, obwohl Jan in den Orten selbst einige Dinge erlebte. Nur weiß ich bislang noch immer nicht, warum ich ihm überall zuschauen musste?
Damit ich begreife, wie wenig er eigentlich versteht? Wie er denkt? Damit er authentisch wird? Ich weiß es nicht.
Etwas Straffung hätte hier gutgetan.

Aber es kommt dann doch endlich, wie es kommen muss. Die Polizei hat ihn, Helmut hat bemerkt, dass er besser aufpassen hätte müssen, der Arzt therapiert fleißig weiter und Laura ist auch wieder aufgetaucht und überrascht mich mit seichten Frühlingsgefühlen. Es kommt, jetzt endlich, zum richtigen Kuss, den ich, dank dem bisher Erlebten kaum glauben mag.

Fazit:
Ich hatte von Beginn an Sorge, dass dieser Spagat zwischen Roadtrip, Liebe und Behinderung in die Hose geht, weshalb ich mich so zierte.
Aufgrund der Empfehlung von Schnulze der Woche, habe ich mir letztlich einen Ruck gegeben und konnte ein paar schöne Lesestunden erleben.
Allerdings war es nun nichts, was mich fesseln oder gar mitreißen konnte, da sich in sehr vielen Geschichten und Details verloren wird. Weiter wirkt vieles sehr konstruiert und die Liebesgeschichte kann ich nicht glauben.
Da ich selbst Betreuerin von Menschen mit Behinderung bin, ist mir diese Thematik sehr wohl bekannt und so konnte ich auch einige Gedankengänge und Szenen der Geschichte mit einem Schmunzeln genießen und der flüssige Schreibstil hat mich rasch durch das Buch geführt. Die Stränge an sich wären stimmig, Lücken schlossen sich.
Für humorvolle Stunden, ja, wer Romantik sucht, sollte sich nicht so viele Hoffnungen machen.

1 Kommentar:

  1. Mir fällt grad auf, dass klingt ein wenig nach 'Vincent will Meer'. Kligt auf den ersten Verdacht doch gar nicht so übel. Aber ich vertrau' dir da voll und ganz was das Thema Romantik betrifft. *smile

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