Sonntag, 31. Mai 2015

[INTERVIEW] Emma St. Claire über Helen B. Kraft


Helen B. Kraft
Emma St.Claire betritt beschwingt das Zimmer. Sie trägt einen Minizylinder, dunkle Hosen mit aufgenähten Taschen unter kniehohen Stiefeln und dazu eine weiße Bluse mit dunklem Bustier. Sie ist der Inbegriff einer SVY-Agentin und Traumgängerin, die in Victorian Secrets: Verbotene Sünden selbstbewusst ihren Job erledigt und in den Träumen von Sir Ian Connery nach Beweisen für eine Mordserie sucht. Als sie die Damen der Lesekatzen sieht, erhellt ein Lächeln ihr herzförmiges Gesicht und sie hebt kurz die Hand.

„Guten Tag, die Damen, es freut mich, dass ich herkommen durfte. Entschuldigt bitte die Verspätung, seit ich das Scotland Visional Yard verlassen habe, geht alles drunter und drüber.“ Sie schnaubt etwas undamenhaft. „Immer dieser Papierkram.“

Willkommen, nimm Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

Emma sagt dazu nichts. Sie lächelt lediglich schwach und nimmt den dargebotenen Platz. Auf die Kekse verzichtet sie, immerhin sind diese Mieder ziemlich eng geschnürt.

1. Stell uns Helen B. Kraft doch erst einmal kurz vor.
„Helen ist neugierig. Damit haben wir viel gemeinsam. Wenn sie von einer Sache hört, vertieft sie sich darin, recherchiert und versucht möglichst viele Informationen zu filtern. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, ihre Nase in neue Ideen zu stecken und darüber nachzulesen, schreibt sie unheimlich viel. Zumindest wenn es ihr so genannter Brotjob zulässt.“

Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?
Emma überlegt. „Hmm, ich glaube nicht. Sie sagt von sich immer, dass sie wohl eher ein Mann hätte werden sollen. Sie trägt Schuhe nur um des Zwecks Willen. Aber sie hat mir mal bei einem Glas Absinth verraten, dass sie Handtaschen mag. Zählt das auch?“

2. Was denkst du über Helen, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
„Helen ist eigentlich eine ganz Liebe, wenngleich man sie nicht reizen sollte. Das, was sie Ian angetan hat.“ Sie erschauert ein wenig, dann kehrt ihre professionelle Miene zurück. „Egal, sie hat wirklich alles getan, unsere Geschichte korrekt wiederzugeben. Aber ihr wolltet mehr über sie als Person wissen, nicht wahr? Ich habe mir kürzlich ihre Träume angesehen. Ziemlich wirres Zeug, wenn ihr mich fragt. Sie ist nicht verrückt, aber … naja, unter uns gesagt, ich würde behaupten, dass sie ein bisschen Wahnsinn in sich trägt. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sie all diese schrägen Dinge träumen und später aufschreiben kann. Aber sie tut das immer in bester Absicht. Zumindest sagt sie das ständig.“ Emma faltet ihre Hände im Schoß. „Ich mag Helen. Sie erinnert mich an Ians Butler Thorpe. Sie sagt, was sie denkt und macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, selbst wenn das bedeutet, anderen vor den Kopf zu stoßen. Aber sie ist auch eine Diplomatin, wenn es darauf ankommt. Etwas, das ich von ihr lernen könnte.“

Nach einigen Minuten fügt sie hinzu: „Allerdings mag ich es nicht, dass sie Ian und mich … naja, ihr wisst schon, beim Sex beobachtet. Muss das wirklich sein? Ich meine, ich bin nicht prüde, meine Arbeit lässt das ja gar nicht zu, aber vor der Schlafzimmertür sollte eigentlich Schluss sein.“

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
„Sie träumt. Also, um genau zu sein, sie versucht neue Ideen aus dem Chaos in ihrem Kopf zu ziehen. Manchmal klappt es, manchmal nicht. In letzterem Fall wird sie so richtig unleidlich. Dann isst sie seltsame Dinge, brummt ständig herum wie ein Bär, den man zu früh aus dem Winterschlaf geweckt hat. Um sich davon abzulenken, werkelt sie im Garten oder liest viel. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das die Situation nicht immer verbessert.“

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
„Also bitte, das sind zwei so unterschiedliche Fragen, die stehen doch in gar keinem Zusammenhang! Lasst mich überlegen.“ Emma tippt sich ans Kinn. „Helen mag einen Autor namens Jeffrey Deaver sehr gerne. Sie sagt, wenn er es schafft, sie als eingefleischten Thriller-Fan bis zur letzten Seite zu überraschen, dann hat das was zu bedeuten. Was auch immer sie damit meint. Jedenfalls hofft sie, eines Tages auch mal so eine Geschichte aufschreiben zu dürfen. Mit Victorian Secrets wollte sie damit wohl den Anfang machen.“

Emma zuckt mit den Schultern, ehe sie sich verstohlen umsieht. „Verratet es ihr nicht, aber ich habe tatsächlich mal in ihrem Kleiderschrank nachgesehen. Unordentlich! Also müsste ich bei ihr Spuren sichern … besser nicht. Es könnte sein, dass der Inhalt ihres Kleiderschrankes ein eigenes Leben entwickelt. Würde mich – nach allem, was ich bisher schon erlebt habe – nicht wundern. Schließlich gibt es ja auch Phantome und andere Gestalten seit Battersea.“

5. Gibt es Rituale, die Helen beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Stirnrunzelnd überlegt Emma. „Ich weiß, dass sie gerne schnelle Musik hört, wenn es dramatisch werden soll, aber ansonsten, glaube ich, reicht ihr einfach ein Zettel und ein Stift. Sie will nur ihre Ideen aus dem Kopf bekommen.“ Emma räuspert sich verhalten. „Was ich durchaus verstehen kann. Ihre Träume …“, sie wedelt mit einer Hand. „Lassen wir das lieber, sonst fällt ihr vielleicht noch etwas ein, womit sie Ian und mich ärgern kann, falls ich hier aus dem Nähkästchen plaudere.“

6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details...
„Sie schenkte mir einen Van-Grummel-Zylinder.“ Emma verzieht das Gesicht. „Wenn ich gewusst hätte, was sie damit vorhat, hätte ich das Ding niemals angefasst. Andererseits, ohne die Apparatur wäre ich niemals Ian begegnet. Naja, jedenfalls hat sie meine Neugierde mit diesem Geschenk geweckt und sich in mein Herz geschlichen. Oder ich in ihres? So genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Ist schon eine ganze Weile her. Jedenfalls bat sie mich, ihr mein London zu zeigen und das tat ich dann auch. Ich erzählte ihr von der Battersea-Katastrophe, meinem Job, den ich sehr geliebt habe und brachte sie schließlich in einen Pub, wo wir bei ein paar Gläschen etwas redselig wurden. Nach einer Weile war ich wohl etwas beschwipst und verriet ihr Details meiner Vergangenheit und Interna meiner Arbeit. Als sie das hörte, bekam sie so ein irres Glänzen in den Augen. Damit hat im Grunde alles angefngen.“

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
„Sie sagte mir einmal, dass normalerweise die Geschichten und/oder Charaktere zu ihr kommen. Bei uns war das eben etwas anders, aber offenbar nicht so ungewöhnlich, dass sie sich darüber gewundert hätte. Falls doch, hat sie es sich nicht anmerken lassen.“ Tippst sich erneut ans Kinn. „Dabei hat sie so gar kein Pokerface. Im Nachinein betrachtet, wirklich seltsam.“

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Helen so besonders?
„Sie erzählte mir, dass sie starke Frauen mag und in ihren Augen verkörpere ich das wohl. Außerdem mag sie meine Art – also die Traumgänger. Sie wünscht sich wohl heimlich selbst so eine Gabe. Vielleicht ist das ihre Art, mir dafür zu danken, ihr bei der Geschichte geholfen zu haben. Wer weiß schon, was in Helens Kopf vorgeht.“

9. Werfen wir doch mal einen Blick ins Lifestyle Magazine: Welche neuen Trends wird sie hervorbringen? An welchen Designerstücken wird aktuell gearbeitet? Wann dürfen wir sie wieder auf dem roten Teppich bewundern? Und ganz wichtig: WER wird sie auf dem roten Teppich begleiten?
„Bis vor kurzem hatte sie meinen Chef Tom Doyle in der Mache. Hat irgendetwas von unaufgearbeiteter Vergangenheit, verlorener Liebe und so gemurmelt. So ganz habe ich Helen nicht verstanden, aber herausgehört habe ich, dass im Juni die Fortsetzung der Reihe erscheinen soll. Und nachdem das offenbar nicht genug war, sitzt sie gerade am dritten und letzten Teil. Aber sie will mir nicht verraten, um wen es geht, hat mich aber vorgewarnt, meine Agentenausrüstung nicht allzu tief im Schrank zu vergraben, ich bekäme darin etwas zu tun.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Ich lasse mich überraschen. Solange ihr nicht einfällt, mir Ian wegzunehmen, ist mir alles andere egal.“

10. Ein herzliches Dankeschön an Emma St.Claire für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Emma gesagt wurde.
„Emma hat nichts gesagt, was ich korrigieren müsste. Im Gegenteil, sie hat sich sehr diplomatisch ausgedrückt. Wenn ich ehrlich sein darf, zwischen uns herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. In vielen Dingen hatten wir unterschiedliche Ansichten, aber schlussendlich konnten wir uns auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Ihr Nachfolger, der bereits angesprochene Tom Doyle, hat es mir nicht ganz so leicht gemacht. Männer, hätte ich gleich erwarten sollen, dass er sturer als ein Maulesel sein würde.“ Holt noch einmal tief Luft. „Zu Teil 3 der Reihe kann ich auch nicht mehr verraten. Diese Informationen fallen noch unter das SVY-Siegel "Top Secret". Nur so viel: Alle Figuren bekommen ihren Platz und es wird ein schönes, rundes Ende geben. … hoffe ich.“



Wer mehr über Helen B. Kraft erfahren wollt, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookfanseite. Die Victorian Secrets-Bände erscheinen bei Romance Edition.

Noch ein Tipp: Keys Rezension zu Victorian Secrets - Verbotene Sünden

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