Sonntag, 10. Mai 2015

[INTERVIEW] Mr Keeler über Nola Nesbit

Mr Keeler über seine Autorin Nola Nesbit

https://www.facebook.com/NolaNesbit.Autorin?fref=tsMr Keeler ist Nia Petits Chef. Jedwede Emotion trägt er nicht nur offen in seiner Körpersprache, er gibt diese auch ebenso offen kund. Nia hat einen Stein bei ihm im Brett, wie sie in Firelove unmissverständlich zu verstehen bekommt, zeitgleich ist und bleibt er eben ein Journalist. Ein Spagat, den er vollführt, doch sind seine Handlungen stets nachvollziehbar … und sei es auf den Genuss seiner Getränke zurückzuführen.

1. Wir kennen Nola Nesbit ja schon ein wenig durch unser Gespräch mit Alexandra Styles. Würdest du sie auch so beschreiben? Oder siehst du Nola ganz anders?

Sorry, aber bevor wir anfangen: Ist das Wasser oder Gin? (betrachtet stirnrunzelnd das Glas) Wasser? (klingt enttäuscht) Sauber, hoffe ich. Naja. Bei euch scheint die Welt ja noch in Ordnung zu sein. Welches Jahr haben wir? 2015? Gott, diese Zeitreisen verursachen mir wirklich großen Durst. Zurück zur Frage: Egal, was andere über sie sagen mögen, über Nola Nesbit muss man nur eines wissen: Sie neigt zur Besessenheit. Ihren Kleidungsstil finde ich persönlich viel zu schrill, ihre Brillen viel zu groß. Ansonsten ist die Beschreibung ziemlich akkurat.

2. Verrate uns doch mal, was sich seit unserem Interview mit Alex bei Nola so getan hat. Gab es da etwas Neues, von dem wir unbedingt wissen sollten?

Sharklove und „Firelove“, ein Kurzroman und die Fortsetzung von „Aqualove“. Im Vergleich zu Nia, ihrer Hauptfigur, sitzt Nola ständig an ihrem Arbeitsplatz. Sie war in Sachen Literatur sehr produktiv. Nur alles andere blieb liegen (Wäsche, Garten, Essen, Schlafen).

3. Wir plaudern hier ja so ganz gemütlich im stillen Kämmerlein, aber sag mal, wie verhält sich Nola denn außerhalb so? Ist sie nett zu ihren Lesern? Sucht sie das Scheinwerferlicht und strahlt in jede Kamera? Oder ist sie eher schüchtern und bekommt vor öffentlichen Auftritten Herzrasen und Schweißausbrüche?

http://www.edel.com/de/buch/release/nola-nesbit/aqualove/Nola liebt ihre LeserInnen. Besonders diejenigen, die ihre E Books legal erwerben. Alles andere wäre absurd. (schüttelt den Kopf) E Books. In 2034 werden sie im Museum ausgestellt. Erstaunlich, dass es so etwas Altmodisches noch bei euch gibt. Buchmessen meidet Nola übrigens wie Vampire das Licht. Wenn Facebook und Twitter die Bühnen dieser Welt bedeuteten, macht sie sich eher rar. Mit einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit beobachtet sie die, die dort zwischen Katzen-, Kind- und Hunde-Content für sich werben. Stellt man Nola vor ein körperlich anwesendes Publikum (Schulaufführung, Geburtstagsrede, Karaokewettbewerb), benimmt sie sich jedoch wie eine Rampensau. Von Lampenfieber keine Spur.

Aha, das klingt ja spannend. Können wir uns davon auch selbst überzeugen? Wo kann man Nola Nesbit denn demnächst mal live erleben?

Zwei Mal wöchentlich beim Großeinkauf im Supermarkt. Die besten Chancen hat man vor dem Schokoladenregal.

4. Wir wissen ja schon, was Nola so neben dem Schreiben treibt und wie sie beim Schreiben vorgeht. Aber wie ist es bei dir? Was tust du so den ganzen Tag, was dazu führte, dass Nola über dich schreiben musste?

Ich bringe eine Online-Zeitschrift raus: In & Out, der letzte Schrei. In meiner Arbeitszeit schlage ich mich hauptsächlich mit Nia Petit herum. Vorausgesetzt, sie erscheint überhaupt am Arbeitsplatz. Sie treibt sich ja lieber in Costa Rica, London oder Paris herum. Nia Petit steht als Journalistin in Lohn und Brot bei mir. Seitdem sie eine Beziehung zu Ethan Waterman unterhält, braucht sie das Geld eigentlich nicht mehr. Warum ich Nia wegen Unzuverlässigkeit noch nicht gefeuert habe? Gute Frage! Da brauche ich direkt wieder einen Schluck. (greift wiederum zum Glas) Weil sie und ihr milliardenschwerer Freund immer für eine Schlagzeile gut sind. Weil ich sowas wie ihr väterlicher Freund bin, der ihr öfter mal den Kopf gerade setzt und weil ich sie in seltenen Momenten sogar gut leiden kann. Harte Schale, weicher Kern.

5. Wenn du Nola mal etwas Gutes tun könntest, was wäre das?
Ihr jemanden vorbeischicken, der entweder ihre Bude oder ihre Fanseite auf Vordermann bringt. Das täte wirklich not!

6. Gibt es etwas, von dem du glaubst, sie sollte das unbedingt noch lernen? Einen Ort, den sie unbedingt einmal sehen sollte?

Geduld könnte sie noch lernen. Aber wer veranstaltet so einen Kurs? Oder ein Yoga-Seminar. Indien oder ein Ashram hier ums Eck. Die Frau müsste mal entspannen. Als Ort denke ich an die Redaktion der Times, quasi als Recherche-Kick. Bevor ich mich noch länger mit ihrer Protagonistin rumschlagen muss, bräuchte ich dringend einen neuen Job.

http://www.edel.com/de/buch/release/nola-nesbit/firelove/
7. Der Film zum Roman! Na komm, lass uns ein wenig träumen (oder auch nicht). Wie sähe deine ideale Verfilmung deiner Geschichte aus? Wer müsste dich spielen? Wer sollte Regie führen? Dürfte Nola das Drehbuch schreiben und einen Cameoauftritt haben oder besser nicht? Wer macht die Filmmusik? Und – natürlich ganz wichtig: Wer begleitet Nola zur Oscarverleihung?

(setzt sich bequemer hin, streicht sich über den Bauch, an dem das Hemd spannt) Robert de Niro müsste mich spielen, das ist klar. Er müsste sich allerdings den Bauch abtrainieren, um mich überzeugend zu verkörpern. Michael Nyman hat schon länger nichts mehr von sich hören lassen. Regie macht David Fincher, denn im Angesicht der Wasserknappheit würde es eine ziemlich düstere Zukunftsvision werden. Das Drehbuch übernehme ich. Da wären wir auch gleich wieder bei meinem neuen Job. Ein Cameo-Auftritt: nein. Es würde voraussetzen, dass man Nola sofort erkennt. Soweit ich weiß, kursiert von ihr ein undeutliches Bild, auf dem nur ein Ohr zu sehen ist. Zur Oscarverleihung käme Ryan Gosling mit. Ein bisschen Glamour täte Nola sicher gut.

8. Lass uns mal einen Blick in Nola Nesbits Schlafzimmer werfen ... Was liegt auf dem Nachttisch? Welche Kollegen liest sie selbst gern?

Auf dem Nachttisch? Nichts. Außer Staub. Aber in dem Nachttisch wird es interessant. In der Schublade Bibel, Bleistift und Traumtagebuch, Skizzen, Kondome mit Verfallsdatum aus einem anderen Jahrzehnt. Irgendeine Lutschtablette, immerhin noch verpackt. Im Schrank ein E Reader. Muss ein Relikt aus grauer Vorzeit sein. Letzter Kauf: „Das blanke Chaos“ von Marc Duvenkamp. Gedichte von Majakowski, sehr zerlesen und wahrscheinlich unverstanden, Murakami, Stephenie Meyer, Bret Easton Ellis, „American Psycho", was sonst?, „Ashtanga Yoga“ von Pattabhi Jois, Entwürfe, Literaturzeitschrift, Nr. 78 „Rauch“, Wolfgang Herrndorfs Blog, Handke, Lessing, Dario Foo, „Wandern in Neuseeland - die schönsten Treks“, ein Lucky Luke, schon ziemlich abgegriffen, Krachts „Faserland“, Kurzgeschichten von Alice Munro, Karen Köhler, ein Banksy Bildband, der passt kaum noch rein. „Killing Floor“ von Lee Child, Emmanuel Levinas, „Stoner“ von Williams, was von Camus im Original, dazwischen ein Revolverblatt. Die Vogue im Miniformat, Stephen Hawking über die Zeit und — fast symbolisch — eine stehengebliebene Herren-Armbanduhr.

9. Bevor du uns wieder verlässt, kannst du uns noch schnell ein paar anstehende Neuigkeiten verraten? Wann können wir mehr von Nola lesen?

Das wüsste ich selbst ganz gern. „Firelove“ ist ja noch ofenwarm und ein dritter und letzter Teil der „Aqualove-Reihe“ bereits geplant. (lacht) Wer weiß, vielleicht schreibt sie demnächst einen historischen Roman mit mir als Henry V. Oder ein Pixi-Buch. Oder — Gott bewahre!, aber möglich wär’s — einen Spannungsroman. (sieht auf seine Uhr) Tut mir leid, Leute, aber ich habe noch ein Magazin zu machen!

10. Ein herzliches Dankeschön an Keeler für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchten wir auch dieses Mal dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Keeler gesagt wurde.

Ich wundere mich nur, woher Keeler so genau weiß, was ich in meinem Nachttisch aufbewahre. Den Handke habe ich übrigens getauscht gegen Telefongespräche mit Glen Gouldvon Cott. Die Armbanduhr funktioniert ganz hervorragend. Mensch, Keeler! Mal was von Aufziehen gehört? Wenn der Film kommt, führen Almodovar, Tarantino oder Wes Anderson Regie. Darauf bestehe ich. Da gibt es keinen Kompromiss. Ansonsten hat Mr. Keeler sich redlich bemüht. So gebt dem Mann doch endlich einen Drink!


Rezension zu Aqualove
Rezension zu Firelove (12.05.2015)

Nola Nesbit Homepage
Nola Nesbit auf Facebook

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...