Sonntag, 3. Mai 2015

[INTERVIEW] Rupert Sauerland über Thomas Neumeier



Thomas Neumeier

Unser Interviewpartner ist Rupert Sauerland, erfolgreicher Musikproduzent, verheiratet mit der zweitjüngsten Prewett-Schwester. Ein manierlicher Genussmensch durch und durch.

1. Wir kennen Thomas Neumeier ja schon ein wenig durch unsere Gespräche mit Yolanda Baker und Soledad Handler. Würdest du ihn auch so beschreiben? Oder siehst du Thomas ganz anders?
Nun, zunächst einmal würde ich gewähltere Worte als diese besagten beiden Damen verwenden und weniger aus dem Nähkästchen erzählen. Auch inhaltlich stimme ich nur bedingt mit ihnen überein. Nach deren Darstellung wäre Neumeier ein ziemlich berechenbarer Esel. Mir ist leider nicht vergönnt, ihn berechnen zu können. Ein Esel ist er aber durchaus, weil er sich viel zu viel entgehen lässt. Der Anstand gebietet mir, das nun nicht näher auszuführen.

2. Verrate uns doch mal, was sich seit unserem Interview mit Soledad bei Thomas so getan hat. Gab es da etwas Neues, von dem wir unbedingt wissen sollten?
Och, der Junge kommt doch kaum raus aus seinem Kämmerlein. Vor allem, wenn ihn der Rappel packt und er was schriftstellerisch zu Ende bringen will. Diese Zielstrebigkeit verdient meinen Respekt, durchaus, aber man kann es auch übertreiben. Neulich war er Bergwandern in Slowenien. Keine Ahnung, ob er das aus Inspirationsgründen macht, aber seitdem sitzt er wieder in seinem Kämmerlein und tippt und tippt und tippt ... ein hoffnungsloser Fall, wie mir scheint. Ab und an kann man ihn zu Konzerten überreden. Dann besucht er aber meistens irgendwelche wilden Hardrock-Events, anstatt sich mal mit meinem kultivierten Künstler-Stall auseinanderzusetzen.

3. Wir plaudern hier ja so ganz gemütlich im stillen Kämmerlein, aber sag mal, wie verhält sich Thomas Neumeier denn außerhalb so? Ist er nett zu seinen Lesern? Sucht er das Scheinwerferlicht und strahlt in jede Kamera? Oder ist er eher schüchtern und bekommt vor öffentlichen Auftritten Herzrasen und Schweißausbrüche?
Eigentlich läuft er vor jeder Kamera davon. Weniger aus Schüchternheit, sondern mehr aus Überzeugung, soweit ich das begreife. Seine öffentlichen Auftritte meistert er relativ cool, wie ich meinen möchte, aber am liebsten liest er ohne Kameras und vor überschaubarem Publikum in gemütlicher Runde oder in Biergärten.
Können wir uns davon auch selbst überzeugen? Wo kann man Thomas denn demnächst mal live erleben?
In letzter Zeit tingelt er mit unserem Roman das nördliche Altmühltal ab. Bei passendem Wetter wird es auch noch die eine oder andere Biergartenlesung geben. Da die Franken bekanntlich bei schönem Wetter sehr feierlaunig sind, hat er da ein paar Bedenken, dass ihn die fränkische Braukunst zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Vielleicht sollte ich ihm ein paar Musikerinnen mitgeben, die ich unter Vertrag habe, dann hätte er vielleicht eher eine Chance. Ob ihm dann trotzdem jemand beim Lesen lauscht, ist eine andere Frage.

4. Wir wissen ja schon, was Thomas Neumeier so neben dem Schreiben treibt und wie er beim Schreiben vorgeht. Aber wie ist es bei dir? Was tust du so den ganzen Tag, das dazu führte, dass er über dich schreiben musste?
In aller Bescheidenheit muss ich anführen, ich nehme nur eine Nebenrolle in seinem jüngsten Roman ein. Meine liebe Gattin Catrine wäre eine viel aufschlussreichere Interviewpartnerin, denn die hat Feuer, sag ich dir, und sie ist auch der Grund, warum wir dieses Wochenende auf dem Landsitz der Prewetts verbringen. Ja, sie sollte eigentlich dieses Interview geben. Leider ist sie ein wenig schwierig. Und sie will sich für solche, in ihren Augen banalen, Dinge keine Zeit nehmen. Ich liebe sie aufrichtig, und das schon seit fünfzehn Jahren, aber manchmal wünschte ich mir, Neumeier hätte sie ein bisschen berechenbarer und zärtlicher charakterisiert. Sie ist in der Tat schwierig, ja, das muss ich zugeben. Ich bitte euch inständig, ihr dieses Interview nicht in Kopie zuzuschicken. Das würde ich büßen müssen, fürchte ich.

5. Wenn du Thomas mal etwas Gutes tun könntest, was wäre das?
Ihm einen Frisörbesuch spendieren.

6. Gibt es etwas, von dem du glaubst, er sollte das unbedingt noch lernen? Einen Ort, den er unbedingt einmal sehen sollte?
Na, und ob! Meine Branche sollte er mal sehen! Wenn der mal wüsste, mit welch arroganten Idioten ich mich Tag für Tag abgeben muss! Eingebildete Schnepfen und Schnösel, die sich nach einer halbwegs erfolgreichen Single für Stars und Sternchen halten! Unterbelichtete Rampensäue, die sich einbilden, Talent zu haben, nur weil in dämlichen Shows von abgestumpften Mattscheibenjünger für sie abgestimmt worden ist. MEINE WELT sollte Neumeier mal sehen. Dann wüsste er endlich mal, wie schön und beschaulich er es in seinem Literaturbetrieb hat.

7. Der Film zum Roman! Na komm, lass uns ein wenig träumen (oder auch nicht). Wie sähe deine ideale Verfilmung deiner Geschichte aus? Wer müsste dich spielen? Wer sollte Regie führen? Dürfte Thomas das Drehbuch schreiben und einen Cameoauftritt haben oder besser nicht? Wer macht die Filmmusik? Und – natürlich ganz wichtig: Wer begleitet Thomas zur Oscarverleihung?
Mich zu spielen, nun, das bringt niemand angemessen zustande. Nun ja, dem begnadeten Martin Brambach würde ich es vielleicht zutrauen. Möglicherweise auch dem Typen, der den aktuellen Dr. Who spielt. Dann aber wird die Decke dünn. Regie? Ich kenne keine Regisseure, außer die, die Musikvideos für meine Künstlerinnen produzieren. Von denen hat keiner das Format. Aber für die Filmmusik wüsste ich ein paar Kandidaten aus meinem Label. Neben scheinwerfergeilen One-Hit-Modeerscheinungen habe ich nämlich auch echte Talente im Stall. Die Laudatio bei der Oscarverleihung für Neumeiers Drehbuch sollte dann Jolene Blalock mit angesteckten Vulkanier-Öhrchen halten. Andernfalls bekommt ihn keiner nach Los Angeles - oder wo immer der Zirkus stattfinden mag.

8. Lass uns mal einen Blick in Thomas‘ Schlafzimmer werfen ... Was liegt auf dem Nachttisch? Welche Kollegen liest er selbst gern?
Tanya Carpenter. Ich hege zudem den Verdacht, dass sie es ist, der er in letzter Zeit immer wieder E-Mails schreibt. Nicht dass mich das was angehen würde. Ich mein ja nur - und will hoffen, dass er sie nicht mit seiner schriftlichen Salbaderei belästigt.

9. Bevor du uns wieder verlässt, kannst du uns noch schnell ein paar anstehende Neuigkeiten verraten? Wann können wir mehr von Thomas Neumeier lesen?
Im Sommer rücken stolze weitere drei Romanenach: Mit ZUCKERMEER eine Sommerromanze, mit MONDLÜSTERN ein Mystery-Thriller und mit DAS LÄCHELN DER VOGELSCHEUCHE ein Heimatkrimi. Ein weiterer kommt im Herbst bei Emons, aber der hat noch keinen Titel. Oder er verrät ihn mir nicht. Zuzutrauen wäre es ihm, dem Geheimniskrämer.

10. Ein herzliches Dankeschön an Rupert Sauerland für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchten wir auch dieses Mal dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Rupert gesagt wurde.
Thomas: Och ... öhm ... also ... die Vulkanier-Öhrchen wären gar nicht unbedingt nötig.




Wenn ihr mehr über Thomas Neumeier erfahren wollt, besucht ihn auf seiner Facebookseite oder bei Literra. Der Roman "Das Geheimnis der Prewitt Villa" ist im Oldigor Verlag erschienen, in dem auch die im Interview erwähnten Romane "Zuckermeer" und "Das Lächeln der Vogelscheuche" erscheinen werden. Der Mystery-Thriller "Mondlüstern" wird bei O'Connell Press erscheinen.

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