Dienstag, 2. Juni 2015

[REZENSION] Des Nachts im finstren Wald- Jana Oltersdorff (by Key)


Des Nachts im finstren Wald - Dunkle Märchen, Jana Oltersdorff
Qindie, 2015
286 Seiten
Preis:  8,00€ 
ISBN: 978-1507866214

Klappentext:
Willkommen im finstren Wald. Kommen Sie mit in die dunklen Ecken des Märchenlandes, dorthin, wo die Stiefmutter nicht die Erzfeindin, sondern Schneewittchens beste Freundin ist und ihr beim Kampf gegen die bösen sieben Räuber hilft. Wo das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern zurückkehrt – ein Jahr nach seinem Tod. Wo die vom Himmel fallenden Sterntaler keinen Segen, sondern tödliches Verderben bringen. Wo Rotkäppchen ein hinterhältiges Biest mit psychopathischen Ambitionen ist. Und wo der mutige Recke mitten im verzauberten Schloss plötzlich feststellt, dass es besser gewesen wäre, Dornröschen niemals in seinem Schlaf zu stören.
Sieben Märchen für Hartgesottene – schaurig, abgründig, unheimlich, ungewöhnlich und auf dunkle Weise … märchenhaft!


Meine Meinung:

Wie im Video-SuB angekündigt, habe ich mir mal ein bisschen Text aus den Fingerspitzen der Autorin Jana Oltersdorff genehmigt. „Dunkle Märchen“ ist der Untertitel des kleinen Häppchens, welches sieben satte Geschichten umfasst. Daher möchte ich mehr oder weniger kurz auf alle eingehen.

Die ersten Geschichten überraschten mit enormer Kürze.
Vom Mädchen mit der roten Kappe brachte aber zügig auf 4 Seiten die Tatsachen auf den Boden. Es handelt sich hier um ein Missverständnis und sämtliche Interpretationen zur roten Mütze können einmal beiseite geschoben werden. Es geht verdammt nochmal nicht um das dusselige Käppchen, sondern den Wolf! So. Das muss doch mal gesagt werden. Danke Jana!

Schneewittchen und die sieben Räuber
Ja. Genau… Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Gaunern geht es hoch her. Und ich habe mich schon immer gewundert, wieso sieben (wenn auch kleinwüchsige) Männer nicht über das Mädchen herfallen, welches sich da geradezu anbiedert! *hüstel* Nee, mal ehrlich, Märchen sind nicht NETT! Und Prinzessinnen zuweilen echte Miststücke!

Schwefelhölzchen
Ich habe gerade DIESE Geschichte als Kind geliebt! Und die Interpretation von Jana ist in dem Fall zwar ganz gespenstig-schön, wenn auch voller Rache, aber traf nur am Rand meinen Geschmack.

Anders sah es da schon mit der Geschichte: Als die Lichter vom Himmel fielen aus. Diese kleine Postapokalypse traf genau meinen Geschmack, erinnerte sie mich doch sehr an Anne McCaffrey! Mein Augenlid zuckt ein wenig, etwa nach dem Schema: ‚Weia! - Hat mir die Autorin gerade gezeigt woher Anne ihre Idee hatte? - Wieso bin ICH bisher nicht auf diese naheliegende Idee gekommen!‘ Spätestens nach Joan D. Vinges ‚Winterkönigin‘ hätte ich DAS doch sehen müssen!

Weiter in den Geschichten, die ein wenig länger werden, mit: Der Narrenkönig. Und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir es hier weniger mit einem Märchen, denn einer Verknüpfung aus Liedern mehr oder weniger bekannter Folk-Bands zu tun haben. (Ich nenn’ mal als Beispiel: Schandmaul oder Die Streuner.) Jetzt hab’ ich nämlich Ohrwürmer über dieses Possenstück, welches genauso gut Grundlage für ein typisches Theaterstück sein könnte. *sing* ‚Ja, Wein, Weib und Gesang und das ganze ein Leben lang, wenn das nicht wär’ ich armer Tor dann wär’ mir Angst und Bang…(magistrix.de)
Diese Geschichte hat es mir ja jetzt echt angetan.

Zur Hälfte möchte ich kurz betonen: Die Geschichten find ich insgesamt gar nicht so dunkel. In jeder steckt ein Quentchen Licht. Durch das Blätterwerk im Wald, durch das Glitzern in Klunkern, das Streichholzbündel, die Sterne, Kerzen… und das ist wirklich schön. Bisher hat sich bei mir schon der Eindruck eingestellt: hier wird entmystifiziert. Man nehme eine bekanntes Märchen und lösche alles von dem man glaubt es ist dazu erfunden und beschränke sich auf die am möglichst erscheinende Vorstellung des tatsächlichen Ablaufs. Und dann… dann geht Jana hin und klatscht einfach neue phantastische Elemente wieder drauf, seien sie paranormaler oder science fiction artiger Natur. In etwa ein: Wie könnte es wirklich gewesen sein bevor es ein Märchen war und wie könnte es sich als Alternative neu zusammenfügen, logisch nachvollziehbar gestaltet und dargebracht. Allerdings schmerzen in meinen Augen die Hopser durch die Lücken im Textblock *brrr* - warum hat man denn so was gemacht? Richtig aufgefallen ist es mir das erste Mal auf Seite 37. Und seitdem permanent.

Kommen wir zu den letzten beiden Geschichten.
Die Brezelfrau
Diesmal gibt es einen finsteren Wald, eine klassische Hexe und einen weiteren Ansatz ein Märchen zu entmystifizieren. Ich sage Ansatz, da die Autorin erneut das Mittel der Alternative benutzt. Erst lässt sie die Charaktere rund um ‚Hexenberg‘ der Lokalsage die fragwürdigen phantastischen Mittel und Flüche wegnehmen, dann ersetzt sie diese durch neue unerklärliche Phänomene. In diesem Fall überaus grausam und im reinsten Horrorszenario angesiedelt. Nun, ich bin kein Horror-Fan, aber die Geschichte war von vorn bis hinten durchdacht. Kennt ihr ‚Klammer‘ aus ‚Die Croods‘ - eben jenes kleine Wesen macht grad in meinem Kopf: „Da - da - daaaaa!

Nun zum Schluß Das schlafende Schloß
In der Gaststätte trifft eine Abenteurergruppe auf den Wirt Ioan. Und ich muss euch mal all die hübschen Namen kredenzen: Alberic, Fridenand, Herwin, Radolf, Gerwulf, Uota, Heimerich, Rasvan, Odila - da kommt doch Freude auf. Freude an sich bereitet diese Killer-Hecke allerdings nicht. Auch wenn die Recken sich wacker schlagen. Im normalen Märchen wird immer nur der Prinz erwähnt, der es am Ende packt. Und es heißt immer, dat die anderen in der Hecke tot rumhängen. Tja… dieses Märchen gibt 5 dieser Toten einen Namen, damit man sie endlich angemessen betrauern kann. Das Ende fand ich allerdings nicht so schön, war zwar eine Art klassische ‚Knick-Wendung‘ der Gattung Kurzgeschichte aber kam leider nicht so gut rüber wie bei der Brezelfrau
.
Fazit:

Finster und dunkel, das sind so zwei Attribute die ich hier nicht per se auf jede Geschichte klatschen würde. Wirklich schön fand ich den Hofnarren und den Sterntaler. Überrascht hat mich die hübsche Anekdote zu Beginn, die würzig knapp und knackig war. Ich mag Märchen und ich mag Quasi-Märchen und Kurzgeschichten, Novellen, etc. Jana Oltersdorff schreibt ruhig und behutsam. Wenn dann aber der Ofen explodiert spürt man durchaus die Hitzewelle die durch den Wald rast. Sie benutzt Worte wie: Nippes, das mag ich. 


Das Fürchten (für Hartgesottene) lehrt mich dieses Sammlung an Dunkel-Märchen jedoch nicht, da ich finde, dass sie logisch aufbereitet worden sind. Ich hab’s schon zweimal gesagt: Entmystifiziert. Deswegen kann ich bei der ein oder anderen Geschichte einfach nur nicken und sagen: Klar, warum nicht. Die Frage ist allerdings ob das hier Angst schaffen sollte oder einfach mal zeigen, wie im Vorwort angedeutet: „den Spieß umdrehen“. Und wenn die Autorin schon schreibt, es hat ihr „diebisches Vergnügen“ bereitet, dann sollte man einfach sagen: Ha! Woll ja, voll lustig! NICHT! Das hier ist nicht witzig und auch nicht Schwarz. Das ist mehr jene Art Humor bei der die Autorin da sitzt mit tintigen Fingerspitzen und dieses zischelnde Lächeln ausstößt, gefolgt von leisem grummeligen Bauchlachen und dann am Ende dunkel tönend wie Ursula die Meerhexe! 


Wie immer bei der Entscheidung Kurzgeschichtensammlung, finde ich ist mit das schwerste zum bewerten, gibt's nen guten Schnitt zwischen: super Geschichten und denen die eher für mich lau waren. So um die 3 bis 4 von 5- Urteil.



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