Sonntag, 5. Juli 2015

[INTERVIEW] Melody Butler über Kirsten Greco



Kirsten Greco
Danke für die nette Einladung zum Interview. Jetzt kommt dann die Stelle, wo ich etwas über mich erzähle?

Ja, stell dich doch mal kurz vor.

Okay. Ich heißte Melody Butler, bin Mitte Zwanzig und vor ein paar Wochen von Chicago in die Provinz gezogen. Genauer gesagt nach Silver Crossing, ein winziges Nest im Herzen Michigans. Und nicht ganz freiwillig, das muss hier jetzt auch mal ganz deutlich gesagt werden. Lily, meine Mom, hat mich quasi hierhin verschleppt, weil sie ihren Nebenjob an mich abgeben musste. Sie war nämlich ein Medium und hat mit Holly, einem Schutzengel, nicht nur Menschenleben gerettet, sondern auch ganz nebenbei noch Dämonen bekämpft. Und ich habe nichts davon gewusst! Und jetzt bin ich dann irgendwie an der Reihe. Familientradition, wie sich herausgestellt hat. Das mit der Provinz war dann doch nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, denn schließlich habe ich Tristan ja in Silver Crossing getroffen. Tris ist ebenfalls Hollys Medium und hat mir bei meiner Ausbildung zum Engelshelfer geholfen. Hach ja, Tris. Was soll ich sagen … Erst konnte ich ihn ja überhaupt nicht leiden. Und jetzt …? Ich sage nur, diese Augen, geheimnisvoll, und sowas von blau.   

Willkommen, nimm Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

Kekse …  Hmmm, lecker. Das Rezept hätte ich dann gern. Weil ich ja auch noch einen Hauptjob habe … Mir gehört nämlich eine kleine Bäckerei in Chicago, das Sweet Tooth. Wenn mich Holly endlich mal wieder dort vorbeischauen lässt, dann probiere ich das Rezept glatt mal aus.  Oh, Moment mal, Telefon. *Zieht das laut vibrierende Handy aus der Handtasche und lächelt* Sorry, das ist Tristan. Der macht sich rund um die Uhr Sorgen um mich. *Flüstert ins Telefon*  Alles in Ordnung, Tris. Nein, wirklich. Nein, keine Dämonen. *Grinst. Legt das Handy auf den Tisch.* Entschuldigung. Wo waren wir stehengeblieben?

Das Rezept darfst du gerne haben.

Oh, super. Danke. Dafür bringe ich dann das nächste Mal ein paar Cupcakes mit. Und die Schuhe? . Ich liebe ja meine Bikerstifel über alles. Die passen doch glatt zu jeden Outfit. Besonders zu Sommerkleidern, wie diesem.  Findest du nicht?

Ähm… nun ja.

1. Stell uns Kirsten Greco doch erst einmal kurz vor.
Jaja, mache ich ja schon. Hm, also eigentlich könnte Kirsten ja meine Mutter sein. Ich glaube sie ist fast so alt wie Mom und sie hat zwei Töchter in meinem Alter. Zusammen mit den beiden und ihrem Mann ist Kirsten 1999 nach Michigan gezogen. Der Rest ihrer Familie lebt allerdings in Deutschland. Und deshalb klingelt bei den Grecos auch pausenlos das Telefon. Oder es wir geskypt. Dafür muss sie dann noch nicht einmal ihren Computer verlassen. Denn davor sitzt Kirsten täglich. Stundenlang. Wenn sie richtig in Fahrt kommt, dann klappert die Tastatur, dass einem richtig schwindelig wird. Stundenlang starrt sie auf den Bildschirm und amüsiert sich köstlich. Und manchmal wird sie plötzlich ganz still. Keine fünf Minuten später – also da kann man die Uhr nach stellen - schnieft sie dann laut und wischt sich die Tränen aus den Augen. Also wirklich,  Autoren sind schon komische Menschen.

Und Schuhe? Liebt sie Schuhe?
Ja, ihre Birkenstocks.  Im Sommer wie im Winter. Letztes Jahr im Dezember hat sie damit auf der eisglatten Einfahrt vor ihrer Garage so richtig den Abflug gemacht. Also mit meinen Bikers wäre ihr das nicht passiert …

2. Was denkst du über Kirsten, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Kirsten lacht gerne. Das mag ich sehr. Und langweilig wird es bei den Grecos auch nie. Da ist irgendwie immer was los. Wenn es nach Kirsten ginge, dann wäre hier immer full house. Was ich nicht so toll finde? Hmm, jetzt muss ich schon aufpassen, was ich sage. Nicht, dass ich dafür später einen besonders fiesen Dämon vor die Nase gesetzt bekomme … *flüstert* Also, pssst. Nicht weitersagen. Kirsten ist eine schreckliche Perfektionistin. Immer dieses endlos lange Recherchieren. Furchtbar, sage ich dir. Anstatt sich einfach hinzusetzen und losschreiben. Nein, vorher muss alles ganz genau passen. Also ehrlich, es geht um Engel, Dämonen und uns Medien. Was muss man da schon recherchieren? Aber nein, alles muss Hand und Fuß haben. Aber von mir hast du das nicht. Du weißt schon … mein Schicksal liegt in Kirstens Hand. Und Tristans auch *schielt aufs Handy *

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Autoren … *verdreht die Augen* Wirklich! Ich glaube, wenn Kirsten nicht gerade schreibt, dann überlegt sie, was sie als nächstes schreibt. Oder als übernächstes. Sogar das pausenlose Gärtnern im Sommer ist ja eigentlich nichts als Ausrede. Unkrautjäten. Von wegen. Mit ihren Gedanken ist sie ganz woanders. Seit einiger Zeit verschwindet Kirsten morgens übrigens für ein paar Stunden. Angeblich arbeitet sie in einem Kindergarten. Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich wette, die kleinen Knirpse sind alle erkältet. Das ist nur eine Frage der Zeit bis Kirsten dann auch mit roter Nase vor dem Computer sitzt. Und wer muss das dann ausbaden? Ich sage nur Dämonen …

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
Ein schriftstellerisches Vorbild hat sie glaube ich nicht. Obwohl, wenn Kirsten in der Highland Saga von Diana Gabaldon versinkt, dann darf sie niemand stören. Absolut niemand. Ein Vorbild im normalen Leben? Ich tippe mal auf ihre Mutter.

5. Gibt es Rituale, die Kirsten beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Am liebsten schreibt Kirsten frühmorgens. Musik läuft oft, aber nicht immer. Etwas zu Essen steht eigentlich nicht in Reichweite, dafür aber literweise Kaffee oder auch schon mal ein Tässchen Earl Grey, mit ganz viel Milch.

6. Wie hast du sie kennengelernt? Details, wir brauchen Details...
Ich glaube, ich war irgendwie plötzlich einfach da. Kirsten denkt sich ja gerne fantastische Geschichten aus, und mag selbstbewusste Protagonisten, so wie mich. *grinst* Und sie wollte ja schon immer mal jemand durch Michigans Provinz stolpern lassen. Und da mussten Tris und ich eben herhalten.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Also sicher bin ich mir da natürlich nicht, aber ich nehme mal ganz stark an, dass Kirstens Helden und Heldinnen einfach so bei ihr aufkreuzen, und sie erst dann wieder in Ruhe lassen, bis sie ihre Geschichten aufgeschrieben hat. So wie ich. *grinst breiter*

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Kirsten so besonders?
Ähm, keine Ahnung. Weil du jemandem deine Schuhsammlung zeigen willst. *grinst immer noch*. Oder vielleicht deshalb … *dreht den Arm* Ich habe ja erst gedacht, diese schwarze Spirale auf meinem Unterarm wäre ein Tattoo, das plötzlich einfach so über Nacht da war. Von wegen Tätowierung. Das ist ein Engelsmal. Damit können wir Medien miteinander Kontakt aufnehmen, wenn es mal ganz brenzlig wird. Vielleicht deshalb? Oder weil ich eben das Herz auf der Zunge trage, nicht perfekt, dafür aber ganz schön mutig bin, vielleicht, weil ich manchmal zu impulsiv bin und Ecken und Kanten habe. Und weil ich für meine Freunde durchs Feuer gehe. Hmmm… genug jetzt. Eigenlob stinkt. Das mag ich gar nicht. Vielleicht mag mich Kirsten ja auch deshalb.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Kirsten Greco bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Kirsten hat unsere, Tristans, Hollys und meine, Geschichte fast zu Ende erzählt. Im Oktober erscheint dann nämlich Guardian Angel 2 – Rot wie Blut. Soviel darf ich wahrscheinlich schon verraten … es wird noch einmal ganz schön eng für Tris und mich. Und dann hat Kirsten schon wieder neue Protagonisten kennengelernt. Emily und Declan, wenn mich nicht alles täuscht. Es geht wohl irgendwie um Träume und Märchenbücher, um Enkelinnen und Großmütter, und natürlich – wie konnte es auch anders sein – um Liebe. Dreamcatcher – Spuren ins Glück erscheint nächstes Frühjahr.

10. Ein herzliches Dankeschön an Melody Butler für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin/dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Melody gesagt wurde.
Naja, eigentlich hat Melody mit ihren Antworten ins Schwarze getroffen. Allerdings … Perfektionistin? Wirklich, Melody? Das überhöre ich jetzt einfach mal. Aber so kenne ich dich: direkt, ehrlich und eigentlich sehr liebenswert. War schön mit dir. Ich werde dich und Tris vermissen. Und vermutlich sogar Holly. 


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage, ihrer Facebookfanseite, Twitter oder PinterestDie Guardian Angel-Romane erscheinen im Oldigor Verlag und auch die Romane haben eine eigene Facebookfanseite.



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