Dienstag, 28. Juli 2015

[REZENSION] Schau mir in die Augen, Audrey - Sophie Kinsella (by Nika)


Schau mir in die Augen, Audrey - Sophie Kinsella
Originaltitel: Finding Audrey
cbj, 2015
384 Seiten
Paperback, Klappbroschur
ISBN: 978-3-570-17148-6
€ 14,99
eBook
Preis: € 11,99
Hörbuch MP3 CD
4 Stunden, 12 Minuten
Preis: € 14,99





Klappentext:
Eine zauberhafte funkensprühende Familiengeschichte
Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...



Meine Meinung




Die Geschichte wird aus Sicht der 14jährigen Audrey in der Ich-Perspektive erzählt. Dabei durchbricht sie des Öfteren die 4. Wand und wendet sich direkt an den Leser/Zuhörer. Seit einem Vorfall in der Schule, an dem drei Mädchen beteiligt waren, die daraufhin von der Schule flogen, ist Audrey in psychiatrischer Behandlung. Sie verbrachte einige Zeit im Krankenhaus und trägt ständig eine Sonnenbrille, weil sie Augenkontakt mit anderen – außer ihrem vierjährigen Bruder Felix – nicht erträgt. Was genau dieser Vorfall war, darüber möchte Audrey nicht sprechen. Auch sonst spricht niemand im Buch darüber, was genau vorgefallen ist. Man kann sich zusammenreimen, dass es um Mobbing der übelsten Sorte ging, die Details aber sind auch schlichtweg egal. Was wichtig ist, ist, dass Audrey durch diese Sache schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sie hat Panikattacken, verlässt nie das Haus, meidet den Kontakt zu Außenstehenden.

Auch ist es nicht nur Audrey, die von der Krankheit betroffen ist: Ihre ganze Familie leidet darunter, wie schlecht es ihr geht. Dabei ist das Buch alles andere als ein düsteres Bild einer Krankheit, von der mehr Menschen betroffen sind, als man glauben mag. Im Gegenteil, trotz des sehr ernsten Themas gelingt es Sophie Kinsella eine gesunde Dosis Humor in der Geschichte unterzubringen. Woran die Hauptfigur einen großen Anteil hat: Audrey ist sympathisch, aufgeweckt und humorvoll. Sie schildert ihre Krankheit mit der richtigen Mischung aus Ernst und Humor. Sie führt uns sehr anschaulich und „echt“ durch ihre Gefühlswelt. Sie zeigt auch sehr schön, dass man eine psychische Krankheit nicht einfach so abschüttelt, wie eine Erkältung. Audrey muss Rückschläge hinnehmen, sie muss lernen, dass diese ebenso zu ihrer Genesung und zum Leben allgemein gehören, wie das Hochgefühl, das sie hat, wenn sie es schafft, eine Unterhaltung mit einem fremden Menschen zu führen.

Die Figuren der Geschichte sind sehr liebevoll gestaltet. Audrey nimmt einen direkt mit in ihr Leben und ist, wie gesagt, eine sehr sympathische Hauptfigur, von der man sich gern ihre Geschichte erzählen lässt.

Ihre Eltern, die leicht überdrehte Mutter, der dagegen zurückhaltende Vater werden ebenso zu Menschen aus Fleisch und Blut wie ihr Bruder Frank, der verzweifelt versucht, seinen Eltern zu erklären, wie wichtig ihm ein Computerspiel ist und dass er damit keineswegs seine Zeit vertrödelt. Außer Felix scheint keiner von ihnen so recht zu wissen, wie sie jetzt mit Audrey umgehen sollen, was sie von ihr erwarten sollen. Man spürt gerade zu Beginn dieses „auf Zehenspitzen laufen“, das um Audrey herum geschieht und das sich erst gegen Ende verbessert.

Dann ist da natürlich noch Linus, Franks Kumpel und Computermitspieler. Sein Part in der Geschichte wird von der Autorin so wunderschön beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als während der Szenen, die sich zwischen ihm und Audrey entwickeln, mit einem Lächeln dazusitzen. Er ist der Gegenpol zu ihrer Mutter, die Audrey aus Angst am liebsten von allem abschotten möchte. Er testet ihre Grenzen aus, will mit ihr zusammen herausfinden, was sie in der Lage ist, zu tun, wie weit sie gehen kann.

Dr. Sarah, Audreys Psychiaterin ist eine Ärztin, die man jedem in Audreys Situation nur wünschen kann.

Sophie Kinsella gelingt es, aus diesem düsteren Thema die Helligkeit heraus zu kitzeln, ohne die Schatten gänzlich zu verschweigen. Aber selbst bei jedem noch so starken Rückschlag ist man sicher, Audrey wird das schaffen. Sie braucht vielleicht noch etwas mehr Zeit, aber sie wird ihre Panikattacken und die Depressionen irgendwann in den Griff bekommen.

Maria Koschny macht als Sprecherin einen ausgezeichneten Job und das Buch zu einem wahren Hörvergnügen.

Ein überaus positives Buch, das nicht nur für Jugendliche einige wichtige Botschaften enthält. 



Kommentare:

  1. Huhu, ich habe das Buch wirklich geliebt. Es ist so toll

    Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen, dass ich eure Rezi auf meinem Blog verlinkt habe. Und zwar genau hier

    http://nellysleseecke.blogspot.com/2015/08/schau-mir-in-die-augen-audrey-von.html

    Liebste Grüße, Nelly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nelly,
      jetzt musste ich mir natürlich gleich mal deine Rezi durchlesen. :)
      Ich war auch ganz begeistert von Sophie Kinsellas erstem Abstecher ins Jugendbuchgenre. Zumal sie ein so ernstes Thema dazu gewählt hat.
      Liebe Grüße
      Nika

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...