Sonntag, 2. August 2015

[INTERVIEW] Fionn über Prisca Burrows



Prisca Burrows

Fionn, ein würdevoller, hochangesehener, gesetzter alter Herr ist ein Bogin, wie er im Buche steht. Besagtes Buch, oder vielmehr die Bücher, heißen übrigens „Der Fluch der Halblinge“ und „Das Opfer der Bogins“. Zuerst war es Fionn nicht recht, dass die bedeutendsten Momente seiner Lebensgeschichte so unverhüllt an die Öffentlichkeit gezerrt werden. Doch handelt es sich immerhin um eine gewaltige Veränderung im Reich Albalon, Fionns Heimat, um einen Umsturz mit weitreichenden politischen und wirtschaftlichen Folgen. Um nicht zu sagen: Seit Fionn, damals gerade erst volljährig geworden, sich eingemischt hat, ist nichts mehr so, wie es war.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also, Fionn, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Ja, sehr gern, danke. Es ist sowieso gerade Teestunde, und mit ein paar Butterkeksen dabei unterhält es sich doch gleich viel entspannter. Aber bitte keine Pfeife, meine Frau Cady sieht das immer noch nicht gern, deshalb überlasse ich die Pafferei nach wie vor meinem älteren Bruder. Auch wenn es an sich recht schick aussieht und mir stehen würde.

1. Stell uns Prisca Burrows doch erst einmal kurz vor.
Sie ist eine hochgelehrte, studierte Bogin, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Geschichte unseres Volkes zu dokumentieren. Dabei muss sie tief in die Historie hinabtauchen. Mit Charme und Überzeugungskraft ist es ihr gelungen, Zeitzeugen wie mich und Cady und noch einige andere auszufragen. Daraus hat sie eine durchaus unterhaltsame Erzählung gesponnen.

2. Was denkst du über Prisca, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich schätze Prisca wirklich sehr, und sie gehört nun einmal zu der neuen Generation der Bogins, die so ganz anders ist als meine. Sie ist frei geboren in einem freien Land, selbstbewusst, forsch, und pflegt selbst mit den Elben unkonventionellen Umgang. Aber ihre nie nachlassende Neugier ist mir manchmal schon ein wenig lästig. Und ihr Tatendrang. Sie kann ja kaum stillsitzen. Und keine Rede davon, dass sie fünf Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt, sondern höchstens zwei, „um nicht zuzunehmen“. Unerhört! Das ist so gar nicht Boginart. Aber ich bin eben ein Fossil in dieser modernen Zeit. Ich merke es ja an meinen Enkeln, rotzfreche Gören, die nicht mehr viel Ahnung von unseren Benimmregeln haben. Aber ja, heimlich beneide ich sie um diese Unbeschwertheit und bin froh, dass sie im Frieden aufwachsen können und nicht erleben mussten, was Cady und ich erlebt haben. Selbst ihre Eltern, meine Kinder, haben noch so manches mitmachen müssen.


3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Aber sie schreibt doch immer. Nun gut, wenn sie nicht schreibt, reist sie im Land herum und sucht nach historischen Artefakten oder stöbert in Asgells Bibliothek herum, um Stoff für neue Berichte und Erzählungen zu sammeln. Zum Glück ist immer noch genug Bogin in ihr, dass sie sich ab und zu doch gern einmal hinsetzt und gut isst und trinkt in fröhlicher Runde. Also ganz unter uns, ich glaube ja, dass sie uns mit den nur zwei Mahlzeiten täglich was vorflunkert, sondern heimlich futtert und gerne ein Gläschen zwischendurch genießt.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Also ich glaube, sie bewundert am meisten Cady. Aber das ist keine Frage, das tue ich schließlich auch. Cady hat in der schrecklichen Zeit am meisten geleistet und uns alle zusammengehalten und vorwärtsgebracht. Sie hat nie aufgegeben. Ihre Kraft ist unerschöpflich. Sie hat Wesen bezwungen, zu denen ihr und ich lieber ein Meer Distanz hätten.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Prisca beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Sie kann eigentlich immer und überall schreiben. Erst wenn die Geschichte schon sehr weit fortgeschritten ist und sie hochkonzentriert arbeiten muss, um möglichst viel an einem Tag zu bewältigen, hört sie Musik und achtet damit auf nichts um sich herum. Essbares muss immer greifbar sein, am liebsten frisches oder Trockenobst, sehr viel Wasser und Tee.

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Sie stand vor meiner Tür und ließ sich nicht abwimmeln.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen?
Kann ich mir nicht vorstellen. Hat sie sich einmal verbissen, lässt sie nicht mehr locker und will alles ganz genau wissen. Dann ist sie auf Schritt und Tritt hinterher.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Prisca so besonders?
In aller Bescheidenheit darf ich darauf hinweisen, dass durch mich die Befreiung Albalons ins Rollen gekommen ist. Und ich war damals gerade 22 Jahre alt, volljährig geworden, und hatte keine Ahnung von der Welt. Prisca hat mich durch meine staunenden Augen durch den Wandel der Zeit begleitet und eine versunkene Welt kennengelernt.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Prisca bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Bald, das glaube ich eher weniger. Denn sie tüftelt weiter an unserer Historie, und mit unserer und Albalons Freiheit war es ja noch lange nicht getan. Einige böse Feinde waren entkommen, die uns noch einmal viel Leid zugefügt haben. Bis über die Grenzen unserer schönen Insel hinaus. Das erfordert sehr viel Nachforschung und weite Reisen. Aber ich weiß, dass sie die Geschichte der Bogins bis zum Anbruch der neuen Zeit vollständig erzählen will.

10. Ein herzliches Dankeschön an Fionn für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Fionn gesagt wurde.
Ich verwahre mich gegen die Behauptung, dass ich zu viel futtere. Aber der Rest stimmt so ziemlich. Fionn ist eben ein liebenswürdiger Kerl, auch heute noch. Und übrigens raucht er heimlich, das weiß ich genau. Und Cady weiß das auch. Aber er hat so viel Freude damit, dieses Geheimnis vor seiner Frau zu haben. Gönnen wir es ihm.


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, besucht sie doch einmal auf ihrer Facebookfanseite. Prisca Burrows Romane erscheinen bei Bastei Lübbe.

1 Kommentar:

  1. Mae govannen, Nika.

    Nur gut, daß während der Unterredung keine Bier suchenden Zwerge die Gegend unsicher machten; die Langbärte bringen ja doch gern eine gemütliche Ordnung durcheinander... :-)

    Hier kann man/frau der Historikerin Burrows wohl nur gratulieren, daß Ihre Zeitzeugen von der langlebigen Sorte sind.

    Was Priscas flammende Unruhe angeht, so bliebe wohl anzumerken, daß die neue Welt gern bezahlte Rechnungen sieht, die Obrigkeit ausdauernd Steuern abverlangt und Garderobe wie der gesunde Leib auch pekuniär bedacht sein wollen. So naht ein jeder Tag schnell dem Ende hin.

    Offenbar - so scheint es - hat Prisca (was Ihre Gepflogenheiten bei der Schrift stellung angeht) eine enge Schwester im Geiste zu haben. Wenn auch anderweltlich.

    bonté

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...