Sonntag, 16. August 2015

[INTERVIEW] Smuggler über Hermien Stellmacher

Smuggler


Höchste Zeit, dass man auch mich zu Wort kommen lässt. Seit dieses Buch „Cottage mit Kater“ erschienen ist, geht es immer nur um dieses ach so tolle Cover, um Leserunden, Verkaufszahlen, Rezensionen. Mit dem Kram lockt man nicht mal die dämlichste Maus aus ihrem Loch!
Ganz abgesehen davon: Ohne mich hätte Hermien „Cottage mit Kater“ niemals schreiben können. Wer hat ihr denn die ganze Inspiration verpasst? Mhm? Genau, das war ich!
Nicht, dass ich viel Ahnung von Cornwall hätte. Okay, ich weiß nicht mal, wie englische Mäuse schmecken. Aber es geht um das Insiderwissen, dass sie von wem bekommen hat? Yes! Von mir.
Natürlich hat der ganze Rummel auch für mich seine coolen Seiten. Zum Beispiel lassen Leser mir Grüße und Streicheleinheiten ausrichten. Das erzählt sie mir immer gleich. Und dann krault sie mich ... mmmmmh!

1. Stell uns Hermien Stellmacher doch erst einmal kurz vor. Gibt sie dir genug zu essen? Lässt sie dich regelmäßig nach draußen?
Ach, ich kann mich nicht beschweren. Ich habe meine eigene Haustür (Apropos, die könnte sie mal wieder sauber machen ...), einen eigenen Garten, Felder rings herum, und auch die Maussituation ist befriedigend. Aber wenn ich morgens gegen 5 nach Hause komme, könnte der Service etwas flotter sein. Mal im Ernst: wenn man die ganze Nacht unterwegs war, kann man erwarten, dass das Essen in der Küche steht, oder?
Wenn ich ihr aber Zeit zum Wachwerden lasse, aufs Bett springe und mich putze, ist es auch wieder nicht recht. Dann werde ich gefragt, ob ich meine dreckigen Pfoten nicht woanders saubermachen könnte. Hallo? Dabei bringe ich ihr oft eine fette Maus mit. Leider checkt sie bis heute nicht, dass die Biester echt lecker sind.
Andererseits: was kann man schon von einer erwarten, die gern Tomaten isst ...

2. Was denkst du über Hermien Stellmacher, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Da ich sie gut erzogen habe, ist alles im grünen Bereich. An meinem Schreibtisch arbeitet sie so, dass immer genug Platz für meinen Schlafkarton ist. Und wenn mir mal danach ist, mich lang auf allen Papieren auszustrecken, kriegt sie nur selten einen Schreikrampf. Warum sollte sie auch? Ich beschwere mich schließlich auch nicht über den Kram, den sie auf meinem Tisch verteilt.
Aber es gibt eine Sache, den ich ihr noch beibringen muss: Nassfutter ohne Crunch geht gar nicht. Das spielt sie zwar immer wieder herunter, aber da bin und bleibe ich eisern.
Und um beim Thema zu bleiben: Ich hätte gern einen eigenen Kühlschrank. Einen gut gefüllten, versteht sich.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Das kommt auf die Jahreszeit an. Wenn es schön ist, werkelt sie gern im Garten. Da begleite ich sie meistens und passe auf, dass sie keinen Mist baut. Zweibeiner können nämlich sehr unsensibel sein, wenn sie ihren Aufräumwahn haben. Da muss ich höllisch aufpassen, dass sie meine Außenschlafplätze nicht kaputt ordnet.
Und sie liest viel. Klarer Fall, dass ich da auch dabei bin. Entweder liege ich auf ihrem Schoß oder auf dem Polster, den ich mir mit ihren Füßen teile. Teilen muss ... Noch. Ich arbeite daran.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Oft liest sie Krimis und Thriller. Ich glaube, da steht diese Fred Vargas ziemlich hoch im Kurs. Oder Val MausDermid. J Diesen Japaner, Hauruki Mura-Dingsbumms, mag sie, und die Namen Stephen King und Margaret Atwood sind mir auch irgendwie bekannt. Sonst hat sie es nicht so mit Vorbildern, glaube ich.

5. Gibt es Rituale, die Hermien Stellmacher beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Zum Glück arbeitet sie meistens ganz ruhig. Nur wenn sie illustriert, hört sie manchmal Quasselsendungen. Deutschlandradio mit Kultur oder so. Meiner Meinung nach völlig überbewertet. Ich habe dort jedenfalls noch nie einen interessanten Jagdbericht gehört. Oder einen Rattenkrimi.
Was sie beim Arbeiten gerne isst, sind diese ekelhaften Laktritze. Und dann behaupten, schmecken Mäuse nicht. Typisch ...

6. Wie hast du sie kennengelernt?
Das ist schon zehn Jahre her. Ein völlig durchgeknallter Zweibeiner hatte mich in einer Plastiktüte bei einem Tie ... bei einem Tierar ... Sorry, bei diesem Wort stellen sich alle Haare bei mir auf.  Also, dieser Knallo hat mich bei so einem Ihrwisstschon-Typen an die Tür gehängt. Der hat mich dann aufgepäppelt, und als Hermien kurz darauf in der Praxis war, trafen wir uns. Liebe auf den ersten Blick, würde ich sagen.
Mit den anderen Katzen, die damals noch hier lebten, nicht unbedingt. Aber die habe ich mit der Zeit von meinem Charme überzeugen können.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Soweit ich das Beurteilen kann, plant sie ihre Geschichten ziemlich genau. Das hat sie ja auch in diesem Roman ganz gut erklärt. Da geht es schließlich um eine Schriftstellerin. Ich kann das gut verstehen. Schließlich ist es sinnvoll zu wissen, wann welche Maus wo auftaucht und wie die gestrickt ist. Wenn einem dann plötzlich noch ein überraschender Rattenauftritt einfällt, kann man den nachträglich noch einbauen.
Ich selber bin da nachts selber auch ganz flexibel. Wenn ich schon auf dem Heimweg bin und treffe zufällig noch eine Maus, bau ich die auch ratzfatz in meinen Speiseplan ein.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Hermien Stellmacher so besonders?
Frech ist gar kein Ausdruck! Ohne mich wäre diese Cornwall-Story schrecklich öde. Wie ein frisch gemähtes Feld ohne Nager. Wie ein Napf ohne Futter. Abgesehen davon arbeiten wir seit Jahren als Partner gut zusammen. Sie schreibt, ich denke darüber nach und lass schon mal das Rechtschreibprogramm drüber laufen. 

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Hermien Stellmacher bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
O, sie hat einiges in der Mache, auch wieder was mit Katzen. Aber das ist alles noch nicht spruchreif. Und ich habe Stillschweigen versprochen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Smuggler für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich Hermien Stellmacher selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Smuggler gesagt wurde.
Ich finde, Smuggler hat eigentlich alles gesagt. Und mal ganz unter uns: Einen besseren Mitarbeiter und tolleres Musentier kann ich mir kaum vorstellen. Ich darf gar nicht daran denken, wie es wäre, allein am Schreibtisch zu sitzen.
Nur die Sache mit dem Futter am Morgen. Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das werde ich jetzt gleich mal mit ihm ausdiskutieren ...


Der Roman "Cottage mit Kater" ist im Insel Verlag erschienen.

Kommentare:

  1. Sehr schönes Interview. :-) Habe das Buch bereits gelesen, nur meine Rezi steht noch aus.

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    1. Ich hab es mir nach dem ersten Lesen des Interviews auch zugelegt, es muss aber noch ein wenig warten, weil ich noch 2 1/2 Rezensionsexemplare und ein angefangenes eBook habe, die vorher gelesen werden wollen. Bin aber schon sehr gespannt!

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  2. Hey :)

    Also, ich gebe zu, ich lese Autoreninterviews eher selten ... Hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sie mich nur dann interessieren, wenn ich wenigstens ein Buch des Autors oder der Autorin kenne. Dieses hier hat mir aber trotzdem gut gefallen, sehr unterhaltsam, hat wirklich Spaß gemacht zu lesen!!

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

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    1. Das freut uns. :)
      Wir haben uns extra für eine andere Art des Interviews entschieden, um den Autoren und den Lesern mal etwas anderes zu bieten.
      Und wer kann schon behaupten, einen Kater interviewt zu haben? ;)

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