Sonntag, 23. August 2015

[INTERVIEW] Valerius über Leann Porter


Leann Porter
Ein schlaksiger junger Mann, ca. Mitte 20, stürmt energiegeladen ins Interviewzimmer, streicht sich das schwarze Haar aus dem Gesicht und sieht sich neugierig um.
Hi Leute, ich bin Val, eigentlich Student, aber zum Studieren komme ich kaum, da ich leider durch ein paar, naja, nennen wir es Missgeschicke, einen Berg Schulden habe und daher fast rund um die Uhr jobbe, um ihn abzubauen. Ich arbeite als Model, Fahrradkurier und Küchenhilfe in einer Pizzeria. Das einzig Gute an dem Pizzeriajob ist, dass ich dort den Bruder des Besitzers kennengelernt habe, Antonio, ein echt heißer Typ. Hat lange gedauert, bis er mich hinter seine arrogante Fassade sehen ließ und noch länger, bis ich herausgefunden habe, was er neben seinem Fotografenjob noch so treibt. Es hat mit Schwertern und Dämonen zu tun. Aber das kann Leann besser erzählen, hat sie sogar schon getan, nachzulesen in „Das Auge des Fotografen“. Ich finde es übrigens sehr richtig, dass dieses Interview mit mir geführt wird, denn ohne mich gäbe es den Roman überhaupt nicht. Außerdem ist Leann viel zu verschwiegen, was ihr Privatleben angeht, also ist das schon ganz passend, dass ich etwas über sie erzähle. 

1. Stell uns Leann Porter doch erst einmal kurz vor.
Leann ist uralt, 45, also fast doppelt so alt wie ich. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Die sind ja auch wesentlich interessanter als der Bürojob, mit dem sie ihr Geld verdient. 

2. Was denkst du über Leann, wie findest du sie/ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr/ihm findest, wofür du sie/ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich mag Leann, sie ist genauso chaotisch wie ich und wir teilen den Sinn für schwarzen Humor. Auf den ersten Blick wirkt sie vielleicht schüchtern, aber man kann jede Menge Spaß mit ihr haben. Außerdem hat sie ein cooles Hobby: Tauchen. Würde ich auch gerne mal machen, wenn ich Kohle hätte. Mir gefällt, dass sie trotz ihres hohen Alters neugierig und begeisterungsfähig geblieben ist und gerne etwas Neues ausprobiert. Auch ihre Reiselust kann ich gut verstehen, mich hält es auch selten lange an einem Ort. Eher merkwürdig finde ich ihre ausgeprägte Liebe zur Natur. Sie kann sich stundenlang im Wald oder am Meer aufhalten. Ich mag das Meer zwar auch, vor allem Partys am Strand, aber die Stadt ist mir lieber, da ist mehr los. Sehr lästig ist Leanns Sturheit. Wenn sich sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ist sie nicht mehr davon abzubringen.   

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Lesen! Ihre Wohnung ist mit Büchern vollgestopft. Sie sind einfach überall, sogar im Badezimmer. Außerdem reist sie viel. Sie fährt gerne mit dem Auto durch Irland, das macht sie regelmäßig seit zwanzig Jahren und das wird ihr auch nie langweilig. Angeblich, um sich dort in der Natur Inspiration zu holen. Ich weiß aber, dass sie genauso viel Zeit in den Pubs verbringt wie beim Wandern. Besonders im Winter zieht es sie in die Ferne, denn Kälte kann sie überhaupt nicht leiden. Dann entdeckt sie mit dem Rucksack auf eigene Faust Land und Leute, eine Art zu reisen, die mir auch gefällt. Zuhause joggt sie oft im Schneckentempo durch den Wald, weil sie dabei die besten neuen Ideen hat. Ansonsten ist ihr Leben ziemlich langweilig, der übliche Kram, Freunde treffen, ins Kino und Essen gehen. An den Wochenenden geht sie aus zum Tanzen, aber nicht Standard, nee, da muss schon ein Moshpit her.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Keine Ahnung, hat sie noch nie erwähnt. Das liegt vermutlich daran, dass sie sich nur schwer entscheiden kann und daher zu viele Vorbilder hat, je nach Stimmung und Lebenslage. 

5. Gibt es Rituale, die Leann beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Auf jeden Fall braucht sie immer Musik beim Schreiben. Sie stellt sogar Soundtracks für die Romane zusammen. Ein paar davon sind gar nicht übel, die höre ich beim Rennradfahren. Obwohl sie gerne isst, habe ich sie beim Schreiben noch nie dabei beobachtet. Stattdessen kippt sie Unmengen grünen Tee in sich hinein. 

6. Wie hast du sie/ihn kennengelernt?
Wir sind uns auf einem Flohmarkt begegnet. Sie hat dort noch mehr Bücher gekauft! Als ob sie dafür noch Platz hätte ... Da es anfing zu regnen, haben wir uns beide an einem überdachten Stand untergestellt und sind ins Gespräch gekommen. Eigentlich habe ich sie wohl vollgequatscht. Wir haben uns über Bücher unterhalten und ich konnte es nicht lassen und musste damit herumprahlen, dass mein Leben spannender ist als so mancher Roman. Tja, da hat sie nicht mehr locker gelassen und wollte unbedingt meine Geschichte aufschreiben. 

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Die Hauptfiguren aus „Sleepless in Bangkok“ (den Roman hat sie unter dem Namen Stefanie Lahme veröffentlicht) hat sie während einer Thailandreise getroffen, auf einem Tauchschiff. Die meisten Leute, über die sie später schreibt, begegnen ihr angeblich beim Joggen im Wald. Kann ich nicht glauben, ich schätze mal, die denkt sie sich nur aus.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Leann so besonders?
Mein aufregendes Leben und mein gutes Aussehen! *grinst* Sie schreibt ja an einer Fortsetzung meiner Abenteuer und daher verbringen wir viel Zeit miteinander. Irgendwann, nach ein paar Bier, hat sie mir mal gestanden, dass sie mich anfangs für einen oberflächlichen Schönling gehalten hat. Aber dann hat sie gemerkt, was für ein tiefgründiger Mensch ich in Wahrheit bin, und das hat ihr Interesse geweckt. Hm, ich glaube es ist doch mein gutes Aussehen …

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Leann  bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Ja, sie schreibt mit Feuereifer an der Fortsetzung meiner Geschichte. Bevor sie mich kennengelernt hat, war sie oft in ihrer Fantasywelt Danu unterwegs. Der erste Roman dazu wird wahrscheinlich noch dieses Jahr erscheinen, ein weiterer ist in Arbeit. Wer schon mal in die Welt Danu hineinschnuppern möchte: Im September erscheint eine Kurzgeschichte, die in Danu spielt, in der Anthologie „In seiner Hand“ (Incubus Verlag). 

10. Ein herzliches Dankeschön an  Val für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Val gesagt wurde.
Lieber Valerius, die Anspielungen auf mein Alter hättest du dir wirklich sparen können. Ansonsten hast du die Fragen für deine Verhältnisse ja recht knapp beantwortet. Allerdings bist du mindestens genauso stur wie ich, nur um das mal klarzustellen. Ich mag dich aber trotzdem (oder gerade deshalb?) und freue mich schon darauf, deine weiteren Erlebnisse mit den Dämonenjägern aufzuschreiben. 


Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann sie auf einer ihrer beiden Facebook-Fanseiten besuchen. Der Roman "Das Auge des Fotografen" ist im Dead Soft Verlag erschienen. Mehr über die Anthologie "In seiner Hand", von der Valerius in Frage 9 erzählt, erfahrt ihr auf der Verlagsseite des Incubus Verlages und über "Sleepless in Bangkok" könnt ihr euch auf der Seite des Bookshouse Verlages informieren.


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