Sonntag, 6. September 2015

[INTERVIEW] Arrion über Tanja Rast



Tanja Rast
Arrion ist tot, und damit beginnen seine Schwierigkeiten auch erst richtig. Als Ritter verteidigte er eine Stadtfestung, bis es einfach zu viele Piraten wurden und Arrion ein verfrühtes Ende fand. Es hat ein wenig gedauert, bis er das verstanden hat. Als allerdings die Geistersängerin Neve in den Ruinen seiner Burg auftaucht, um ihn von seinem Geisterdasein zu erlösen, wittert Arrion Morgenluft. Statt sich artig in sein Schicksal zu ergeben, heftet er sich an Neves Fersen, schwingt sich zu ihrem Beschützer auf und sieht gar nicht ein, warum er sie nicht einer massiven Flirtattacke unterwerfen sollte.
Da die Autorin dazu neigt, mit den Überresten ihrer Helden die Unterwelt zu wischen, freut Arrion sich sehr, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern zu dürfen.
„Arrion“ ist gerade frisch im Verlag Amrûn erschienen.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unseren heutigen Gast aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also, Arrion, dürfen wir dir eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

1. Stell uns Tanja Rast doch erst einmal kurz vor.
Sie behauptet von sich, klein, niedlich und unschuldig zu sein. Klein und niedlich stimme ich zu.

Sonst finde ich noch erwähnenswert, dass sie beim Schreiben oftmals hämisch kichert, mittelalterliche Schaukampfwaffen sammelt und immer wieder beteuert, wie sehr sie ihre Helden liebt.

2. Was denkst du über Tanja, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich erwähnte schon ihre fehlerhafte Selbsteinschätzung, die ich für bezeichnend halte. Die Kleine geht über Leichen, um ihre Romanziele zu erreichen. Auch über meine, das nur nebenbei. Zugute halten muss ich ihr, dass sie auf den ersten Blick erkannt hat, dass ich etwas Besonderes bin, dass meine Geschichte erzählt werden muss. Weniger lustig, dass das kleine Biest dabei grinste und Witze riss. Und mich in den schwersten Stunden für kurze Unterbrechungen einfach alleine ließ, weil sie Herzklopfen bekam und eine Pause brauchte. Ganz reizend.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Glücklicherweise bin ich ihr und ihrer eindeutig sadistischen Ader einigermaßen entronnen. Sie trifft sich gerne mit anderen Autorinnen, mit denen sie über mich spotten kann. Gut, hin und wieder kriegt sie auch ein richtig warmes Leuchten in den Augen. Gutes Mädchen! Sonst liest sie viel und querbeet, auch verblüffend viele Sachbücher.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Ich weiß, dass sie zwei andere Schriftsteller verehrt. Georgette Heyer für ihre herrlichen Dialoge und spitzfindigen Beschreibungen. Und natürlich Shakespeare, dem sie in Sachen grausame Morde nachzueifern scheint.

5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Tanja beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Zimtsterne. Ich hatte das Glück, dass sie meine Geschichte im NaNoWriMo schrieb, der ja im November zelebriert wird. Innerhalb dieses Monats hat sie den Roman tatsächlich beendet und dabei zahlreichen Zimtsternpackungen ein grausames Ende bereitet. Beim Schreiben von Kampfszenen hört sie ein Lied in Dauerschleife, bis es aber wirklich jedem bis auf ihr zu den Ohren wieder herauskommt: „The Battle“ aus dem Soundtrack von Gladiator. Sonst? Sie quasselt gerne über ihre Romane und vor allem ihre Helden. Wenn man sie da hört, könnte man ihr wirklich fast glauben, dass sie uns liebt. Fast.



6. Wie hast du sie kennengelernt?
Sie wollte auf ein neues Genre umsatteln, und das hat sie dann auch gründlich neu geschaffen: Heroic Romantic Fantasy. Heroisch bin ich! Romantisch ebenfalls. Finde ich. Eigentlich wollte ich nur jemanden, der meine Liebesgeschichte mit Neve ehrlich, humorvoll und liebevoll beschreibt.

Ich bin an die falsche Autorin geraten. Ich hätte misstrauisch werden sollen, als sie das Genre als „Schmachten und Schlachten“ titulierte.

Als Ritter sind mir Schlachtfelder ebenso wie durchtriebene Gegner vertraut. In Tanja habe ich meine Meisterin gefunden, und es ist ganz gewiss nicht lustig, dass sie beim Schreiben kichert und grinst!

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Figuren anders abgelaufen ist?
Ich fürchte nicht. Ich habe zehn jüngere Brüder, die alle ziemlich unvermittelt in Tanjas Leben stolperten, gerne eine Geschichte erzählen wollten und sich mitten in Alpträumen der blutigen Art wiederfanden.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tanja so besonders?
Mädchen, Du hörst mir seit etlichen Minuten zu und hast es noch nicht selbst erkannt?

Ich bin Arrion, Ritter von Kyelle. Ich habe Tanja ein neues Genre, ihr Traumgenre offenbart und den Weg für meine jüngeren Brüder bereitet, deren Geschichten heute noch auf eine Erzählerin warten würden, wenn ich nicht wäre. Ich habe mit meiner Lektorin geflirtet und sie zu Tränen gerührt. Gründe genug, Mädchen?

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Tanja bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Dank meiner hervorragenden Vorarbeit habe ich es meinem nächstältesten Bruder Cajan ermöglicht, dass auch seine Geschichte veröffentlicht werden wird.

Was treibt die verrückte Kleine sonst noch? Sie schreibt die Geschichte von Ciran, versucht sich nebenbei an Steampunk – wobei der alte General ganz eindeutig mit mir verwandt sein muss. Und für den diesjährigen NaNoWriMo hat sie schon viele Zimtsterne und eine neue Geschichte eingeplant. Morvic wird Flügel haben und sich deswegen fürchterlich leidtun. Jammerlappen!

10. Ein herzliches Dankeschön an Arrion für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Arrion gesagt wurde.
Ich möchte ihm gerne vor sein selbstgefälliges Schienbein treten, auch wenn ich gerade Arrions übertriebene Selbsteinschätzung so sehr an ihm liebe. Er fällt immer so schön tief, wenn ich ihm eine Grube grabe.

Eigentlich habe ich nichts mehr hinzuzufügen, aber nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“, muss ich doch die Sache mit der Drei aufklären …

Arrion vernascht alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Um das Verfahren abzukürzen, begibt er sich in eine baumlose Ebene und sagt: „Drei!“



Wenn ihr mehr über Tanja Rast erfahren wollt, besucht sie auf ihrer Homepage, ihrer Facebookseite oder bei Twitter. Der Roman "Arrion" ist im Amrûn Verlag erschienen.

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