Sonntag, 20. September 2015

[INTERVIEW] Bernhard Lengenricht über Thomas Neumeier



Thomas Neumeier

Unser Interviewpartner ist Bernhard Lengenricht, Journalist und hochrangiger Funktionär eines neokeltischen Druidenzirkels. Letzteres posaunt er üblicherweise nicht in die Welt hinaus, aber uns gegenüber war er so offen. Was wir natürlich zu schätzen wissen.

Bernhard Lengenricht: Och, weißt du, dazu kann ich an dieser Stelle guten Gewissens stehen. Eure Leser würden ohnehin nicht glauben, was innerhalb unserer Maueren so vor sich geht, deshalb ist das Risiko kalkulierbar. Außerdem wissen wir, mit allzu neugierigen Zeitgenossen umzugehen.

1. Ach, tatsächlich? Na gut, das wollen wir mal so hinnehmen. Jetzt aber zur Sache: Wir kennen Thomas Neumeier ja schon ein wenig durch unser Gespräch mit RupertSauerland. Würdest du ihn auch so beschreiben? Oder siehst du Thomas ganz anders?
B. L.: Ich respektiere Herrn Sauerlands Meinung, teile sie aber nicht. Neumeier ist kein Esel. Ich denke, hinter seiner manchmal linkischen Art steckt System. Er tarnt und täuscht. Wahrscheinlich hat er es mindestens so faustdick hinter den Ohren wie ich. Wie sonst könnte er einen Stoff wie MONDLÜSTERN schreiben?

2. Verrate uns doch mal, was sich seit unserem Interview mit Rupert bei Thomas so getan hat. Gibt es da etwas Neues, von dem wir unbedingt wissen sollten?
B. L.: Es gibt da draußen wenig, das man unbedingt wissen sollte. So manches erfährt man sogar besser nie. Ich weiß, wovon ich rede, bitte glaub mir. Was Neumeier angeht, nun, damit er MONDLÜSTERN schreiben konnte, hat ihn mein Zirkel ein Stück weit an unseren Geheimlehren teilhaben lassen. Inwieweit er nun neuheidnischen Rituale und Beschwörungen auch ohne uns fortführt, entzieht sich meiner Kenntnisnahme. Ich glaube, eine gewisse Faszination bei ihm gespürt zu haben. Wir haben ihn selbstverständlich nicht tief genug in die Materie eintauchen lassen, als dass er mit dem erworbenen Wissen Schaden anrichten könnte, doch es gibt noch andere Wege, die zur Weisheit führen. Mich würde nicht wundern, wenn er nun Kontakt zu anderen Druiden oder einem Hexen-Coven sucht.

3. Wir plaudern hier ja so ganz gemütlich im stillen Kämmerlein, aber sag mal, wie verhält sich Thomas denn außerhalb so? Ist er nett zu seinen Lesern? Sucht er das Scheinwerferlicht und strahlt in jede Kamera? Oder ist er eher schüchtern und bekommt vor öffentlichen Auftritten Herzrasen und Schweißausbrüche?
B. L.: Ich habe ihn nie dabei beobachtet. Während unserer Zusammenarbeit bekam ich den Eindruck, es mit einem geduldigen und zurückhaltenden Menschen zu tun zu haben. Eigenschaften, die unser Zirkel schätzt. Kameras und Scheinwerferlichtern scheint Neumeier eher zu entfliehen als sie zu suchen. Die intensive Art und Weise, wie er mit seinen Lesern korrespondiert, finde ich anerkennenswert. Vielleicht sollte ich selber mal entspannt eins seiner Werke lesen, also eins, in dem ich nicht selber mitwirken muss.

Das klingt ja spannend. Können wir uns davon auch selbst überzeugen? Wo kann man Thomas denn demnächst mal live erleben?
B. L.: In jüngster Zeit in mehreren Biergärten und an Baggerseen. Im September steht anscheinend noch eine besondere Lesung unter den Ingolstädter Naturisten an.

4. Wir wissen ja schon, was Thomas so neben dem Schreiben treibt und wie er beim Schreiben vorgeht. Aber wie ist es bei dir? Was tust du so den ganzen Tag, das dazu führte, dass Thomas über dich schreiben musste?
B. L.: Nun, was ich neben meiner journalistischen Arbeit für unseren Zirkel tue, pardon, dieser Sachverhalt muss aus guten Gründen geschützt bleiben. Lass es mich so formulieren: Ich begünstige gewünschte Entwicklungen, ich stelle Weichen, ich korrigiere Fehler und ich beseitige Probleme. Autoren brauchen Figuren wie mich, weil von uns eine dunkle Faszination ausgeht. Gleichwohl werden wir von den handelnden Protagonisten respektiert und gefürchtet und sind somit auf vielerlei Weise einsetzbar. Ein Geschenk für jeden Autor.

5. Wenn du Thomas mal etwas Gutes tun könntest, was wäre das?
B. L.: Würde ich mich veranlasst sehen, ihm etwas Gutes zu tun, würde ich ihm mal anständige Klamotten zukommen lassen. Baumwoll-Hemden, Leinenhosen, Pareos, Jeans und Iron-Maiden-Shirts, das ist doch kein Stil. Daran sollte er arbeiten.

6. Gibt es einen Ort, den er unbedingt einmal sehen sollte?
B. L.: Schottland. Nicht nur, weil viele unserer Geheimlehren dort ihre Wurzeln haben, auch weil ihn eine Freundin dahinlocken möchte. Ihm etwas Gutes zu tun, wäre somit wohl auch, ihm einen Arschtritt in diese Richtung zu verpassen.

7. Der Film zum Roman! Na komm, lass uns ein wenig träumen (oder auch nicht). Wie sähe deine ideale Verfilmung deiner Geschichte aus? Wer müsste dich spielen? Wer sollte Regie führen? Dürfte Thomas das Drehbuch schreiben und einen Cameoauftritt haben oder besser nicht? Wer macht die Filmmusik? Und – natürlich ganz wichtig: Wer begleitet Thomas zur Oscarverleihung?
B. L.: Wer mich spielt, ist unwichtig. Mein Gesicht ist Rauch im Wind und nicht immer dasselbe. Es ist ein stilles Wässer, das je nach Sonneneinfallswinkel seine Erscheinung ändert und bei Dunkelheit komplett eins mit der Nacht wird. Manche Stoffe sollte man ohnehin nicht verfilmen, um nicht bestimmte Leute auf bestimmte Ideen zu bringen. Sollten wir an einer Verfilmung nicht vorbeikommen, würde ich Regisseur Paul Verhoeven den Teppich ausrollen. Der ist kompromisslos und hat Stil. In Sachen Musik würde ich für Angelo Badalamenti werben. Neumeiers Cameo-Rolle sollte dann einer der Bewohner der Pentagrammhütte sein. Am besten der schräge Safari-Typ, der fatalerweise die Tür aufmacht, als ... ach halt nein, das verrate ich jetzt lieber nicht. Zur Oscarverleihung sollte ihn Gillian Anderson begleiten. Das fände ich angesichts der okkulten Ausschweifungen recht trefflich.

8. Lass uns mal einen Blick in Thomas Schlafzimmer werfen ... Was liegt auf dem Nachttisch? Welche Kollegen liest er selbst gern?
B. L.: Diesen langweiligen Schweden mit seinen Orks und Elben. Nicht weiter erwähnenswert.

9. Bevor du uns wieder verlässt, kannst du uns noch schnell ein paar anstehende Neuigkeiten verraten? Wann können wir mehr von Thomas lesen?
B. L.: Sein Alpenkrimi TATZELWURM ist gerade bei Emons erschienen. Darüber hinaus ist bald das romatisch urlaubsreife ZUCKERMEER bei Oldigor zu erwarten. Zwei weitere Krimis, nochmal bei Emons und Oldigor, sind für Frühjahr 2016 angekündigt. Fleißiges Kerlchen, mein Autor, das muss ich zugeben. Da bin ich glatt geneigt, über seine eigenwillige Garderobe hinweg zu sehen.

10. Ein herzliches Dankeschön an Bernhard Lengenricht für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchten wir auch diesesmal dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Bernhard gesagt wurde.
Thomas: Hey, nichts gegen meine Leinenhosen und Maiden-Shirts!



Wenn ihr mehr über Thomas Neumeier erfahren wollt, besucht ihn auf seiner Facebookseite oder bei Literra. Der Roman "Mondlüstern" ist bei O'Connel Press erschienen. Der Roman "Tatzelwurm" wird bei Emons, der Roman "Zuckermeer" bei Oldigor erscheinen.


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