Sonntag, 27. September 2015

[INTERVIEW] Robert Krauss über Sören Prescher



Sören Prescher

Robert Krauss ist Ende zwanzig und ein aufstrebender Schriftsteller. Vier Phantastik-Romane hat er bereits veröffentlicht, für den fünften hat er die Korrekturen an den Verlag zurückgeschickt. Da die vergangenen Wochen deswegen recht stressig waren, freut er sich darauf, bei seinem Freund Daniel in Nürnberg auszuspannen. Wozu es leider nicht kommt. Wie man in meinem eBook-Krimi „Verhängnisvolle Freundschaft“ nachlesen kann, gibt es buchstäblich mörderische Verwicklungen.
Kennengelernt habe ich Robert während einer gemeinsamen Lesung. Er ist ein recht sympathischer Bursche und scheint ein ziemlicher Feinschmecker zu sein. Für ihn ist das Beste gerademal gut genug. Dass er in diesem Interview den Spieß umdrehen und über mich erzählen kann, gefällt ihm zweifellos gut. Ich will lieber gar nicht wissen, was er alles für Sachen ausplaudert …

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in ihr/sein Gesicht. 



1. Was können Sie uns zu Sören Prescher sagen - los, was müssen wir wissen?
Kommt darauf an, wonach genau Sie suchen. Ich weiß, dass er Schriftsteller ist, mit Frau und Kindern in Nürnberg lebt und ein leidenschaftlicher Film- und Musikfan ist, was mit seiner spärlichen Freizeit aber nicht immer gut zu vereinen ist. In der Regel ist er ein recht friedliebender Bursche. Außer wenn ihm jemand bei einer Lesung die Gummibärchen klaut. Aber wer würde so was schon tun … hehe …

2. Aha, Sie beneiden Sören Prescher also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?
 Beneiden wäre zu viel gesagt. Sören ist voll der Familienmensch, ich hingegen bin eher der Abenteurer. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich bin viel auf Reisen, er unternimmt viel mit seiner Frau und den vier Kindern. Wann immer wir uns sehen, ist es fast schon familiär. In seinem Haus herrscht allerdings immer Trubel. Vor allem die Kinder halten ihn ordentlich auf Trab.
Was ich nicht an ihm mag? Hmmh … Manchmal kann er ein kleiner Klugscheißer sein. Ich zieh ihn manchmal damit auf. Wenn man weiß, wie, kann das ziemlich amüsant sein. 

3. Das hört sich so an, als würde Sören Prescher nicht ununterbrochen schreiben - was macht er/sie denn in dieser Zeit?
Die wenigsten Schriftsteller können allein von der Schreiberei arbeiten. Ich arbeite halbtags in einem Werbebüro, er hingegen macht irgendwas Kaufmännisches. Verkauft Sachen quer über den ganzen Globus, hat mit Exportvorschriften und Versandbedingungen zu tun. Das ist nicht ganz so meins. Wenn wir uns sehen, reden wir eher über Bücher, Filme und gutes Essen.

4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert er/sie nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?
Es gibt einige Autoren, die er bewundert. Stephen King, Andreas Eschbach und F. Paul Wilson zum Beispiel. Außerdem Klassiker wie H.P. Lovecraft, Sir Arthur Conan Doyle und Mark Twain. Im Grunde genommen sind es die üblichen Verdächtigen, an denen kaum ein Autor ganz vorbeikommt. Ich kann das sehr gut nachempfinden.
Er hat mir mal verraten, dass er als Kind auch die alten Karl-May-Geschichten toll fand. Vor allem, dass May so detailliert über Regionen schreiben konnte, die er zuvor nie besucht hat. Ich glaube, das hat ihn schon etwas beeindruckt.

5. Gibt es Rituale, die Sören Prescher beim Schreiben anwendet? Hängt er/sie bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?
Berauschende Nahrungsmittel? Haha, der war gut. Sören trinkt nicht mal Wein. Wenn du ihm eine Schüssel voll Weingummis oder Haselnüsse hinstellst, kannst du dir sicher sein, dass sie in kürzester Zeit leer ist. In der Regel legt er sich beim Schreiben aber bloß eine Musik auf – manchmal Filmmusik, manchmal Rockalben. Alles, was von der Stimmung her passt – und wo nicht Deutsch gesungen wird. Das würde ihn zu sehr aus dem Konzept bringen. Was ich ebenfalls gut nachvollziehen kann.

6. Wie kam Sören Prescher auf Ihre Spur?
Wir kennen die gleichen Leute (will meinen: andere Autoren) und liefen uns bei Conventions und Lesungen immer wieder über den Weg. Da sind wir natürlich zwangsweise ins Gespräch gekommen und haben uns ziemlich schnell angefreundet.
Als ich bei meinem letzten Nürnberg-Besuch auf einmal in eine verzwickte Mordermittlung stolperte und nicht mehr weiter wusste, stand er mir mit Rat und Tat zur Seite. Daran sieht man, dass selbst eine „Verhängnisvolle Freundschaft“ seine positiven Seiten haben kann.
Vor kurzem hat mich Sören auf einer Lesereise durch die Region um Bautzen, Görlitz und Zittau begleitet und über meine Erlebnisse ein Buch geschrieben. „Wer mordet schon in der Oberlausitz?“, heißt es. Sollten Sie sich unbedingt mal anschauen.

7. Wissen Sie, ob er sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen seine Geschichten immer so?
Wie seine Geschichten entstehen, ist eine gute Frage. Mal inspiriert ihn ein Satz in einem Buch oder Film, mitunter ist es eine Unterhaltung. Ich habe es sogar schon erlebt, dass er mitten in einem Gespräch Zettel und Stift gezückt und sich was notiert hat. Für mich ist so was normal, aber andere Anwesende, die keine Schriftsteller im Freundeskreis haben, kann das schon irritieren. Faszinierend finde ich, dass sich Sören vom Genre her überhaupt nicht festlegt. Er schreibt Krimis genauso wie Horrorgeschichten. Selbst einen Liebesroman hat er verfasst. Das kann nicht jeder.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für den Autor?
Weil ich zuerst davon erfahren und mich vorgedrängt habe. Hehe … Wie oft bekommt man denn schon die Chance, hemmungslos über einen Kollegen herziehen zu können. Ich könnte Ihnen da noch Sachen verraten … Oh Mann …

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird er als Nächstes tun? Woran arbeitet er wohl gerade? Heckt er einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?
Sie kennen doch Sören. Er hat immer irgendwas in Arbeit. Meist mehrere Projekte gleichzeitig. Welche genau und wie weit sie fortgeschritten sind, verrät er nicht. Er erzählt mir auch immer erst davon, wenn die Geschichten fertig sind.
Als nächstes werden von ihm auf jeden Fall der zweite Teil seines Mysterythrillers „Marty“ erscheinen, außerdem ein zweiteiliger Horror-Roman namens „Die Wurzeln des Bösen“, den er mit Tobias Bachmann geschrieben hat. Ebenfalls ein Autor, den wir beide kennen. Manchmal ist die Welt echt ein Dorf …

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...



10. Ein herzliches Dankeschön an Robert Krauss für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich Sören Prescher selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Robert Krauss gesagt wurde.
Ich habe ja heimlich vom Nebenraum zugehört. Viel hinzuzufügen habe ich nicht. Robert hat das alles recht gut gemacht und entgegen seiner Androhung nicht zu viel aus dem Nähkästchen geplaudert. Da passt so.
Hinzufügen möchte ich nur, dass ich das „Wer mordet schon in der Oberlausitz?“-Buch, genau wie den Vorgänger „Wer mordet schon zwischen Alb und Donau?“ zusammen mit Silke Porath geschrieben habe. Und Anfang nächsten Jahres erscheint ein gemeinsamer Klosterkrimi mit ihr. Aber darüber zu gegebener Zeit mehr.
Vielen Dank für die Interview-Gelegenheit.




Wer mehr über den Autoren erfahren möchte, sollte ihn eimal auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite besuchen. Der Roman "Momentaufnahme" ist im Oldigor Verlag erschienen. Die Dilogien "Marty" und "Die Wurzeln des Bösen" erscheinen im rouven-finn Verlag.


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