Sonntag, 11. Oktober 2015

[INTERVIEW] Dr. Josefine Brenner über Susanne Ptak



Susanne Ptak

Verhört wird die zweiundsiebzigjährige ehemalige Rechtsmedizinerin Dr. Josefine Elisabeth Brenner. Den ersten Mordfall im Ruhestand löst sie gemeinsam mit ihrer Enkelin Jessica in „Mord in Greetsiel“. Grundsätzlich ist Josefine mehr eine Frau der Tat, als die von Worten und säße überhaupt auch viel lieber auf der anderen Seite des Tischs. Einfach gesagt, die Idee einer Befragung gefällt ihr nicht wirklich.

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in ihr Gesicht.

1. Was können Sie uns zu Susanne Ptak sagen - los, was müssen wir wissen?
 (Josefine hebt kritisch die Augenbrauen) Nun mal ganz langsam mit den jungen Pferden. Der Ton macht die Musik. Es gibt keinen Grund, auf Höflichkeit zu verzichten. Aber da ich vermutlich ohne zu antworten hier nicht rauskomme – bitte schön. Viel kann ich Ihnen ohnehin nicht sagen, denn wir kennen uns ja erst seit kurzer Zeit. Susanne lebt mit ihrem Mann, zwei Collies und dreizehn Schafen in einem hübschen kleinen Fehnhaus vor den Toren der Stadt Leer in Ostfriesland.

2. Aha, Sie beneiden Susanne Ptak also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?
 Na, direkt beneiden würde ich nicht sagen. Mein Haus in Düsseldorf ist ja auch recht hübsch. Wie ich schon sagte, wir kennen uns erst kurz und bisher ist sie mir eigentlich recht sympathisch, vor allen Dingen, weil sie, genauso wie ich, gerne strickt. Im Gegensatz zu mir kann sie allerdings auch noch mit dem Spinnrad umgehen.
Das einzige, was mich wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass sie mich in den Ruhestand verbannt hat. (Ein Grinsen breitet sich auf Josefines Gesicht aus) Aber da hat sie die Rechnung ohne mich gemacht. Wie sich gezeigt hat, löse ich auch als Rentnerin noch Mordfälle.

3. Das hört sich so an, als würde Susanne Ptak nicht ununterbrochen schreiben - was macht sie denn in dieser Zeit?
 Tsss. Manchmal frage ich mich, wann die überhaupt mal schreibt! Mein nächster Fall könnte schon längst geklärt sein, würde sie nicht ständig mit den Hunden durch die Gegend laufen, am Spinnrad sitzen oder sich mir irgendwelchen Freunden treffen, die sich mir noch nicht mal vorgestellt haben!

 4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert sie nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?
 Ich fürchte, da kann ich auch nichts berichten. Keine Vorbilder. Wenn ich vom schriftstellerischen ausgehe, dann liest sie Bücher so vieler unterschiedlicher Autoren, egal ob in Deutsch oder Englisch, dass ich unmöglich eine Tendenz feststellen könnte. Abgesehen davon ist die Gute ja auch schon einundfünfzig. In dem Alter hat sich das mit Vorbildern und Idolen doch meistens erledigt.

5. Gibt es Rituale, die Susanne Ptak beim Schreiben anwendet? Hängt sie bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?
Keine Musik – sie braucht Ruhe. Und auch wenn sie keine gebürtige Ostfriesin ist, immer eine Tasse Tee.

 6. Wie kam Susanne Ptak auf Ihre Spur?
 Bei einem Spaziergang mit den Hunden im nahegelegenen Wald.

7. Wissen Sie, ob sie sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen ihre Geschichten immer so?
 Ja. Sie sagt, dass sie dort richtig durchatmen könne und so den Kopf für neue Ideen frei hätte. (Josefine beugt sich nach vorne; ihr Gesicht nimmt einen verschwörerischen Ausdruck an) Ich weiß aber aus sicherer Quelle, dass die Idee für eine gewisse Britta und ihre Spinngruppe an einem verregneten Samstagmorgen auf dem Leeraner Wochenmarkt entstanden ist.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Susanne Ptak?
Das liegt doch wohl auf der Hand. Ich bin bei weitem die älteste und somit auch erfahrenste Protagonistin. Was ich nicht durchschaue, wird vermutlich auch kein anderer erkennen.

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird sie als Nächstes tun? Woran arbeitet sie/er wohl gerade? Heckt sie einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?
Na, die Weltherrschaft wird’s wohl nicht werden – das wäre ihr viel zu anstrengend. Und es würde auch völlig in die Hosen gehen, denn Führungsqualitäten oder gar Organisationstalent sind bei Susanne nicht vorhanden. Unter uns – die Frau ist ganz schön chaotisch… Sie soll mal lieber weiter schreiben, was sie ja auch hin und wieder tut. Gerade ist der 7. Band ihrer Spinn-Krimis „Familienmord“ erschienen. Und jetzt gerade – zumindest hoffe ich das – arbeitet sie an meinem neuen Fall.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...

10. Ein herzliches Dankeschön an Dr. Josefine Brenner für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Dr. Brenner gesagt wurde.
Danke schön. Auch an Josefine. Hat sie doch toll gemacht. Natürlich bin ich mit der Aussage, dass ich chaotisch sei, nicht so ganz einverstanden. Ich habe meinen Haushalt nicht besonders gut im Griff und mein Garten verwildert, okay, es bleibt auch sonst viel liegen – aber chaotisch? Der Tag hat einfach zu wenige Stunden!

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann sie auf Ihrer Homepage, ihrem Blog oder auf ihrer Facebookseite besuchen. Mord in Greetsiel ist im Klarant Verlag.


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