Sonntag, 25. Oktober 2015

[INTERVIEW] Hauke Holjansen über Andrea Klier


Andrea Klier

Hauke Holjansen spielt die Hauptrolle in der Ostfriesland-Krimi-Reihe von Andrea Klier.
Er hat dunkelblonde Haare, blaue Augen und liebt es, auf der Deichkrone spazierenzugehen und nachzudenken. Obwohl offen für vieles ist er ein nüchterner Mensch, und trotz seiner vorhandenen Intuition vertraut er lieber seinem messerscharfen Verstand.
In seinem ersten Fall, „Lazarusmorde“ agiert er noch als einfacher Kommissar, während er in  den Folgeromanen als Hauptkommissar ermittelt. Ihm zur Seite steht sein bester Freund und Kollege Sven Ohlbeck.
Über die Autorin zu reden, ist eigentlich nicht sein Stil, doch selbst einmal einem Verhör unterzogen zu werden, empfindet er als einen interessanten Perspektivenwechsel, deshalb lässt er sich darauf ein.

Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum. Die einsame Arbeitsleuchte auf dem glatten Tisch strahlt direkt in sein Gesicht.

1. Was können Sie uns zu Andrea Klier sagen - los, was müssen wir wissen?
Sie ist keine einfache Persönlichkeit. Ein Motiv zum Schreiben hat sie seit dem elften Lebensjahr, wobei sie sich im Laufe der Zeit natürlich weiterentwickelt hat. Aber obwohl sie keine professionelle Ermittlerin ist, wie ich oder Sven, hat sie uns gegenüber einen Vorteil. Sie kann Situationen intuitiv richtig erfassen und behält in den kritischsten Lagen einen kühlen Kopf. Einzige Ausnahme, die ich bisher miterleben konnte, war der Ausfall des Internets während einer Lektoratsbesprechung. Sie werden verstehen, dass ich dazu, aus verständlichen Gründen, keine näheren Angaben mache. Dass sie als Hebamme beruflich begann, um dann heute in Verbrecherkreisen zu landen, mag den einen oder anderen erstaunen. Vielleicht lag es an ihren Jahren in Amerika, vielleicht aber auch an der Zeit in Ungarn. Genau lässt sich das nicht festmachen. Frei sein und doch sich selbst an Regeln halten. Bewundernswert!

2. Aha, Sie beneiden Andrea Klier also um etwas? Oder schlimmer, es gibt etwas, was Sie gar nicht leiden können? Wir haben also ein Motiv?
Wissen Sie, ich denke, das ist ihr Glaube an die Menschen oder genauer, an das Gute im Menschen. Ich persönlich habe da im Laufe meiner Ermittlungen andere Erfahrungen gemacht, aber wie gesagt, diese Frau ist in dieser Richtung unbelehrbar. Für ihr Fingerspitzengefühl und ihren Weitblick spricht selbstverständlich, dass sie mich und Sven als Ermittler ausgewählt hat, um die schwierigsten Fälle zu lösen. Aber ich muss auch einräumen, dass sie manchmal mitten in einer kritischen Situation die Tastatur beiseite schiebt, um nachzudenken. Das ist etwas, was ich gar nicht leiden kann.

3. Das hört sich so an, als würde Andrea Klier nicht ununterbrochen schreiben - was macht sie denn in dieser Zeit?
Wie gesagt, sie denkt nach. Nicht, wie ich, auf der Deichkrone, sondern indem sie spazieren geht, Tiere beobachtet oder einfach einen Kaffee trinkt. Und ihre Lesebegeisterung kann man schon beinahe als Sucht bezeichnen. Krimis, Liebesromane, von Georgette Heyer bis zu Agatha Christie, auch Fachbücher aller möglicher Art. Dabei findet sie auch noch Zeit, um leckere Kochrezepte auszuprobieren und die Familie, d.h. ihre Tochter und den Mann nicht zu vernachlässigen. Eine echte Herausforderung manchmal, und bei all dem bleibt sie stets geduldig. Wenn ich da an Maxi denke, die neueste Plage in meinem vierten Fall. Ich habe diese Ruhe nicht, aber sie hat eben auch die richtigen Vorbilder.

4. Ein Trittbrettfahrer? Welchem Vorbild eifert Andrea Klier nach? Ist das nur schriftstellerisch so, oder auch im »normalen« Leben?
Ein Trittbrettfahrer ist sie nicht und war sie auch nie gewesen. Ich glaube, das könnte sie gar nicht, selbst, wenn sie es wollte. Es widerspricht ihrem Naturell. Ihre Vorbilder sind Menschen, die andere Menschen akzeptieren, die bei Problemen nicht nur reden, sondern handeln und auch versuchen, etwas zu tun. Sie träumt von einer Welt, in der es ohne Gewalt abgeht. Sie selbst hält sich daran, wobei die harte Realität, besonders in Ostfriesland, dann von mir und Sven erledigt wird.

5. Gibt es Rituale, die Andrea Klier beim Schreiben anwendet? Hängt sie bestimmter ritualistischer Musik an, oder gibt es irgendwelche berauschende Nahrungsmittel, die stets griffbereit liegen müssen?
Ich habe oft darüber nachgedacht was ihr, wie Sie es nennen, Ritual sein könnte. Wenn sie es nicht vergisst, zündet sie vor dem Schreiben eine Kerze an.
Sie hat einmal gesagt, das Schlimmste ist der Anfang und vor einem leeren Bildschirm zu sitzen. Aber wie es dann kommt, dass nach Wochen harter Arbeit ein mehrere hundert Seiten langes Manuskript entstanden ist, erstaunt mich immer wieder. Leider gibt es keine Zeugen, die den Tathergang genauer beschreiben könnten, obwohl das gerade mich, als Betroffenen besonders interessieren würde.
Was Musik angeht, da hat sie ein etwas breiteres Spektrum. Angefangen von Klassikern wie Vivaldi, Beethoven über Lehár, Elster Silberflug, Reinhard Mey bis zu hierzulande noch recht unbekannten Interpreten wie Anni Lorak. Während des Schreibens braucht sie jedoch Ruhe.
Bei Nahrungsmitteln: Na ja, sie war dreißig Jahre lang Vegetarierin und ist aus Liebe zu den Tieren und der Achtung vor unseren fühlenden Mitgeschöpfen ganz vegan geworden. Trotzdem ist für sie gutes Essen ein wichtiger Aspekt des Tages. Berauschende Nahrungsmittel wären ein trockener Sherry oder ein gutes Glas Wein am Abend, wobei sie eindeutig den Wein aus der Chianti Gegend bevorzugt.

6. Wie kam Andrea Klier auf Ihre Spur?
Ich denke, es war, wie man so sagt, gleich Kontakt da. Es fing wohl in Emden an. Damals war ihre Tochter noch nicht geboren und sie verbrachte einmal mehrere Tage an der Nordsee.
An dem bewussten Tag machte sie einen Spaziergang am Strand, es war gerade Ebbe.
Sie muss wohl in Gedanken versunken gewesen sein, denn sie hat mich nicht gleich bemerkt. Erst als eine Gruppe von lachenden Touristen an ihr vorbeizog, sah sie auf und erkannte mich, wie ich gerade mit Laura telefonierte. Irgendwie muss ich sie wohl beeindruckt haben, und so  sind wir ein Team geworden. Jetzt stöbert sie die Fälle auf, und ich muss sie gemeinsam mit Sven lösen.

7. Wissen Sie, ob sie sich Ihre Opfer immer auf diese Weise aussucht, entstehen ihre Geschichten immer so?
Leider nicht, sonst hätten wir ja ein Muster und damit wäre sie als Täterin rasch überführt. Na ja, gewisse Grundmuster sind schon da, aber jeder Fall für sich ist doch wieder ganz anders, was die Sache für mich auch nicht leichter macht.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Verhör mit Ihnen, was macht Sie so besonders für Andrea Klier?
Warum Sie das Verhör mit mir führen? Weil ich einfach neutral sein kann. Sie wäre bestimmt etwas zurückhaltender und Sie hätten nur einen Teil der Informationen erhalten, die Sie jetzt von mir bekommen haben.
Was mich so besonders für sie macht? Meine friesische Zurückhaltung verbietet mir darauf zu antworten. Nur so viel dazu: Sie mag mich, weil ich Intuition und Verstand miteinander vereine, und vielleicht sind wir uns innerlich doch ähnlicher als man vermuten könnte. Vielleicht, weil ich das tue, was sie gern tun würde. Sven ist da ähnlicher Ansicht. Aber ganz sicher kann man da nie sein.

9. Schauen wir uns doch einmal die Beweise an: Was wird sie als Nächstes tun? Woran arbeitet sie wohl gerade? Heckt sie einen Plan zur Ergreifung der Weltherrschaft aus? Wann werden wir neue Hinweise erhalten?
Geplant ist einiges, auch viele Krimis mit mir, und an dem nächsten arbeitet sie schon. Aber wenn sie dieses Verhörprotokoll liest, dann könnte es mir passieren, dass ich im nächsten Roman das Opfer werde.
Was die Ergreifung der Weltherrschaft angeht, ist sie nicht anders als der Rest der Welt. Natürlich will sie das, und ich glaube, sie wäre gar keine schlechte Weltherrscherin. Sie wäre streng aber gerecht. Und wenn es doch mal zu einem Verbrechen käme, dann hat sie ja mich und Sven, also keine Gefahr.

Knipst die Lampe aus und lehnt sich zurück ...

10. Ein herzliches Dankeschön an Hauptkommissar Hauke Holjansen für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Hauptkommissar Holjansen gesagt wurde.
Da Hauke sowieso immer das tut und sagt, was er für richtig hält, habe ich dem Verhör, zumindest, was mich betrifft, nichts mehr hinzuzufügen.

Es gibt nur noch eines zu erwähnen, und das betrifft Aumund, den Ort des Kommissariats von Hauke und Sven.
Aumund ist ein fiktives Städtchen in Ostfriesland, das ich zwischen Aurich und Großes Meer angesiedelt habe, und das in Wirklichkeit nicht existiert. Bis auf Aumund (zusammengesetzt aus Aurich und Wittmund) sind aber alle anderen im Roman beschriebenen Orte real, und genau dort, im echten und wirklichen Ostfriesland, spielt auch die Handlung.

Das wollte ich noch loswerden, und ich bedanke mich bei euch allen ganz herzlich für dieses originelle Interview und wünsche den Lesekatzen auch weiterhin viel Erfolg.


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren möchtet, besucht sie doch einmal auf ihrer Homepage. Die Ostfriesland-Krimi-Reihe erscheint im Klarant Verlag.

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