Sonntag, 4. Oktober 2015

[INTERVIEW] Sarandrea über Tobias Bachmann

Tobias Bachmann



Sarandrea ist die wohl bestaussehendste junge Frau Münchens. Nun, ob sie wirklich jung ist oder bereits uralt (oder überhaupt eine Frau), kann man nicht so genau sagen, denn sie behauptet von sich selbst, ein Sukkubus zu sein. Ein lüsternes Wesen, das andere Menschen gefügig macht, in dem es mit ihren intimsten Wünschen spielt. Im Erotik-Thriller SUKKUBUS - TÖDLICHE LEIDENSCHAFT wird darüber erzählt, wie sie als Hohepriesterin des sogenannten Sukkubus-Ordens eine ganze Riege hochbetuchter Manager in einen Sog aus sexuellen Ausschweifungen treibt, wobei einige von ihnen dabei den Tod finden. Dies treibt den glücklich verheirateten Privatschnüffler Alvin Mauser auf den Plan, der sich an ihre Fersen heftet und dabei ihren eindeutigen Reizen erliegt. Sarandrea ist eine, die es bis zum äußersten treibt. Sie ist gefährlich und verführerisch. Tödlich, wenn es sein muss. Man sollte sich vor einem Sukkubus hüten. Immerhin handelt es sich dabei um einen waschechten Dämon. Und da es Dämonen lieben, den Spieß einmal umzudrehen, war es ein leichtes, Sarandrea für dieses Interview über ihren Verfasser zu gewinnen.


Willkommen, nimm Platz *Küsschen, Küsschen* bitte bedien dich doch an den Keksen und der Milch. Und wenn wir fertig sind, zeige ich dir meine Schuhsammlung – wenn das kein Anreiz ist?

Reizen würde mich etwas ganz anderes. Schuhe gefallen mir nämlich am besten, wenn man sie auszieht. Mit meinen baren Füßen kann ich Dinge anstellen, bei denen normale Menschen mit ihren Händen überfordert sind.

1. Stell uns Tobias Bachmann doch erst einmal kurz vor.
Nun, er hat mich ja quasi erfunden. Glaubt er zumindest. In Wirklichkeit habe ich mich in seine Träume eingeschlichen. Ich habe ihm meine Geschichte im Schlaf diktiert. Das war recht einfach, denn Tobias ist ein leidenschaftlicher Träumer. Er schreibt ja überwiegend diese phantastischen Sachen und da lässt er sich gerne durch seine Träume beeinflussen. Dass die Träume, die ich ihm implizierte, eher erotischer Natur waren, versteht sich von selbst.
Er ist ein Stimmungsschreiber. Verkriecht sich in sein Arbeitszimmer im Keller und hängt seinen literarischen Spinnereien nach. Als er den SUKKUBUS geschrieben hat, war seine Frau gerade schwanger und so hatte ich leichtes Spiel.

Und Schuhe? Liebt er Schuhe?

Nein. Daheim läuft er meistens barfüßig rum. Er hat nicht viele Schuhe. Hässliche Schlappen, ein paar Latschen und ... nein, Schuhe sind ihm egal. Aber mir auch, wenn ich ehrlich bin. Es gibt weitaus interessantere Kleidungsstücke, die man ausziehen kann.

2. Was denkst du über Tobias, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Bewundernswert ist seine Beharrlichkeit und Ausdauer, gerade in literarischen Dingen. Du musst dir das so vorstellen. Er kann ja leider noch nicht von seiner Schreiberei leben. Also arbeitet er zum Geldverdienen in seinem erlernten Berufsfeld in der Kinder- und Jugendhilfe. Als er den SUKKUBUS geschrieben hat, arbeitete er noch im Schichtdienst. Und absolut irre finde ich, wenn er nach einem 24-Stunden-Dienst nach Hause kommt, dort mit seinen Kindern spielt, abends seine Frau glücklich macht und sich dann die ganze Nacht mit seinen Phantastereien um die Ohren schlägt. Zwar ist er ein wenig Banane, wenn er tags darauf dann nach viel zu wenig Schlaf kaum noch was auf die Reihe bringt, aber in sich zufriedener, als wenn er nicht geschrieben hätte. Da steckt ein ganz großes Leistungsspektrum in dem Kerl. Durchhaltevermögen. Er schreibt ja schon seit vielen Jahren. Ich glaube, 1998 hat er sein erstes Buch veröffentlicht. Tobias hat Ideen und die nötige Motivation und Ausdauer, diese zu Papier zu bringen. Wäre er nicht auf den Broterwerb angewiesen, würde er weitaus mehr und umfangreicher und anspruchsvoller in Erscheinung treten. Aber er muss ja auch seine Familie ernähren und seine Frau hält ihm den Rücken frei. Ohne die würde das alles gar nicht so funktionieren, sagt er. Da könnte ich fast ein wenig eifersüchtig werden.

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Arbeiten. Das ist ja das verrückte. Oder er spielt mit seinen Kindern. Drei Töchter hat er, wobei die erstgeborene nicht bei ihm lebt, sondern nur alle zwei Wochen bei ihm ist. Ein Zustand, den er immer wieder bedauert, aber mit dem die gesamte Familie sich gut arrangiert hat. Tobias ist also voll der Familienmensch, obwohl er selbst das sicherlich abstreiten würde. Er selbst sieht sich ja als Künstler durch und durch. Er hat ja auch noch ein Musikprojekt, das BETZ-BACHMANN-SYNDROM, mit dem er Darkambient, Gothic-Jazz und düstere Texte komponiert. Er hat eine riesige Bibliothek, kommt aber kaum zum Lesen und eine ebenso große Plattensammlung, wobei er kaum zum Anhören kommt. Freie Zeit ist wirklich Mangelware in seinem Leben. Ab und an kompensiert er das dann durch auffälliges Verhalten auf Partys. Das hat aber mit dem Alter nachgelassen. Er geht ja nun schon auf die 40 zu. Sieht dafür aber noch immer umwerfend gut aus. Aktuell möchte er wieder mehr Sport machen, um seinen Körper wieder fit zu bringen, wie er behauptet.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben? Und wie sieht es mit dem Kleiderschrank aus, ist er ordentlich?
Ordnung findest du da nicht. In seinem Arbeitszimmer, ja. Nach jedem abgeschlossenen Projekt räumt er auf und sortiert all die Tausend Notizzettel und dergleichen aus. Aber im häuslichen Bereich ist er der total schlampige Mensch.
Vorbilder gibt es sicherlich einige. Clive Barker ist einer seiner Lieblingsautoren. Der schreibt ja auch gerne etwas unterhalb der Gürtellinie. Das sind ja auch die Szenen, die es im SUKKUBUS so in sich haben und die mir persönlich sehr gefallen. Tobias selbst legt ja viel Wert darauf, dass das Buch als Thriller angesehen wird. Aber dafür geht es viel zu oft viel zu heiß her.
Ansonsten hat ihn dieser Lovecraft inspiriert und Edgar Allan Poe und Jules Verne. Aber er mag auch Philip K. Dick sehr gerne und liest auch Sachen, die nicht phantastisch sind, etwa Umberto Eco oder Krimis von Georges Simenon. Aber Vorbilder zu nennen, ist eher müßig. Tobias macht sein eigenes Ding. Und das ist gut so.
 
5. Gibt es Rituale, die Tobias beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Meistens hört er instrumentale Musik, etwas das zur Szene oder zur Stimmung des aktuellen Textes passt. Düster muss es sein. Ambient, oder Jazz, manchmal auch Klassik. Sehr oft diese sonderbare Gruppe namens BOHREN & DER CLUB OF GORE, von denen er behauptet, sie würden den perfekten Soundtrack seiner Schreibnächte erschaffen. Aber solche Sachen hört er eigentlich nur zur Unterstützung seiner kreativen Prozesse. Dann trinkt er Literweiße schwarzen Kaffee oder trinkt ab und an mal ein Glas schweren Rotweins. Rauchen tut er leider - zuviel. Er versucht es sich abzugewöhnen, aber das ist schwer, das wissen wir ja. Das Essen vergisst er beim Schreiben gerne mal. Die Realität auch.

6. Wie hast du ihn kennengelernt? Details, wir brauchen Details...
Ich sagte ja bereits, ich bin ihm im Traum erschienen. Habe ihn dabei gestreichelt ... ja, genau da ... und am nächsten Tag hat er quasi die gesamte Romanhandlung in Form eines Exposés aufs Papier ejakuliert. Entschuldigt bitte meine Wortwahl, aber ich bin ein Sukkubus und habe eindeutige Interessen. Seine Agentin hat den Stoff dann an einen passenden Verlag vermittelt und das Schreiben ging dank meiner Hilfe quasi von selbst. Auch wenn er mich zuerst gar nicht richtig wahrgenommen hat. Es dauert ein bisschen, bis das Buch in Fahrt kommt, finde ich. Wie bei gutem Sex ... Ein langes Vorspiel ... für den noch längeren Hauptgang, dem ein romantischer Abschluss folgt ...

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Ich gehe stark davon aus, dass es bei anderen Charakteren anders abläuft. Dass ich mich ihm so aufgedrängt habe, war vielleicht ein wenig unanständig von mir. Ich weiß aber, dass er gerne andere Menschen beobachtet. Verschiedene Menschen und Szenerien bündeln sich dann bei ihm, bis es regelrecht aus ihm herausplatzt. Er geht da sehr intuitiv und nach Bauchgefühl vor. In meinem Fall aber - ein ganz besonderer Fall - da war es anders. Knisternd. Prickelnd. Heiß. Ich habe ihn ganz schön ins Schwitzen gebracht, so wie ich es nun mit den Lesern des SUKKUBUS anstelle.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Tobias so besonders?
Nun, er hat wohl seine Chance gewittert, durch das Schreiben eines Erotik-Thrillers seine wildesten Fantasien zu bündeln und unter der Tarnung eines Romans festzuhalten. Ich würde das Experiment mit ihm gerne fortführen und ihn zu einer Fortsetzung bringen. Aber dazu benötige ich die Kraft der Leserinnen und Leser. Davon benötigt er viel viel mehr. Ich habe ein wenig Angst und Sorge, dass dieser wunderbare Roman in der Masse anderer Bücher untergeht. Das muss ich verhindern und deswegen habe ich dir im Traum mitgeteilt, dass du mich mal interviewen solltest.

9. Werfen wir doch mal einen Blick ins Lifestyle Magazine: Welche neuen Trends wird er hervorbringen? An welchen Designerstücken wird aktuell gearbeitet? Wann dürfen wir ihn wieder auf dem roten Teppich bewundern? Und ganz wichtig: WER wird ihn auf dem roten Teppich begleiten?
Na das ist doch einfach. Der gute Mann ist gegenwärtig literarisch so umtriebig, dass man eigentlich nicht an ihm vorbeikommt. Zunächst erscheint da jetzt mit TOTGETRÄUMT ein Urban-Fantasy Roman im Oldigor Verlag. Gemeinsam mit Sören Prescher hat er für den Rouven-Finn-Verlag eine Horrordilogie geschrieben, die den Titel DIE WURZELN DES BÖSEN trägt. Außerdem erscheint im Fabylon Verlag ein Science-Fiction-Roman namens GYNOID. Und auch für nächstes Jahr hat er bereits Verträge unterzeichnet. Mit seinem Musikprojekt arbeitet er am zweiten Album und die Frage nach dem roten Teppich: nun, da müsst Ihr euch auf den einschlägigen Cons umsehen. In Marburg und Dreieich ist er ein regelmäßiger und gerngesehener Gast. Dort geht er oft alleine hin, also ohne Begleitung. Dennoch ist seine Familie meist dabei, jedoch unternehmen die dann tagsüber etwas anderes. So eine Convention kann für Kinder ja ganz schön langweilig sein.

10. Ein herzliches Dankeschön an Sarandrea für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Sarandrea gesagt wurde.
Sarandrea ist ein Dämon. Glaubt ihr kein Wort. Den Roman SUKKUBUS habe ich nur geschrieben, um mit dem Dämon abzurechnen. Ich wollte ihn aufhalten in seinem verderblichen Tun. Nach diesem Interview bin ich mir nicht recht sicher, ob mir das gelungen ist. Vielleicht muss ich ja doch noch eine Fortsetzung schreiben.



Wenn ihr mehr über den Autor erfahren wollt, besucht ihn doch einmal auf seiner Homepage, bei Facebook oder folgt ihm auf Twitter. Der Roman "Sukkubus" ist bei Elysion-Books erschienen. Wie schon von Sarandrea erwähnt, gibt es aktuell von Tobias Bachmann noch "Totgeträumt" aus dem Oldigor Verlag. Über "Die Wurzel des Bösen" könnt ihr euch auf der Seite des Rouven-Finn-Verlags informieren, mehr zu "Gynoid" erfahrt ihr beim Fabylon Verlag.

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